Sonntag, 28. Februar 2010

KERZENLEUCHTER, POLONAISE UND NORO-VIRUS

Gestern war einer der Abende, welche sich insbesondere Berufstätige mit einem langen Arbeitstag an Wochenenden nicht freiwillig aussuchen: Familienabend des Dachverbandes einer nicht näher benannt werden wollender Sportart.
Mit gesamtschweizerisch 2 Vereinen und total 28 Aktiven. Und die haben einen Dachverband. Auch wenn es sich nur - wie in diesem Falle - sozusagen um ein sehr kleines Vordächchen handelt. Aber sie haben diesen Dachverband, der seine Frontlettern in englischer Sprache ausgesprochen haben will. 28 Aktive tönen dann gleich nach viel mehr. Sozusagen einem ganzen Pulk an sporttreibenden Menschen. Einer schier nicht zu überblickenden Menge.

Ich gehe mal davon aus, dass Familienabende des Sportclubs egal welcher Couleur, sich stets ähnlich gestalten. Unserer war noch ein bisschen ähnlicher, weil wir Beiden - Schätzeli und ich - bis auf ein weiteres Pärchen mit Abstand die Jungspunde in der Runde abgaben. Der Rest 10 und mehr Jahre Plus. Tut soweit nichts zur Sache, wird aber einiges erklären.
Erwähnen möchte ich auf jeden Fall, dass besagte Aktiven mitsamt Familienmitgliedern durchs Band weg unglaublich liebenswerte, liebevolle, herzliche, spontane, humorvolle Menschen sind, die man sofort ins Herz schliessen muss.


So weit, so gut. Um 17.00h war Besammlung im Bärensääli. Apéro. Es wurde Weisswein, Orangensaft und Mineralwasser mit oder ohne gereicht. Dazu je 2 Salznüsschen, 2 Salzknabberstangen, 6 Paprika-Chips und 7 Wasabi-Chips / Person - (welche aber von den ganz Kleinen in der Runde, Enkelkindern, postwendend ausgespuckt wurden, da sehr scharf. Der anwesende Hund sorgte aber für Ordnung und frass mit Begeisterung), offeriert durch den Vordachverband.
Vom Weisswein habe ich nur ein kleines Schlückchen probiert. Ich persönlich nehm solche Sachen immer zum Kaffeemaschine entkalken. Hielt mich fortan an Mineralwasser mit Bläterli. Was sich aber im Nachhinein als ausserordentlich gravierender Nachteil rausstellte.

Nach 2 Stunden Apéro inkl. Ehrungen durch den englisch ausgesprochenen Dachverband, den obligaten Photos und gegenseitigem Händegeschüttel, durften wir endlich gen den grossen Speisesaal. Ich hatte Hunger und die Stiefel drückten so langsam. Der Blick fiel als erstes auf die schönen Kerzenleuchter. Der Saal war in ein wunderschönes, angenehmes Licht getaucht und gefiel. Sogar mit nur Mineralwasser!


Der zweite Blick allerdings, der fiel auf die Musiker. 2 Herren mittleren Alters, Hammondorgel, Handörglis und Gitarre. An den Mikros hingen grosse, knallgelbe Sombreros. Mit schwante Schlimmes. Und das sollte bei Weitem übertroffen werden. Die beiden Singdrosseln waren grad dran, ihre Ligth-Show zu installieren. Grosse, rotierende Strahler in rot, grün, blau und gelb. So, wie wir das in unseren Jugendzimmern vor rund 35 Jahren hatte.
Plötzlich begriff ich, wieso alle Anwesenden ausser uns sehr freizügig Wein und dergleichen genossen. Ich habe daraufhin zumindest vom roten Wein einen Schluck probiert - aber der war dermassen trocken, dass meine Zunge ganz pelzig und taub wurde, am Gaumen klebte und mir das Loch im Strumpf bei der Zehe vorne links zusammenzog. Die Alternative hiess: Leiden.

Das Essen war na ja. Mein Stück Rindsteak (Rindsblätzli à la minute) muss schon Jahre auf der Weide gewesen sein, selbstgemachte Kräuterbutter hat es aber ein wenig rausgerissen. Die Pommes zu lange in der Umluft, vom Gemüsebukett schweigen wir. Aber der Salat vorneweg war ganz toll, Nüssler mit Ei und Speckstreifchen - lecker. Die Senioren und Seniorinnen kamen ab dem 4 Glas Wein so langsam in Fahrt und nur ein paar ganz wenige Aussenseiter .. wir wohl die Ersichtlichsten ... fühlten sich merklich unwohl. Die Band gab alles: Von MENDOSINO über TANZE MIT MIR IN DEN MORGEN bis hin zu FIESTA FIESTA MEXICANA (hier kamen auch die Sombreros ins Spiel) - das Ganze Repertoire des letzten Jahrhunderts. Die Fetenhits der 70er. Hüttengaudi bis zum Abwinken.
Jede Wurzelbehandlung ist mir lieber! Selbst ohne örtliche Betäubung!

Während die 28 Aktiven, das Tanzbein schwingend und laut mitsingend, den Abend bereits nach dem Essen als total gelungen und in die Vereingeschichte eingehend bewerteten - blieb Katerli und mir nur noch die Flucht in die Gaststube runter. Um bei einem Latte die Nerven etwas zu beruhigen und den sehr grenzwertigen Sound zu verarbeiten. Die Serviertochter blickte uns mitleidig an und meinte, dies sei auch nicht soooo ihre Stilrichtung...
Ich hätte an diesem Abend, unterhaltungstechisch gesehen, kein Fix-it-Gel gebraucht. Die Haare standen auch so zu Berge!


Irgendwann mussten wir dann wieder hoch - damit wir nicht ganz ausserhalb der Regeln blieben. Man fragte schon, ob es denn nicht so gut gefallen würde. Wir antworteten wahrheitsgetreu und schonend, dass es nicht grad unsere präferierte Musikrichtung sei und wir eher Richtung Hard Rock und Pop tendieren. Keine 5 Minuten später tat man uns den Gefallen und spielte einen rockigen Song von Status Quo ... auf der Hammondorgel. Unsere Leidensfähigkeit kam so langsam an Grenzen. Trotzdem bedanken wir uns höflich für die erwiesene Aufmerksamkeit und das Eingehen auf unsere Wünsche. Man wollte uns gerne eingebunden sehen, in der Bande des Dachverbandes. Es war ja lieb gemeint ... aber es tat weh.

Gegen 22.00h war dann der Punkt erreicht, wo Polonaise angesagt war. So richtig ausgelassen, so wahnsinnig lustig, Arme schwenkend und singend:

"Und dann die Hände zum Himmel
kommt laßt uns fröhlich sein.
Wir klatschen zusammen und keiner ist allein.
Und dann die Hände zum Himmel
kommt laßt uns fröhlich sein.
Wir klatschen zusammen und keiner ist allein.
Wenn du heute nicht in der Stimmung bist,
laß doch alles so sein wie es ist.
Wir wollen trinken, noch einen trinken,
weil man die Sorgen dann vergißt.
Fühlst du dich manchmal auch so allein,
glaub mir, das brauchte gar nicht zu sein.
Denn heute Abend gehen wir feiern.
Die ganze Welt ist ein Verein.
Wir tun nur noch das was uns gefällt,
tanzen, singen im Saal oder Zelt.
Nicht alleine, denn das wird keiner.
Uns gehört die ganze Welt
und an Morgen wird heut nicht gedacht.
Wir feiern weiter die ganze Nacht.
Laßt uns heben, einmal schweben
und dabei wird nur gelacht."

Unterirdisch.

Wir wurden gezerrt und gezogen - "macht mit, es ist so lustig!". Und alle hielten die Hände zum Himmel, tranken, vergassen ihre Sorgen (und noch viel mehr), feierten, schwebten und keiner war alleine. Ausser Katerli und ich.
Das noch jüngere Pärchen hatte sich nämlich schon vor der Polonaise verabschiedet. Ich gehe davon aus, dass die Beiden bereits an einem Familienabend dabei gewesen sind. Es muss so sein!

Wir krallten uns an Tisch, Stuhl und aneinander fest, zahlten unsere Zeche und mussten dann unbedingt rasch möglichst unseren Zug erreichen. Besser so. Bevor man uns als absolute Stimmungskiller outete.

Selten bin ich so gerne von einer Feier weggegangen. Selten habe ich mich deplatzierter gefühlt.
Dabei hat es der englischsprechende Dachverband der 28 Aktiven doch so gut gemeint. Und das ist auch dankenswert. 24 davon hat es ja auch ausserordentlich gut gefallen. Das ist ok.

Man nehme es mir nicht übel, dass ich leider im nächsten Jahre infolge NORO-Virus an der Teilnahme verhindert sein werde.
Brechdurchfall ist gar nicht so schlimm wie man denkt ...!
Nicht böse sein. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen Familienabend und NORO-Virus:


NORO-VIRUS!

Freitag, 26. Februar 2010

KARTOFFELSTOCK MIT SOSSE

"Liebe Frau Freundlich

Sie können es nicht wissen - und wahrscheinlich werden Sie es nie erfahren. An einem Tag wie heute dürfte Ihnen dies auch völlig egal sein.
Aber erzählen möchte ich es trotzdem:
Immer, wenn mir was auf der Seele kniet, wenn es gilt einen imaginären Berg zu besteigen - dann koche ich mir Kartoffelstock mit Sosse. So wie Mutter Beimer in der "Lindenstrasse" ihre Spiegeleier brutzelt.


Sie, liebe Frau Freundlich, haben heute Ihren letzten Arbeitstag. Wir haben die letzten 17 Monate einander mindestens 1x in der Woche Hallo gesagt, ein paar Worte geplaudert, waren uns eine gute Gewohnheit. Meist am Mittwoch kam ich vorbei in dem kleinen Laden in dem Sie arbeiten, auf dem Weg zum Bahnhof, habe mir meinen Lieblingssalat geholt und mich gefreut zu hören, wie es Ihnen geht. Sie haben den griechischen Salat meist zur Seite gelegt gehabt, extra für mich - weil sie wusste, ich komme knapp vor Feierabend und ansonsten leer ausgegangen wär.
Mit einem strahlenden Lächeln haben Sie mich begrüsst "oh, schön Sie wieder zu sehen. Geht´s gut? War ihr Tag erfolgreich?", haben sich nach meinen Wünschen erkundigt "sicher ihren Salat – oder? Darf ich sonst noch was dazulegen? Heute kann ich ganz besonders gerne das Kernenbrot empfehlen - sooo lecker!".
Oft habe ich mir noch einen dieser knallroten Äpfel mitgenommen - sie haben mir immer den leuchtendsten, den grössten rausgesucht. Um mir eine Freude zu machen.

Wenn ich müde, erschöpft aus der Wäsche geschaut habe, dann haben Sie mir zugeblinzelt und mich zum Lachen gebracht. War ich in Eile, haben Sie 3 Gänge höher geschaltet, damit ich bloss meinen Zug noch erreiche. Ab und zu gab es ein feines Guetzli zum Probieren mit auf den Weg. Stets gute, liebe Worte, welche mich durch all die Wochen der 17 Monate begleitet haben.
Auf Sie, liebe Frau Freundlich, habe ich mich immer speziell gefreut.

Diesen Mittwoch war eine Stille in diesem Laden, welche ich nicht kannte. Sie hatten ganz andere Augen als sonst. Bedienten mich - freundlich wie immer - aber es war trotzdem anders. Gerade wollte ich aus der Türe, als Sie mich fragten: "Kommen Sie vielleicht am Freitag noch vorbei?". Ich antwortete, dass ich da zu Hause sei und leider erst am nächsten Mittwoch wieder Salat holen werde. Da kamen Sie hinten dem Tresen hervor, standen vor mich hin und sagten: "Dann möchte ich mich jetzt von Ihnen verabschieden..." und streckten mir Ihre Hand hin. Ich hörte ihre Worte genau - aber ihre Augen, ihre Haltung, ihre Stimmlage - die erzählten noch viel mehr. Deshalb wagte ich zu fragen: "Warum?".

"Ich bin 53 Jahre alt. Und hatte mir letzten September die Hand gebrochen, fiel 2 Wochen aus. Im November steckte ich mich mit der Schweinegrippe an und musste auch da 10 Tage zu Hause bleiben. Tja. 2 Tage vor Weihnachten kriegte ich die Kündigung mittels Einschreiben. Ohne Vorwarnung. Ohne ein Wort. Ich sei mit meinen 53 Jahren halt anfälliger.
Und deshalb habe ich am Freitag meinen letzten Arbeitstag".

