Mittwoch, 31. März 2010

VOM SCB, VOM SIEG UND DEM DRUMHERUM

Die weniger Eishockey-angefressenen LeserInnen hier, die haben momentan wahrlich ein schweres Leben mit der Sternenzauberfrau.
Ihr verzeiht mir hoffentlich, oder?

Aber wenn ihr jetzt gerade meine heisere Stimme hören würdet, meine glänzenden Äugelein und das leicht debile Dauergrinsen ... ich meine zu wissen, ihr lächelt mit. Trotzdem. Oder deswegen?
Wisst ihr, meine Lieben, mir kribbeln die Handinnenflächen von gestern Abend immer noch. Gestern war nämlich der dritte Halbfinalmatch - und ich habe mitgelebt, mitgefreut, mitgelitten, Blut geschwitzt! Meine Mannen spielten gut, solide, und bodenständig. Haben 3:2 gewonnen und somit den siebten Sieg in Folge eingespielt. Was so viel heisst, als dass uns nur noch ein einziger Sieg zum Erreichen des Finals fehlt.
Jaja, ihr lest richtig: UNS.
Aber damit man mich auch richtig versteht - darauf lege ich Wert: WIR verlieren auch zusammen.

Nach langer, langer Zeit ist mal wieder dieses wunderbare, nicht käufliche, ganz besondere, glückliche, verbindende, sehr ehrliche, begeisterte und begeisternde UNS / WIR zu spüren. Ihr hättet dabei sein müssen, wie die letzten 4 Matchminuten selbst wir auf den Sitzplätzen uns erhoben, ohne Punkt und Komma unsere Mannschaft über die Zeit bis zum Schlusspfiff klatschend zum Sieg trugen.
Ich konnte mich absolut nicht still halten, hüpfte wild (und verfluchte die 3 Deziliter Mineralwasser, welche ich grade eben vorher noch getrunken hatte - das Zeug drückte erbärmlich auf die Blase!), ich kniff in kritischen Sekunden die Augen zu, biss auf die Zähne, beschwörte und bekniete wieder mal alle guten Hockeygeister auf unsere Seite und jubelte erlöst beim Schlusspfiff. Wie man eben nur jubeln kann, wenn man auch die andere Seite der Medaille kennt ...
Es war grandios! In jeder Faser spürbar, wie die Anfeuerungsrufe, das Klatschen, der tobende Lärm einem vibrieren lassen. Ganz besonders im Herzen.
Alleine wenn ich dies jetzt schreibe, krabbelt mir Gänsehaut wie die La-Ola-Welle von oben in den Haarspitzen bis ganz nach unten zum kleinen Zeh und wieder zurück. Mehrfach! Rauf-runter-rauf-runter...

Was solche Momente für ein Emotionsbündel wie mich heissen, mir bedeuten, ist für Insider ein klarer Fall. Gimme five! Allen anderen bleibt oftmals nur das obligate Augenrollen und das sich wundern.
Um der Sache ein bisschen Ausgeglichenheit zu verleihen und für beide Seiten attraktiv zu machen, werde ich euch heute
A) vom Match und
B) vom Geschehen um den Match herum erzählen.
Wo sich über 16'000 Menschen auf relativ engem Raume tummeln, ist nämlich auch gegeben, dass es viel ... nennen wir es: menschliches ... zu beobachten gibt. Und ich liebe es, den Menschen meine Aufmerksamkeit zu schenken!

Nicht aus reiner Schaulustigkeit heraus. Nein. Viel mehr, weil die Spezies Mensch an und für sich so interessant ist, dass ich einen freien Nachmittag ruhig auch mal im Strassencafé irgendwo an der Front mit Blick auf Menschen geniessen kann.
Was es da alles zu erschauen, zu erfahren und zu erahnen gibt - ich könnte Romane schreiben!

Der junge Mann rechts neben mir gestern Abend, meine Mundwinkel kräuseln sich noch immer Richtung Ohren. Ein durchaus netter Mann im zarten Alter von geschätzten 17. Aufgefallen ist er mir das erste Mal, weil er in den falschen Momenten klatschte. Also zum Beispiel, als Kloten ein Tor schoss. Glücklicherweise hatte er da gestern nicht übermässig damit zu tun.
Viel mehr ins Auge fiel mir aber, dass er alle 2 bis 3 Minuten seinen Kopf erst sachte nach hinten in den Nacken legte - um ihn dann mit Schuss nach vorne zu schleudern. Leicht befremdlich. Erst habe ich sorgenvoll gedacht: der arme Junge. Bei näherer Betrachtung aber fiel mir doch die, sagen wir mal, Einzigartigkeit seiner Frisur auf. Ich würde diese folgendermassen beschreiben:
Es sah so aus, als hätte er enorm viel Rückenwind abgekriegt. Zumindest seine Haare. Ich tippe auf orkanartige Windböen, Beaufort-Stärke 12. Sein Stinktierstreifenmässig gefärbter Schopf war nämlich, vom Wirbel ausgehend, derart strikte seitlich, oben, unten, überall rundherum nach vorne gekämmt, irgendwie wohl noch mit Scheibenkitt oder derartigen Materialien in ihrer ... ähh ... Flugrichtung einbetoniert und zusätzlich mit Glanzhaarspray gelackt worden. So sehr, dass sie wohl jeden verirrten Puck hätten abprallen lassen.
Da der Junge sich aber wohl nicht so ganz sicher bezüglich dieser Sache war, ruckte er sein Haupte wie an einem AC/DC-Konzert in schöner Regelmässigkeit nach vorne. Mit Anlauf! Befühlte anschliessend zur Kontrolle die Standhaftigkeit der Haarspitzen und gab sich anschliessend für die nächsten ca. 180 Sekunden mit dem Resultate zufrieden.
Jedem das seine.


Unsere Sitzplätze hätten wir eigentlich gleich hinter der Spielerbank des SCBern. Grundsätzlich sehr informativ -wenn man an Spielerhintern interessiert ist. Sitzen die Spieler, dann wuseln Trainer und Betreuer einem vor der Nase rum und verdecken die Sicht aufs Spielfeld. Passiert was Spannendes auf dem Eis, stehen Alle auf. Ich möchte es nicht verschreien und entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, aber ich kenne - so gesehen - jeden Arsch.
Weil diese Plätze aber leider nicht viel mehr zu bieten haben, sucht man sich dann halt andere. Und 2 freie Sitze finden sich immer irgendwo. Seit Jahr und Tag sitze ich im gleichen Sektor. Ab dem Zeitpunkt, als links über uns der gegnerische Fansektor definiert worden ist, haben wir allerdings ein paar Reihen nach unten gezügelt, ausser Bierbecher-Wurf-Reichweite.
Man duftet nämlich nicht unweigerlich besser danach. Jeder Taxichauffeur würde mich abweisen! Und die Zugkontrolleure werden sich ihre Sache auch denken.

