Mittwoch, 30. Juni 2010

DOSEN-FOOD FOR HAPPYNESS

Hey - ihr Lieben!
Dank starker Medikamente konnte ich diese Nacht richtig gut durchschlafen. Wie auf Sternen gebettet. Sozusagen. Muss gleich los ins Krankenhaus, weitere Untersuchungen stehen an. Aber was soll mir da schon passieren - ich nehm euch ja mit. Sozusagen als Glücksbringer.

Und weil ihr so dankbare Abnehmer meiner Konserveninhalte seid, wage ich es doch glatt, euch heute die spezielle Kater-Dose zu servieren. Meine allererste Geschichte - und sie gefällt mir noch heute gut.
Bin gespannt, wie ihr die Sache verdaut.
Und ... morgen ist dann mal kein Termin im Krankenhaus - und Lust auf eine neue, frische Geschichte - zubereitet à la minute - hätte ich auch. Das Thema prima passend. Ihr werdet lesen!
So - und nun nehme ich den Dosenöffner, die Kater-Dose-Geschichte, mach den Deckel weg und drapiere es schön angerichtet auf den Teller. Für 2 Minuten in die Mikrowelle, frische Petersilie darüber gestreut - und fertig ist die Herrlichkeit. Lasst es euch schmecken.

Bei uns sagt man : E Guäte - was soviel heisst wie guten Appetit.



GIANNI VERSACE VERSUS VOLTAREN

Ich nenne ihn meistens liebevoll Schatz. Oder Kater. Bei grosser Sehnsucht Katerli.
Und ich liebe ihn.

Meine Erinnerungen gehen zurück zu den Tagen des ersten Beschnupperns.
Anzufügen ist, dass wir uns vorab stundenlang in Mails beschrieben, anschliessend am Telefon stundenlang beredet und letztendlich kurzentschlossen beraten haben: Er besucht mich. Deutschland besucht die Schweiz.
Zum Schnupperwochenende.

Oh... ohhh... wie erinnere ich mich an den ersten Abend - als er voller Elan und der Geschmeidigkeit einer Raubkatze mein Schlafzimmer betrat.
Er - der mein Held werden wollte. Er - der mein Held werden sollte.
Ein Hauch von Gianni Versace umduftete seinen Körper (Adonis muss in diesem Moment vor Neid erblasst sein...). Ich wette, er hat sich gerade ein paar Sekunden vorher hinter der verschlossenen Klotüre mit dem teuren Duftwässerchen eingenebelt. Sämtliche Rezeptoren (auch Sinneszellen genannt) meines empfindlichen Näschens haben JA geschrien und oléoléolé gesungen. Meine Finger haben sich ins Duvet gekrallt, ich hab tief eingeatmet und lange nicht wieder ausgeatmet.
Was für ein Mann!
Meine Augen folgten ihm gierig - erst wie er in der Türe stand, dann seinen federnden Gang bestaunend, wie er leichten Schrittes das Bett umgarnte, ja umgarnte! Jeder Andere hat es bloss umrundet, umgangen. Er umgarnte.
Seine dunkelblaue BOSS-Shorts lässig XL.

Und das Lächeln ... eine pure Einladung des Sternenhimmels, ein Versprechen des Universums - verbunden mit der tiefgründigen Unendlichkeit seiner mir die Welt zu Füssen legenden Blicke aus diamantbestäubten, traumumnebelten Ozeanaugen.

"Sei jetzt stark, Du autarkes Weib" - sagte mein Inneres. Das war ich auch - und ergab mich sofort, ohne Widerstand. Gegenwehr absolut zwecklos.
Es gibt Momente im Leben, da knallt es.
Boahhh ... hat das geknallt...! Herrlich.

Seither sind Jahre vergangen.
Ich nenne ihn immer noch meistens liebevoll Schatz. Oder Kater. Bei grosser Sehnsucht Katerli.
Unterdessen haben wir viel erlebt und wollen noch viel mehr zusammen erleben! Deshalb haben wir im September 09 auch geheiratet. Und mir ist, als wäre es erst gestern gewesen, als er lässig, nach Versace duftend, mein Leben, mein Reich, meinen Respekt und meine Liebe eroberte. Und sämtlich Rezeptoren - auch Sinneszellen genannt.

Gestern ... tja. Gestern ist es dann passiert.
Da ist mir die Idee gekommen, diese kleine Story aufzuschreiben.
Du möchtest wissen warum?

Oh! Es war der ungefähr 1´200ste Abend unseres gemeinsamen, schönen Lebens. Ich hörte ihn schon leicht stöhnen - auf dem Weg ins Schlafzimmer. Sein Kommen kündete ein herber Duft des Gemisches aus Voltaren-Salbe und Dul-X an. Sämtliche Rezeptoren (immer noch Sinneszellen genannt) meines empfindlichen Näschens haben ..... ach, lassen wir das. Und meine Finger krallten sich ins Duvet. Wie damals.
Ich hab tief eingeatmet - und sofort wieder ausgeatmet. Was ist mit dem Mann...?
Meine Augen folgten ihm - dem Held meiner fröhlichsten Tage und wildesten Nächte. Erst wie er in der Türe stand - und sich erschöpft ins Türkreuz lehnte, den eher schleppenden Gang fragend bestaunen (...ich meinte, Achilles um die Ecke schielen zu sehen..., Adonis war wohl grad Kaffee trinken. Oder so.), wie er sich an der Bettumrandung entlangzog um vorne rechts die Kurve zu kriegen, sich ächzend ins Bett fallen zu lassen und dabei herzhaft hörbar gähnte.
Seine diamantbestäubten und traumumnebelten Ozeanaugen konnte ich leider nicht sehen - er hatte gerade eben den Mund zum Gähnen weit offen, ergo die Augen zu.

"Sei jetzt stark, Du autarkes Weib" - sagte mein Inneres.
Das war ich auch. Ich legte meinen Arm um ihn, kuschelte mich an ihn.
Boaaah - hat das geknallt...! Die Tränen liefen mir runter. Voltaren UND Dul-X ist eine echt fiese Mischung!

Hab ich schon gesagt, dass ich ihn meistens Schatz nenne? Oder Kater. Bei grosser Sehnsucht Katerli.
Und ich liebe ihn.

FÜR IMMER UND 3 TAGE.

Dienstag, 29. Juni 2010

IHR SEID ETWAS GANZ BESONDERES!

Meine Freunde und Freundinnen hier!
Euch als Freunde und Freundinnen zu benennen und zu empfinden - dass ist das, was ich zutiefst fühle und empfinde. So bin ich, so war ich schon immer. Meine Gefühlswelt ist bunt, sie ist offen für Vieles und gründet sehr tief. Was ich sage und schreibe, ist sehr ehrlich und stets das Abbild meiner Gefühlswelt.

Was ich gestern hier, in meinen Mails, den Gedanken förmlich spürbar von euch geschenkt bekam, ist so viel mehr, als ich mit einem lapidaren DANKE mich vom Acker machen könnte. Ist seid Wahnsinn und mein bestes Medikament. Ich umarme euch dafür - und lächle dabei!

Wisst ihr ... meine Bauchspeicheldrüse lebt da sozusagen mit. Die ist sozusagen das "Mitfühlorgan", so wurde mir erklärt.
Vor einigen Jahren lag ich wegen einer Bauchspeicheldrüsenentzüdung lange auf der Intensivstation und hatte ein Riesenglück, dass ich nochmals davon gekommen bin. Damals ausgelöst von unerkannten Gallensteinen. Seither lebe ich gut ohne Gallenblase - allerdings ist die Bauchspeicheldrüse immer das Sorgenkind geblieben. Wenn ich mich freue, freut sie sich mit. Bin ich ärgerlich, traurig, aufgekratzt, nervös - was auch immer - meint diese Bauchspeicheldrüse, sich einmischen zu müssen.
Und manchmal grummelt sie vor sich hin, ohne dass ich weiss warum.

Am Wochenende begann sie sich zu melden - und gestern war ich dann notfallmässig beim Arzt. Ich weiss mittlerweilen, wann ich mich melden muss. Leider bestätigte sich mein Verdacht, es geht ihr gar nicht gut, meiner blöden Drüse. Bin bis auf weiteres krank geschrieben. Eigentlich wollte die Ärztin mich gleich ins Krankenhaus einweisen, aber wir haben es für dem Moment nun so geregelt, dass ich noch zu Hause bleiben darf, sie betreut mich täglich.
Es stehen aber weitere Untersuchungen an - mit der Bauchspeicheldrüse lässt sich mich spassen. Im Gegensatz zu mir, kann sie sich völlig hängen lassen  mich im Stich lassen und das wäre es dann gewesen.
Das werde ich bestimmt nicht tun. Soviel kann ich versprechen. Mir und euch.

Dies ein kleiner Blick auf mein Heute. Alles kann ich nicht schreiben - aber soweit ehrlich will ich mit euch sein. Das haben Freunde verdient.
Keine Angst, ich hüpf bald wieder rum - und spiele Tennis, wenn man das Gehüpfe so benennen darf, was ich da auf dem Platz jeweils abziehe. :-)
Davon handelt die Dosen-Futter-Geschichte heute. Viel Spass!

ICH BIN EIN GEFALLENES MÄDCHEN
Meine sportliche Karriere hat mit 6 Jahren ihren Anfang genommen. Ich bekam Privat-Tennis-Unterrichtsstunden. 3x in der Woche habe ich trainiert - mit voller und stets wachsender Begeisterung. Im Rückblick gesehen habe ich die Bälle nur so übers Netz gedroschen, habe jeder meiner Gegnerinnen das Fürchten gelehrt. Ich war sozusagen ein Komet am Tennissternenhimmel. Ok - ein Kometchen. Und das mit dem übers Netz dreschen und der Gegnerin das Fürchten lernen ... na ja.
Aber - es tönt gut! :-)
Eines ist aber wirklich wahr - bis zu meinem 16. Altersjahr habe ich diesem Sport mit Hingabe X Stunden geopfert - es hat mir immer grossen Spass gemacht!