Eine Eiseskälte überzog in diesem Moment meinen Körper, mein Herz, meine Gefühle. Wie kann man nur ...???? Sie, die der Inbegriff einer guten Verkäuferin ist, die Seele eines Ladens, das Herz. Mit welcher Berechtigung und welchem sozialen Verantwortungsgefühl lässt sich ein solcher Entscheid rechtfertigen? Was fühlt ein Personalchef, eine Personalchefin, die solche Kündigungsschreiben unterschreibt? Kann man da am Abend entspannt in den Spiegel schauen, sein Spiegelbild betrachten? Mir würde speiübel dabei!

Ich weiss, es gibt wirtschaftliche Kriterien, welche leider - gerade in der heutigen Zeit - zu solchen Massnahmen zwingen. Das ist schlimm genug. Ich weiss aber, dass gerade dieser besagter Laden - übrigens ein sehr bekannter Name mit keinerlei Schwierigkeiten im Absatz - personell auf junge, ungelernte, billige Kräfte setzt, damit der Gewinn noch ein bisschen höher ausfällt. Die noch verbleibende Verkäuferin da, sucht gerade eine neue Arbeitsstelle, weil sie diese Personalpolitik nicht mehr mittragen kann, nicht mehr mittragen will. Grundsätzlich nicht mehr ertragen kann. Sie ist mit ihren 2 Jahren hinter der Theke die Dienstälteste. Man stelle sich das vor!

"Frau Freundlich, das tut mir wahnsinnig leid. Und ich werde Sie vermissen. Haben Sie keine Angst, SIE werden bestimmt bald wieder eine neue, eine gute Stelle finden, in der Sie geschätzt werden. Ich danke Ihnen für alles. Sie sind ein toller Mensch und ich mag Sie so gerne. Passen Sie auf sich auf. Ich denke an Sie und drücke Daumen" - habe Frau Freundlich kurz in den Arm genommen und bin förmlich aus dem Laden abgehauen. Ich wollte nicht, dass sie plötzlich noch meine feuchten Augen bemerkt. Meine Betroffenheit war deutlich und ging ihr ans Herz.


Ich werde persönlich keinen Fuss mehr in dieses Geschäft setzen. Und wenn der Salat da noch so gut ist. Ich weiss, es wird nicht viel nützen - auf jeden Fall wird die Geschäftsführung von mir einen Brief kriegen. Aber auch das wird nichts bringen. Leider. Wo keine Menschen, bloss Leute und Geld-Verwalter sitzen, wird sich keine Menschlichkeit finden. Und kein Mitgefühl. Gehör schon gar nicht. Trotzdem.

Ich werde jetzt in die Küche gehen, mir Kartoffelstock mit Sosse zubereiten.
Und an Sie, Frau Freundlich, denken."

JA, DAS WERDE ICH.

Donnerstag, 25. Februar 2010

LIEBE FEHLER ...

"Manchmal denke ich darüber nach, wie ich mir das Leben verbaut habe, es mir verbaut wurde. Und dann bin ich traurig - geht es Dir auch so"?

Diese Frage hat mir kürzlich meine ganz liebe Freundin in einer Mail gestellt. Was ich über Fehler und Unglücke denke, über all das was war.
Ob man sie bereuen sollte.
Eine der wenigen Mails, welche ich nicht nur infolge Zeitmangels erst jetzt beantwortet habe. Viel mehr aus dem Grunde, weil ich darüber nachdenken musste, es in mir einiges - nein, vieles - ausgelöst hat. Die Frage mitsamt Fragezeichen ging durch sämtliche Instanzen meines Ichs.

Meine Freundin hat mich unbewusst dazu gebracht, viele Stationen meines Lebens nochmals abzufahren. An besagten Stationen anzuhalten, auszusteigen, zu verweilen - es auszuhalten. Das erlebte ich als nicht immer ganz einfach.
Ich hatte die Fakten vor mir, mein Handeln. Dem gegenüber standen die Eventualitäten des "hätte ich". Des "wenn" und des "aber's".

Mein Glück, dass ich mir sofort des Leerläufers von "hätte ich", "wenn" und "aber" bewusst wurde. Weil ich da nämlich nicht nur mein Handeln berechnen müsste, sondern auch das Handeln Dritter zu berücksichtigen hätte. Und so eine Schätzung ist in etwa ähnlich zuverlässig wie Aussagen selbsternannter Zukunftspropheten. Solches lässt man lieber.
Und befasst sich mit dem was war, den Tatsachen.
Und vor allem - das scheint mir das Wichtigste - mit dem was daraus wurde. Mit welchen Konsequenzen musste ich leben?

Genau an dieser Stelle kam Bewegung ins Spiel!
Was war? Jeder Mensch wird seiner Person, seinem Charakter entsprechend, eine lange, längere oder ganz lange Liste an Dingen aufzuzählen haben, welche er verbockte, in die Hosen gegangen sind, verursacht wurden, einfach passiert sind. Aus Unwissenheit, Naivität, Dummheit, Bequemlichkeit, Bosheit ... ach, der Gründe gibt es viele.
Mir ging es nicht anders.
Manchmal habe ich beim Gedanken daran schmerzlich das Gesicht verzogen - hat das wirklich sein müssen?
Selten entlockte es mir ein Lächeln - ach, was war ich da noch blauäugig!
Ab und zu rang es mir eine Träne ab - phuuu, hat ganz schön weh getan ...!

Ohne jetzt auf einzelne Ereignisse eingehen zu wollen ... ich fand auf die Fragen meiner Freundin für mich folgende Antwort:
Ja, ich denke manchmal an das Geschehene. Aber es löst in mir kein Gefühl der Reue aus. Übertrieben zu sagen, dass ich froh darum bin - aber in der vollen Überzeugung, dass es genau diese Zeiten waren, in denen ich gewachsen bin. Meine Entwicklung ist in den schweren Momenten passiert ist - nicht im ruhigen Fahrwasser des Lebens. Zugegeben, es hätte nicht immer ganz so heftig sein müssen. Trotzdem: Genau das war der Weg zu mir.
Ich habe Fähigkeiten entdeckt - weil ich musste. Ich habe über Kräfte verfügt, von denen ich nicht geahnt habe, sie zu besitzen.
Ich habe gelernt.

Den tiefen Bass, die Paukenschläge und Trommelwirbel hört man auch im ärgsten Lärm. Aber die leisen Töne, sie hört man nur in der Stille. Leise Töne sind nicht unwichtiger, nur weil sie nicht lauter als Trommelwirbel sind ...
Ich lernte mit und in ihnen die Feinheiten des Lebens. Manchmal liegt das Richtige knapp neben dem Falschen. Der kleine, feine Unterscheid.
Es einzuschätzen ist eine Sache der Lebenserfahrung. Und Leben, das richtige Leben - es ist immer "learning by doing". Auch wenn es weh tut.

Und auf dem Weg über die Steine sind mir Menschen, Glücke, Wunder begegnet - wäre dieser steinige Teil meiner Wanderung nicht gewesen, mir wäre viel entgangen. Ich habe auch gelernt, dass die Wertschätzung meiner zeitweilig ruhigen Fahrt in sonnigen Gewässern erst durch Fahrten in Stürmen und Gewittern möglich wurde.
Wenn heute auf meiner Sonneninsel ein Unwetter aufzieht, so stärkt das gesammelte Selbstvertrauen meinen Rücken - im Wissen, solche Zeiten zu überstehen.

Das mit den Fehlern, den Unglücken - man könnte tagelang darüber diskutieren, seitenlang schreiben, lebenslang darüber nachdenken. Ein Leben ohne sie wäre einfacher, viel einfacher.
Und doch ich wage provokant zu fragen, ob es - unter dem Strich - das bessere Leben wäre?

Ich bin das Produkt meines Lebens. Auf dem Stand von heute.
Was morgen sein wird ... wir werden sehen.

ICH BIN BEREIT.

Dienstag, 23. Februar 2010

ES WERDE LICHT!

Ein bekannter Mann mit Rauschebart und weissem Gewande hat weit weit weit vor meiner Zeit diesen Ausspruch getätigt: "Es werde Licht!". Bekannterweise wurde Licht. Das finde ich gut.
Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Auch das hat mal irgendein kluger Kopf gesagt.

Vom Schatten und vom Lichte, davon handelt meine kleine Geschichte heute. Damit mehr Licht denn Schatten sei.
Ach was bin ich heute wieder philosophisch veranlagt!

Kommen wir jetzt also mal zu den Schatten. Also ... so richtige Schatten sind es nicht. Dazu ist es nämlich jeweils zu früh am Morgen, ergo zu dunkel. Eher die Umstände, sie sind es.
Jeden Morgen ist das so. Um genau 04.45h.
Ausser Samstag und Sonntag.
Ihr wisst von was die Rede ist - ich habe es bereits mehrfach in diesem Blog zu schildern versucht.
Das Drama in Form von Weckergeläute, anschliessendem Gestöhne, Drehung links, Drehung rechts, erfolglosen Versuchen das Unwiderrufliche abzuwenden.
Wie gesagt ... erfolglos. Auf der ganzen Linie.

Ich persönlich habe mich dieser Situation in gewisser Art ergeben. Es ist halt so und fertig. Wenn schon aufstehen, dann gutgelaunt, pfeifend und die Welt erfindend. Zumindest im Ansatz.
Mein Schatz hört die eben geschriebenen Wort, bloss verstehen kann er sie nicht - und schon gar nicht nachvollziehen. Es spielt sich in etwas so ab:
ICH: "Huhuuu Schätzeli, bist Du wach?" ER: "HMMMMMMPFR"
ICH: "Prima - und - gut geschlafen, schön geträumt?" ER: "!HMMMMMMPFR!"
ICH: "Super, ich auch. Fit und munter?" ER: "!!HMMMMMPFR!!"
Derart detailliert wollte ich es eigentlich gar nicht wissen ...

Manchmal tut er mir wirklich leid. Wie er orientierungslos durch die Diele schlurft und mit viel Zufall das Bad findet, anschliessend traumwandlerisch die Couch ortet und bis zu den Nachrichten schluckweise heissen Kaffee mit viel Zucker in sich schüttet.

Doch seit gestern ist Hilfe in Sicht. Mittels "es werde Licht". Das zumindest hat die PULS-Sendung auf SF1 von gestern Abend den geplagten Morgenmuffeln und den mitleidenden LebensgefährtInnen aller Nationen verkündet. Gespannt hockten wir vor dem Fernseher und liessen uns erklären:


Es gibt neuartige Lichtwecker, welche den Sonnenaufgang simulieren. Über 30 Minuten lang wird es heller und heller im Zimmer. Das Auge nimmt durch die Augenlider diese Veränderung wahr, reagiert wie an einem schönen Sonntagmorgen und der Organismus beginnt mit der Aufwachphase. Ganz sachte, ganz natürlich, ganz weich. Das Aufwachhormon Cortisol wird stimuliert, das Schlafhormon Melatonin gedämmt. Zur Weckzeit kann man auswählen, mit welchen Tönen man in den Tag begleitet wird - ob mit dem Lieblingslied, Vogelgezwitscher. Meeresrauschen oder was auch immer.
Der Morgenmuffel-Proband in der PULS-Sendung fühlte sich wesentlich besser, gutgelaunter, fitter als sonst. Der lächelte sogar! Von ärztlicher Seite her wurde erklärt, äusserst interessant.

Diese Art des Weckens steht übrigens im Zusammenhang mit der bekannten Lichttherapie, welche nachweislich auch bei Depressions-Patienten durchaus sehr gute Resultate erzielt.
Katerli rückte ob solch wundersamer Nachrichten immer näher an den Bildschirm - ich träumte unterdessen schon von morgendlichen Gesprächen und Kanongesang auf dem Weg zur Busstation kurz nach 06.00h.

Mein Schätzu und ich haben uns nach dem Freudentanze, gloriosen Zukunftsaussichten und eingehenden Internet-Recherchen für das Modell Lumie 200 entschieden. Können es kaum erwarten, am Samstag loszugehen, uns beraten zu lassen und die Morgensonne nach Hause zu holen. Damit mein Liebster - gleich in mehrfache Hinsicht - heiter in den Tag kommt. Und ich nutzniessere mehrfach. Welch Wonne! Judihui!

Was haben wir für ein Luxus-Leben, mein Katerli und ich! Luxus im Sinne von Wahl, Möglichkeiten, Chancen.
Er sagt mir immer - manchmal anerkennend, manchmal kopfschüttelnd - dass ich mir das Leben einzurichten wisse. Meine eigene, kleine Welt.
So ein ganz kleines bisschen stimmt das auch.
Ein ganz klein wenig ist das Leben wie bunte Knete.
Manchmal.
So wie jetzt.

