Mittwoch, 13. Oktober 2010

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

Sagt man - so lapidar.
Mag ja grundsätzlich auch stimmen. Und auf die meisten Menschen zutreffen.
Bloss bei mir streikt diese Weisheit.
Nicht querbeet. Aber was das Thema Tanken angeht, auf jeden Fall.

Mit 14 Jahren habe ich ein Mofa geschenkt bekommen. Ich sehe es noch heute vor mir – es war ein MAXI PUCH, knallorange und mein ganzer Stolz.
Und immer wenn ich zur Tankstelle fuhr, schämte ich mich schon im Voraus. Es ist nämlich so: Als der liebe Gott das unfallfreie Tanken-Gen verteilt hat, war ich gerade auf dem Klo. Ich hatte damals diesen fiesen Noro-Virus und habe gleichentags auch noch das unfallfrei Essen-Gen verpasst … ihr wisst ja.

Gestern war es wieder mal soweit. Ich startete meinen Roller – und das gelbe Licht leuchtete auf. Aha! Tanken ist angesagt! Gleichbedeutend mit: „Fränzi Sternenzauber, Du fährst jetzt ohne Umwege und sofort zur nächsten Tankstelle und gibt’s dem Giovanni Vespa einen ordentlichen Schluck vom Bleifrei 95. Sonst bleibst Du wieder irgendwo in der Pampa liegen. Wie auch schon“.

Gut gut, ich bin ja nicht beratungsresistent. Zumindest meist nicht. Auf dem Weg zum Bahnhof liegt ja auch diese Tankstelle. Gesagt - getan: Kurz nach 06.00h stand ich an Zapfsäule 3.


Gut gelaunt, frohen Mutes, ein Liedchen pfeiffend, mich auf den Tag freuend, frisch geduscht, die neue Jeans zur Schau tragend, die rosa Wildlederjacke, die schwarzen Stiefel und duftend nach diesem herrlichen Parfum, welches ich im Duty-Free auf Rhodos gekauft habe – nach Blumenwiese und Moschus-Ochsen duftet es, nach Teilen davon zumindest.
Mhhh … so fein!

Also: erst mal den Sitz vom Roller hochklappen. Da ist einerseits die Kuhle für Helm, Handschuhe, Taschentücher, Reservelippenstift, Notizbuch, Regenschutz, loses Kleingeld, Sonnenschutz, Visitenkarten, trockenen Keksen, dicke Socken (?), leichte Jacke (ah DA ist die!) … und andere Kleinigkeiten. Diskussionslos überfüllt.
Daneben befindet sich der Einfüllstutzen für das Benzin.
Nicht gut. Warum – das werde ihr gleich lesen.

Ich wählte zwischen DIESEL, SUPER und BLEIFREI 95, fügte den Zapfhahn sachte in den Tankstutzen und drückte so sanft wie nur möglich auf den Hebel, den unseligen. Erfahrungsgemäss gurgelt es dann erst mal. Und so ein paar Tropfen plumpsen in den leeren Tank. Etwas mutiger drücke ich etwas fester. Lange kommt nix. Und dann kommt’s! Ein Schwall stinkiges, grausliges, in den Augen brennendes Benzin schwappt aus dem Zapfhahn. Teilweine in den Roller, teilweise über den Roller, teilweise ins Helmfach über all die lebenswichtigen Kleinigkeiten, spritzt mir über Hände, Jacke, Hose, Stiefel. NEIN! Nicht schon wieder. Ich habe doch extra aufgepasst!


Ab da flutscht das Benzin glucksend dorthin wo es hingehört, als wäre nix passiert: In den Tank. Harmlos, unauffällig, völlig unspektakulär. Ich könnte dann jeweils schreien. Wenn ich könnte. Ich kann aber nicht, da der Stinknebel des über mich ausgekippten Benzins mir die Luft raubt. Mir ist dann schlecht! Auch aus lauter Ärger.
Sind dann die 3 Liter Benzin im Tank – was sich darin äusserst, dass der letzte Deziliter oben raus schwappt und zischend über den Auspuff tropft, wie könnte es anders sein! , gehe ich rein an die Kasse und begleiche meine Rechnung (bezahlen muss ich 4 Liter! Ihr wisst ja jetzt, weshalb!)
Die Dame schaut mich dann immer mitleidig an und rundet den Betrag stets nach unten.