Dann kamen aber meine Flegeljahre und die Pubertät schlug gnadenlos zu. Ich begann meine Lehre und begegnete meiner ersten Liebe.
Hormongeflutet habe ich mich dann letztendlich für meinen Freund entschieden und die Lehre nebenbei auch geschafft.
Einen Centercourt habe ich seither nie mehr betreten...

Jetzt - 32 Jahre später - holte mich das Schicksal ein. Meine Chefs - insbesondere der Senior - wollten mich schon lange mal zum Tennis überreden. Der Senior nimmt seit Jahren Stunden und investiert den freien Dienstag immer in Tennisspiele. Meine Tennisleidenschaft ... wenn auch aus einer anderen Aera, ja sogar einem anderen Jahrhundert!....hatte er trotzdem bemerkt. Lange konnte ich diesen Tag vor mich hinschieben, heute wurde er zur Tatsache: "Advantage: Sternenzauber".
Spiel - Satz - Sieg!

Um 13.30h haben wir uns verabredet, meine 3 Chefs, Frau Chef, 2x Chef-Freundinnen, mein Patenkind (ja - seit ich da arbeite, habe ich nicht nur eine Arbeitsstelle, eine Familie - nein, sogar ein Patenkind dazubekommen!) und selbst mein Schätzeli war mit von der Partie.
Ich hatte mich echt in Schale geworfen - weisse, sportive Baumwollshorts Harem-Style, ein pinkfarbenes Shirt mit weissen, äusserst sportiven Streifen - und als dazu passende Schuhe habe ich dann die weiss/goldenen Graceland-Turnschuhe auserkoren. Sie bringen den Rest meiner Bräune aus Rhodos noch so ein bissssssschen zur Geltung. Passend selbstverständlich: rosa Gebaumel an den Ohren, pinkiger Lipgloss. Aus meiner Sicht war ich prima gerüstet, meine Tenniskenntnisse zu updaten.
Hatte doch Chef gesagt, dass das wie Velo fahren sei - man würde es nie verlernen.
"Also - los! Dann kommt mal mit, Mannen. Aber wundert euch nicht, wenn ich dann den Beruf und die Stelle bei euch an den Nagel hänge und mein Weiterkommen im sportlichen Bereich forciere. Die Schweiz braucht im Tennis wieder eine neue Nr. 1!" Sagte ich selbstbewusst - und stolperte auf den Platz.

7 waren wir dann auf dem Platz, verteilt auf 2 Spielfeldern. Was war das für ein Gefühl, wieder mal ein Racket in der Hand zu halten! Ungewohnt....
Hab mir mit ein paar Uebungen das Ballgefühl heran zu zaubern probiert - und dann sofort auf den Platz gewechselt, wo 4 Spieler waren - damit ich der Situation nicht ganz so ausgeliefert bin.

Ich wäre aber nicht ich, hätte ich nicht vollen Einsatz gegeben. Habe mich regelrecht in die Bälle gestürzt, Ausdrücke wie Lop, Slice, Smash, Top Spin, Return habe ich sozusagen verinnerlicht. Hab mich mit meiner Doppel-Partnerin abgeklatscht, wenn sich denn mal ein Punkt zu unserer Seite hin verirrt hatte. Wir haben brandschwarz gelogen und dem Gegner die "engen" Bälle als out verkauft - eigentlich waren wir ganz nahe vor dem ersten, grandiosen Sieg - dem Durchbruch - die Schlagzeilen im SPORT-BLICK sah ich bereits vor meinem inneren Augen, als ....

- und ich schreibe jetzt in Zeitlupe, der geneigte Leser stelle es sich bitte bildlich vor (man hat dann am meisten davon...) -

... der gelbe Punkt auf mich zuflog. Ich habe die Situation sofort richtig eingeschätzt und ihn als Stoppball klassiert. Was bedeutete, dass ich mittels Formel 1 - Start meinen auf pink gestylten Körper in Windeseile gen Netz bewegen musste. Von mir und diesem Punktegewinn hing nun alles ab - dieser immensen Verantwortung war ich mir bewusst und reagierte instinktiv richtig.
Die Gedanken schrien in mir "go go go go!". Und ich flog dem Netze entgegen - als hätte ich Flügel.

Und genau in diesem Moment rächte sich die Wahl der GRACELAND´s - der schönen, weiss/goldenen ... profillosen Gracelands....

Ich schwöre, ich hätte den Ball auch erreicht und ihn mit der mir eigenen Eleganz übers Netz gesetzt - mit Anlauf! Eben schrieb ich ja, ich sei geflogen, als hätte ich Flügel. Was auch sehr zu meinem Vorteil gewesen wäre. Weil dem aber nicht so war, rutschte ich auf diesem unmöglichen Möchtegernwimbledonrasenteppich aus, hob leicht ab (Lop-mässig), streckte die Arme rudernd nach vorne, kam erst mit dem linken Handgelenk in Bodenkontakt - der rechte Ellenbogen bremste 0,2 Sekunden später den Fall von gefühlten 120 km/h auf ca. 20 km/h ab - eine Blutspur hinter mir nachziehend. Die Knie knallten auf den Boden, als hätte ich einen Fallschirmabsprung ohne Fallschirm gemacht! Mein .... wie soll ich sagen um umgangssprachlich im sachlichen Bereiche zu bleiben...oberer Vorderbau hatte die Wirkung eines ABS-Systems mit heftiger Bremswirkung. Ich klebte also nun mit den oberen 82,5 cm auf dem kratzigen Grün, während die restlichen 82,5cm sich verselbstständigten und mein Po heftig angelupft wurde, die Beine dazu graziös Richtung Kopf kippten. Dann war fertig.
Ich möchte nicht verheimlichen, dass ich im Eiskunstlauf eine glatte 10.0 für diese Meisterleistung bekommen hätte. Das hat die Welt noch nicht gesehen!
Besser so...

Selbstverständlich habe ich die ganze Stunde fertig gespielt. Wer bin ich denn?`Sitze nun vor dem Computer - bewege sachte die Finger ... das Einzige was mir an meinem geschundenen Körper nicht weh tut. Ein Eisbeutel auf dem linken Knie, den rechten Ellbogen eingebunden.
Mein Schatz hat sich derweilen - gemäss seinen Aussagen - einen Tennisarm geholt, der rechte Fuss und beide Knien schmerzen ihn.

Ok - ich kann auch Grösse zeigen und es zugeben: Ich bin nicht mehr auf dem Stande von Damals und mit der Nr. 1 im Tenniszirkus wird es noch etwas dauern.
Weh tut vor allem: Ich werde meinen Leuten nun für immer und ewig als "das gefallene Mädchen" in Erinnerung bleiben!
Ob ich mein Selbstvertrauen irgendwann wieder finden werde...?

LEUTE, ICH BIN ECHT FROH, HABE ICH MORGEN FREI!

Montag, 28. Juni 2010

DOSEN-FUTTER

Meine lieben Blogfreunde und Blogfreundinnen
Manchmal passieren Dinge im Leben, mit denen rechnet Keiner.
Oder zumindest hofft man, dass einem dies nicht passieren möge.

So etwas habe ich nun leider zu verarbeiten - nicht so guten Bericht von Arzt. Das muss ich erst mal annehmen und verdauen. Und werde davon berichten.
Heute kann ich das noch nicht, meine Seele muss erst mal meinem Herz und meinem Verstand davon Bericht erstatten. Die müssen Konferenz halten und Beschlüsse fassen.

Da meine Leserkreis hier erst so die letzten Wochen ins Blühen und Grünen kam, werde ich mir erlauben, die nächsten paar Tage 3, 4 geliebte Konserven zu servieren. Weil es grad nicht anders geht.
Ihr werdet sie mögen, so wie ich. Und wenn ich wieder Boden unter den Füssen habe, dass finden sich die Tasten automatisch.
Ich hoffe, ihr verzeiht mir das ... und versteht.
Herzlichst
Eure Franziska Sternenzauber


MOI - LA FEMME FATALE!

Ich erzähle Dir heute aus der Zeit vor 6 Jahren - als ich, 2 Monate vor meinem 42. Geburtstag und nach über 20 Jahren Ehe plötzlich da stand: Mann weg, Geld weg, Perspektive weg.
Frau, 42, Verlassen. AUTSCH!
Und mit diesen Tatsachen ging dann auch ein gutes Stück Selbstwertgefühl über den Jordan.

Ich kam mir damals in etwa so überflüssig vor wie der Staub unter dem Teppich. Hatte die Ausstrahlung eines toten Esels - und auch etwa dessen Wirkung. Die trüben Oktober-Herbsttage wirkten sich nicht unbedingt sonderlich erhellend aufs angeschlagene Gemüt aus und als ich mir den kleinen Zeh 3-fach an einem "seiner" Umzugskartons brach ... da war dann nicht mehr viel von der Aura der Sternenzauberfrau übrig ... Sterne sterben still. Man sieht nur ihr letztes, spektakuläres Aufglimmen - dann ist es dunkel am Himmel.
Aber irgend so ein kleiner Sternenfunken hat sich wohl damals retten können und....

....nach 3 Wochen des Katzenjammers, des langsamen Verglühens - alleine mitten im Orkan der Gefühle - kriegte ich so langsam wieder Funkverbindung zu meinem ICH. Der kleine, übriggebliebene Sternenfunke hatte ein paar kleine Fehlzündungen, wischte sich dann aber die letzte Sternenstaubträne aus dem rechten inneren Sternenwinkel, hustete, schneuzte sich, zog tief die Luft ein und stellte sich fortan wieder stolz an den Himmel.
Guten Willens, wieder zu leuchten und weit sichtbar zu sein.