Sternenhimmel zum Einschlafen.
Sonnenaufgang zum Erwachen.

GLÜCKSKINDER WIR!

Montag, 22. Februar 2010

HEUTE SCHON GE-TUPPERT?

"Kommst Du auch"?
Diese harmlose, frauenspezifische Frage ist oft der Beginn so manch lustiger Stunden. Und der Anfang von Freundschaften. Ab und zu das Ende.
Leider auch der temporäre Ruin vom Hausfrauen-Sparsöilis.
Nachbarschaftliche Eiszeit.
Der Grund partnerschaftlicher Zwistigkeiten.
Aber unter dem Strich doch mehrheitlich der freudige Anlass, sich wieder mal zu sehen, zu plaudern, gemeinsam Käse-Salzstangen zu knabbern, Ananas-Mango-Cake zu degustieren, den Kaffee-Konsum anzukurbeln und bei Gelingen die Flasche Wein "für alle Fälle" aus dem Keller zu holen.

Ihr fragt, von was die Rede ist? Von Tupperware-Partys, von Schmuck-Partys, von Dessous-Partys, von Jeans-Partys, von Putz-Partys, von Kerzen-Partys, von Parfum-Partys ... überhaupt von Partys, welche eine Gastgeberin bei sich zu Hause veranstaltet, alle ihre Freundinnen, Kolleginnen, Nachbarinnen (und solche die es werden möchten) herzlich zu sich einlädt!

Eine "versierte" Gastgeberin kann bei entsprechendem Umsatz locker das 6er Set an luftdicht verschliessbaren Tupperdosen der neusten Linie "LINEA SUPERLADY" (wahlweise neonorange oder grasgrün) für lau bekommen. Die ansonsten für kostenbewusste Frauen unerschwingliche, extra-lange, supertolle Süsswasserperlenkette kann mittels Party-Points zu einem Hurra-Obolus erstanden werden und die 3-Docht Kerze mit Meeres-Brise-Duft im Betrage eines Lastminute-Wochenendes in Paris, kriegt frau dann schier geschenkt!
Solche Gastgeberinnen verlieren dann aber leider leicht den wirklichen Preis aus den Augen: Bei einer nächsten Was-auch-immer-Party hat jede Freundin leider schon einen anderen, ganz wichtigen, unaufschiebbaren Termin. Selbst "Nur"-Kolleginnen und angehende Fastfreundinnen gehen dann lieber zur Dentalhygienikerin oder zur Jahreskontrolle beim Gynäkologen. Frau wird einsam.
Alles schon erlebt, alles schon da gewesen.

Im Gegensatz dazu, lässt die wirklich gute Gastgeberin solche Kalkulationen, Überlegungen völlig ausser acht, macht den bunten Abend zum kulturellen Frauen-Event der Woche, legt vor allem Wert auf gemütliches Miteinander, gelöste Stimmung - und wird freudig überrascht sein, dass die Freundinnen, Kolleginnen, Nachbarinnen - ohne sich "genötigt" zu fühlen - nach Herzenslust einkaufen werden. Und das jederzeit gerne wieder.

Ich erinnere mich mit Freude an meine letzte Schmuckparty bei Barbara. Was haben wir gelacht! Viel Spass gehabt, rege geplaudert, uns gegenseitig beraten. Hab meine Coucousine nach über 30 Jahren wieder mal getroffen. So schön!
Nicht zu vergessen das ganz persönliches Highlight, der grosser Fund: Mein Hochzeitsschmuck!

Ganz toll war damals auch die Putzparty mit Uschi. Sie hat meine Küche als Vorführobjekt genommen den sensationellen Zitrus-Putzstein zu präsentieren und unter die Leute zu bringen. Übrigens äusserst erfolgreich, in jeder Hinsicht! Meine Küche war hinterher blitzeblank, ich habe seither das Lieblings-Putzmittel meiner Wahl gefunden - und mit mir übrigens so ziemlich alle anderen Anwesendinnen auch. So sollte das am Ende eines Partyabends immer sein: Alle zufrieden.

Nun kriege ich also gestern wieder mal eine Anfrage zur Tupperparty. Von einer ganz herzigen, herzlichen Frau, welche ich anlässlich meines mindestens so amüsanten wie erfolgreichen Adventskranzkursus kennen gelernt habe. Die lustige, spontane "Weiss-Kerzen-Frau-von-vis-à-vis" ... was soviel heisst, als dass es sich um die Lady handelt, welche mir gegenüber stehend die Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe "wie erwerkle ich erfolgreich meinen Adventskranz, der auch so aussieht wie er heisst" gemacht hat und anlässlich dieser Herausforderung ihren Kranz mit weissen Kerzen bestückt hat. Wir sind uns also sozusagen beim Heissleimdrücken näher gekommen.


Wisst ihr, eigentlich habe ich ja die Schränke voll von Tupper- und anderer ...ware. Ich habe Clickboxen. IKEA-Tiefkühl-Schüsseln. Bin stolze Besitzerin diversester Aufbewahrungs- und Vorratsdosen in sämtlichen Regenbogenfarben-Varianten.
Trotzdem - diese Tupperwareparty wird mit Beteiligung meiner Person stattfinden. Einfach, weil ich mich auf einen Abend mit Freundinnen freue. Und wer weiss, was dieser Abend sonst noch so alles zu bieten hat!

Ich werde bestimmt wieder ein paar neue, bereichernde Bekanntschaften machen. Gute Gespräche führen. Mit der Weisskerzenvisàvisfrau ein Gläschen Wein trinken und mal nachfragen, wie es denn mit dem März-Kurs "Osterbaum" aussieht. Ob wir wollen, ob wir sollen?

Eventuell muss mein Portemonnaie Federn lassen. Man kennt es ja ... die neue Dosen-Kollektion in Pastellfarben. Frühlingsrosa und Fliederlila. So schön!
Unsere arme Haushaltskasse - ärmer an Fränklis und Räpplis.

Aber ich ...

... ICH WERDE REICHER SEIN. BESTIMMT!

Sonntag, 21. Februar 2010

MUSKEL-KATER

"...aber wir müssen doch über Zweisimmen fahren, letztes Mal sind wir auch über Zweisimmen gefahren!". so der empörte Ausruf von meinem Schätzi-Katerli, nachdem Charlotte (unsere Auto-Navigations-Stimme) ihn vehement dazu aufgefordert hat "bei der nächsten Möglichkeit wenden! Bitte wenden!".

Während ich meinem Liebsten erklärte, dass wir damals auch nach Gstaad - und nicht wie heute - nach Grindelwald fahren wollten, leitete er grinsend das Wendemanöver ein ("...auch ein Deutscher kann mal irren...").
So weit, so gut.

Vielleicht müsste ich euch jetzt mal näher an das Geschehen von gestern holen und erklären:
"Meine" Garage feierte Weihnachten. Das tun wir immer erst im Februar, weil Dezember für Weihnachtsfeiern ausserhalb der interfamiliären Verbindlichkeiten doch eher Belastung denn Freude ist. Erst geht man noch von Feier zu Feier, gegen Ende Dezember rollt man von Festessen zu Festessen. Und nach dem Silvesterschmaus hat man irgendwann die Nase voll, selbst von den zartesten Filets, wunderbarsten Sossen und ausgefallensten Dessercreationen. Man will Pellkartoffeln mit Quark und viel Petersilie. Dunkles Brot mit einem Stück Käse mit scharfem Senf. Dazu Ruhe. Keine 3- und Mehrgänger.
Deshalb feiern wir - meinen Chefs sei Dank - erst im Februar. Verbunden mit einem "wir-machen-was-zusammen-Tag ... und das erst noch mit Anhang". Gestern stand Rodeln auf dem Plan. Rodeln. Schlitteln. Durch die Luft segeln. Auf die Schnauze fallen. Was so viel heisst wie: Viel Schnee, viel kalt, viel Bewegung. So richtig was für junge Leute in meinem Alter. Aber wer nix riskiert, der nix gewinnt - und so waren Katerli und ich ebenso begeistert von der Idee, wie die Jungspunde bei uns im Bunde. Der Jüngste eben 18.

Ergo versammelten wir uns also gegen 12.30h im Sportzentrum Grindelwald. Was wir nicht bedacht hatten war die Tatsache, dass an einem sonnigen Wochenende in der Hochsaison in einem absoluten Mekka des Wintersportes die Parkplätze um 12.30h eher rar gesät sind. Sehr rar. Und so wurde es dann zeitlich etwas später, bis auch jeder sein Fahrzeug in einem abgelegenen Winkel von Grindelwald regelkonform verstaut hatte.
Da standen wir nun am Bahnhof, Alle in empfohlener Winterausrüstung, was da heisst: Skihose, Snowboardschuhe oder zumindest dicke Wintertreter, Skijacke, Skihandschuhe, Skikappe, Skibrille. Ausser Katerli und meiner Wenigkeit. Wir hatten unsere wärmsten Winterklamotten in der berühmten Zwiebel-Look-Technik übereinander geschichtet, die dicksten Jeans angezogen, Schuhe mit zumindest dicken Sohlen. Er eine lässige Wildlederjacke, gefüttert. Ich den knall-violetten Mantel, der so schön flauschig ist, sehr warm gibt - aber eher für den Besuch einer Modeschau oder für ins Theater gedacht ist, da sehr auffallend in Farbe, Schnitt und anderen Details. Aber wenn es hilft ...! Zudem hat Chef uns Stulpen empfohlen, das würde helfen, dass die Jeans nicht sofort nass und ergo extrakalt wurden. Gesagt, getan. Katerli stiefelte in schwarzen - und ich in rosa Stulpen durch Grindelwald. Anstelle einer Skimütze trug er so eine Sherlocks-Holmes Kappe mit Ohrenklappen, ich ein Samt-Beret in mit dem Mantel harmonisierenden Dunkelviolett.
Schätzu sah in seiner Gesamt-Montur letztendlich wie der Kutscher von Jack the Ripper aus - herrlich!

So machten wir uns dann also auf im Bus gen die Bussalp. Eine halbstündige Fahrt ab Grindelwald Bahnhof.


Mit einer gewissen Skepsis nahm ich die Steilpassagen dieser Rodelpiste wahr, Katerli war unterdessen schon ganz bleich um die Nase geworden. Meine lieben Kollegen fragten so Dinge wie: "... ihr habt aber die Mitgliedschaft bei der REGA - oder?...". Danke, ja, haben wir!
Oben auf der Bussalp angekommen, stärkten wir uns erst mal mit einem feinen Fleischteller, Hobelkäse und Pommes. Dazu Mineralwasser. Besser so. Schätzu trank zwar in seiner Not ein Bier, dies half ihm aber nicht aus der für ihn ungewohnten Sprachlosigkeit. Er hat sich kurz nur danach erkundigt, wann genau man mit dem Bus auch wieder runterfahren könne ... aber ansonsten war Stille von seiner Seite. Ich lachte mir Mut zu und schlich anschliessend mit den Anderen zur Schlitten-Vermietung.


Wir wurden informiert, dass es den Speed-Run für Könner gäbe. Und halt die normale Piste für ... Leute wie mich und Katerli. Katerli, Chef und seine beiden Kidz sowie meine Wenigkeit nahmen die normale Piste. Alle Anderen waren Könner. Und ich befürchte, dass Chef seine 2 Kidz nur mitgenommen hatte um mich ohne Gesichtsverlust auf der Normalo-Piste zu begleiten, mir Beistand zu geben.


Bei Katerli MUSS es eine reine Alibiübung gewesen sein, mit mir auf die Hausfrauenpiste zu kommen. Er hat sich nämlich auf seinen Schlitten gesetzt und ab die Post! Ich sah nur noch den Schnee aufstieben. Ihn nicht wieder. Erst unten, in Grindelwald.
So hatte ich mir das damals auf Rhodos beim JA-Worte nicht vorgestellt!