So haben wir denn gestern auch unsere Plätze gefunden - meist ganz links aussen in der Reihe. Was aber bedeutet, dass in der Pause viele Menschen in engem Abstand durch spazieren.
Ich nenne dies gerne "die Duftparade". Vom edlen Parfum bis hin zu "ich dusche 1x im Monat, ob es nötig ist oder nicht", findet sich die gesamte Palette. Einer der Herren gestern Abend war wirklich eindrucksvoll - edel ausgedrückt. Seine Jacke erinnerte an ein uraltes Bärenfell. Eines, das Generationen vor ihm irgendein Vorfahre im hintersten Teil des Estrichs deponiert und vergessen hatte. Das Ausdrucksstarke daran war, dass man vom Geruch her hätte meinen können, das dieses arme Tier zumindest stückweise noch in seinem Felle hängt und langsam verrottet.
Ansonsten finde ich kaum eine anständige Erklärung, welche die intensive Prägnanz seines auffälligen Seins erklären könnte.


Ihr seht, liebe Menschen hier, so ein Hockeymatch hat vielerlei Facetten. Sehr sportliche wie auch sehr menschliche. Es ist und bleibt spannend! In jeder Hinsicht.

Meine kleine Geschichte hier ist nur ein winziger Einblick. Es gäbe noch so viel zu erzählen.
Das werde ich auch tun.

GANZ BESTIMMT!

Dienstag, 30. März 2010

GENERALABONNEMENT FÜR FORTGESCHRITTENE

Immer gegen Ende März ist es soweit - ich muss mein GA erneuern.

Für nicht in der Schweiz lebende BlogleserInnen oder dem öffentlichen Verkehr nicht zugewandte Menschen:
Das GA (General-Abonnement) eröffnet einem in der Schweiz unbeschränkten Fahrspass auf dem ganzen Streckennetz, inkl. Bus, Tram und Schiff. Anrechnung bis zu 50% auf Auslandreisen in die angrenzenden Länder. Grosse Vergünstigungen auf Bergbahnen.
Eine tolle Sache zu einem wirklich guten Preis - die ich wärmstens empfehlen kann.


GA's gibt es in allen möglichen Variationen: Für Einzelpersonen, für Partner, für den Partner vom Partner, für Kinder, für Jugendliche, für Studierende, für Familien, für Hunde, übertragbare GA's und ich weiss nicht was noch alles. Ein Dschungel, durch den manchmal nicht einmal die Angestellten hinter dem Schalter selber blicken.
Wie ich gemerkt habe.

ABSATZ 1)
Vor gut einer Woche habe ich mich nämlich schon mal in die Schlange der Wartenden am Schalter eingereiht und stand dann irgendwann mal vor dem netten Herrn mit der lustigen Igelfrisur. Begonnen habe ich mit dem harmlosen Satz "Guten Tag, ich möchte gerne mein GA verlängern".
Da war noch alles gut. Er lächelte freundlich und machte sich sogleich hilfsbereit ans Werk. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich sagte: "Mein Mann hat auch eines - dann kriege ich wohl das Partner-GA, oder?" - da schaute er schon ein wenig verschüchtert. Als ich dann dem noch eines draufsetzte und anhängte: "Mein Sohn hat das Jugend-GA ... ich habe mir sagen lassen, dass es da nochmals einen anderen Tarif gibt...?" da meinte ich gesehen zu haben, wie die äussersten Spitzen seines Igellooks sich leicht gekringelt haben. Die Gesichthaut einen hellgrünen Touch annahm.
Aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

"Okeee - dann sagen Sie mir mal, wie Sie heissen", liess der Igelmann verlauten.
Meine Antwort: "Ich heisse A.B."
Er: "Und ihr Mann?"
Meine Antwort: "C.D."
Er: "Und ihr Sohn?"
Meine Antwort: "E.F."

Die geneigten Leser merken sofort - das schreit förmlich nach Komplikationen! 3 Menschen, 3 Namen, 3 GA's - ein und derselbe Haushalt. Dem armen Igelmenschen perlten sich die Schweisstropfen auf der Stirn und ich ging davon aus, dass demnächst auch sein Deo den Dienst quittiert.

ER: "Haben Sie denn eine Urkunde, dass ihr Sohn noch bei Ihnen wohnt?" ICH: "Jaaaa ... brauche ich denn sowas? Ich will ja kein neues GA für ihn, sondern für mich. Und dass er bei mir wohnt belegt ja die Tatsache, dass sein GA aufgrund meines GA's zum Spezial-Familien-Tarif angegeben wurde. Damals habe ich ein entsprechendes Formular abgegeben". ER: "Aha". ICH: "Genau".
S T I L L E.

ER: "Können Sie eine Heiratsurkunde vorweisen, die belegt, dass Sie mit Herrn C.D. verheiratete sind?". ICH (in Gedanken) ...: "das und nichts anderes belegen Heiratsurkunden im Allgemeinen...!" ICH (verbal):  "Ja klar. Sie ist allerdings auf Griechisch. Wir haben nämlich auf Rhodos geheiratet. War ganz toll. Und das Wetter so schön *verzücktlächel*". ER: "??!!??".
Den Schweisstropfen gesellten sich jetzt noch unnatürlich gerötete Stellen oberhalb des Hemdkragens hinzu. Er lockerte darauf hin den Kravattenknopf.

ER: "Das ist jetzt ein wenig kompliziert". ICH: "Ah ja? Und was tun wir da?". ER: "Hätten Sie vielleicht eine Übersetzung der Heiratsurkunde?" ICH: "Ja, das Zivilstandesamt hat eine solche". ER: "Dann bringen Sie die mal und dann schauen wir weiter.
ICH (leicht gereizt): "Gut, mache ich. Wenn's sein muss. Aber wie ist das nun genau ... kriege ich das Partner-GA oder das Partner Familia-GA?".
ER (verzweifelt auf den Tasten des Computers rumhämmernd und da irgendwo nach einer Antwort suchend) "Grundsätzlich ja, aber das Jugend-Abo ist an Ihr GA gekoppelt. Weil aber Ihr Mann das Basis-GA hat, geht das wohl nicht."
HÄ?
Sammelte einen Packen Infos für mich zusammen, gab mir den guten Rat alles gründlich durchzulesen, mich schlau zu machen. Und dann mit meinen Erkenntnissen plus übersetzter Heiratsurkunde wieder zu kommen.



Zwischen Absatz 1 und Absatz 2 liegt eine Woche der Erholung.

ABSATZ 2)
Gut. Dieser Tag war dann gestern.
Ich spazierte in die Schalterhalle rein und wurde sofort vom nicht mehr so lustigen Igelmann gesehen. Wäre er sich nicht bewusst gewesen, dass sein Adamsapfel verdächtigst am hüpfen ist - er hätte sich glattweg tot gestellt. Da dies aber angesichts der Masse an Menschen zu auffällig gewesen wäre, stellte er kurzerhand das Schild auf den Tresen: "DIESER SCHALTER IST GESCHLOSSEN. SIE WERDEN GERNE AM NEBENSCHALTER BEDIENT".
Tja.