Klartext:
Ich stellte mich vor den Spiegel, lächelte mir zögerlich entgegen und erforschte das Spiegelbild. Meine strassenköterblonden Haare mit den vielen Mèches ... zu bieder. Die Augenschatten ... zu dunkel. Das Lächeln ... noch nicht ganz wie früher, aber auf dem besten Weg dazu. Die Lippen ... blassrosa. Kleidung ... kein Pfiff.
Alles in allem: Frau, Du brauchst eine neue Frisur, neue Farben, neue Energie ... und neue Inspiration!
Gesagt - getan: Ich vereinbarte einen Termin beim Frisör - und gleich noch einen bei der Kosmetikerin, leistete mir eine neue Garderobe und ein paar flippige Accessoires.
Der nächste Tag sollte also mein Glückstag werden. Seit langem wieder mal einer ....

Ich erinnere mich soooooo gut. Nicht nur Äusserlich herausgeputzt - nein, mit poliertem Selbstvetrauen, energetisierter Persönlichkeit und gestärktem Charakter wandelte ich anschliessend durch die schönen Gassen der Berner Altstadt.
Habe mir in den spiegelnden Schaufensterscheiben zugelächelt, in einem Strassencafé die wärmenden letzten Herbstsonnenstrahlen genossen, mir ein Vermicelle gegönnt und sogar mit dem Kellner geschäkert. Juhiiii! Das Leben hatte mich wieder, zurück aus der Versenkung, keinen Tag mehr verschenken. Leben!

Ich war also wieder auf Sendung, meine Antennen gerichtet und auf Empfang.

So lustwandelte ich zufrieden gen Bahnhof, wartete da auf das Tram. Der Mann mit dem blonden Lockenkopf und den strahlendblauen Augen fiel mir auf, er lächelte mich derart herzig und herzlich an, dass ich mich erst umdrehte um zu schauen, ob wirklich ich gemeint war. Ja! ICH! *FEELGOOD!*
Der Zufall wollte es, dass wir in die gleiche Strassenbahn einstiegen, er liess mir sogar galant den Vortritt. Ich suchte mir einen Stehplatz, Blue-Eye stand gleich hinter mir.

Kaum ruckelte das Tram an, spürte ich die leise Berührung. Mein Puls tanzte Cha-Cha-Cha, das Blut schoss mir ins Gesicht und die Kniekehlen waren wie Pudding! Oh! Im Vollblutweibe pulsierte wieder der Lebenssaft! Es war ein gutes Gefühl. Und ich genoss es. Sichtlich.
4 Haltestellen ... oder sollte ich doch gleich bis Endstation durchfahren...?

Seine Hand nestelte seitlich an meiner Jeans - ein bisschen unbeholfen, aber herzig. Ich mag das eh nicht, diese glattgeleckten Draufgänger. Seine Aufregung war deutlich zu spüren.
Mein kurzer Blick nach hinten - zu ihm - sollte ihn ermuntert. Er schaute mich ein bisschen verlegen an, lächelte dann aber strahlend zurück. Zwischen der 2ten und 3ten Haltestelle wurde er wagemutiger, streichelte mich über dem Knie, zögerlich - aber immerhin. Kurz nach der 3ten Haltestelle kam dann der Exploit - er tätschelte mich ... am Poooooo!

Ich zog die Luft hörbar scharf ein und begann in meiner Handtasche rumzunesteln - schliesslich musste ich in 20 Sekunden aussteigen - suchte verzweifelt nach einer meiner Visitenkarten. Die wollte ich dem Lockenkopf, frivol lächelnd und mit halbgeschlossenen Augenlidern, wortlos ins Jacket stecken - ihm einen Blick voller Sinnnlichkeit, Gluthitze und Verlockung schenkend.
3....2....1.....ich drehe mich um, zu Allem bereit. Doch: mein Blue-Eyes-Boy stand längst an der Türe, zum Aussteigen bereit...!?!?


Mein Blick ging hinunter zum Buggy neben mir, wo ein ca. 15 Monate alter Bengel sich die Zeit damit vertrieb, die um ihn herum stehenden Menschen zu streicheln, tätscheln, kneiffen und an den Hosen zu zupfen.
Ich - LA FEMME FATALE!


FAZIT: ANTENNEN MÜSSEN NACHJUSTIERT WERDEN......! SUBITO!!!!

Sonntag, 27. Juni 2010

ICH MUSS EUCH WAS SAGEN ...




... ganz dringend!
Ist mir ein Bedürfnis.

Mein Blog wurde irgendwann im letzten Oktober als kleines Blöglein geboren.
Mein Schätzu und liebe Freunde fanden, es sei jetzt einfach an der Zeit, meinen Geschichten-Gedanken einen Ort zum Verweilen zu geben. Sie hatten Angst, dass ich irgendwann ob all der mir eigenen Buchstabenflut in mir platze. Erst sträubte ich mich - "wer will denn meine kleinen Alltagsabteuer lesen?"
Sie liessen nicht locker - zum Glück nicht. Und mein Geschichtenhimmel wurde heller und heller.
Dank euch.
Heute ist mir sein weites Leuchten unverzichtbar - und euch Alle hier getroffen zu haben ein guter Grund, mich glücklich nennen zu dürfen. Fast täglich kommen neue Menschen dazu. Soviel schenkt ihr mir, immer wieder, immer neu. Durch eure Worte - als Kommentare bei mir, als Geschichten bei euch. Durch all das, was zwischen den Zeilen fühlbar ist. Für mich Riesengeschenke.

Deshalb möchte ich heute gerne Dir und Dir und Dir ... allen Dir's hier eine Freude machen. Bin gestern extra durch Thun gewandelt und hat Fotos gemacht.
Heute - extra für Dich und nur für Dich:

DANKE AUF BERNDEUTSCH - Teil 1
:-))


Erst mal die Begrüssung:
HALLO MITEINANDER!

Die Frage - und nicht als Floskel gemeint:
GEHT ES DIR GUT?

Was ich sagen will:
ICH DANKE DIR VON HERZEN

So geht es mir, weil es Dich gibt:
DU BIST MEIN "AUFSTELLER"!

Das mache ich, aus lauter Freude:
PURZELBAUM

Deine Kommentare sind so viel - unter anderem:
HERZERFRISCHEND

Rundum einfach:
WELTKLASSE

Darfst Du mir ruhig glauben!
DOCH DOCH

Ich finde Dich einfach ...
... LÄSSIG  :-)

Und ich will das auch mal ganz klar sagen:
ICH MAG DICH :-)

Was Du tust, wie Du bist, finde ich einfach:
GANZ TOLL  ;-)

Ich könnte Dir hier noch so viel schreiben, das tue ich dann bald schon wieder. Aber jetzt gehe ich erst mal:
SCHWIMMEN

Dann also ....
... AUF EIN ANDER MAL

BIS BALD

Guten Freunden gibt man ein:
KÜSSCHEN


Herzlichst, mit Dank für all das Liebe und Gute.
Euch kann man mit Geld nicht kaufen.
Euch gibt es nur geschenkt.

WAS HAB ICH FÜR EIN GLÜCK!

Samstag, 26. Juni 2010

JULIETTE

Ich bin mir nicht sicher, ob sie Juliette heisst. Sie hat es mir nicht gesagt.
Wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Und spielen nicht in der gleichen Liga.
Juliette ist nämlich ein Marienkäferchen.

Diese Woche ist es passiert, genauer gesagt am Mittwoch ... ich war wieder mal mit meinem Roller Giovanni auf dem Weg an den Bahnhof. Zum ersten Mal seit Wochen strahlte die Sonne - was mich veranlasste, das Helmvisier hochzuklappen und mir den warmen Fahrtwind um die Nase fächeln zu lassen. Herrlich war es.
Bis ich plötzlich etwas über meine Wange krabbeln spürte. Schnellschnell hab ich es mit dem Ärmel weggewischt. Ihr wisst, ich mag Gekrabbel nicht!

Nachdem ich den Helm vom Kopf genommen und verstaut hatte, spazierte ich die Treppe hoch und wollte rüber auf Perron 2, als schon wieder etwas mir über die Wange beinelte, ich schrie auf und meine Hand haute mir auf die Backe, wischte weg und ...

... und dann lag da dieses kleine, herzige Ding vor meinen Füssen auf dem Boden. Es war keine Spinne - wie befürchtet - es war ein Baby-Marienkäferchen, welches da vor mir regungslos auf dem Rücken im Staub lag. Nein! Ich meinte sogar, das Kleinstwesen röcheln gehört zu haben!


Das ging jetzt gar nicht. Ich kniete mich neben das kleine Mini-Glück auf den Boden und klaubte es gaaaaaanz sachte mit dem Fingernagel auf meine Handfläche. War drauf und dran, Mund-zu-Mund-Beatmung zu machen! Jedenfalls fältelte sich meine Stirn in Sorgen und mein Helfersyndrom knallte voll durch.
Da wird man im Winde vom Glück anhaucht und mittels so einem rot/schwarzen Versprechen vom Leben belohnt, es überfällt einem auf der Bahnhofstrasse - und ich, ich schmeiss es aufs harte Bahnhofspflaster!!!