Leicht ängstlich platzierte auch ich mich auf dem Schlitten, raffte meinen Mantel unter, zwischen, über mich - und fuhr los. Himmel Herrgott ... Geschwindigkeit ist echt nicht meine Stärke. Ich habe meine beiden Fersen in den dicken Schuhen feste, ganz feste in den Schnee gerammt und hab diese wie Bremshebel eingesetzt. Aber ich konnte nie in dem Masse bremsen, wie es für mich sinnvoll gewesen wäre!! Besonders die vereisten Stellen haben mich Blut und Wasser schwitzen lassen.
Von Schnee und Kälte kriegte ich nichts mit - schliesslich hatte ich genug damit zu tun, mich auf dem Gefährte zu halten und einigermassen stilvoll runter zu kurven. Wenn sich wieder mal ein Bus mittels "TATÜÜ-TATAAA!" angemeldet hat, musste man rechts raus und Platz machen. Ansonsten - und das hat mein Katerli mir mit seinem breitesten Grinsen geschildert - man in den grossen Radkappen des Busses schmerzvoll hängenbleibt und das im Endresultat nicht schön aussieht. Um diese Bus-Pausen war ich auch übrigens immer froh, weil dann meine geschundenen Fussgelenke ein wenig ruhen konnten! Kilometerweise diese in den Schnee zu stemmen ist gar nicht ohne.

Irgendwann trafen wir Alle wieder aufeinander, ich kam als Letzte. Nachdem eine neuerliche Fahrt gerade mal so eben abgewendet werden konnte, fuhren wir noch bis nach Grindelwald runter. Das heisst: Die Anderen fuhren diesen halsbrecherischen Rodelpfad runter. Nachdem die ersten 3 einen veritablen Salto in den Tiefschnee zu Stande gebracht hatten, nahm ich Route 2 unter Füsse. Was so viel hiess wie: Latschen. Die Strasse war da nämlich nicht mehr schneebedeckt. Aber lieber 4 km per Pedes anstelle Salto mortale! Zumindest, was mich anbetrifft.
Während die Anderen nun humpeln und sich die Zerrungen und Beulen cremen, spüre ich nur die Muskeln in meinem Allerwertesten und die Blase am linken Fuss. Aber die heftig!

Es war lustig. Wirklich - hat uns allen Spass gemacht, Selbst mir, der Hasenfüssin.
Nach so einem Tag war die logische Schlussfolgerung, dass wir Alle uns einen gemütlichen, schönen Abend bei Speis und Trank verdient hatten. Das mongolische Barbecue HAN in Thun bot uns genau das Richtige und so schlemmten wir bis spät in die Nacht.

Heute ist Ruhetag angesagt. Katerlis Oberschenkel schimmert bereits in dezentem blau-violett-rosa. Sieht irgendwie schön aus und passt zu meinem Mantel. Er weiss, was ich mag. :-)
Ich meinerseits werde mir gleich ein Vollbad mit Rosmarinextrakt gönnen. Und ein Sitzkissen mit ins heisse Bad nehmen. Die Augen schliessen und von meiner wilden Schuss-Fahrt durch den stiebenden Neuschnee träumen. Von meinem - für meine Verhältnisse ausserordentlichen - Geschwindigkeitsrausch.
Ihr lacht?

AUCH EINE EINTAGSFLIEGE LIEBT.
AUS IHRER SICHT EIN LEBEN LANG!

Freitag, 19. Februar 2010

AUGENFUNKELN, SAMTHAUT UND WUNSCHFIGUR!


Da gehe ich gestern Abend - nichts ahnend, gutgelaunt und frohen Mutes - durch die Gassen meiner Stadt. Und ich war wirklich gut gelaunt, weil ich nämlich gleich einen Frisörtermin hatte. Und wenn ich einen Frisörtermin habe, dann ist meine Grundstimmung sowas von durchwegs positiv! Schier jede Frau wird mir nachfühlen können.

So bummelte ich also, mit mir und der Welt im Reinen, auf dem Wege zu Fabienne neben dem Buchladen meiner Wahl durch, werfe einen Blick in die Auslage ... und lese da:

"Das Augenfunkeln-Samthaut-Wunschfigur-Gefühl". Unter diesem Plakat liegt in der Auslage, gut sichtbar: 1 Dose Hautcrème, CDs, ein Buch. Und suggeriert mir ergo - mir, die ich da draussen an der Kälte stehe, - dieses Lälälä-Gefühl. Ich höre es selbst durch die dicke Schaufenster-Scheibe flüstern:

"Halllooooo Sternenzauber, heute schon mal in den Spiegel geschaut? Hast Du Dir heute Morgen auch die Zeit genommen, Dich nach der Dusche mit dieser Wundercème einzubalsamieren? Wenn nein, dann schuppt Deine Haut ganz fürchterlich, habe ich nicht Recht?
Und - hast Du heute schon die Musse gehabt, Dir diese wundervolle CD anzuhören? Haben diese sphärischen Klänge daraufhin Deine Seele via Ohrmuscheln, Gehörgang beglückt - so, dass Dein Tag ganz ungemein wertvoll war?
Und, Sternenzauber, wie steht es mit der Figur? Heute schon mal seitlich vor den Spiegel gestanden ohne den Bauch einzuziehen? Kneifen die Jeans? Und hast Du Dich beim Mittagessen auch brav an die heute zulässige Point-Zahl der zu verzehrenden Lebensmitteleinheiten gehalten? Wenn Du, liebste Sternenzauber, all diese Fragen mit einem lauten JA beantworten kannst, dann bist Du einer dieser glücklichen Frauen, welche das hier ausgestellte Buch der Bücher über Diäten und dergleichen gelesen hat. Dann Chapeau.
Wenn nein, dann hilft nur noch eines: GEH IN DEN LADEN UND KAUF DES ZEUG! DU HAST ES NÖTIG!!!"


Ich ging in mich. Ungewollt. Ein fraulicher Reflex.
Nö, habe mich nicht eingecremt. Ganz einfach, weil mein Katerli-Schatz des frühen Morgens 2 Stunden länger als ich im Bette bleiben durfte. Ich also wie ein Dieb um 05.00h mitsamt meinen Kleidern, Schmuck, Parfum und Bademantel gaanz gaaaanz leise aus dem Schlafzimmer geschlichen bin, erst nach der Dusche gemerkt habe, dass ich meine Bodylotion nicht dabei hab. Jetzt nochmals zurück ins Schlafgemache - auf die Gefahr hin, meinen Liebsten infolge Geräusch-Irritationen aus dem verdienten Schlafe zu reissen, ihn zu stören? Da ist er nämlich sehr sehr heikel! Tut eine liebende Frau das? Nein! Und überhaupt - meine Haut ist weich und warm. Jawoll!

Nö! Klänge, zumindest sphärische,  habe ich des Tages auch nicht gehört - ausser Kundenstimmen, Telefongebimmel, Computerpiepsen, Motorengeräusche, Zugsbremsen und dergleichen. Ich hatte nämlich einen riesenstrengen Arbeitstag, der nicht den kleinsten Gedanken an Entspannung zugelassen hätte! Und hab trotzdem dieses Funkeln in den Augen! Sternenföifi!

Nö! Ich habe beim Mittagessen - nach dem Kämmen der Computer-Buchhaltung und vor dem arbeitsreichen Nachmittag - keinen einzigen Gedanken an Points, Kalorien, Nährwerte und dergleichen verloren. Ich brauchte Nahrung, ganz einfach Nahrung. Für Körper, Seele und Geist. Das Roastbeef war ganz herrlich, den Rest Sauce Tartar hab ich noch mit Brot aufgetupft und den anschliessenden Kübel Kaffee hinterher so richtig genossen. Mit viel Milchschaum! Und Schokopulver drauf!
Die Zeit mich seitlich im Spiegel zu betrachten ... ich hatte sie nicht. Und hätte ich sie gehabt, hätte ich auch nicht. Meine Jeans haben einen nicht zu unterschätzenden Stretchanteil und kneifen nie. Baucheinziehen ist doof, dann blähen sich die Backen so unansehnlich und die Augen treten glupschig hervor. Ich sage nicht, dass ich gegen 10 kg weniger was einzuwenden hätte. Würden sie mir denn einfach so genommen. Aber - ich habe in dieser Hinsicht meine Mitte gefunden - selbst wenn diese Mitte keine Wespentaille aufzuweisen hat. Jawoll!

Erstaunlicherweise habe ich so was Ähnliches für Männer nicht finden können. Trotz Suche. Weder im Schaufenster noch in der Buchhandlung.
Dafür hingegen für Kinder und Hunde. Damit alles schön so ist, wie wir es haben wollen.

Der Abend bei meiner Frisöse Fabienne war übrigens mal wieder der Knüller. Wir haben viel gelacht und phantasiert. 

Ich ging frisch erblondet wieder nach Hause.
Schön verwuschelt. Und alles andere als stromlinienförmig.
 
SO SOLL ES AUCH BLEIBEN :-)!

Mittwoch, 17. Februar 2010

DAS FENSTER ZUM HIMMEL

Es gibt die leisen Momente.
Sie sind mir nicht weniger eindrücklich als die lauten, turbulenten, fröhlichen Augenblicke.

Wer öfter hier in meinem Blog zu Gaste ist, wer persönlich mit mir zu tun hat - der bekommt manchmal den Eindruck, dass mein Leben aus Lachen, Lieben, gerne Arbeiten, Steppen, Shoppen, Halleluia und Holdrio besteht. Diesen Eindruck scheine ich immer wieder zu hinterlassen.
Dass meine Welt pinkfarben ist, ich auf Wolken wandle, Probleme mit links und kleine Wunder mit rechts erledige. Dass mir nichts unmöglich ist und Wunder schier alltäglich. Nichts mich aus der Bahn wirft, gute Laune Programm ist. Dass meine Ideen mir nicht ausgehen, Antworten auf so viele Fragen parat sind, Kraft eine unerschöpfliche Quelle in mir ist.

Ein guter Teil davon stimmt auch. Aber eben, nur ein Teil.

"Du bist halt irgendwie anders" - wie oft höre ich das. "Du hast mehr Kraft als andere", "Du bist halt Sternenzauber - aus einer anderen Welt".
Bin ich das wirklich? Meinst Du?
An das alles denke ich manchmal, wenn ich in der Wohnung auf der Couch sitze und durch mein Fenster zum Himmel
die Sterne betrachte. Meinen Tag, die Erlebnisse, Revue passieren lasse.

Mein Fenster zum Himmel. Es ist mitten in der hohen Decke des Wohnzimmers. Wie ein Trapez aus Glas gibt es dem Blick freie Sicht nach oben. Für mich ein herrlicher Ausblick! Wenn ich des Nachts alle Lichte lösche, kann ich wie beschrieben die Sterne sehen. Kann träumen, Gedanken nach oben schicken - und Grüsse. Sterne sind mir lieb, sind mir teuer. Wertvolle kleine Diamanten für Alle. Sie kosten nur einen Blick und klein bisschen Aufmerksamkeit. Hat man das Glück und sieht eine Sternschnuppe ihren Glitzerschimmerschweif über das Dunkel des Himmels ziehen, darf man sich was wünschen. Ich will jetzt nicht versprechen, dass jeder Wunsch erfüllt wird. Aber immerhin ... die Chance besteht. Und Chancen hat man immer dort, wo Hoffnungen sind. So hoffe ich denn.


Wenn es regnet, dann klopfen die Tropfen wie ein Singsang auf diese Scheiben. Bin ich müde, dann höre ich dem Tropfenlied zu, werde ganz still und ruhig - und schlafe manchmal sogar auf der Couch ein. Bin ich munter, dann ist es mir eine Freude dem Tropfenspiel zuzuschauen. Wie kleine Perlen, die sich sammeln und als grosse Perle über die Scheibe kullern. Wie sie glitzern, wenn die Sonne nach dem Regen ihre Aufwartung macht! Schön. Ein grauer Regentag? Oder doch eher silbern?

Manchmal schauen Raben in die Wohnung. Frech, ganz aufmerksam und voller Neugierde. Man kann hören, wie sie mit ihren kleinen Krallen über das Glas trippeln. Es schenkt mir immer wieder ein Lächeln. Manchmal gehe ich dann nach oben, auf die Dachterrasse - und füttere diese schwarzen Gesellen. Sie danken es ihrerseits mit Gekrächze. Ich gehe davon aus, dass es freudig ist.

Bei Schnee hat mein Fenster eine Haube, sieht von oben aus wie Sahne auf einem Eisbecher. Dann fühlt man sich wie unter einer schützenden Haube. Die Geräusche von aussen sind gedämpft, so wie auch das Licht, welches nur noch matt durchscheint. Kommt die Wärme, rutscht dann irgendwann diese ganze Schneematte runter, gibt Blick und Licht wieder frei.


Ich kann bei Gewitter den Blitzen zuschauen. Zählen, wie weit der Donner entfernt ist. Kann den Wind erahnen, wenn Wolken über mein Fenster schweben.