Dort sass eine ältere, erfahrene, sehr freundliche Dame, welche sich meine Geschichte anhörte. "Nein nein - eine Heiratsurkunde brauche ich nicht. Die Kopie des GA's ihres Mannes reicht mir völlig". Und hinsichtlich des Sohn-GA's wäre es anscheinend das Beste, er wäre gleich mit am Schalter. Aber dann würde es klappen. Bestimmt.
Ich war dankbar, dass wir zumindest keinen Hund haben!

Ich wieder nach Hause, Katerli anrufen und um Zusendung des gescannten GA's bitten, Sohn anrufen und fragen, wann sein Zug ankomme und auch bitten, sich unverzüglich in der Schalterhalle einzufinden.

Die Geschichte erzähle ich nicht im Detail zu Ende.
Nur so viel: Ich bin stolze Besitzerin eines Familia-vergünstigten Partner-GA's und glücklich, diese Irrungen und Wirrungen für ein Jahr hinter mir lassen zu dürfen.
Nächstes Jahr im März 2011 wird es wieder soweit sein.
Ich denke, wir nehmen uns dann interfamiliär gemeinsam einen Tag frei, ich bereite Lunchpakete vor und dann gehen wir geschlossen zum Schalter am Bahnhof. Als Familienausflug deklariert.
Der Igelmann wird sich bestimmt freuen.

Vorhin hat übrigens noch ein Vertreter der SBB angerufen und mir mitgeteilt, dass mir das neue GA sofort zugeschickt werde ... sobald ich ein Passfoto neueren Datums eingereicht habe ...

Hätte ich einen Adamsapfel -

ER WÜRDE JETZT HÜPFEN!

Montag, 29. März 2010

VILLA MIT UMSCHWUNG

Ich wohne in einer grossen Villa - erbaut im altrömischen Stil. Hohe Stukkaturdecken. Viele grosszügige Zimmer. Bäder in allen Varianten. Fitnessraum. Reitstall. Tennisplatz. Grosser Park mit altem Baumbestand und gepflegten Blumenzaubereien.
Da sitzen wir gerne im Sommer ... beim alten Brunnen unter den Linden. Wunderschöner Swimmingpool.
Das Ganze in leicht erhöhter Lage mit Blick auf den See. Tut gut, dieser Ort der Ruhe. Man kommt auch von der luxuriösesten Reise immer wieder gerne nach Hause.
Zum Glück genügend Personal - gut ausgewählt, zuverlässig, diskret.
Viel Geld und Zeit dies alles zu geniessen.
Ein herrliches Leben. Oder?


Meine ehrliche Meinung: Keine Ahnung. 
Alles erstunken und erlogen.

Aber mein Freund Daniel (Stand heute) hatte einfach eine Lektion nötig. Ich mochte ihn nämlich gar nicht (Stand damals).
Es ist schon viele, viele Jahre her, dass ich an den Hockey-Matchs diesen Mann kennengelernt habe. Ein eigentlich im Grunde aufgeschlossener, sympathischer Typ - leider mit dem Hang zum Grössenwahnsinn und zur sogenannten High Society.
Ein kleiner Hochstapler mit grössenwahnsinnigen Ambitionen. Nicht immer - aber viel zu oft! Von Oberflächlichkeiten und Schein liess er sich gerne blenden und seine Entwicklung ging damals irgendwie in die falsche Richtung.

Ich persönlich muss ihm aufgefallen sein, als mich ein Bekannter nach einem der besagten Matchs mit seinem megateuren Designerporsche abgeholt hat. Während mir solche Statussymbole eher gegen den Strich gehen, Äusserlichkeiten wenig bis keine Bedeutung für mich haben und mich das Innere eines Menschen - sein Wesen, sein Sein, sein Charakter interessiert - erlangte ich per sofort die Aufmerksamkeit von Daniel.

Bei einer gemeinsamen, sehr humorvollen Bekannten holte er regelrecht Infos über mich ein und bekam genau das zu hören, was er sich erhofft hatte: Tochter aus bestem Hause, Heirat standesgemäss, stinkreich, beste Gesellschaft.
Ab da suchte er meine Nähe, probierte sich einzubringen, versuchte in diese sogenannt höheren Kreise via meine Person Einlass zu bekommen. "Die muss ich mir warmhalten" - so damals sein Kommentar. Brühwarm an mich weitergeleitet.


Dieses böse Spiel spielte ich mit, ich gab mich höchst versnobt, eingebildet bis zum Abwinken, impertinent, erlaubte mir durch mein Geld vermeintlich alles, was der gute Geschmack grundlegend verbietet. Ich benahm mich etepetete vom Feinsten. Trank Tee nur noch mit abgewinkeltem kleinem Finger und schnäuzte in Nastücher mit handgeklöppeltem Rande. Telefoniert habe ich in seinem Beisein mit der Garde der Prominenz aus Gesellschaft, Politik, Sport, Film und Fernsehen, den Schönen und Reichen ... dass mein Handy dabei stumm blieb, wussten schliesslich nur ich und die Freunde um mich herum. Erzählte nebenbei lachend von exorbitanten Verlusten im Casino und wo genau mir das vorbeigeht.
Ich mimte die protzige, reiche Kotzbrocken-Lady durch und durch.
Und er - er liess sämtliche Eskapaden durchgehen, biederte sich an, frass mir aus der Hand.
Die Herausforderung, diesem jungen Mann den Spiegel vorzuhalten und Diverses ins rechte Licht zu rücken ... ja, ich nahm sie gerne an.

Über mehrere Wochen liess ich dieses Bild so stehen und spielte die Rolle der Grande Dame. Irgendwann mal gab ich ihm dann meine Telefonnummer, habe ihn zu einem Dinner eingeladen - vergass selbstverständlich nicht zu bemerken, dass unser Butler James heisst und er, Daniel, sich dann einfach mit mir verbinden lassen solle. "... und bitte rufe 3 Tage im Voraus an, damit wir Dich verbindlich auf die Gästeliste setzen können. Es gibt übrigens köstlichen Kaviar - und später Hummer!".

Daniel rief auch zuverlässig an. Mein damaliger Mann nahm den Anruf entgegen und war sehr erstaunt, "James" genannt zu werden.
Ich liess Daniel gegenüber verlauten, dass unser Chauffeur ihn abholt und ihn zum Event in unsere Villa fahren wird. Daniel war äusserts beeindruckt, gebauchpinselt und stolz, dass er endlich den Einstieg in die höchsten Höhen der Gesellschaft schien geschafft zu haben.

Und genau DAS ist der Haken am Schein!

Abgeholt habe ich Daniel letztendlich mit meiner blauen Vespa. Fuhr ihn damit zum Grillplatz vor unsere stinknormale 4 1/2-Zimmerwohnung. Und bevor Schnitzel mit Kartoffelsalat serviert wurde, fand eine laute, emotional geführte, schwierige, nötige Diskussion statt.
Über Werte, Wertung und Wertschätzung. Über Geld und über Menschen.


Die Enttarnung war vollumfänglich.
Vor allem die Seine. Meine aber auch.
Das Schöne: er hat kapiert!