Leben retten finde ich eine sehr persönliche Angelegenheit, deshalb habe ich das getüpfelte Geschöpf Juliette not-getauft. Vielleicht ist es aber auch ein Julien gewesen - man weiss es nicht so genau und ich hatte die Lesebrille nicht bei mir. Aber der persönliche Kontakt war somit hergestellt und die Verantwortung über Juliettes Leben war in Eigenregie zur Sternenzauber-Chefsache erklärt geworden.
Jedenfalls lag das Dingelchen wie ein Tropfen Tau in meiner Hand, hinten sah ich 2 klitzekleine Flügelspitzchen unter dem roten Rund hervor lugen und die dünnen Beinchen reckten sind nackt und vorwurfsvoll gen Sommerhimmel. Und nu?
Was die Passanten (mehr oder weniger grinsend - Kopf schüttelnd- sich wundernd) welche neben mir vorbei gingen, sich dabei dachten, dies werde ich wohl nie erfahren. Wahrscheinlich auch besser so. Die haben mich bestimmt für nicht ganz typgerecht gehalten - nett gesagt. Befürchte ich.
Das war mir aber schnurzpiepegal, jedenfalls galt es nun ein Lebenchen zu retten. Ganz sachte hauchte ich das kleine rote Glück an ... aber selbst ganz sachte war noch zu doll. Und so rollte Juliette durch den Luftzug vom Rücken auf die Beinchen. Ich fächelte ihr mit der rechten Hand ganz ganz vorsichtig Luft zu und sprach auf sie ein wie auf einen kranken Esel.

"Ach komm jetzt, Kleine! Kämpfe! Es tut mir ja so fürchterlich leid, dass ich Dich so behandelt hab. Wusste ja nicht, dass Du es bist. Atme, Juliette! Atme!" Noch während ich Zwiegespräch mit dem Patienten auf meiner Handinnenfläche hielt, hatte ich mich aufgerichtet und mit Juliette in den Schatten gestellt. Nicht, dass sie mir noch in der Hand spröde wird und dem sicheren Tode entgegen dörrt!
Und siehe da! 1, 2 Minuten später fühlte ich ein ganz leises Kitzeln in meiner Hand - und das kleine Knöpfchen Glück hatte sich nach meiner grosszügigen Einschätzungen um mindestens 3 Millimeter Richtung Daumen verschoben! Juliette lebt!! Ich legte die eine Hand schützend über die andere, passierte mit Juliette die Unterführung und stellte mich dann auf Perron 2 an eine windgeschützte Stelle und animierte Juliette zu weiteren Lebenszeichen. Plauderte mit ihr und sprach ihr Mut zu. "Du schaffst das, Juliette! Tapferes Mädchen!"

Während mein Zug einfuhr und ohne mich Richtung Bern abfuhr, erholte sich Juliette zusehends. Ich bewunderte ihre Schönheit. Marienkäfer sind wirklich wunderschöne, filigrane Wesen. Dieser rotglänzende Panzer, die schöne runde Form, die glänzend schwarzen Tupfen kunstvoll angeordnet, die zarten Flügelchen fein gemasert ... ich hätte noch lange Juliette anschauen können.


Die Form erinnerte mich übrigens doch sehr an mich - allerdings bin ich blond statt rot und meine Tupfen nennen sich Sommersprossen und allgemein gelte ich nicht auf den ersten Blick als filigran. Ob ich vielleicht aber letztendlich doch ein überdimensionaler Mutanten-Glückskäfer bin, bei so viel an Übereinstimmung? Wer weiss?!

Anyway, Juliette war das egal. Sie krabbelte noch eine Ehrenrunde in meiner Hand, spreizte dann die milchig-durchsichtigen Flügelchen und flog der Sonne entgegen.
Ich war sehr glücklich in diesem Moment, so etwas wie Muttergefühle kamen auf.


Juliette war wohl auch zufrieden. Mich dünkte, sie hat zurück geschaut ...

... UND ÜBERS GANZE MARIENKÄFERCHEN-GESICHTCHEN GELÄCHELT

Freitag, 25. Juni 2010

AUS DIE MAUS!

Gestern hatte mein Ex-Mann Geburtstag.
Und da kam mir doch diese schlimme Geschichte mit diesem rücksichtslosen, hinterhältigen und störrischen Vieh in den Sinn.
Also ... ich meine jetzt nicht den Ex - dass wir uns richtig verstehen. Es handelt sich hier um eine Maus.
Diese Geschichte müsst ihr unbedingt erzählt bekommen.

Kunigunde - so hiess die Gute. Sie war sandfarben mit dunkelbraunem Schnäuzchen, hatte 3 Geschwister und war eine mongolische Wüstenrennmaus.

Sohn Moritz hatte stets Vorlieben für solche Tierchen. Ich übrigens auch - Kunigunde, Herbert, Elfriede und Hans-Jochen waren eine coole Mäusebande. Wirklich interessante Tierchen. Ich fliehe vor Spinnen, aber keineswegs vor Mäusen, die mag ich. Gerne.
Und würden so Tierchen wie Kunigunde nicht noch Mitesser in Form von schier nicht mehr ausrottbaren Lebensmittelmotten mit sich bringen (die man sich mit dem Körnerfutter in die Hütte schleppt...), ich glaube, ich hätte noch heute welche.


Aber nun zurück zur Viecherei. Wie gesagt, es war damals auch ein 24.06. und der Ex hatte Geburtstag. Die Kinder noch handlich klein - aber nicht mehr zu klein. Der Tag wunderbar sommerlich, einladend, herrlich. Und unsere Familien-Pläne sahen an diesem Tage wie folgt aus:
Erst mal Kuchen backen, tolles Menü vorbereiten. Anschliessend Geschenk abholen, schön eingepackt. Wohnung dekorieren. Auf den Mann warten. Diese Wartezeit sinnvoll mit den Kidz auf dem Thunersee verbringen - Schifffahrt nach Interlaken, dann Zwischenhalt auf dem Spielplatz neben der sensationell guten Konditorei (...) und anschliessend am Nachmittag gemütlich Richtung trautes Heim, um schon mal die Kerzen dekorativ auf dem Kuchen zu drapieren. Ex hatte sich per 18.00h angemeldet.
Die Pläne für den Tag waren also gemacht - und es hätte wirklich auch genau so kommen können. Wäre alles gut gegangen. Aber eben ... erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Meine Ableger standen schon im lockeren Sommertenü parat, um bei Punkt 1 (Kuchen) tatkräftig mitzuhelfen, schliesslich sollte alles ein bisschen zügig vorangehen - damit wir uns bald mal auf den See begeben konnten. Ich wollte gerade das Mehl aus dem Schrank holen, als Sohn Moritz der glorreiche Einfall kam, er müsse doch jetzt noch eine Runde mit Kunigunde spielen. Kunigunde war seine Lieblingsmaus und hatte Sonderrechte. Freigang im Zimmer zum Beispiel - in seinem Zimmer. Ich wollte gerade mein Veto einlegen, als ich schon diesen sandfarbenen Blitz quer durchs Wohnzimmer rasen sah. NEIN!
Keine 3 Sekunden später hatte ich einen plärrenden Moritz an der Backe - er hatte Angst um Kunigunde. Nicht zu Unrecht. Denn nebst 4 mongolischen Wüstenrennmäusen beherbergte die Sternenzauberfamilie 2 muntere Stubentiger. Die so oft wie möglich vor dem Terrarium mit den Mäusen sassen und denen förmlich die Spucke aus der Schnauze tropfte ob so viel an Katzen-spezifischer Leckerbissen hinter der Scheibe.
Kunigunde war also abgehauen und das Chaos perfekt.

Erst mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, dann Katze und Kater einfangen, ins Schlafzimmer sperren. Jammernden Moritz beruhigen. Maus einfangen.
Wollte ich euch jetzt detailliert schildern, was diese 2 kleinen, harmlos aussehenden und eigentlich völlig unspektakulär klingenden Worte "Maus einfangen" beinhalten, dann sehe ich mich genötigt, euch die nächsten 9 Stunden zu schildern. So lange dauerte dann nämlich letztendlich die Jagd - so viel darf ich schon mal verraten.



Lassen wir das lieber. Nur ein paar Stichworte dazu:
Kundigunde entpuppte sich als wesentlich gewitzter als gedacht. Und schneller, viel schneller! Bauten wir das Eckmöbel auseinander ... wo sie doch eben noch dahinter sass ... merken wir viel zu spät, dass sie uns von unter der schweren Poltergarnitur anlinste. War dann diese in sämtliche Einzelteile zerlegt, sass sie hinter dem Fernsehmöbel, welches wir anschliessend in Kleinstteile demontierten. In Anlehnung an die momentan stattfindende Fussball-Weltmeisterschaft möchte ich hier aktuell erwähnen, dass ich jedem Torhüter damals was vorgemacht hätte. Ich hechtete in sämtlichen Varianten! Nebst all dem krochen wir - dem Wahnsinn nahe - stundenlang auf Knien durch die Wohnung, stellten Fallen, sperrten ab, lösten schier das gesamte Mobiliar in seine Bruchteile auf, suchten stets an den falschen Stellen nach Kunigunde. Spickten das Wohnzimmer mit Käse, Nüssen, Körnern, Frücht- und Gemüsestückchen. Das nahm sie alles dankbar an ... wenn wir grade wieder mal in der falschen Ecke suchten.
Kunigunde lief nie Gefahr, dass wir sie hätten einfangen können. Zu befürchten war nur, dass sie sich ob unserer Aktionen tot lachte.

Irgendwann ... wir 3 hatten das Zeitgefühl längst verloren, sassen wir erschöpft, entkräftet und entnervt mittig im Wohnzimmer auf dem Parkettboden ... im Chaos. Schlimmer, als würden wir umziehen sah es aus. Kunigunde packte die Gunst der Stunde und flitzte über uns, auf uns, neben uns. Quietschvergnügt und unerreichbar,  freudestrahlend - so schien es mir. Innerlich hörte ich ihren Jubelgesang. Wären damals die Vuvuzelas Mode gewesen, Kunigunde hätte lusterfüllt getrötet.
Plötzlich drehte sich der Schlüssel im Haustürschloss ... und das Geburtstagskind kam voller Vorfreude nach Hause. Darauf eingerichtet, seine glückliche, herausgeputzte, HAPPY-BIRTHDAY-singende Familie samt Kuchen, Geschenken und Feiertagsmenü entgegen nehmen zu können. Pustekuchen!