Kann der Sonne, ihren Strahlen, bei gutem Wetter Einlass gewähren, im Zentrum der Wohnung. Sie dankt es mit Helligkeit, Wärme, Licht.
Der Pessimist würde jetzt in die Sonne blinzeln und sagen: "Kenn ich - dann sieht man, dass die Scheiben wieder mal geputzt werden müssten. Den Staub auf dem Fernsehmöbel. Die Krümel auf dem Teppich".
Ich fühle, wie gut es tut, diese Wärme auf der Haut. Das Licht in der dunkelsten Ecke. Gutelaune-Gefühle als Geschenk vom Himmel. Merci!

Mein Fenster zum Himmel ist einer der Gründe, warum es mir gut geht. Es sind doch oft nicht die grossen Dinge im Leben, welche unser Glück ausmachen. Auch, aber nicht ausschliesslich. Es sind die Nischen, welche wir uns schaffen. Die vielen kleinen "Tut-mit-gut-Momente". Der Sonnenstrahl hier, der helle Stern oben - und selbst einer dieser kleinen, glitzernden Regentropfen kann es sein. Ein Augenblick in Ruhe.

Was ich letztendlich sagen möchte:
Ich bin nicht stärker als Andere ... aber ich weiss, wo ich Kraft tanken kann.
Ich bin auch nicht anders als Andere ... aber ich getraue mich, stets mich zu sein.
Ich bin nicht glücklicher als Andere ... aber ich weiss, dass das Glück in mir wohnt. Und dass viele kleine Glücke zusammen auch ein grosses Glück ergeben.
Ich habe nicht mehr und nicht weniger Grund zum Lachen als Andere ... aber ich weiss, dass mit ein wenig Aufmerksamkeit dem Leben gegenüber und dem Augenblinzeln im richtigen Moment, die Fröhlichkeit Wegbegleiter wird.
Meine Welt ist nicht farbiger als Deine ... aber ich weiss wo ich hinschauen muss, um mir Farbe ins Leben zu holen.
Und wenn das nicht hilft, hol ich mir den Regenbogen vom Himmel und male meine Welt bunt an.

Jeder Mensch kann sie finden, diese Fenster zum Himmel. Jede Sache die Gefühle in einem weckt, kann so ein Fenster sein. Menschen, Dinge, Orte, Erlebnisse. Alles was man schätzt und respektiert.

Stelle Sinne und Gefühle auf ON. Augen auf! Ohren auf! Arme weit!

DANN GEHT AUCH DAS FENSTER IM HERZEN AUF.

UND DU WIRST LÄCHELN!

Dienstag, 16. Februar 2010

SPENDENAUFRUF: WÄRME!!

Eines meiner aktuellen Lieblingthemen ist und bleibt ... vorläufig, leider ... die Kälte, der Winter.

Heute Morgen als der Wecker bimmelte, habe ich den grossen Zeh nach draussen gereckt - und in der gleichen Zehntelssekunde beschlossen, noch eine Minute länger im Warm des Bettes zu verweilen.
Dieses Spiel habe ich solange hingezogen, bis mein Schätzu darauf Wetten abgeschlossen hat, ob wir heute den Bus an den Bahnhof verpassen oder nicht.
Der Blick nach draussen ist ja nicht einfach nur der Blick in eine Schneelandschaft. Blankes Eis, überall! Momentan ist es völlig egal, ob ich den Tiefkühler öffne oder zur Türe rausspaziere, der Effekt ist der gleiche. Optisch und im Hühnerhautgefühl. Überall glitzert Eis. Um 06.00h in der Früh war es dermassen untertemparaturig, dass einem schon nach ein paar Schritten die Oberschenkel brannten und es sich wie Nadelstiche auf der Haut anfühlte. Katerli konnte mit einer akrobatischen Einlage gerade eben noch verhindern, ungebremst auf die Eisplatte an der Bushaltestelle zu knallen. Ich meinerseits riskiere insofern meine physische Gesundheit, indem ich mittig auf der Strasse gehe. Da ist es im Moment - was zumindest Eis anbelangt - am ungefährlichsten. Wenn ich die zweifelhafte Wahl habe zwischen A) stürzen, Beine brechen und anschliessend erfrieren oder B) überfahren, tätsch und futsch auf sofort ... dann lieber Variante B.


Schätzu mahnt mich immer, doch wenigstens eine Mütze anzuziehen - ich klage bei Kälte stets über Kopfschmerzen. Kann ich aber nicht, weil mein Wuschellook dann völlig ruiniert wird. Habe schon alle möglichen Haar-Einbetonierer ausprobiert, alles für die Katz. Nach einer halben Stunde mit Mütze sehe ich aus wie ein Igel nach einem Frontal-Crash. So kann ich mich meiner Kundschaft nicht präsentieren.
Alternative: Frieren. Und Kopfweh.
Das Leben ist hart. Und so kalt!

Ich habe mittlerweilen Taktiken entwickelt, welche meinen Arbeitsweg ein bisschen angenehmer gestalten: Wo immer möglich, spekuliere ich in Bus, Bahn und Tram auf einen Sitz mit Heizung. Da ist dann jeweils unter dem Sitz so ein schwarzer Kasten, der einem eine herrlich warme Rückfront garantiert. Zudem ist es wichtig, sich nicht in der Nähe der Türen zu befinden - bei jeder Haltestelle fliesst die kalte Luft à discrétion rein, geht ja gar nicht!
Ausserdem werde ich bis Ende Februar nie mehr ohne Leggins unter den Jeans und Zusatzrolli unter was auch immer arbeiten gehen. Den langen, breiten Pashminaschal dekorativ um die Schultern drapiert sieht zusätzlich nicht nur schick aus - nein, er wärmt!
Wenn jemand von euch demnächst eine Sekretärin mit derartiger Kleidung und zusätzlich  so fingerfreien Fingerhandschuhen im Büro sitzend am Compi antrifft, das bin ich!

Liebe Leute - es gibt Menschen, denen haben die erwähnten Minustemperaturen nachweislich so einige Hirnzellen zumindest stark beschädigt. Anders kann ich es mir nicht erklären, wieso C&A mir gestern mittels dem aktuellen Newsletter die Bademode 2010 schmackhaft machen will! Hallo!?
Und als wäre das noch nicht genug, warte ich heute Morgen 3 Minuten auf mein Tram. Vor einem Reisebüro. Meine Augen saugten sich förmlich fest an diesem grossen Bild, welches den Blick freigab auf eine sonnenumflutete, im Blau des Meeres eingebettete Malediven-Insel. Die dort herrschende Temperatur war durch das Schaufenster hindurch zu erahnen, schier spürbar.
Während ich an der Kälte Wölkchen atmete und die Hände in den Jackentaschen vergrub.


Wenn ich grade eben jetzt so rausschaue, ist der Himmel stahlblau und die Sonne scheint. Das ist aber nur Schein.
Kürzlich, in diesem spannenden Krimi, sah der Killer auch aus wie ein leibhaftiger Engel.

Was lernen wir dabei? Es ist nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick scheint!
Ergo:

ZIEHT EUCH WARM AN!

Montag, 15. Februar 2010

VALENTINS-FLOATEN!

Valentinstag. Mögen die Leute sagen was sie wollen - ich finde den gut.
Ich finde jeden Tag gut, der mit Liebe zu tun hat.

Der schier erzwungene Blumen-Hype muss nicht sein. Und das "Ich liebe Dich" - weil Valentinstag ist - bitte nicht! Aber wenn man liebt, so richtig von Herzen liebt, ob Valentinstag oder nicht, dann ist dieser Tag einfach nur ein Grund mehr dies zu leben. Liebevollst, herzlichst, freudigst.
Ich finde liebend gerne immer wieder einen Anlass, meinem Katerli auf irgendeine Art und Weise zu zeigen, welch Glück er mir bedeutet, welch Sinn er mir macht.

Kleine rote Schoggiherzchen ... weil es so kalt ist.
Ein feines Duftbad, kleine Häppchen mundgerecht dazu serviert ... weil es Wochenanfang ist und der Samstag noch so weit.
Das Büchlein mit schönen Gedichten ... weil Vollmond ist und er nicht einschlafen kann.
Sein Lieblingsparfum ... weil die Arbeitswoche so streng ist und Düfte gut tun.
Ein Spezialbier ... weil es so heiss war und er 2 Stunden Zug fahren musste.
Kinotickets für den Film, den er sich unbedingt anschauen wollte ... einfach so.
Weil ich ihn liebe!


Den gestrigen Valentinstag habe ich zum Anlass genommen, meinem Katerli was ganz Spezielles zu gönnen. In Anbetracht dessen, dass seine Wochen infolge eines eher harzigen Mammutprojektes momentan kräfte- und zeitraubend sind, suchte ich nach Genuss für ihn, nach Entspannung und Kraftreserven.
Gesucht habe ich so was wie ein Überraschungsei für grosse Jungs: Spiel, Spass, Entspannung.
Gefunden habe ich: Floaten! Und Massage! Wohlfühlgenuss im Doppelpack.

So fuhren wir denn gestern Nachmittag nach Münsingen - voller Spannung was uns da erwartet. Wie es sein wird. Katerli hatte als Erster das Vergnügen in die Wanne steigen zu dürfen. Und während er anschliessend massiert wurde, kam meine grosse Stunde der Entspannung. Mich erwartete:

Ein schön eingerichtetes Zimmer mit einer Riesenbadewanne in Form einer aufgeklappten Muschel. Man zieht sich aus, legt sich in das konzentrierte Solewasser und schwebt wie ein Korken auf dem körperwarmen Nass. Die Muschel schliesst sich langsam und lautlos, das Licht geht aus und zu hören ist - je nach Wunsch - die eigene Lieblingsmusik. Oder Stille, absolute Stille. Zu vernehmen ist dann nur der eigene Herzschlag. Man verliert sich im Schweben auf dem Wasser, meint dahin zu gleiten, zu drehen, Wellen zu spüren. Das Empfinden für die Grenzen des eigenen Körpers verliert sich langsam, der Körper wird eins mit dem Wasser ... es ist ein unbeschreiblich weiches, warmes, behütetes, fliessendes, umarmendes Gefühl. Raum und Zeit sind plötzlich nur noch Worte, nichts als Worte. Eingekleidet in den schwarzen Samt der Dunkelheit, keine Ahnung mehr haben wo die Linie des Wasser am Körper entlangführt, liegen wie auf einer Wolke, genussvolles Anschmiegen, Verschmelzen.
Der Atem geht ganz ruhig, ich habe gespürt, wie ich total loslassen konnte, entspannen, mich aus dem Alltag ausklinken. Keinen Gedanken an nichts haben. Nur sein. Eine wunderherrliche Erfahrung! Das tat so gut!


Wenn ihr also demnächst mal aus dem Hamsterrad ausfädeln wollt, was Besonderes erleben möchtet - dann floatet. Wir werden es künftig öfter mal tun. Wann immer uns der Sinn danach steht.
"Unsere" Floatstation kann ich mit gutem Gewissen empfehlen:
http://www.float-gate.ch/

So hat uns dieser Tag wieder etwas neues, sehr Schönes eröffnet.
Valentinstag nicht als Demonstration...

... ABER ALS LIEBEVOLLE MÖGLICHKEIT!

Sonntag, 14. Februar 2010

STERNENZAUBER STEPPT!

Menschmenschmensch ... was war das Gestern für ein toller Abend!
Ich bin noch immer ganz im Banne von Michael Flatley´s LORD OF THE DANCE. Hui, das ging ab!

Das Erlebnis begann sehr gemütlich. Schätzeli und meiner einer liessen uns mit dem Zug zum Orte des Geschehens nach Zürich chauffieren. Während Katerli mir völlig zu Unrecht (und aus Erfahrung) unlautere Shopping-Absichten unterstellte, suchte ich auf der teuren Bahnhofstrasse doch nur die Tramhaltestelle zum Kongresshaus! Männer tztztztztz!
Wir hatten uns da nämlich um 17.00h mit Chef und Cheffreundin verabredet, wollten das Intro des zu geniessenden Abends kulinarisch einläuten. Allerdings .... stand da auf der Karte bei den Vorspeisen / Suppen die feine, legierte Hummersuppe mit dem Hauch von Cognac und einem Schaum aus Weissichnichtmehr mit warmen, selbstgemachten Brot aus biologisch angebautem Roggen für den kleinen Obolus von Fr. 65.--, mit Salätchen dazu (5erlei grün mit Sesamkruste und altägyptischem Dressing á la mode du chef Fr. 90.-- .... haben wir uns für das Restaurant SAM´S entschieden.