Wir lachen noch heute darüber.


SEITHER SIND WIR WIRKLICH FREUNDE

Sonntag, 28. März 2010

ICH GLAUBE, ICH SPINNE!

Ich liebe Schlangen. Kenne keine Scheu vor Krallen und Zähnen. Habe keine Angst vor grossen Tieren. Und dass ich nicht Raubtierdompteurin geworden bin, ist eigentlich nur Zufall.
Dafür habe ich geheiratet - 2x - und 2 Jungs grossgezogen. Das kommt der Sache ja irgendwie nahe.

Ich gehe keinem nötigen Streit aus dem Weg, mag Gewitter und stehe zuvorderst in den Reihen, wenn es etwas zu verteidigen gibt.
Nichts macht mir so schnell Angst und gerne bin ich an Problemfronten zur Lösungsfindung.
Ich arbeitete mit suizidgefährdeten Jugendlichen und in der Gewaltprävention an Schulen. Alles andere als einfach und risikolos.
Ich bin zäh. Nebst butterweich.

Es gibt aber eine Sache, die kann ich gar nicht ab: Spinnen.
Völlig egal ob klein oder gross, dünne Beine, dicke Beine, mit oder ohne Behaarung, farbig oder bloss grauslig schwarz, völlig harmlos oder giftig. Spinne ist Spinne und da wird geschrien.
Da wird sogar sowas von geschrien!


Woher das kommt ... keine Ahnung. Wie ich das wegkriege ... keine Ahnung.
Hier mal ein paar Anekdoten.

Süsse 18, meine erste, eigene Wohnung. Es war Sommer, herrlich heiss draussen. Die Balkontüre weit offen. Ich gehe davon aus, dass sich dies unter den Spinnen in der Nachbarschaft wie ein Lauffeuer rumgesprochen haben musste. Plötzlich hatte ich 3 von diesen Viechern in der Decke hängen!! JESSESGOTT!
Fix habe ich mir damals im August, bei 30 Grad+ Affenhitze, meinen Skidress angezogen, Mütze, Handschuhe und bin mit dem Dampfkochtopf bewaffnet diesem Getiere zu Leibe gerückt.
Kletterte auf den Stuhl und ruckelte so lang mit dem DUROMATIC an der Decke rum, bis diese 8-Beiner ins erwähnte Behältnis fielen. Deckel drauf, bei Maximalhitze 20 Minuten dampfgaren. Dann via sanitäre Anlagen ab in den Untergrund auf nimmer Wiedersehen!
Den teuren Dampfkochtopf habe ich auch umgehend liquidiert.

Ein paar Jahre später: Morgens, 07.00h, auf dem Weg zur Arbeit. Wir hatten ein schönes, fast neues Auto und tuckerten mit 130km/h gen Bern auf der Autobahn der Arbeit entgegen. Plötzlich nahm ich wahr, dass aus dem Handschuhfach an meiner Seite eines dieser mir so unsagbar unsympathischen Tiere kletterte und sich fix Richtung meine Füsse bewegte.
Ich trug an diesem Tag hochhackige Schuhe. Kann jemand von euch schon erahnen, was jetzt kommt...?
Laut, sehr laut Zetermordio-schreiend ruckten meine Beine in ungeahnter Schnelligkeit bis unter das Autodach hoch, die spitzen Absätze verhakelten sich im Leder der Dachhimmelabdeckung und zerfetzten diese aufs Feinste.
Mein Damaliger hat aufgrund meiner Schreierei schier einen Herzinfarkt gekriegt und beinahe einen Unfall provoziert. Mimose!
Wenn ich daran danke, was mich diese Aktion finanziell gekostet hat, dann kriege ich immer noch Augenwasser!

Wieder ein paar Jahre später: Ich wollte gerade die Spraydose mit neongrüner Farbe in den Keller bringen, als sich mir im Kellergang eine Monsterspinne in den Weg stellt. Ein Riesending mit soooooooo einem Augenabstand. Nicht übertrieben! Die spazierte fies grinsend auf mich zu - ich sehe ihren Gesichtsausdruck noch heute in Albträumen vor mir. Was sollte ich da anderes tun als mich zur Wehr setzen? Bloss ... wie?
Da kam die rettende Idee! Ich hatte ja die Sprühdose in Händen! Neinnein, ich habe sie damit nicht erschlagen. Ich habe sie ersprayt!
Dose schüttelt, sprayen. Und warten, bis die erste Schicht trocken ist. Zwischen den Sprayattacken bedrohte mich das Vieh immer wieder, machte ein paar Schritte auf mich zu ... immer langsamer zum Glück. Das war richtig Arbeit, bis mein Widersacher so dick mit neongrüner Farbe eingesprüht war, dass er / sie langsamer wurde, zuletzt stehen blieb - und die Farbe getrocknet war!
Noch heute zeugen die farbigen Erinnerungen im Kellergang von meinen heroischen Kampf.

Den absoluten Supergau erlebte ich aber mit Moritz, dem älteren Sohne. Irgendwie funktioniert der anders als ich. Er mag Spinnen! Auch die ganz Grossen! Kam freudestrahlend von seinem Freund Simon nach Hause und erzählte begeistert, dass er dessen Vogelspinne habe füttern dürfen. Und wie schnell die sei! Wie weich die Härchen und so schön in der Farbe.
Meine Gesichtsfarbe wurde blass grau mit einem grünen Schimmer und ich schickte Moritz ins Bad unter die Dusche. Und gut Hände waschen! Am besten mit der Bürste!!
Während er verständnislos und völlig verunsichert ob meiner Panik meinem barschen Befehle Folge leistete, klingelte das Telefon. "Ja bitte, hier bei Sternenzaubers". Die Mutter von Simon war es, ihre Stimme ein bisschen aufgeregt "Guten Tag Frau Sternenzauber. Hören Sie, die Vogelspinne von Simon ist unauffindbar. Sie versteckt sich eben gerne in Taschen und so - könnten Sie mal nachschauen, ob sie vielleicht im Schulranzen von Moritz ist? Oder der Jackentasche? Einfach keine ruckartigen Bewegungen, dann tut sie auch nichts".

Manchmal kann ich richtig schnell rennen. Ab ins Schlafzimmer, Türe zuknallen, Schlüssel drehen. Badetuch unten vor die Türritze drücken. Und beten. Heulen. Zittern.


Der Telefonhörer baumelte im Wohnzimmer munter vor sich hin. Simons Mutters "Hallloooo, haaaaalllooooooo" verhallte ungehört. Sie hat damals wohl keinen wirklich guten Eindruck von mir gewonnen...
Irgendwann kam Sohn Moritz dann aus der Dusche und bemerkte, dass ich fehlte.
Er folgte sogleich auch meinen flehenden Hilferufen und suchte den Killer, fand ihn aber nicht. Was meine Lage nicht besser machte.
Irgendwann dann der erlösende Anruf, dass Thekla - die Vogelspinne - munter und gesund im Brotkorb gefunden worden sei.