In dieser ganzen "Wo-ist-Kunigunde??"-Aktion hatten wir die Zeit aber sowas von total vergessen! Kein Ausflug auf dem Thunersee, kein Kuchen, keine aufgeräumte Wohnung, kein lecker Essen, kein abgeholtes Geschenk, kein rein gar nichts!!! Nur eine Kunigunde, die fröhlich blinzelnd unter was auch immer hervorgekrochen kam und den Geburtstagsmann mit grossen Augen bewunderte.
Und ... ich sehe es vor mir, als wäre es gestern gewesen ... der zog sein T-Shirt aus, warf es in Richtung Maus - und - AUS DIE MAUS! Sie bewegte sich unter dem Shirt keinen Zentimeter mehr, liess sich widerstandslos packen und ins Terrarium verfrachten. Ganz 40 Sekunden hatte diese Aktion gedauert!

So richtig Stimmung kam danach nicht mehr auf - die Möbel mussten wieder zusammengeschraubt, Ordnung in das ganze Durcheinander gebracht werden. Ich war an diesem Abend fix und alle.

Beide sind nun nicht mehr da.
Das Alter krallte sich die Maus - der Urlaubsflirt meinen Ex-Mann.
Geblieben ist die Geschichte.

ICH DENKE GERNE AN KUNIGUNDE ZURÜCK  :-)

Donnerstag, 24. Juni 2010

*SHOCKING!*

Ich würde mich als grundsätzlich sehr belastbar beschreiben.

Während andere Menschen sich in Krisensituationen schon längst die Haare vom Kopfe gerissen haben, schreiend das Weite suchen und die höchste Brücke im zu erreichenden Umkreis suchen - bin ich immer noch die Ruhe selbst. Meistens.
Je stressiger es um mich zu- und hergeht, umso sortierter kann ich agieren.
Selbst im grössten Chaos behalte ich irgendwie den Überblick.
Jedes Problem scheint mir ausschliesslich dazu da zu sein, um gelöst zu werden.
Lächeln finde ich nach wie vor die beste Art dem Gegner die Zähne zu zeigen - und mit Humor lässt sich jedes Riff umschiffen.
Ich bin das Bermudadreieck für Schwierigkeiten, Probleme und Katastrophen.
Auch in der Mitte der dunkelsten Nacht beginnt der neue Tag - dies meine Devise.

Mich hat man gerne als Freundin, Kollegin, Angestellte. Ein ruhender Pol, ein starker Fels in der übelsten Brandung.
Von aussen gesehen löse ich jede Herausforderung mit links - während ich mit rechts das ganz normale Leben fest im Griff habe. Umhauen kann mich prinzipiell gar nichts, im Gegenteil, je höher der Berg, umso fester mein Wille ihn zu bezwingen.


Das klappt alles ganz prima - ausser, ich bin selber davon betroffen.
Dann reihe ich mich lückenlos und kleinlaut in die Schar der Haare raufenden Meute ein. Verwerfe die Hände und suche händeringend dringendst nach Jemandem wie mir!

Dies alle wollte ich voraus schicken, bevor ich den Tiefschlag von gestern in die Runde schmeisse. Meine tiefschürfende Irritation im World Wide Web zum Ausbeinen anbiete. Meine verletzte Seele euch vertrauensvoll in die Hände lege.
Also ... hört zu  ...

... gestern war da so ein Ansatz von Sommer. Blauer Himmel und Bienen auf meinen Blümchen. HURRA pur! Während ich innerlich die Melonen-Rohschinken-Sandwich-Zeit eingeläutet habe, dürstete mein Äusseres nach meinen Hunderttausendreihundervierundsechzigmillionendreihundertzwieunddreissig-tausendneunhundertunddrei Sommersprossen, welche immer so wunderschön blühen, sobald Sonnenstrahlen auf meinen marmornen Mona-Lisa-Teint treffen.
Damit diese auch optimalst spriessen kann, wäre es doch toll, das zu beackernde Gebiet ... sprich Haut ... vorab mal zu verwöhnen. Habe ich so bei mir gedacht. Und mich dabei an alte Zeiten erinnert. Wo ich noch regelmässig zur Kosmetikerin pilgerte. Das habe ich immer sehr genossen! So von unten bis oben geknetet, gepeelt, gecremt, gezupft, gedrückt, bedunstet, betüddelt und gepflegt zu werden. Warum sich dieses gute Gefühl nicht mal wieder gönnen ...?
Und ... vielleicht gibt es meine Kosmetikerin sogar noch, wer weiss? Sie müsste ja unterdessen auch 20 Jahre älter sein. Wie ich.
Mal schauen.

Wenn man - wie ich - mitten in der Stadt arbeitet, hat man den Vorteil, dass man mitten in der Stadt arbeitet.
Ein paar Schritte nur - und schon ist frau am Pulse des Geschehens. Mein Kosmetikstudio von damals ist in der Altstadt von Bern angesiedelt und mittels eines kleinen Spaziergangs erreichbar. Guten Mutes machte ich mich also auf die Socken, voller Vorfreude!!
Ich flanierte die Lauben runter, unten durch beim Zytglogge, weiter Richtung Bärengraben. Da in der Nähe müsste es sein ... ja, genau ... da vorne, da! Ich hatte es gefunden. Die Eingangstüre stand offen und so trat ich einfach mal in dieses schöne, alte Haus mit Geschichte. Die Treppe hoch - und schon stand ich vor der besagten Türe, welche mich also nur noch wenige Zentimeter vom Wohlgefühl trennte.
Aber ...! An der Türe ein ganz anderes Schild! Hallo ... keine Marianne mehr da? Ich trat näher und las, was da stand:
Und jetzt haltet euch fest - da stand: STIFTUNG TERRA VECCHIA.
Frei Schnauze übersetzt: STIFTUNG ALTE ERDE.
Da war ich dann wohl falsch ...



Das war ein Tritt in die Magengrube, ein Kniestoss in die Bandscheiben - die lottrigen! Mir war nach Migräne! Und mein Über-Ich löste sich in diesem Augenblicke schmerzhaft vom Ich-Ich, wandelte sich in Aua-Ich und sauste ungebremst in die Tiefe des Untergrund-Ich, um am Boden der Tatsachen in unzählige Teile beim WerBin-Ich zu zerschellten. Die geschundene Sternenzauber-Seele hat schmerzhafte Splitter abgekriegt. Es hat so geschmerzt, Leute!
Und das, obwohl ich sonst so belastbar bin!

Wenn schon meine Marianne das Frottiertuch samt aller Tiegelchen und Töpfelchen anscheinend geschmissen hatte - könnte denn nicht wenigstens hier jetzt ein ganz normales Büro sein. Ein Anwalt für die Rechte der Frau zum Beispiel? Ein Tempel der Selbstfindung? Eine Wellness-Oase? Selbst ein Zahnarzt oder ein Gynäkologe wäre mir lieber.
Aber nein - Terre Vecchia. Welch Ironie des Schicksals!
Die Stiftung Terra Vecchia setzt sich für so Sachen ein wie die "Ansiedlung des Mistkäfers im nördlichen Tessin" - oder "Spinnentiere und was sie uns sagen wollen", "Kaulquappen sind auch nur Menschen" und dergleichen. Was grundsätzlich eine gute Sache ist. Aber nicht, wenn ich genau dort blank ziehen und mich tiefenreinigen lassen will. Nach so vielen Jahren! Ein Schock! Ihr versteht?

Habe ich schon erwähnt, dass ich grundsätzlich äusserst belastbar bin?

Mein Rest-Ich sammelte sich so gut es ging und trabte mit mir zur nächsten Tramhaltestelle. Zurück in die Garage liess ich mich fahren, mir war so gar nicht nach weiter traben - Terra Vecchia!! In einem Akt der Nächstenliebe bot ich einer älteren Dame den Platz an, fühlte mich aber trotzdem nicht besser. Terra Vecchia!!
Das Tram musste dann beim Hirschengraben auch noch brüsk bremsen und ich stiess mir unsanft das Knie. Terra Vecchia!!
Eigentlich - wie gesagt, bin ich ja sehr belastbar. Das wollte ich noch gesagt haben.
Ihr versteht?

Also ER versteht sicher. ER. Mein Katerli-Schatz.
Er baut mich sicher wieder auf.
Stärkt mich, stützt mich - in einer solch schweren Stunde.
Habe ich gedacht.

Wisst ihr, was er gesagt hat?? Erst mal gar nix. Dann hat er gelacht. Nein - er hat gewiehert! Gebrüllt vor lauter Heiterkeit!
Und gesagt: "Nomen est (W)omen". Ich muss das jetzt nicht näher erläutern ... oderrrr?

*SHOCKING!*

Mittwoch, 23. Juni 2010

STERNENZAUBER AUF DER SUCHE NACH DER SCHULD

Der längste Tag des Jahres hat aus meiner Sicht einen gravierenden Nachteil: die kürzeste Nacht des Jahres.
Ich will jetzt einfach dieser kürzesten Nacht des Jahres die Schuld geben, dass meine Schatten unter den Augen gestern zu einer zeitweisen Sonnenfinsternis hätten führen können. Gefühlt bis zu den Knien erstreckte sich das erschreckende Dunkel! Zudem hatte ich keine Augenringe - nein - ich hatte förmlich Augencontainer. Wie siamesische Beutelratten! Echt!

Wie gesagt, die kurze Nacht ist schuld. Aber auch der längste Tag. Weil der uns verleitet hat, bis in den frühen Morgen zu plaudern, uns gegenseitig zu erzählen. Die Geschichten und Erlebnisse nahmen kein Ende. Es war so lange hell draussen!
Ein brüskes Ende aber nahm die Nacht kurz vor 05.00h. Dem Tiefschlaf entrissen zu werden ist keine komfortable Ausgangslage für den kommenden Tag.