Ist eigentlich eine Pizzeria American Style, aber der Börger mit Country cuts und Salat war auch super lecker, die Pizzen dito, der Eisbecher mit heissen Früchtchen sowieso.
So begaben wir uns gestärkt ins Kongresshaus, enterten unsere guten Plätze und harrten der Dinge die da kamen.

Und es kam so einiges! Ein Flöte spielendes Sandfrauchen, das Tänzer und Träume zum Leben erweckte, rockende Geigerinnen, eine eindrucksvolle Sängerin (zu ihr gleich noch mehr), stampfende Testosteronsäulen in Form steppender Männer, feenhafte Östrogenzapplerinnen in Form hinreissender Damen, geniale Musik - mal mystisch, mal techno-popig, mal irisch-amerikanisch folklorig, Stepptanz der Superlative mit Flamenco-Affinität. Eine audiovisuelle Opulenz, welcher ich mit offenem Munde, Ohren, Sinnen hilflos erlag. Ich habe heute Muskelkater vom Klatschen! Leute - ich hab geklatscht, bis sich meine künstlichen Nägel verabschiedet haben, allesamt! Sogar einen Ohrring habe ich im Verlust. Chef hat den zum Glück aber wieder gefunden.

Zur Sängerin wäre noch zu sagen, dass Chef diese als das schwächste Glied in der Kette ortete und ihr Dazutun zu dieser Spektakel-Show von ihm punktuell nicht eingeordnet werden konnte. ICH persönlich empfand sie als den beruhigenden Part und die Verbindung zwischen den diversen Showteilen. ER war sich nicht ganz im Klaren, ob sie jetzt als Nummerngirl oder Pausenclown zu definieren sei.
Gut, zugegeben. So ein bisschen aufpeppen kann man die Dame. Nicht stimmlich, da ist sie Klasse. Aber in ihrer Ausstrahlung, dem Charisma. Barbara und ich hatten aber sofort die rettende Idee - wie es nun mal unser Naturell ist: Wir bewerben uns als Highlight, Hingucker und Aufpepper im Sinne von Backroundsängerinnen. Barbara übernimmt den Part des "Schubiduuuu", ich tendiere zur anschliessenden Einlage "Ua-Uaaaa".
Wir müssen mit dem Flatley Michael mal reden. Unbedingt. Wer weiss, vielleicht sind wir bald mit auf Tournee!

Das Ganze war einfach nur ein Augen- Ohren- und Sinnes-Schmaus. Sehr empfehlenswert!
Mir persönlich haben die Steppeinlagen so super gut gefallen. Wie diese Männer und Frauen da in totaler Harmonie, im absoluten Gleichschritt ihre Schuhe aufs Parkett geknallt haben. Man zappelte automatisch mit. Nach der Vorstellung lag mein Mantel eine Reihe weiter vorne, meine Tasche eine Reihe weiter hinten. Und ich war fix und alle. Noch eine weitere Stunde - und mein Deo hätte versagt. So sehr hat mich diese Vorstellung mitgerissen und animiert.



Und hier wären wir beim springenden Punkt angelangt.
Was diese Damen und Herren da vorne auf der Bühne so locker auf die Bretter knallen - das ist meiner Ansicht nach mit ein bisschen Übung zumindest ansatzweise auch für den Hausgebrauch machbar. Oder? Als ich diesen Gedanken meinem Katerli auf der Heimreise leise vermittelte, damit zu spielen begann, hat er so getan, als würde er schlafen. Dabei hat man das Augenrollen selbst unter seinen geschlossenen Lidern genau gesehen! Banause!


Meine diesbezüglichen Absichten habe ich dann heute Morgen in die Tat umgesetzt. Habe mir den pinkfarbenen Badeanzug geschnappt, vorne und hinten an die Turnschuhe je ein grosses 5 Frankenstück geklebt, hab meine Hochzeitstag-Tunika angezogen und bin in die Küche stolziert. Da haben wir einen Plattenboden und das Steppen müsste mit meinen selber gebastelten Steppschuhen hier prima gehen. Ganz dolle knallen müsste es!
Ich habe es dann also probiert. 


Katerli war zu dieser Zeit grad unterwegs um frische Gipfeli fürs Frühstück zu holen. Er wird nie erfahren was passiert ist. Und ich werde den Teufel tun, ihm auch nur eine Silbe davon zu verraten. Aber euch, euch erzähle ich es unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Ich habe als losgesteppt. Die ersten paar Schritte gingen sosolala - für meine Begriffe als Anfängerin gar nicht schlecht. Allerdings hätte ich dann den Side-Stepp in Richtung Küchentisch (Glasplatte) besser nicht machen sollen, denn da bin ich auf dem vorderen 5-Franken-Stück des linken Turnschuhs auf dieser blöden Bodenplatte ausgerutscht und seitlich mit dem Ellbogen auf die gläserne Tischplatte geknallt. Boah, hat das weg getan, der Musikknochen (Surr-Beinli) schmerzt immer noch! Frau Müller von unten hat dann - meiner Meinung nach - völlig überreagiert und mit irgendwas energisch an die Decke geklopft. Das hat mir aber nicht sonderlich grossen Eindruck gemacht. Als aber die Dohlen, die stets im Winter unser Balkongeländer bevölkern, Reissaus genommen haben, erklärte ich das Projekt "Sternenzauber goes Michael Flatley" als gescheitert.
Schätzu kam anschliessend nach Hause und bekräftigte mich in diesem Urteil. Er meinte lapidar, bei den Hebefiguren hätte es dann sowie Probleme gegeben. Prima. Danke. Schönen Valentins-Tag dann noch. Du kannst mich auch!


Er hat dann seine Aussage zwar relativiert, indem er mir zu bedenken gab, dass diese Tänzerinnen geschätzte 28 Jahre jünger wären als ich und es nicht an meinem Talent liegen würde, eher am verpassten Moment.
Hätte ich damals also besser statt der kaufmännischen Lehre steppen gelernt. Dann vielleicht ...

Anyway - ich schliesse ab mit diesem Thema. Auf die Gefahr hin, dass der Welt eines der grössten Stepptanz-Talente für immer und ewig verborgen bleibt.
Aber ihr, ihr wisst jetzt davon.

DANKE FÜR DEN APPLAUS!

Freitag, 12. Februar 2010

LADY OF VORFREUDE!

Liebe Blog-Freundinnen und Blog-Freunde.
Mir geht es gut, richtig gut. Der Gründe gibt es so einige.

Und überhaupt - ich finde es gut, hinsichtlich dem kommenden Wochenende mit einer lockeren, leicht verdaulichen, glücklichen, zufriedenen, positiven und in seiner Grundstimmung durchwegs heiteren Geschichte aufzuwarten.
Ich habe jeden Morgen die Wahl, ob ich den Tag mit einem Lächeln beginnen will oder nicht - und ich will! Ja klar, dieser Satz gilt mit Einschränkungen. So ein klein wenig Realist bin selbst ich und das Leben ist kein Ponyhof.
Aber die Optimistin in mir drückt sich immer wieder nach vorne in Pool-Position. Und irgendwie ... lass ich meinem Optimismus stets aufs Neue gerne wieder diese Freiheit.

Heute durfte ich eine Stunde länger schlafen! Es ist jetzt nicht wirklich spürbar, ob ich um 05.00h oder um 06.00h gnadenlos brüsk aus dem Schlafe und meinen Träumen gerissen werde. Aber das Wissen über die gewonnene Schlafstunde an und für sich - alleine dies tut zumindest gut.

Freitags bin ich immer auf eine ganz bestimmte Art motiviert ... will die Woche zu einem guten Abschluss bringen. Um mit Elan in die neue Woche starten zu können. Ob im Büro oder zu Hause. Beruflich pack ich die heissen Eisen der Woche an und erledige Brocken um Brocken. Gibt es zu Hause was Wichtiges, wird auch dies bereinigt. Dann kann ich nämlich fröhlich pfeifend und unbelastet dem Wochenende die Türe öffnen.
Ich bin und bleibe ein Genussmensch, in jeder Hinsicht. Und das ist gut so.

Schon heute Abend winkt mir und meinem Schätzu das erste Wochenend-Highlight. Wir gehen ins Solbad nach Merligen. Das ist für mich Luxus für Körper, Geist und Seele, Entspannung pur. Während um einem herum die Nacht längst hereingebrochen ist, die Schneeflocken tanzen, der Mond über dem Niesenberg steht ... liegen wir draussen - mit Blick auf den Thunersee - auf der Sprudelliege im warmen Wasser.


Herrlich. Mhh! Später noch im Innenbereich des Bades ein paar Minuten auf der Liege die Entspannung bis in den kleinen Zeh fliessen lassen, durch das grosse Panoramafenster die Sicht in Richtung das beleuchtete Spiez - hingeschmiegt am Hügel auf der anderen Seeseite - geniessen. Den Tag ausklingen lassen, in aller Ruhe.
Katerli und ich werden zum Abschluss dieses heutigen Abends in irgendeinem lauschigen, gemütlichen Restaurant das Weekend einläuten, vielleicht selbergemachte Lachsnudeln an Zitronensosse bestellen - je nach Lust, nach Laune. Dazu ein Glas guten Wein und zur Abrundung den obligaten Espresso.

Am Samstag Ausschlafen - ganz wichtig! Wir haben es nötig! Diese kalte, dunkle Zeit und anspruchsvolle Arbeiten verlangen so einiges von uns ab. Es tut gut, von selber erwachen zu dürfen und nicht den nächsten Zug erreichen zu müssen. Langsam in den Tag kommen können, mit Kaffee im Bett beginnen und der ausgiebigen Dusche anschliessend. Keine Hetze, kein Stress.
Und die Aussicht auf: LORD OF THE DANCE! Da wird mir doch alleine schon beim Gedanken daran wohlig warm! Und kribblig freudig!
Am Nachmittag fahren Katerli, mein Chef, seine Freundin und ich nach Zürich, genehmigen uns einen Happen und werden den Abend bei hochkünstlerischem, rhythmischen Gezappel mit hochangesetztem Unterhaltungswert zu geniessen wissen.
Dass ich euch davon berichte ... Ehrensache!


Nun die Vorschau auf Sonntag ... : Tut mir leid - da DARF ich noch nichts verraten. Weil mein Schätzeli hier auch mitliest. Ich sage nur: Valentinstag. Und versprechen tue ich: WOWHH! MHHH! TOLL! Gerne würde ich jetzt schon in den höchsten Tönen davon schwärmen. Verzückt im Wissen auf das was kommt. Quietschvergnügt die Freude mit euch teilen.
Aber für einmal ruhen meine Finger. Und kein Buchstabe kommt über die Tastatur, kein Ton über meine Lippen. Schliesslich bin ich keine Quasselstrippe! Auch wenn die Fakten zuweilen gegen mich sprechen.
Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Detaillierte diesbezügliche Schwärmereien werde ich weder umgehen können, noch umgehen wollen. Wasserfallmässig seid ihr die Ersten, die ich in Kenntnis setze. Versteht sich von selber.

Ihr seht - meine gute Laune, meine Vorfreude und das quicklebendige Gefühl in mir haben diverse Gründe.
Es geht mir gut.
Ich bin glücklich und zufrieden.
Ich lebe gerne, intensiv, genussvoll.
Um mich sind Menschen die ich lieb habe.

Ich schätze das, bin mir durchaus dem Glücke bewusst.
Und manchmal - wenn der Alltag fordert, Belastungen drücken, Zeit drängt, es Draussen kalt ist, Schnee liegt und die beste Freundin grad keine Zeit hat ...

... dann krame ich genau in diesen Erinnerungen an die Glücke die waren. Und der Vorfreude auf die Glücke die noch sein werden. Immer wieder. Schon lächle ich.

In diesem Sinne wünsche ich Dir - und Dir und Dir:

EINEN BUNTEN STRAUSS AN ERINNERUNGEN, VORFREUDEN, GLÜCK UND LACHEN!

Donnerstag, 11. Februar 2010

VON KALTEN FÜSSEN UND GUTEN TATEN

Friert ihr auch so jämmerlich wie ich?

Hätte ich nicht schon blaue Augen - ich hätte sie spätestens jetzt, wegen dieser Affenkälte.
Zugegeben, ich bin ein extra-weiches Weichei. Ein Gfrörli der Sonderklasse. Aber was da draussen grad eben abgeht, ist meinen Weich- und anderen Teilen nicht eben zuträglich!