Eigentlich bin ich ein ausgesprochen tierliebender Mensch. Schon so oft Auffangstation für aus dem Nest gefallene Vogelbabys, untergewichtige Igel, ausgesetzte Kätzchen. Ich würde sogar einem verirrten Krokodil, einem untergewichtigen, aufzupäppelnden Elefanten oder einem hungrigen T-Rex meinen Schutz, meine Hilfe und Unterschlupf anbieten, gewähren. Klar doch!

Aber bitte, bitte ...


... KEINE SPINNEN!

Samstag, 27. März 2010

STURMFREI!

Sturmfrei. Das ist nicht nur DER Begriff der Kinder- und Jugendzeit. Nein nein! Dieser Begriff, den ich heute wieder voller Vorfreude und Respekt in seiner ganzen Grösse zu schätzen weiss ... er ist einer etwas unkonventionellen Mutter - im ersten Verheiratet-sein-Jahr, aufs Neue ein Lächeln wert.
Und Dankbarkeit.



Bevor ich Internas aus dem Hier und Heute zum Besten gebe, blicke ich kurz mal zurück in ins Jahr 1966.

DAMALS:
Ich war süsse 5 Jahre alt, ein weissblondes, blauäugiges, anhängliches, herziges Kinde. Aber voller Flausen und Dummheiten im Kopf - sagt meine Mutter. Ich würde mich eher als nicht ganz rollenmässig bezeichnen. Statt mit Puppen zu spielen, habe ich schon in ganz jungen Jahren eine Bande gegründet. Und die hatte nach meiner Pfeife zu tanzen, was die Dazugehörigen anscheinend auch gerne machten. Ich hatte nämlich immer ganz tolle Ideen, zum Beispiel grosse, langbeinige Spinnen in die Briefkästen lieber Nachbarinnen zu platzieren. Aber weil ich selber jämmerliche Angst vor diesen grausligen Tieren hatte (...und immer noch habe - dazu dann auch mal eine Geschichte...), brauchte ich Handlanger für solch niedrige Arbeiten. Gut beraten ist frau dann, wenn Sie eben Häuptling ist und Untergebene, gefügige Indianer als Mitglieder ihrer Bande zugehörig nennen darf.
Ich liess mich fürs lebendige Schnecken und Würmer essen bezahlen - mit Häuschen kostete die Schneckenesserei mehr. Das habe ich euch ja aber schon Mal im Detail geschildert.

http://sternenzaubers.blogspot.com/2010/01/stenenzauber-war-auch-mal-kind.html
 
Wir haben auch mal Frau Moser in Ermangelung eines Marterpfahles im Garten an die Teppichklopfstange geknüpft. Sie fand das damals gar nicht lustig - meine Eltern übrigens auch nicht. Und ich hatte bereits vor Schulbeginn ein Imageproblem.
Anstelle von Puppenwagen nannte ich Rollschuhe und ein Trottinett meine Lieblingsspielzeuge. Röckchen wollte ich nie tragen - Jeans trug ich, schon damals. Mir gefielen kurze Haare. Und flotte Sprüche.
Meine Knie waren dauern aufgeschürft und am wohlsten fühlte ich mich auf dem Pferde. Oder als einziges Mädchen beim Fussballtraining. Oder als jüngster Hockeyfan mit 6.
Ein wildes Kind.

Irgendwann in dieser Zeit haben sich dann meine Eltern einen kinderfreien Abend gegönnt. Fand ich gut. Man hat mir später erzählt, dass bei der Eltern Heimkehr die kleine Sternenzauber schlafend vor dem laufenden Fernseher gefunden wurde. Eine Zigarre (nicht brennend) im der Hand und das leere Underbergfläschchen neben mir am Boden.
Ein unmögliches Kind.

Im Kindergarten hatte ich meinen ersten, richtigen Freund. Er hiess Heinz und war ein ganz Lieber. Hat mir immer das Kindergartentäschli nach Hause getragen und wir haben das Pausenbrot getauscht. Küssen geübt - im Keller. Und beim Kindergartenweihnachtsfest sass ich als einziges Mädchen inmitten der Buben, neben meinem Heinz.
Ob es mit ein Faktor war, warum ich früher als Andere eingeschult wurde?
Ein frühreifes Kind.

30 Jahre später hiess es dann, ich hätte Willensstärke, Durchsetzungsvermögen und sei eine starke Frau, die genau wisse, was sie wolle. Es auch kriege.
Tja.

HEUTE:
Sohn Max hat uns gestern Abend eröffnet, dass er dieses Wochenende bis spät am Sonntagabend weg sei, Bikerennen hätte. Er fährt mittlerweilen bei den ganz Grossen und Starken mit. Toll!
Also ... toll, dass er solche Erfolge hat. Und ... toll, haben wir sturmfrei.
Ohne Kinde zu sein heisst nämlich: Am Sonntagmorgen ist der Kühlschrank noch genau so voll, wie man ihn vom Samstagabend her noch in Erinnerung hatte. Der Butterzopf ist unversehrt und die Küche sauber.
Kinde blockiert weder Bad noch Lieblingssessel. Er fragt nicht alle paar Minuten, wann wir Essen machen und ob ihm noch kurz die Trainingsklamotten waschen würde. Keine vorwurfsvollen Augen, wenn sein Spezialmüesli, der fettreduzierte Joghurt, Kiwi, Bananen, Trauben, Äpfel (bitte nicht zu süss) und die Sojamilch nicht an Lager ist.
Kein jähes Erwachen um 07.20h, weil Max sich zum Training parat macht. Das teure Shampoo und Katerlis Feindufti-Rasierwasser bleiben unangetastet. Man kann eher sehr leicht bekleidet in der Wohnung rumgammeln - was ansonsten für Kind mit Freundin sicherlich kein erhebender Anblick ist.
Und auch sonst bietet ein kinderloses Wochenende alles, was mein Herz begehrt. Und auch das Herze meinen Schätzelis.
Ihr wisst doch - je oller, je doller.


Ach ja ... ich freue mich sehr auf Max, wenn wir uns dann am Montagmorgen wieder im Bad treffen. Kurz nach 5. Wir lieben den Kerl - und seinen Bruder ebenso.

Aber so ein sturmfreies Wochenende - es ist nicht zu verachten.


NEIN ... WIRKLICH NICHT!

Freitag, 26. März 2010

ICH BIN BEGEISTERT!

Aus gegebenem Anlass habe ich heute Morgen unter Wikipedia mal nachgeschaut, wie sich das Wort "BEGEISTERUNG" definiert.
Gefunden habe ich unter anderem folgende Schlagwörter dazu: Leidenschaft, Entzückung, freudige Euphorie, starke positive Motivation, glühendes Interesse, feuriger Eifer, helle Freude, Anerkennung.

Aus meiner Sicht müsste das viel ausführlicher dargelegt werden! Dringend vermerkt gehört, dass Begeisterung - die Begeisterungsfähigkeit an und für sich - jede frühmorgendliche Dusche ersetzt, den Duftpegel jetzt mal ausgeblendet. Begeisterung wirkt besser auf die Ausstrahlung als die teuersten Cremes, die perfektesten Liftings, die raffiniertesten Behandlung an Körper und die umfassendste Fürsorge hinsichtlich der Seele.