Anschliessend tuckere ich weiter zum Bahnhof und wundere mich nicht mehr, dass ich alleine stehe. Der Blumen-Moschus-Duft ist einem eindrücklichen Eau d’unloaded 95 gewichen. Ich habe den Charme einer ölig-verschmierten, stinkenden Tanksäule und werde weiträumig gemieden.
Das Gute: Kein Mensch würde sich getrauen, in meiner Nähe eine Zigarette anzuzünden …
Im Zug werde ich nasenrümpfend ausgegrenzt, man meidet mich wie die Beulenpest. Besonders liebe ich solchen Momenten ehrliche Kleinkinder: „Mami, warum riecht die Frau nach Auto und Einstellhalle? Und warum hat die so dreckige Kleider?“
So schnell mutiert man von Duftbombe zu Dreckschleuder. Von angenehmer Erscheinung zu Zumutung.
Ich möchte diese Frage dann nicht beantworten, tue jeweils so, als fühlte ich mich überhaupt nicht betroffen und blicke vorwurfsvoll den Teenie mir gegenüber an, welcher die Jeans auf Kniehöhe und sein Käppi am Hinterkopf trägt.
Schaut DEN an – nicht MICH! DER hat heute Morgen nicht geduscht. ICH schon. Auch wenn niemand mir diese Tatsache in dem Moment glaubt …


Kaum trete ich in der Firma durch die Türe, werde ich mit einem herzlichen „heute schon getankt?“-Grinsen empfangen. Und zur Schmirgelseifenstation geleitet. Zumindest mal Hände waschen. Sonst kann ich ja nicht mal unseren Kunden anständig die Hand reichen.
Eine Frage der Zeit, wann mich meine Mannen zum Abgastest aufbieten ...!

Auf Rhodos ist mir das nie passiert. Noch gar nie! Warum?
Dort stellt man sein Gefährt einfach an die Zapfsäule und schon kommt ein Jüngling mit eindrücklicher Duftmarke angetrabt, füllt selbstständig das Gewünschte in den Tank und entlastet somit Menschen wie mich. Fazit:

ICH WILL NACH RHODOS!

Kommentare:

die Malerin hat gesagt…

Fränzi, Du bist ja heute wieder in Hochform. Die Tränen stehen mir in den Augen und die Bauchmuskelatur, einschließlich Zwerchfell fängt an zu flattern. Was würde ich nur ohne Dich tun. Vielleicht sollte ich Dir ein Stück handgesiedetete Kaffeeseife zukommen lassen, die nimmt garantiert jeden Geruch und ich denke so nach Latte Machiatto duftend gefällst Du Dir ´bestimmt gut.
liebe Grüße Lydia

Heidegeist hat gesagt…

Oh liebe Franzi. Da fühle ich mit dir. Aber du konntest wenigstens noch weiterfahren. Ich hatte mal statt Super Diesel getankt. Motor kaputt.... LG Inge

pierre hat gesagt…

pächvogu :-(
trotzdäm ä schöne tag.
gruess
pierre

alice hat gesagt…

ich rieche dich förmlich...und mir wird ein bisschen übel, was sag ich da...kotzübel, man verzeihe mir! :-)
Die lebende Tanksäule, Fränzi, du machst Sachen.....Vielleicht gibts ja irgendwo so einen Benzin-in-den-Tank-und-nicht-auf-die Hose-Kurs?

Ich werde mich mal schlau machen, und wenn ich was finde, darf ich dich da gleich anmelden?
Ich mag solche Geschichten, die man beim Lesen gleich miterlebt! Nur, die wohlriechenden sind mir noch einen Ticken lieber!
Liebi Grüessli, Alice

Birgitt hat gesagt…

...mein Vorschlag für dich, liebe Fränzi, wäre ein Fahrrad - obwohl, beim Luft aufpumpen könnte...:-)
Deine Beschreibungen lassen vor meinem inneren Auge einen Film ablaufen, es macht sooo Spaß in deinem Geschichtenhimmel, danke!!!
Liebe Grüße von Birgitt

Schneeflocke hat gesagt…

Habe wieder herzlich gelacht - wie beinahe immer, wenn ich deine Geschichte des Tages lese *ggg*.

Herzlich Grüße, Birgit

Smilla hat gesagt…

oh Schwester!! ich fahre auch immmmmer bis zum letzten Tropfen aus... mein mari wird immer ganz nervös, wenn ich ihm beteuere, dass es noch ein Weilchen reicht.... Bin bis jetzt, 13.10.2010 13:11h!!! noch NIE stehen geblieben.... was heisst dass mein Gefühl untrügerisch ist!!!
-und genau wegen dem Gestank bin ich auch so auf dem letzten Drücker!!! Habe in meinem doch schon beachtlich langen Leben bestimmt schon 17 Tankstellenbesuche eingespart!!!
Sei herzlich gegrüsst und mit einem breiten Lächeln beglückt! Deine bbbbb

WortSchmid hat gesagt…

Wieder einmal ein riesengrosses Dankeschön für ein bisschen herzhaftes *Giggele* an so einem grauen Nebeltag! :-D
Grüessli,
WortSchmid

Nici Angel hat gesagt…

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!
Du tust mir echt leid, aber ich musste sowas von lachen.
Sorry, Sorry Sorry ....
gglg Nici

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Ihr Lieben Allen - herzlichen Dank für die Kommentare! Und ich freue mich, wenn ihr lacht ... mit mir, wegen mir. Ich lach mit und es fühlt sich sooooo gut an!

♥licher Lächelgrüesslis und einen ganz schönen Abend

Franziska Sternenzauber

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