Erschwerender Umstand: Sohn Max macht sich heute Abend auf gen Süden, nach Spanien. Ins Trainingslager. 2 Wochen lang so was wie Frühling. Er hat mir gestern Abend vermittelt, dass es sooooo warm da auch nicht sei, um die 14 - 18 Grad, im letzten Jahr sei das Thermometer über 20 Grad geklettert. Dazu hat er gelächelt.
Für mein Empfinden sozusagen eiskalt gegrinst ...!
Nun ja, ich will mal nicht so sein - es sei ihm gegönnt.

Darf ich heute meinen Frust von gestern Abend loswerden? Wärt ihr so lieb, mir für einen Augenblick Platz zwischen euren warmen Gedanken zu gewähren?
Bitte! Danke!!
Es war nämlich so ... nachdem ich gegen 18.00h drei Schritte aus der Türe "meiner" Firma gemacht hatte, rutschte auf der eisigen Unterlage unter dem Schnee das linke Bein gen Tramhaltestelle, das rechte Bein zurück Richtung Türe. Resultat: Einer jener Ausfallschritte in Extremis, welcher diesen stechenden Schmerz zwischen Oberschenkel-Innenmuskulatur und Adduktoren zur Folge hat. Tat grausam weh und ich schlich anschliessend nur noch.
Infolge Schienenvereisung  hatte mein Tram Verspätung. Ich stand da, ich wartete und fror.
Weil irgendeine Elektronik der Türverriegelung auf Grund der Kälte den Geist aufgegeben hatte, fiel mein Zug aus - der nächste war dann dafür doppelt gefüllt. Die Menschen stauten sich sozusagen selbst in den Gepäckhalterungen! Man stand nicht nur in den Gängen, nein, sogar zwischen den sitzenden Reisenden mittig in den Bänken. Meine rechte Wange drückte gegen eine kratzige Wolljacke, die linke Wange wurde von der Schimanski-Jacke eines Kettenrauchers gestreichelt. Irgendwie war’s unangenehm - aber immerhin ... warm!
Ich träumte vor mich hin von heissen Bädern, kuscheligen Betten, Kerzenschein und Jägertee. Mit viel Jäger drin. Riecht grauslig, ist grauslig - aber gibt warm. Endlich dann beim Zielbahnhof angekommen, hiess es rausflitzen und hurtig auf den Bus sprinten. Die Schneeflocken wirbelten um mich herum und die Bise schlich unter die Kleider. Leute - ich hatte Gänsehaut ... sah ganzkörpermässig in etwa so aus wie das Gesäuge einer Muttersau!


Da war es 18.45h. Eigentlich hätte der Bus bereits da sein müssen.
War nicht so - dafür traf ich meinen Freund Thomas an. Thomas ist mir immer eine reine Wärmequelle. In jeder Hinsicht. Ich bin ihm dafür stets Grund für ein Lächeln ... insbesondere gestern ... weil nach 10 Minuten auf den Bus warten, die Spitzen meiner streichholzkurzen Blondpracht gefroren waren, sich wie Hölzchen knicken liessen - und in ihrer Starre so verblieben! Er machte sich natürlich einen Scherz daraus, mein spitzenmässiges Styling zu ruinieren. Nach seiner "Behandlung" sah ich aus wie ein Igel nach einer Frontalkollission mit einem LKW.
Der Gesamteindruck meiner Person widerspiegelte das Empfinden. Ich war geknickt, ich fror, ich war müde und wollte nach Hause. Heim! An die Wärme! Mit mir standen mittlerweile unzählige Gleichdenkende an den diversen Bushhaltestellen vor dem Bahnhof - und nix ging mehr. Der Verkehr stand still infolge Glätte. Die Busse steckten mitten drin.

Nach einer halben Stunde und der Erschöpfung meiner Geduld, machte ich mich zu Fuss auf den Weg. Ich hatte keine andere Wahl. Den Schal wickelte ich mir um den Kopf, über die Ohren, den Mund, die Nase ... und verfluchte den Moment am Morgen, als ich darauf verzichtet hatte, Handschuhe einzupacken. Jetzt kriegte ich die Quittung dafür!


Meinen Gewaltmarsch möchte ich wie folgt beschreiben: Latsch, Rutsch, Knirsch, Knall, Humpel, Latsch, Latsch. Damit ist eigentlich alles Wesentliche gesagt. Ausser noch: Dieser Weg war mit Heldentaten meinerseits gesäumt.

Ich habe in der Kälte der Nacht: 2 x einem Velofahrer auf die Beine geholfen, 1 Pflaster auf einen blutenden Finger geklebt, meine 2 letzten "ohne-Dich-ist-alles-doof"-Papiertaschentücher verschenkt, habe 1ner alten Frau die Tasche bis zur Haustüre getragen, 1nem Mann mit Krücken über die Strasse geholfen und 2 Katzen im warmen Hauseingang Einlass gewährt.
Was Robin Hood für die Menschen in den Wäldern des Sherwood Forrest, das war ich ergo gestern Abend in den Strassen meiner Stadt. Nennt mich Robinette - oder so.

Nach einer halben Stunde hatte ich mich dann endlich bis vor die Haustüre gekämpft, hab die Stiefel ausgezogen und in die Ecke gedonnert - und genoss minutenlang einfach nur das Stehen auf dem warmen Parkett. Fussbodenheizung sei Dank! Ein heisser Latte und das noch heissere Sinne-Bad von Weleda halfen dann meinem zugefrorenen Ich wieder auf die mittlerweile warmen Füsse.
Als mein Schätzu-Katerli dann auch in der Türe stand, war meine kleine Welt wieder in Ordnung. Und voller Wärme.

Beim Kaffee heute morgen lief im Radio der Song "Ice ice Baby", dabei überzog sich meine Haut erneut mit Gänsepelle - ich fühlte mich persönlich angesprochen. Und beschloss sofort, euch davon zu erzählen - was ich hiermit getan habe.

Leute, danke fürs Zuhören und Platz machen.
Ich schicke euch liebe Herzgrüsse und ganz viel an Wärme. Innerlich und Äusserlich.
Und nicht vergessen ...

... ZIEHT EUCH WARM AN!

Mittwoch, 10. Februar 2010

WOFÜR SIND HÜRDEN DA?

Heute ist mir nach an der Oberfläche kratzen - sogar nach noch tiefer schürfen.

Vielleicht liegt es am Wetter. Am kalten Winter. Vielleicht aber auch an dem Telefonat von vorhin.

Ein älterer Herr rief an, stellte sich vor, erzählte mir in ein paar knackigen, prägnanten Sätzen von seinem Leben, seiner Arbeit und anschliessenden Arbeitslosigkeit. Er fragte nach einer freien Stelle.
Leider musste ich ihm sagen, dass weder eine entsprechende Stelle vakant ist, noch demnächst vakant wird.
Es tut mir leid.
Aber statt dass er - wie so manch Anderer - die Stimme senkte, sich kleinlaut verabschiedete, sagte er mit fester Stimme: "Wissen Sie was, liebe Frau Sternenzauber, ich werde jetzt einfach so lange weiter telefonieren bis irgendwo meine Arbeitskraft gefragt ist. Ich werde mit den Menschen sprechen, werde kämpfen und werde letztendlich ganz sicher gewinnen. Hürden sind nämlich da, um genommen zu werden. Danke fürs Zuhören und einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen noch, alles Liebe für Sie!"
Dieser Mann hat meinen Respekt.

Seit er mir diesen Satz gesagt hat, geht mir so vieles durch den Kopf, die Seele und das Herz.

Eingefallen dabei ist mir sofort meine Ex-Schwiegerfamilie. Nebst dem plötzlichen und völlig unerwarteten Verlust von Mann und Familie, damals, nach 25 Jahren Ehe - war es für mich etwas vom Schmerzlichsten, dass ich nie auch nur wieder einen Ton von meinen Schwiegereltern, meinem Schwager und seiner Frau gehört habe. Auf meine verwunderte Nachfrage hin erklärte mir mein Ex-Mann " ... die haben Dich nie gerne gehabt ... ".
Das war heftig. Das ist heftig, immer noch. Man gab mir das gute Gefühl, liess mich im Glauben. Doch tief Drinnen war weder Gefühl noch Glauben für und an mich.
Mir sind ehrliche Distanz und klare Ansagen wesentlich lieber als unehrliche Nähe und Heuchelei. Von daher hätte ich mir sehr gewünscht, sie hätten irgendwann mal den Mut gehabt diese Hürde zu nehmen, es mir zu sagen.

Eingefallen dazu ist mir der kleine Junge. Aus der Zeit, in der ich an Schulen in der Gewaltprävention gearbeitet habe. Er war Gewaltopfer eines massiven Übergriffs in der Schule geworden. Seine Eltern setzten sich ein - für ihren Sohn, gegen die Gewalt. Ein Hürdenlauf sondergleichen!
Unter vermeintlicher Mithilfe der Schulleitung, der LehrerInnen. Bis sich 1 Jahr später aufgrund eines Zeitungsartikels das Schulamt der Stadt bei diesen Eltern meldete und um Aufklärung bat. Erst da wurde bekannt, dass das Schulhaus - "zur Wahrung des guten Rufes" - Einsatz, Mitarbeit vorgetäuscht hatte, alles unter den Teppich gewischt wurde.
Der Mut fehlte, diese Hürde der Offenlegung zu nehmen. Einmal mehr.
Zwangsweise wurde dies nachgeholt und eine schweizweite Kampagne "Gemeinsam gegen Gewalt" nahm ihren Anfang.
Soviel war drin, als endlich die Hürde genommen wurde!

Eingefallen ist mir das Paar aus dem Freundeskreis, welches Probleme als solche zwar realisiert - sie aber nicht verbalisiert und somit totschweigt. Sich gegenseitig keine Chance gibt diese zu lösen, zusammen. Sie wohnen zusammen, sie essen zusammen, sie leben zusammen, sie schweigen zusammen.
Sie sind wütend, auf den Anderen, auf sich selber. Eine lähmende, eine blockierende Wut, weil sie isoliert wird. Dabei ist Wut reine Energie, die sich nutzen lässt. Eingebracht in Diskussionen, Klärungen, Gespräche, Handeln, ist sie der Schlüssel zum Guten. Wut die man mit sich rumträgt, mit der man schlafen geht - die einem nicht träumen lässt, sie wendet sich gegen Einem selber und frisst auf. Sie ist destruktiv, in jeder Hinsicht.
Wut ist eines der Gegenteile von Mut.
Besser, man nimmt die Hürde. Legt offen.

Eingefallen ist mir der Mann, mit man nicht streiten konnte. Er hat dann einfach "zugemacht". Mauer drum rum und fertig. Schweigen, Trotzen. Aus der irrigen Annahme, Streit bedeute das in Frage stellen von Liebe. Lieber offene Wunden hinterlassen, bis diese Abszesse bilden. Offene Fragen, die irgendwann mal keine Antworten mehr zulassen.
Dabei wendet sich fast alles zum Guten, hat man erst mal die eine Hürde über die Mauer geschafft.

"Hürden sind da um genommen zu werden".
Dieser Satz hallt in mir. Ich bin glücklich, ihn heute gehört zu haben.


Hürden nehmen heisst nichts anderes als Verantwortung übernehmen.
Hürden nehmen heisst übersetzt: Ich will! Und ich kann!
Hürden nehmen ist pures Selbstvertrauen.
Hürden nehmen ist glauben können. An sich und Andere.
Hürden nehmen ist Mut haben.
Hürden nehmen ist Kraft haben Anlauf zu nehmen.

Hürden nehmen ist immer der erste, richtige, wichtige Schritt.
Darum - was immer euch auch passiert:

NICHT STILL HALTEN - SPRINGEN!

Dienstag, 9. Februar 2010

STERNENZAUBER MACHT FORTSCHRITTE!

Auf die Gefahr hin, dass ihr Alle euch vor Lachen am Boden wälzt, mit dem Finger auf mich zeigt und alsbald 4 nette, weissgekittelte Herren an meiner Türe schellen, beruhigend auf mich einreden, mir diesen langärmligen Pulli mit den gaaaanz langen Ärmeln anziehen (so lange, dass man sie hinter dem Rücken verknoten kann) und mich in die nächste Klinik mitnehmen, oute ich mich hier und jetzt als: Empfangsscheinbuch-Einzahlerin am Postschalter.
Ich bin noch vor der alten Garde. 