Während bei mir der Schlafmangel sich mittels des sogenannten Prosecco-Syndroms ausdrückt, leidet Katerli-Schatz in einem solchen Moment eher an der Kettenhund-Problematik.
Ich schwebe dann infolge Schlafmangels so 3cm über dem Boden, nehme die Welt nicht gar so ernst und bin empfänglich für die Sonnenseite des Lebens, inklusive Augenblinzeln. Der Liebste allerdings, der hält an solchen Tagen nichts, aber absolut rein gar nichts vom Augenblinzeln. Können vor lauter Lachen! Er kriegt seine Äugelein nicht auf. Den Mund auch nicht. Und die Schublade - da wo das Lächeln drin steckt - klemmt fürchterlich.
Ich kichere - er knurrt. Ich schwebe - er robbt. Ich fliege - er gräbt unter Tage.

"Nun denn, lasset uns den Tag beginnen", säuselte ich meinem Schätzu schmunzelnd ins Öhrchen. Drückte ihm seinen Helm in die Hand und zog ihn übermütig nach Draussen. Alsbald rollten wir dem Bahnhof entgegen. Kaum auf dem Perron, da brauste auch schon ein Zug mit lauter Lastwagen beladen neben uns durch. Springt man nicht rechtzeitig so weit weg wie möglich, dann erhält man ein Gratis-Peeling bestehend aus Staub, die Falten werden durch den Fahrtwind steil nach hinten gezogen und eine rudimentäre Gesichtsstraffung ist garantiert - ebenso wie das völlige De-Styling der Haarpracht.
Vorher: Kurzhaar lässig strubbelig oben, flippig wuschelig hinten, die asymmetrischen Fransen cool seitlich in die Stirn übers Auge fallend. :-)
Nachher: Alles streng gelackt nach hinten - à la Borsalino. :-(
An Tagen wie diesen liegt die Schwierigkeit in der rechtzeitigen Reaktion.
Alles klar?


Ich war mich gerade am Äusserlich neu ordnen und Innerlich aufräumen, als mir eine Gruppe Jugendlicher ins blinzelnde Auge stach. Sie begrüssten sich. Und begrüssten sich. Und begrüssten sich. Es schien kein Ende zu nehmen. Ich blickte gebannt und merkte mir alles! Die Art und Weise ... brachten in mir die Schlafmanko-Prosecco-Perlen zum sprudeln. Erst im Zwerchfell, dann hoch über den Magen in die Mundwinkel.
Schnurstracks eilte ich zum Ruhe suchenden Katerli-Schatz auf die Sitzbank rüber - da sass er wie ein Schluck lauwarmes Wasser - und begrüsste ihn wie eben neu erlernt: Erst rechte flache Hand gegen rechte flache Hand, dann die rechten Hände zum Grusse ineinander verkrallen, anschliessend lässig rechte Schulter gegen rechte Schulter checken um abschliessend leicht abgefedert Stirn an Stirn zu knallen.
Das ganze Ritual nimmt gefühlte 5 Minuten pro Person in Anspruch und kann beliebig oft wiederholt werden. Ein Schmaus für Auge und Lachmuskeln, zumindest meine. An einem Tage wie diesem.
Katerchen muss das irgendwie anders empfunden haben, so ganz anders. Er nahm mich zielgerichtet an der Hand (ich immer noch haltlos kichernd), führte mich den Geleisen entgegen und sagte in strengem Ton und mit Mörderblick ... seine eine Hand in meinem Rücken ... "ein kleiner Schritt für Dich, ein grosser Schritt für die Menschheit".

Darauf hin habe ich ihn gleich noch einmal straf-gegrüsst, in besagten Stil ...
Und haltlos zwangsgeknutscht, mit richtig farbigen Lippenstiftküssen beginnend am linken Ohrläppchen und sich übers Gesicht hinauf zu den Augenlidern ziehend. Und dem frechsten Grinsen, welches ich im Gesamtsortiment meiner gezeigten Gefühlswelt aufbringen kann. Nicht von schlechten Eltern!
Er fuchtelte aufgeregt mit den Händen in der Gegend rum, als wäre ich eine Schmeissfliege, eine hinterlistige Mücke, ein aufsässiges Insekt. Und sagte dazu so Dinge wie "Du bist unmöglich", wahlweise "Weib, Du!". Ich habe ihm dann noch "Tasmanischer Teufel" vorgeschlagen - so als Abwechslung zur Unmöglichkeit des Weibes.

Da hat er dann das erste Mal gelächelt. Beinahe. Er bekundete sichtlich Mühe, die Mundwinkel im für mich ersichtlichen "Pass-bloss-auf-Bereich" zu behalten - ich hab das Zucken aber trotzdem genussvoll registriert.
Auf der Zugfahrt liess ich ihm die gewünschte Ruhe - um mich dann am Bahnhof Bern mit Pauken und Trompeten ... sprich Riesenumarmung und lachendem Lippenstiftkuss zu verabschieden.
Da bröckelte dann des Kettenhunds Mauer. Kein Berglöwen-Geknurre mehr. Und auch kein Gefuchtel.


Mein Lieblingsmann hat gelacht! Er hat gelacht! Übers ganz Kater-Gesicht!


DAFÜR ÜBERNEHME ICH GERNE JEGLICHE VERANTWORTUNG!

Dienstag, 22. Juni 2010

SOMMERBEGINN À LA STERNENZAUBER

Es war richtig kalt.
Gestern Morgen am Bahnhof, als ich von Giovanni - dem Roller stieg, hatte ich richtig Mühe, meine Finger zu bewegen. Da war dieses Gefühl, als hätte ich mindestens 20 Minuten lang im Tiefkühler gewühlt, ganz unten. Starr vor Kälte waren die Dinger! Hätte jemand dran gepackt - ich glaube behaupten zu können, sie wären gebrochen wie diese buttercrossen Salzstangen in der Werbung. Wo in Zeitlupe die Krümel so dekorativ wegspicken.
Sogar Wölkchen konnte ich in die Luft hauchen! Nicht nur so ein bisschen ... ganz doll sogar!

Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen. Wenn schon Nachbars Katze um 06.00h im Treppenhaus sitzt und mich vorwurfsvoll anschaut, weil ich ihr freundlicherweise die Türe aufhalten will - sie nutzt diesen Moment ansonsten ohne mit den Schnurrhäärchen zu zucken - und still sitzen bleibt, dann hat das schon was zu bedeuten.

Mein harter Eidgenossen-Schädel kann sich nicht durchringen, gegen Ende Juni immer noch Handschuhe anzuziehen. Und zumindest dünne Söckchen an die Füsse. Morgen muss ich bestimmt wieder diesen abscheulichen Blasentee schlürfen ... Sternenzauber aber auch!
Schätzu-Katerli hat da natürlich die wesentlich besseren Karten als ich - er sitzt schliesslich auf dem Roller hinten. Wärmt sich die Hände unter meinem Pulli und duckt sich zum Schutze vor dem kühlen Fahrtwind hinter mich.
Ich hab keine Wahl - bin die Frontfrau und dafür zuständig, dass wir wohlbehalten am Bahnhof landen. Und abends wieder das gleiche Spiel in die andere Richtung.
Manchmal, insbesondere in solchen Momenten, empfinde ich die Welt als ungerecht. Besonders bei Regenwetter mache ich eine ganz schlechte Figur. Fungiere sozusagen als Frontspoiler, kriege die ganze Nässe ab und bin am Zielort jeweils ein Bild des Jammers - während der Herr des Hauses vielleicht eben mal feuchte Schuhspitzen kriegt und léger die 3 verirrten Tröpfchen Regen mit dem Jackenärmel lässig vom Visier wischt.
Wenn er dann noch so nebenher und harmlosestens fragt, warum meine Strubbelmähne entartet spaghettiähnlich mir ins Gesicht hängt und mir kommentarlos die zerlaufene Mascara unter den Augen wegtupft, dann .... dann ... ja genau, dann!! Aber sowas von dann!
Als Gegenleistung ist er fürs Autofahren zuständig. Da kriegt man nicht so schnell kalte Hände.

Kürzlich war es besonders prekär. Ich trug neue, noch ein bisschen sperrige Jeans. Petrus sah mich an besagtem Morgen wohl aus dem Haus kommen und erinnerte sich meiner Schmähworte, welche ich tags zuvor echauffiert ob der neuerlich schlechten Wetterprognose in seine Richtung geschleudert hatte. "Ahaaa" - hat er zu sich gesagt - "ahaaa, da ist sie ja, diese Ketzerin! Mich beschimpft man nicht ungestraft. Hier, da hast Du!" - und schüttete eimerweise kühler Nass über uns. Vornehmlich über mich, versteht sich. So klitschenass wie ich dann war, musste ich mich in den Zug nach Bern setzen. Während dieser Zeit trockneten die Jeans munter vor sich hin. Als ich in Bern ausgestieg, waren die Knie so richtig schlimm ausgebeult. Ich sah aus, als hätte ich unter dem jeansigen Gehose so eine Art Ritterrüstung mit Spitzknie.


DER Hingucker schlechthin. Ich hab allen Menschen gute Laune gemacht - sie haben gegrinst.
Hatte ich mal wieder richtig gut hinbekommen, für solche Aktionen bin ich bekannt.

Und nun ist Sommerbeginn - genauer gesagt schon seit gestern. Ich halte das für ein Gerücht.
Aber als kultiviertes Menschenkind mit Ahnung von sowas, musste ich diesen Tag doch anerkennen und irgendwie begehen. Eine Runde im Freibad fiel aufgrund hinlänglich bekannter Tatsachen aus. Grillabend ebenso. Mich im Café an die Sonne setzen ... ach, sprechen wir von etwas anderem.
Vielleicht von ... dass die Schweizer Nati gestern Chile metzgen wollte - der Ansatz war auch richtig gut, wurde leider durch - sagen wir mal - den Schweizer Unteraktionismus in Verbindung mit des Schiedsrichters Überaktionsmus vereitelt, was wiederum die Südamerikaner begünstigte und somit unser urschweizerisches Ansinnen im Keim erstickte.
Jä nu so de - (sei dem halt so) wie wir Berner zu sagen pflegen.