Begeisterung ist wie die Sonne im Frühling. Wie der erste Kaffee am Morgen. Wie ein gut funktionierenden Motor.
Begeisterung ist schön und macht schön - davon bin ich überzeugt! Sie steckt an, reisst mit, pusht, motiviert, mobilisiert, belebt, verjüngt und macht glücklich.
Sich selber und andere. Eine rundum gute Sache!
Meine persönliche Droge ist die Begeisterung. Etwas anderes kommt nicht in die Tüte!


Den gegebenen Anlass möchte ich doch jetzt auch noch ausführen - auch wenn viele meiner LeserInnen es bestimmt schon erahnen, wissen und gleich die Hände verwerfen - es ist der gestrige Hockeymatch. Meine diesbezügliche Begeisterung ist ja nicht neu, aber dass ich an jede Handtasche (selbst an die teure, knallviolette) das Seidenfoular des SCB knüpfe und damit klar meine Liebe zur Sache demonstriere, das mache ich seit gestern.
Leidenschaft OLÉ ich komme! Trübsal blasen über verpasste Chancen war gestern!

Wie gut, wie supermegaultragut hat es sich angefühlt gestern Abend.
Begeisterung ist eine Angelegenheit, die nicht älter wird. Nie! Sie bleibt genau so, wie sie immer war. Es spielt keine Rolle, ob ich vor X Jahren mit den gestrickten Stulpen und den gehäkelten Pulswärmern oben auf der Stehrampe vor Freude tobte, mich heiser schrie, auf und ab hüpfte wie ein Gummiball oder heute - unten in den Sitzplätzen, dies tue.
Vielleicht hüpfe ich heute einen Tick langsamer und 10cm weniger hoch als mit 15, 20 und die Jahre drumherum. Aber nur ein bisschen - eben, weil die Begeisterung den Takt vorgibt. Es hüpft mir. Es schreit mir, es klatscht von ganz alleine!
Das überkommt mich und rundum erfühle ich nur diese Welle von begeistertem Sein. Mit und von Menschen, ob mir bekannt oder unbekannt. Ein Gefühl, das trägt. Uns trägt.

Spannung, die kaum auszuhalten ist. Wenn es ganz hart wird für meine Nerven, dann halte ich mir jeweils beide Hände gitterförmig vors Gesicht und schaue durch die Öffnungen zwischen den einzelnen Fingern raus. Die Bissspuren in den Handrücken belegen deutlich mein Mitfiebern! Beine die zittern, Knie ganz weich, Gedanken auf Eis gelegt - im wahrsten Sinne des Wortes. Emotionen! Reine Emotionen!

Meinen Kindern habe ich gutes Benehmen beigebracht. Und auch ich halte mich an die Regeln des Anstandes. Doch in der Hitze des Gefechtes - ich gebe es zu - hätte ich weiss Gott gestern Abend einen Strafbatzen ins "Man-flucht-nicht-und-sagt-nicht-Arschloch"-Kässeli einzahlen müssen.
Aber zu meiner Entlastung möchte ich doch anfügen, dass mein ganz persönlicher Unliebling der gegnerischen Mannschaft sich auch wieder mal sowas von daneben benommen hat! Erst provozieren, sticheln, austeilen - und dann flennen, wenn man dafür eins auf die Mütze kriegt. So ein Jammeri aber auch!
Ich mag ihn nicht. Nein, wahrlich mag ich ihn nicht!


Sorry Herr Jenni - aber das musste jetzt sein!

Wenn das Geschehen mit dem Herzen Tango tanzt, Gefühl, Faszination sich die Hände reichen, Zeit und Raum nicht mehr wahrgenommen und Feuerwerke im ganzen Körper gezündet werden, man bis zur Unterkante Unterlippe - und manchmal darüber hinaus - geflutet ist von etwas derart Positivem - dann ist es eben genau diese Art von Begeisterung, die ich meine.
Die ich liebe. Die ich brauche.

Bloss jetzt nicht daran schrauben.
Es soll bleiben. Ganz lange.
Geniessen.

EINFACH NUR GENIESSEN!

Donnerstag, 25. März 2010

LI-LA LAUNE :-)

Mittlerweilen bin ich ja wieder richtig gut im Saft, wie man so schön zu sagen pflegt.
Der Norovirus hängt mir zwar noch ein bisschen in den Gliedern, kraftvoll ist anders und der Hang zu Suppe ist grösser als die Lust auf opulente Gerichte. Kann ja nicht schaden. Das wird schon. Kommt Zeit, kommt Rat.
So ein paar Alltagshürden gibts noch, wenn zum Beispiel mein lieber Kollege sich mittags seinen Berg Pasta in der Mikrowelle wärmt, in Ermangelung von Sosse den Inhalt einer Tube Mayonnaise darüber garniert - dann sehe ich mich doch gezwungen, meinen Essplatz zu verlegen. Meine Magennerven können sich noch nicht ALLES vorstellen.

Arbeiten tue ich wieder mit viel Elan und Freude ... ist echt schöner um "meine" Menschen zu sein, als im Bette rumzuhängen. Ruhe hin oder her.
Auf der anderen Seite war die Auszeit nötig - und ich habe wieder mal gemerkt, dass auf meinen Körper Verlass ist.
Mein Ich sagt oftmals "los, hopp, geh, mach", selbst wenn ich längst hätte STOP schreien sollen.
Dies hat sich mein Körper eine Zeit lang kopfschüttelnd angeschaut, hat ein paar Funksignale gesendet und dann die Notbremse gezogen. War heftigst - aber gut so. Ich habe wieder dazu gelernt - und höre hin.

Aber mal abgesehen von diesen kleinen Nachwehen, bin ich munter, guter Laune, voller Tatendrang und Freude! Seit gestern Abend noch viel mehr als vorher. Warum? Normalerweise schliessen Schätzu und ich die Haustüre so gegen 19.00h auf. Machen Licht, zünden Kerzen an, essen Abendbrot.
Aber gestern, da war das anders! Die Zeitangabe mit 19.00h stimmt, doch Licht gab es noch keines anzuzünden und auch die Kerzen sparten wir uns auf später. Es war nämlich noch hell! Und warm!
Was gibt es da also schöneres, als sich mit einem guten Latte Macchiato - gebraut und serviert von meinem persönlichen "Dealer" (er findet nämlich, ich sei Kaffeeholikerin und dieser doch eher sehr spezielle Ausdruck des Dealers durchaus angebracht. Pfffff!), draussen zu sitzen, die Wärme der letzten Sonnenstrahlen zu geniessen und einfach mal endlich wieder sowas wie Frühlingsgefühle zu verspüren.
Gut eine Stunde dauerte unser persönliches Vergnügen, dann fröstelte es uns doch. Aber die guten Gespräche in dieser Stunde, das Vogelgezwitscher - herrlich.
Sohn Max hat sich dazu gesellt, die Beine weit von sich gestreckt und zwitscherte munter mit. Irgendwie sehr harmonisch.
Draussen auf dem Balkon sitzen hat was von Mini-Ferien. Immer wieder.