Mein Schatz hat schon immer die Augen verdreht - ich musste nur jeweils meinen Packen an Rechnung hervorkramen, die Einzahlungsscheine mit Namen, Adresse und entsprechendem Betrag ausfüllen und all das ins gelbe Büchlein übertragen. Dann mit der Rechenmaschine schön Posten für Posten zusammenzählen.
Am nächsten freien Tag habe ich mir dann die Zeit genommen, erst mal zur Bank zu pilgern. Da lange anstehen, mir den benötigten Betrag auszahlen lassen, ihn (den Betrag) vorne in den BH stopfen. Dies als reine Vorsichtsmassnahme, frau weiss ja nie, welch dreister Räuber die Transaktion gerade mit unlauteren Absichten beobachtet hat, mir um die Hausecke auflauert, den Schirm über meine kunstvoll gestylte Haarpracht haut, mir das Geld klaut und das Weite sucht.
Ok - ich gebe es zu, wer derart kriminelle Absichten hat, wird sich auch nicht davor scheuen, mir ins Dekolleté zu langen um zu dem zu kommen, was er haben will: Mein Geld.

Nun gut. Mal davon abgesehen, dass alles glatt läuft, ich Herrin und Hüterin meines Geldes bin und bleibe - steht auf meinem Plane dann der sofortige Abmarsch zur nächsten Postfiliale. Dort heisst es: Ticket ziehen. Meist steht auf der Anzeigetafel bei den Schaltern: "Wartezeit 12 Minuten" - oder ähnlich. So warte ich mir dann die Beine in den Bauch, in der Hoffnung, endlich mein Geld abliefern zu dürfen. Dürfen ist jetzt vielleicht nicht das richtige Wort. Oder der falsche Moment. Ich darf müssen. Oder muss dürfen. Irgendwas in der Art.
Anyway - irgendwann leuchtet dann mal meine Nummer auf, ich begebe mich zur netten Dame, strecke ihr mein Einzahlungsbüchlein entgegen, darin eingeklemmt hoffentlich alle Einzahlungsscheine. Die nette Dame schleust meine Papiere durch irgend so einen Scanner - schaut mich dann herausfordernd an und fragt: "haben Sie alles zusammengezählt??"
In diesem Augenblick wird mir dann manchmal ein bisschen anders - weil ich zwar die Beträge schön säuberlich zusammengezählt habe. Das Blatt mit der Zahl liegt zu Hause auf dem Küchentisch. In dieser Sache bin ich mir immer ganz sicher.
Ab da ist die nette Dame dann jeweils nicht mehr sooo nett wie vorher, weil Sie alles nochmals zusammenzählen muss und die Wartezeit an der Tafel bereit 14 Minuten anzeigt. Dumm gelaufen, Sternenzauber.
Kleinlaut - ganz entgegen meiner Art - blättere ich dann die gewünschten Noten hin. Tut immer so weh. Aber eben ... Dann werde ich noch gefragt ob ich ein Benissimo-Los kaufen würde, ob ich über die neuste Spendenaktionen informiert sei, ob ich schon eine Vignette am Auto habe und letztendlich noch abschliessend, wie ich das Rückgeld haben möchte ... klein oder gross.

All das passiert auf diese Art und Weise im allerbesten Fall. Ein anderer, authentischer Fall sieht folgendermassen aus: Ich komme mit dem Geld aus der Bank und will eigentlich nullkommanix zu Post. Auf dem Weg dahin komme ich aber an diesem tollen Bücherladen vorbei, an dem supergenialen Laden mit den trendy Lederhandtaschen, an der Parfümerie wo es schon draussen so unwiderstehlich duftet ...
Ihr wisst, was ich jetzt schrieben will? Der Versuchungen sind so viele! Und man hätte doch das Geld grad flüssig. Also nicht wirklich. Und schon gar nicht tatsächlich.
Es ist passiert, dass ich dann nochmals zur Bank gehen musste um Nachschlag zu holen. Damit die halbzeitnette Dame (bis zur Abfragung des Totalbetrages, ihr wisst...) zumindest halbzeitig nett bleibt! Und ich meinen Verbindlichkeiten nachhaltig seriös entsprechen kann.

Ende Dezember wickelte ich dieses ganze Brimborium an einem Tag mit Regen, Schnee und Eiseskälte ab. Die Aktion hat mich 2 Stunden gekostet und jede Menge Ärger, weil meine alten Stiefel nicht mehr dicht waren und die Füsse entsprechend nass, kalt und klamm.
In diesem Augenblick habe ich mich zum ersten Mal daran erinnert, wie entspannt mein Katerli jeweils seine Zahlungen in den Compi tippt und 10 Minuten später erholt und zufrieden (insofern man nach Zahlungen solche Worte wie entspannt und zufrieden ohne tränenerstickte Stimme sagen kann), im Wohnzimmer wieder auftaucht.

Und ich, ICH, die ich mir geschworen hatte, nie und nimmer E-Banking zu machen, habe still, heimlich und leise mir dies freischalten lassen. Still und heimlich in einem unbeobachteten Moment reingeschnuppert, Zahlungen erledigt. Schnell. Mit ohne nasse Füsse. Ohne Zusammengezähle. Ohne mittelprächtig nette Schalterdame. Ohne Anstehen. Zack-Bumm.
BOAHHH - was war ich stolz. Was bin ich immer noch stolz!  Und erleichtert ob dieses Zeitgewinnes! Meines Entwicklungspotentials! Meines Mutes!
Nun ja, Schätzu hat es zur Kenntnis genommen und anerkennend genickt, hat "eeendlich!" gesagt. Ich hätte da schon ein bisschen was anderes erwartet. So in der Art, wie ich meine Kinder belohnt habe, als sie das erste Mal nicht in die Windeln gemacht haben, sondern auf den Pott geklettert sind.
Aber das darf man wahrscheinlich mit 48 Jahren nicht mehr im gleichen Masse erwarten. Immerhin, er fand es gut.

Nun ja, so gebe ich denn eine weit über 30jährige Gewohnheit auf und bin nun eine Userin des E-Bääänkings. Freue mich sozusagen schon auf die nächsten Zahlungen - welche ich im Handumdrehen nun zu erledigen weiss.
Das Ganze hat meinem Ego gut getan. Es war im übertragenen Sinne, wie diese Übung, wo man mit durchgestreckten Knien sich beugt und mit den Fingerspitzen den Boden berührt. Ganz lässig.


Ich habe es gerade probiert.
Korrektur:
E-Banking ist wesentlich einfachen.

MIR FEHLEN 10 ZENTIMETER !!!

Montag, 8. Februar 2010

VON KLEINEN FEHLERN UND KLEINEN HEXEN

Heute Morgen habe ich eine ganz liebe Mail von einer ganz lieben Freundin erhalten - danke!
Und dann stand darin plötzlich dieser eine Satz, welcher das Loch unter meinem glänzenden, frisch polierten Ego gähnend weit aufriss und ich ... FLUTSCH ... kurzerhand darin versunken bin. Ihr wollte wissen, was in diesem Satz stand?
Der Satz lautete: "was heisst chleofig"?

Ok - ich kann nachvollziehen, das jetzt nicht jede/r LeserIn schreckensgeweitete Augen hat, der Mund sich nicht zu einem stummen Schrei verzieht, gelähmt vor lauter Entsetzten niemand die Hände schützend vors Gesicht hält. Ich kann das wirklich verstehen.
Aber für wackere Schreiberlinge wie Meinereiner heisst so ein Satz klipp und klar und gnadenlos: "Sternenzaubermädchen, Du hast wieder mal böööse tastenmässig danebengehauen. Fehler! Und tausende literarisch Interessierter haben es gelesen, haben es selbstverständlich bemerkt, unisono die Augen verdreht. Die Welt weiss jetzt, dass Du kein Genie bist!"


Ich muss gestehen, im ersten Moment war ich versucht, meiner lieben Freundin Kathy das Wort CHLOEFIG zu erklären. Glaubt jaaaa nicht, dazu würde mir die Phantasie fehlen! An dem liegt es nicht, ich hätte auf ein Fingerschnippen mindestens ein Dutzend Erklärungen, Erläuterungen zu meiner Wortkreation parat. So was sauge ich mir in Sekundenschnelle aus den Fingers. Ehrlich.
Aber wo wir doch gerade beim Worte EHRLICH sind, so will ich es auch sein - und bleiben. Ich wollte meiner Freundin ein chlepfiges Müntschi (hochdeutsch sinngemäss: Knall-Kuss) schicken. Aber meine Finger scheinen sich wieder mal auf der Tastatur verheddert zu haben ... und schon war es passiert.
Und ich habe nicht mal eine Entschuldigung, eine Ausrede vorzubringen! Es ist so!

Dabei gebe ich mir wirklich und wahrhaftig grösste Mühe, meine Texte fehlerfrei auf Papier, bzw. Bildschirm, zu bannen. Aber irgendwie scheint mir das nicht zu gelingen. Das Fehlerteufelchen steckt im Detail - und nicht mal mein geliebtes Korrekturprogramm, so scheint es, kennt sämtliche Details.

Die Texte schreibe ich unter der Woche vornehmlich in der Zeit vor der Arbeit, in meinen Pausen, über Mittag. Selten am Abend, da bin ich glattweg zu müde und dann hagelt es Fehler! Ich weiss selbst 10 Minuten vor Schreibbeginn noch nicht, über was ich berichten werde. Aber ich weiss es sofort, wenn ich dann in meinem Blog bin, die leere Seite vor mir habe.

Ab da beginnen meine Intuitionen zu rotieren, meine Phantasien schlagen Purzelbäume, der Humor legt einen lupenreinen 3fach-Axel an den Tag und die Gefühle mutieren zu einem Feuerwerk. So kommt dann letztendlich ein Text zustande, mein Text.
Die Finger rasen über die Tastatur. Was im Herzen, meinen Gedanken, Gefühlen und Anliegen entspringt, fliesst via Hirn in die Finger und verteilt sich wie Kriechöl auf der Tastatur. Manchmal komme ich gar nicht nach mit Tippen. Die Worte purzeln zwischen Kichern und Ernsthaftigkeit rum, wollen gesagt, geschrieben werden. Jetzt gleich, sofort, ohne Aufschub.
Herrliche Satzskulpturen ringen mit ausgefeilten Wortkreationen um die Wette. Manchmal muss ich Wörter erfinden, um zu sagen, was ich meine. In der Hoffnung, auf verständige Menschen zu stossen. Aktion und Reaktion, Handeln und Wirkung bedenkend.
Es muss schnell gehen. Schnellschnell sogar! Sonst könnte sich der eine oder andere noch ungeschrieben Satz gen Irgendwo verabschieden. Auf Nimmerwiederdenken. Das fände ich schade.

Zuletzt, das Resumé meines literarischen Ergusses betrachtend, fühlend ... bin ich dann für einen Moment herrlich erschöpft. Atme tief durch wie nach einem Mehrkampf. Einem gut gelungenen Mehrkampf. Oder einem herrlichen Schäferstündchen. Lehne mich zurück und würde mir eine Zigarette gönnen. Würde ich denn rauchen. Tue ich aber zum Glück nicht.
Anstelle dessen, lese ich das eben Verfasste 4x durch. Jage es durchs Korrekturprogramm. Schicke es anschliessend meinem Katerli zur Begutachtung. Im Wissen, das andere liebe Geister es letztendlich auch noch Korrektur lesen werden.

Dann ist die Stunde der Geburt eines neuen Sterns am Geschichtenhimmel gekommen. Fühlt sich gut an, glaubt es mir. Alles meine Kinder - im übertragenen Sinne. Nix wirklich aus der Luft gegriffenes, zum grössten Teil wahrheitsgetreu ... wenn auch manchmal gnadenlos ausgeschmückt. Aber das ist meine herrliche Freiheit und ich geniesse sie, lutsche sie aus, schwelge darin. Und bin glücklich, einfach nur glücklich.

Eine halbe Stunde nach Einstellen des neuen Textes vergrabe ich mich nochmals darin. Und ... GOPFRIDSCHTUTZ ... finde irgendwo wieder mal ein Wort wie "chloefig" - ein fingertechnischer Ausrutscher. Oder das DAS hat 2 S. Statt IE steht nur I, dafür ist ein H zuviel, Komma an der falschen Stelle. *GRUMMEL*

Manchmal meine ich zu erahnen, dass es so ein kleines, bösartiges, hinterlistiges Fehlerhexchen gibt, welches meine Texte auf den Kopf stellt und mir Fallen stellt. Manchmal dünkt es mich sogar, ihr Gekicher zu vernehmen...!


Irgendwann erwische ich dieses kleine, feiste, dreiste Wesen. Ganz bestimmt! Und bis dahin die Bitte: Wenn ihr einen Fehler im Text findet, so wisst ihr jetzt warum. Das Fehlerhexchen ist schuld! Nicht ich!
Danke für euer Verständnis und die Nachsicht!

EIN CHLOEFIGES MÜNTSCHI EUCH ALLEN!

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