Ich, als Frau der Tat bekannt, suche so lange bis ich finde. Und siehe da, mein Gesuche war von Erfolg gekrönt. Während ich so in meinen Mails aufräumt, fand sich doch die Reisebestätigung vom Reisebüro! Ich habe es ausgerechnet: in genau 67 Tagne, 12 Stunden und 23 Minuten hebt unser Flieger in Kloten Richtung Rhodos ab.
Wisst ihr, was uns da erwartet?

"UNSER" POOL - UND DIE RUHE DA

DIE SONNE, WELCHE SICH IM MEER SPIEGELT

ERKUNDUNGSTOUREN AUF DIESER WUNDERBAREN INSEL

UNTER DEM SCHATTENDACH FRISCHEN FISCH FUTTERN

UNSERE HOCHZEITSKAPPELLE BESUCHEN

DEN ERSTEN HOCHZEITSTAG FEIERN

SONNENUNTERGANG AUF DEM MONTE SMITH BEWUNDERN

Freunde.
Lachen.
Feiern.
Ausschlafen.
Und noch ganz viel mehr!
Schlechtes Wetter hin oder her:

ICH ERKLÄRE HIERMIT DEN SOMMER FÜR ERÖFFNET!

Montag, 21. Juni 2010

DIE GESCHICHTE VOM SONNENSTRAHL

Wir ALLE haben genug vom Regen. Wir ALLE wollen Sonne. In jedem Blog zu lesen.
Deshalb: Ich wollte doch nur ein bisschen für Aufheiterung sorgen - an einem Regentag wie heute.


Und habe nach einem positiven Regengedicht gesucht. Typisch ich! Jedes Ding hat auch sein Gutes - und so ist das ja schliesslich auch!
Wollte euch sozusagen freundschaftlich und mit einem Lächeln unter meinen Blog-Schirm einladen.


Erst hab ich irgendwie wohl total falsch gegoogelt - sonst hätte ich wohl kaum so schöne Worte von Rosen gefunden, die dem knallblauen Sommerhimmel nicht widerstehen können. Von Blümelein, die gelabt werden von des Himmels Tränensegen. Und so niederschmetternde wie die von den dunklen Himmelsfalten, von wegschwimmenden Ufern und ertrinkendem Leben.
Das eine völlig entgegen der Realität - das andere macht depressiv und Sorgenfalten.
Gewünscht habe ich mir doch nur ein paar tröstende Worte für uns, denen mittlerweilen Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen - Worte mit Sinn und Regen am Anfang, dann vielleicht noch einem verbal-dekorativen Regenbogen zur allgemeinen Gemütsaufhellung, der welcher zuletzt in einem hoffnungsvollen Sonnenstrahl am Horizonte gipfelt. Und somit endlich der Sommer eingeläutet werden kann.
Wollte ich wirklich.
Aber: Forget it!

Da hätte ich echt ebenso gut nach einem moralisch gefestigten Zuhälter suchen können. Nach der Meldung, dass kein Öl mehr im Golf von Mexico ausfliesst. Kriege per Gerichtsbeschluss vom 21.06.2010 weltweit verboten werden. Dass Mayonnaise eine schlanke Taille macht. Steuer zahlen ab sofort freiwillig. Und alle Kleider ab heute querelastisch gefertigt werden.
Irgend so was. Käme mir alles total entgegen. Aber nein...!

Lasse ich deswegen den Kopf hängen und euch im Regen stehen? NEIN! und nochmals NEIN!
Also Planänderung. Fehlen prosaische Worte -  müssen künstlerisch angetouchte Bilder her.
Ich erklärte mich in diesem Augenblick als dazu befähigt.

Gestern Sonntag habe ich meinen Schätzu also zu einem kleinen Spaziergang überreden wollen. Fotos machen. Künstlerische - ihr wisst schon. Für eine schöne Regenblog-Geschichte die munter macht. Ne, stimmt ja gar nicht - ich hab nur leise anklingen lassen, dass so ein bisschen frische Luft einen rosigen Teint zaubert und gut fürs Allgemeinbefinden ist.
Der Kater-Mann hat mich mit dem empörtesten, vorwurfvollsten Blick aller empörten und vorwurfsvollen Blicke strafgeblickt und mich niedrigster Absichten bezichtigt. Mir mangelnde Liebe unterstellt - keinen Köter schicke man bei diesem Wetter vor die Türe - und er, er solle ...
Völlig zu Unrecht. Ich habe es doch nur gut gemeint - für ihn und mich.

Zu seiner Verteidigung muss ich aber wohl bedenken, dass er am Open-Air vom letzten Freitag wohl ein ganz schlimmes Regentrauma erlitten hat, welches nachhaltig unser regnerisches Junileben beeinträchtigt. Er zitterte erschüttert provo- und demonstativ. Verdrehte und rollte theatralisch die Augen. Und schnaubte durch die Nase - also er schnaubte derart durch die Nase ... wie ein Stier, der den Torero gleich in 3 .. 2 ... 1... meins ... platt macht.
Und wenn ich platt schreibe, meine ich das auch genauso. Auch wenn dies bei meiner Person sooo einfach nicht zu bewerkstelligen ist.

In diesem Moment überschlugen sich die Ereignisse: er holte mir unaufgefordert einen Latte Macchiato. Kommt einer unausgesprochenen Kampfansage gleich.
Was auf den ersten Blick nach Liebesbeweis aussieht, ist bloss ein hinterhältiges Ablenkungsmanöver! Das war kein Akt reiner Nächstenliebe, denkt das jetzt bloss nicht - das war Taktik! Ausgeklügelte Taktik. Ich fasse es nicht!
Er weiss genau, dass man mich mit einem Latte sozusagen still legen und gefügig machen kann. Habe ich erst mal einen Latte in der Hand, dann suche ich mir ein gemütliches Plätzchen, kuschle mich da ein - und das war's dann für die nächste Stunde.
Damit hatte mein Katerli Zeit und somit Vorsprung auf mein Vorhaben gewonnen, welches in der gleichen Minute präventiv-gedanklich schon mal zu Grabe getragen wurde.

Na ja, ist echt fies kalt draussen. Deshalb habe ich mir ein paar schöne Bilder für euch aus dem Internet gepflückt. Ich danke an dieser Stelle den jeweiligen FotografInnen für ihr sehr geschätztes Zutun.
Um euch zu zeigen, dass auch Regentropfen irgendwie schön sind. Und .. dass der Sommer dieses Jahr halt geschwommen kommt:
Sind echt schön, die Fotos - schaut mal:

AUS TROPFEN WERDEN BILDER

AUS TROPFEN WERDEN SPIEGEL

AUS TROPFEN WERDEN LUPEN

AUS TROPFEN WERDEN HOFFNUNGEN

HOFFNUNGEN SIND BUNT


BUNT IST DER REGENBOGEN

UND AM ENDE DES REGENSBOGENS WARTET DIE SONNE.
WEIL DER SOMMER SCHWIMMEN KANN!


DAS WAGE ICH EUCH ZU VERPSRECHEN

Sonntag, 20. Juni 2010

WASCHTAG FÜR SEELE UND KLEIDER

Mein bemitleidenswerter Schätzu. Armes Katerli. Nicht nur, dass es gilt ...
... seine gesamten Kleider - inklusive Schuhe und Käppi
... seine Zehen - den ganzen Kater rauf bis zu den Haarspitzen
... unser Auto Wilhelmine
wieder auf den Sauberkeitszustand vom 18. Juni 2010, 09.00h, zu bringen ...

... meinem Liebsten seine Wunden zu verarzten ist ebenso dringend! Nein, er hat sich nicht verletzt - also zumindest nicht schlimm. 2 x Knie verdreht und jeder Muskel, jede Faser tut ihm weh. Sogar dort, wo er gar nicht wusste, dass er welche hat.
Viel schlimmer ist die Seelenpein. Er hat METALLICA  verpasst - und das wegen schlechtem Wetter. Dies fuxt ihn ganz schön.

Aber jetzt mal der Reihe nach:
Im Januar feierte mein Liebster seinen 46sten Geburtstag.
Und spätestens seit ich ihn kenne, weiss ich, dass Männer ab 40 an einem normalen Tag an dieser Tatsache ganz schön zu knabbern haben. Ist es regnerisch, dann stündlich. Während der dunklen Jahreszeit zeitweise minütlich. Und während eines biorythmischen Tiefs würde ich frech zu wagen behaupten, dass die Kadenz in Sekunden gemessen werden kann.
Gut. Mein Schätzu-Katerli ist bekanntlich ein bekennender Metal-Fan. Und wenn ich ihm eine Freude machen kann, dann mit einem Konzertticket an eben einen solche Events. Wie toll war es da, dass ich ihm zum Jubeltage ein Ticket für das Sonispheren-Festival in Jonschwil geschenkt hab. Das mag er total! Schwarze Jeans, grausliges Slayer-Shirt, schwarze Lederjacke, unrasiert - und schon stiefelt er glückerfüllt und federnden Schrittes mit einen leichten Schimmer Jugendlichkeit von dannen, Richtung Heut-lass-ich-die Sau-raus.
Wenn man(n) dann in diesem Outfit, mitten im Getümmel, den Kopf bis kurz vor den Genickbruch rauf und runter, hin und her schleudert (Insider sagen dem: Headbanging), dazu die linke Hand mit gestrecktem Zeige- und kleinen Finger Richtung Hölle streckt, den Song lauthals mit schreit und sich fröhlich gegenseitig rumschubst ... dann kickt so mancher Opa seinen Rollator in den Keller und holt gewesene Tage für einen Abend im Jahr in die Gegenwart zurück.
So wirkt das immer bei meinem Liebsten - und die Wirkung ist echt nicht schlecht.