Schier hätte ich vergessen zu erzählen, dass mein Katerli-Schatz völlig high sein muss ob des Frühlings Botenstoffe. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass er selber vorgeschlagen hat, am nächsten Samstag der nächstgelegenen IKEA-Filiale einen Besuch abzustatten.
Balkon-Accessoires holen. Teppiche. Deko. Kissen. Trari-Trara.
Man lasse sich die folgenden Ausdrücke auf der Zunge zergehen: SAMSTAG. Und IKEA. Und das Ganze mit MIR.
Ob er weiss, auf was er sich da einlässt? Ob er sich der Tragweite seiner Worte bewusst ist?

Ich freue mich nun sehr auf Samstag - vor allem auf Trari-Trara. Und die feinen Fleischkügeli. Auf die Schlenderrunden und die Wiederholungsschleifen in der ganzen, grossen IKEA-Fülle. Vielleicht gibt es ja wieder KNUT - für Nicht-IKEA-Insider: Knut ist gleichzusetzen mit dem Hallalli zur Schnäppchenjagd.
Und selbst wenn nicht Knut sein sollte, dann findet sich bestimmt das eine oder andere, sehr lukrative Angebot, an welchem ich unmöglich vorbei gehen kann ohne es in das überdimensional grosse Wägelchen einzupacken.
Rechaudkerzchen in allen möglichen Farben brauchen wir auch wieder. Wer einen Durchschnittsverbrauch von rund 20 Stück pro Tag hat, der kauft davon in grossen Mengen ein ...! Dann noch 1'000 China-Essstäbchen zum halben Preis, 3 Dutzend Gästepantoffeln für den symbolischen Obolus von Fr. 5.-- und letztendlich vielleicht noch die Aktions-Weihnachtsservietten im 30er Pack à je 100 Stück mit dem herzigen Elch drauf für Sogutwienix.
Hoffentlich haben die Balkonteppiche dann noch Platz. Hoffentlich!


Schätzu wird - wie immer nach SO einem Besuch - die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, mit den Augen rollen, den Zähnen klappern und still vor sich hin beten. Bei allem was ihm lieb und teuer ist schwören, nienienie mehr mit mir nach IKEA zu gehen.

BIS ZUM NÄCHSTEN MAL!

Mittwoch, 24. März 2010

DAS LEBEN IST WIE EINE SCHACHTEL PRALINEN ...

...man weiss nie, was man kriegt.

Diesen mehr als klugen Satz sagt Tom Hanks gleich am Anfang meines Lieblingsfilmes "Forrest Gump". Und wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, ist diese Aussage - welche eigentlich so lockig-flockig-leicht daher kommt - richtig, wichtig, gewichtig, hat Boden.
Ich könnte, möchte, wollte am liebstem kurz mal die wesentlichen Lebensbereiche hinsichtlich der Pralinensorten abchecken. Aber dafür habe ich ja die nächsten ... sagen wir mal 40 Jahre ... noch Zeit.

Heute beschränke ich mich auf das Thema, welches momentan den Takt meinem Herzen vorgibt, meine Gedanken beherrscht - Eishockey. Das kalte Eis ist es, welches zur Zeit mein Blut kochen lässt und mein Gemüte erhitzt.
Ich bin heiss auf Eis!

Falls es irgendwer in meinem persönlichen Dunstkreise noch nicht mitbekommen hat, dann hier die freudige Nachricht: "Mein" SCBern ist mit einer guten, soliden Leistungen 4:0 gegen den HC Lugano durch den Viertelsfinal geflutscht. Gut gemacht, SCB!
An dieser Stelle meine lieben Grüsse in die Sonnenstube der Schweiz und ein gutgemeintes "schöne Ferien".

Um den Bogen zu den Pralinen nun wieder zu spannen, vorneweg die Info bezüglich meines Geschmacks: Ich bin keine Süsse! Meine Lieblingspraline wäre eigentlich - würde es sie denn geben - geräucherter Lachs mit Meerrettichsahneschaum. In diese Richtung. Pikant. Scharf. Vielleicht noch verfeinert mit Kapern.
Ach ja, ich bin eigen.

Da es sowas aber nur in meinen Wunschträumen gibt (oder? Ich kenne nur Senfpralinen ....), versöhne ich mich mit dem Süss der Schokolade und vergleiche jetzt mal den SCB damit. Für mich ist dieser Club die Krönung der Chocolatierskunst. Eine Praline mit einer Aussenschicht aus knackiger Milchschokolade mit einer Ahnung von Chili, das Innere nussig - mit Stückchen, ein Hauch von Likör, nicht ganz so süss - und einem Pistazienkern in der Mitte. Hat man erst mal die verführerische, crispe Hülle durchbissen, erwarten einem Schicht für Schicht Überraschungen. Immer aufs Neue "Ahhh!" und "Ohhh!" und "Wowhh!".
Und manchmal, es kann vorkommen, verschluckt man sich daran - kommt aus dem Husten gar nicht mehr raus. Aber probiert trotzdem immer wieder, immer aufs Neue. Einmal davon genascht, lässt einem dieser Geschmack nicht mehr los. Nie mehr.
Eine Faszinations-Praline, von Hand als Einzelstück gefertigt.


Unser erster Gegner war diese dunkle Schokolade mit den kleinen Spitzen. Angenehme Nougatfüllung. Am besten in den Mund schieben, lutschen - und das gute Stück löst sich auf in seine Bestandteile auf. Durchschnitt. Erinnert weder an Spektakel, noch an Aussergewöhnliches. Essen - und gut ist.
Es war nicht immer so, aber dieses Mal schon.

Ich persönlich mag kein Marzipan. Ein Gemisch aus zu viel Zucker, Puderzucker und blanchierten, geschälten Mandeln. Eine zähe Masse zum Plomben ziehen, nebst süss bis zum Abwinken mit wenig Eigengeschmack und noch weniger Feuchtigkeit. Eine spröde, klebrige Angelegenheit. Und zum grossen Glück ist gestern Abend meine Marzipan-Pralinen-Mannschaft rausgekippt.
Keine Häme hier und böse Worte, aber auch keineswegs Bedauern. Weg ist weg. Kann uns nicht mehr schaden - kann nicht mehr schwer im Magen liegen.

Warten tut uns nun eine runde Sache: Der EHC Kloten. Im übertragenen Sinne eine Praline mit Tradition und Play-Off-Geschichte. Durchaus eine süsse, dennoch kräftige Sache mit grosser, knackiger Nuss in der Mitte. Die gilt es erst mal zu Beissen. Ein charaktervolles Stück, dessen Geschmack sich erst so richtig entfaltet, wenn man es im Munde hat. Nie sollte man es einfach runterschlucken wollen - es kann sonst in der Speiseröhre hängen bleiben und böse Erstickungsanfälle hervorrufen. Zudem ist da auch reichlich Hochprozentiges drin - also gut aufpassen, dass einem davon nicht schwindlig wird.
Empfehlenswert wäre, diese Flieger-Praline gut zu kauen. Aber so richtig! Und wenn die Masse im Munde schön weich, homogen und angenehm formbar geworden ist, dann erst ans Schlucken denken. Erst dann.
Der EHC-Kloten ist keine "von-der-Hand-in-den-Mund"-Praline. Da könnte einem sonst ganz schnell übel werden.