Den schleppenden Schritt am Tag darauf sollte frau einfach unkommentiert lassen, völlig ignorieren - auf keinen Fall nach Tinnitus, Kopfweh, Glieder- und Muskelschmerzen fragen. Eine gute Frau ... und eine solche bin ich schliesslich ... bewundert in so einem Moment die Kraft, das Durchhaltevermögen und den Stil, das musikalische Bewusstsein - den Mann in seiner ganzen Männlichkeit. Und überhaupt und sowieso.

Diesmal war alles ein bisschen anders. Leider.
Seit Tagen regnete es hier - und eben auch in Jonschwil. Dort waren aber die Auswirkungen noch schlimmer, weil sich der Regen in diesem Tal-Kessel so schön sammeln kann, alles durchsuppt und unterspült. Wenn 47'000 Menschen dann auf eben solchem Untergrund den wild-metallischen Tönen frönen, dann kann das schon mal ausarten. Genau das ist auch passiert.
Schätzu stand bis zu den Knien im Dreck. Jeder Schritt auf dem Festgelände war ein Vabanque-Spiel. Ist der Schuh noch am Fuss? Stecke ich jetzt fest? Wie um Willen komme ich einen Schritt weiter? Und vor allem - was gebe ich hier bloss für ein Bild ab!
Alle paar Meter rutscht man weg und knallt in den Morast. Haltungsnote 0. Ganz besonders in der Pinkelzone ist das NICHT lustig! Nicht Jeder wartet, bis das DIXI-Klo frei ist ... ihr versteht?

(Bild: Reto Martin)
Man ist wie gefangen in diesem Sumpfe. Jede Bewegung ein Riesenkrampf und all das trägt nicht gerade zu einer guten Stimmung bei. Katerli probierte zumindest 3 von den 4 "Grossen" zu geniessen. Dann hatte er die Schuhe, die Kleider und die Nase so was von voll! Und trat noch vor dem Auftritt seiner Lieblingstruppe METALLICA den Heimweg an. Durch und durch nass, verdreckt, frustriert.
Auf meine fürsorgliche Frage: "Soll ich Dir schon mal ein heisses Bad einlassen?" kam die ernüchternde Antwort: "Nö danke - Wasser hab ich für den Augenblick genug gesehen!!"
Mit 20 hätte man das vielleicht lockerer weggesteckt - wie dieser junge Mann da:

(Bild geliehen. Fotograf mir unbekannt)
Aber zu Schätzu's Ehrenrettung wäre zu vermelden, dass er längst nicht der Einzige war, welcher den Abend abbrach. Viele - auch unsere 20jährige Freundin - hatten keinen Spass mehr.

Dafür hab ich nun richtig "Spass". Das Zeug wieder sauber zu kriegen. Schaut euch das mal an!

Schuhe ... aussen

Schuhe ... innen

Die Socken ...

Die Jeans ...

Die Lederjacke ...

Vernünftigerweise kam er also gegen Mitternacht durch die Türe geschlichen. Geknickt, müde. Ich habe ihn an seiner Stimme erkannt. Nach der Dusche die definitive Bestätigung: Ja, er ist es.

Mal schauen, was ich ihm zum nächsten Geburtstag schenke.
Vielleicht doch besser eine Tages-Karte für

INDOOR-SCHACH?

Samstag, 19. Juni 2010

NICHT EINSCHLAFEN LEUTE!

Zug fahren.
Ich tue es fast jeden Tag. Mit abwechselnder Begeisterung.

Einerseits eine wunderbare Sache: Einsteigen. Zurücklehnen. Ausspannen. Je nach Lust und Laune lesen, Musik hören, sich mit dem freundlichen Sitznachbar entspannt unterhalten, Gegend anschauen, Augen zumachen, arbeiten - was auch immer.
Andererseits eine manchmal nervige Sache: Zu wenig Plätze im Feierabendverkehr, duschresisitente VorSichHinStinker und DeoAbstinenzler, Klassenausflug der Unterstufe - schlimmer noch der Oberstufe, HandyDauerTelefonierer, Klo kaputt, Ausfall der Klimaanlage im Hochsommer.

Und manchmal trifft man auf ganz Menschen, die in all dem Trubel ihre Äugelein einfach mal schliessen, ins Nirwana abdriften und munter drauf los schlafen.
Auf so einen Kumpanen traf ich gestern. Legt euch jetzt relaxed zurück und lasst euch von der Sternenzauber-Tante berichten:

Da war doch dieser Extrazug gestern, 10 Minuten Zeitgewinn für mich! Toll! Nicht allzu viele Menschen ... die kommen ja erst in 10 Minuten, was so viel heisst wie: Sitzplatz-Garantie! Also nix los, rein ins Abteil und Platz am Fenster gesichert - und erst noch Fahrtrichtung, dann wird mir nicht übel.
Wer weiss, vielleicht sehe ich ja auch mal wieder ein Reh am Waldrand stehen, oder Füchslein übers Felde jagen. Zumindest und auf jeden Fall Amseln. Oder Spatzen. Komme rechtzeitig zum Frisör und werde zeitgerecht auf Bella Donna getrimmt. Schätzu wird staunen.
Der Abend hatte also richtig gut begonnen.

Ein jüngerer Mann, so um die 30 fragt mich, ob der Platz mir gegenüber noch frei ist. Ich nicke, er setzt sich. Wir begutachten uns kurz um abzuchecken ob ein Gespräch gewünscht wird.
ICH: *Lächel* - was Redebereitschaft signalisiert.
ER: *GÄHN* - das war deutlich!


Habe ihn mir dann auch etwas genauer begutachtet, der Arme sah wirklich und wahrhaftig aus, als hätte ihn eine Kuh erst gründlich durchgekaut, dann durch sämtliche ihrer 7 Mägen schon mal vorverdaut - und ihn dann angeekelt ausgespuckt ... nein, ausgewürgt haben muss. Anschliessend wankte der Mann wohl tagelang alleine und verlassen durch Regen und Match, hungrig, durstig. Am Ende seiner Kräfte.

Meine eben getätigten Beobachtungen wurden dann auch sofort in zumindest 3 Punkten bestätigt: er ass hastig ein Sandwich (ergo hungrig), trank gierig eine Apfelschorle (ergo durstig). Anschliessend gähnte er (ergo müde), schloss die Augen und lehnte sich im Sitz zurück. Nach wenigen Minuten sackte sein Kopf nach hinten in den Nacken, Mann öffnete seinen Mund meilenweit und pennte den Schlaf des Gerechten.
Echt ... der Mund war dermassen aufgerissen ... ich sah sein Gaumensegel im Atemwinde flattern, das Halszäpfchen hüpfte fröhlich in der Gegend rum, die Mandeln waren noch vollzählig und ich meine sogar gesehen zu haben, dass sein Blinddarm eine leichte Entzündung aufweist. Dies sollte er aus meiner Sicht abklären lassen. Dringend.
Auf Höhe Münsingen, also auf halbem Wege, war der Mann dann in Ontario angekommen und sägte da den gesamten Baumbestand rücksichtslos nieder. Dermassen, dass ich nahe dran war, mit Greenpeace Kontakt aufzunehmen. Leute, es nahm Töne ... Formen an ...!

Und noch bevor ich irgendwie in diese Richtung etwas unternehmen konnte, röchelte mein Gegenüber beängstigend, ruckte kurz aber heftig im Sessel, öffnete für eine Zehntelsekunde die Augen. Ich lächelte. Er schloss die Augen gleich wieder. Sein Kopf pendelte wie losgelöst auf den Schultern, um dann 20 Sekunden später nach vorne runter, auf seine Brust, zu knallen. Ich machte mir in diesem Moment echt Sorge, ob es ihm bei dieser groben Aktion nicht etwa den Atlas (oberster Wirbel, wird auch "Nicker" genannt) rausgehauen hatte! Nun ja, so schlimm kann es nicht gewesen sein, er pennte nämlich fröhlich weiter. Allerdings schien jetzt sein Gaumensegel gequetscht und die Bäume in Ontario wesentlich stabiler - oder bei der Kettensäge besagten Mannes muss irgendein Motorendefekt eingetreten sein - es tönte quietschig, sehr gepresst und irgendwie unnatürlich.
Das lag vielleicht am Wetter ... in Ontario wird nämlich ein unsäglicher Sturm aufgekommen sein, es muss so sein - seine Lippen zitterten flatterten jetzt nämlich bei jeden Atemzug wie Espenlaub.

Ein Anblick für Götter! Und Göttinnen!
Und ich dankte in diesem Moment Gott innerlich auf den Knien, dass ich nienienie im Zug schlafe! Lehnte mich bei diesem Gedanken selbstzufrieden in die Polster zurück. Und lächelte.

Irgendwie wirkte das ganze Szenario auf mich doch sehr einschläfernd. Sein regelmässiger Atem, das Lippengeflattere, verbunden mit den balzartigen Schnatterlauten und dem eindrücklichen Blasebalg-Backenblähen ähnlich dem des auffälligen Fregattvogels.


Die enorme Ruhe welche der Mann dennoch ausstrahlte ... sie griff über. Auf mich.
Nur einen kleinen Moment die Augen schliessen - in 5 Minuten muss ich ja dann eh Aussteigen. Dachte ich so bei mir.
An diesen letzten Gedanken erinnere ich mich noch.
Dann an nix mehr.

Erst wieder, als der vis-à-vis-Mann mich an der Schulter leicht schüttelte: "Halllloooo ... Siiieeeee ... wir sind in Thun ... Endstation ... sie sind wohl eingeschlafen". Sagte er und grinste dazu.
Den Sabberfaden im linken Mundwinkel wischte ich unauffällig weg. Lächelte ein wenig verlegen und ordnete mein sperrig Gefieder.

OB ER MICH BEOBACHTET HAT?

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