Weiter will ich jetzt gar nicht in der Tiefe der Pralinenschachtel des Schweizer Hockeys rumwühlen. Von Aussen sieht so vieles gut, irgendwie lecker aus. Aber wie es halt im Leben so ist: auf die Füllung kommt es an! Ob sie schmeckt. Nachhaltig im Abgang ist. Lust auf mehr weckt.
Und falls nicht, dass man sie trotzdem irgendwie runter kriegt. Ghoue oder gschtoche!


In diesem Sinne:
Guten, grossen Bärenhunger und ...

... GEGESSEN WIRD, WAS AUF DEN TISCH KOMMT!

Dienstag, 23. März 2010

ALLES TOMATE?

Wenn man rote Flecken auf dem Balkonboden zu vermelden hat, dann kann das vielerlei Gründe habe.
Der unserige heisst: Tomaten.

In einem Anfall von Wahnsinn - anders kann ich es mir heute nicht mehr erklären - haben wir letzten Sommer 4 kleinen - ca. 15cm grossen, unscheinbaren, herzigen, hellgrünen, unspektakulären, zahmen Tomatensetzlingen ein zu Hause gegeben.


2 x Cherrytomate, 1 x Balkontomate, 1 x Pflaumentomate.
Tönt alles wunderbar, ich weiss. Wer mag sie nicht, diese leicht süsslichen, herrlichen, saftigen, prallen und aromatischen Tomätchen - die man von der Staude weg in den Mund steckt, mit einem MHHHH! die Augen schliesst und geniesst!

Zu den 4 Mini-Tomätchen-Stäudchen wurden uns 4 überdimensional grosse, nein: riesige, schwarze Behältnisse verkauft. Und ellenlange Holzstangen - zum dran hochbinden. Wenn ich jetzt so daran zurück denke, meine ich zu wissen, dass der Verkäufer damals hämisch gegrinst hat. Es muss so sein!
Voller Vorfreude auf baldige Ernte tuckerten wir nach Hause, pflanzten die kleinen Sprösslinge in die viel zu grossen Töpfe, gossen reichlich Wasser und Pflanzennahrung auf die kleinen Würzelchen und harrten der Dinge die da kommen sollten.

Und wie sie kamen! Aus den harmlos aussehenden, maximal 3blättrigen Setzlingen, wuchsen innert weniger Wochen riesenhafte Monstertomatenbüsche heran, grösser als ich! Ok, auch wenn ich bloss meine 1.65m vorzuweisen habe, aber immerhin.
Jede einzelne Staude soff - ich sehe mich ausser Stande, diese Tatsache anders zu benennen! - 20 Liter Wasser am Tag. 10 ltr. am Morgen, 10 ltr. am Abend. Und wehe, WEHE, ich vergass mal das Giessen! Dann welkten sie in einem erbärmlichen Zustand vor meinen und der Nachbars Augen. Schlimm.

Wie gut erinnere ich mich noch, als wir damals die erste Minitomate am Strauche entdeckten. Welch Hurrageschrei! Die Cherrys waren die Fleissigsten. Am Anfang. Dann wurden diese aber bald von den Balkontomaten überholt - aber nur für kurze Zeit, die Pflaumentomaten holten dann zu einem exorbitanten Reifebeschleunigungsprozess aus und fluteten uns mit den roten, allseits beliebten Früchten...
Da schrien wir dann auch wieder. Allerdings aus einem anderen Grund.

Bis weit in den Winter genossen wir - mit abnehmender Begeisterung:
Tomaten pur, Tomaten mit Mozzarella, Tomatensalat, Tomatenkuchen, Tomatensosse in 1'000 Varianten, gefüllte Tomaten, getrocknete Tomaten, Tomatensuppe, Tomatenrisotto, Tomatenpizza, Tomatengratin, Tomatenpfännchen, Tomatengnocchi, Tomatenbratlinge, Tomatenessenz und und und.
Aus dem Traum wurde ein Albtraum! Konnten uns ob der Flut gar nicht mehr retten! Wir verschenkten, verfütterten kiloweise von den Dingern, deren Namen wir kaum mehr zu sagen wagten - nennt man sie einmal beim Namen, ploppt es und 30 neue Tomaten hängen am Strauche. Zumindest so war unsere Wahrnehmung.
Die Sträucher breiteten sich zu einem Urwald aus, nahmen uns Sicht, Sonne und die Hoffnung, je wieder etwas anderes als Tomaten zu essen.
Wenn es eine Tomatenphobie gibt, gekoppelt mit einem nicht zu unterschätzenden Tomatentrauma - dann hatten wir sowohl das Eine, wie das Andere. Ganz bestimmt! Auf jeden Fall!

Ich könnte noch heute schwören, dass die samtweichen Locken meines Liebsten in dieser Zeit einen leicht rötlichen Touch angenommen haben. Mich dünkt, dass Sohn Max Bäckchen abnorm rosig wurden. Ich meinerseits, ich scheine eine Allergie entwickelt zu haben - Katerli meint, ich sei seither noch kommunikationsbedürftiger geworden. Da mag er Recht haben - schliesslich fing ich im Oktober dann mit diesem Blog an. Der Beweis wäre somit sozusagen erbracht - oder?
Ich könnte schwören!

Gestern nun habe ich den Balkon also schon mal ansatzweise Frühlingsfein gemacht. Habe mit einem Erfolg, der sich doch sehr in Grenzen hielt, diese besagten roten Flecken wegzuputzen versucht. Letztendlich blieb es beim Versuche. Die Jahre werden es bringen, erfahrungsgemäss. Wie so manch anderes auch.

Schätzeli und ich haben gestern noch besprochen, wie wir unseren Balkon in diesem Jahr bepflanzen. Viele bunte Blumen, hoher Bambus, Efeu, Weidenbäumchen, Olivenbaum, Zitrone und vielleicht sogar Orange. Die extreme Sonnenfront bei uns darf man ja ruhig ausnutzen.
Tomate werden wir auch haben - schliesslich ist so ein feiner, frischer Tomatensalat mit Zwiebeln, Basilikum, Olivenöl und Balsamico was ganz Leckeres.


Aber: 1 Tomatenstrauch.

EINER!

Sonntag, 21. März 2010

LA VITA È BELLA - DAS LEBEN IST SCHÖN!

Ist das schön!

Heute ist ein ganz normaler Sonntag. Draussen regnet es.
Mein Ich strubbelt sich auffallend wild im Abbild des Badezimmerspiegels. Schätzeli trägt die berühmte Jogginghose mit den vorgebeulten Knien. Das taillierte Shirt, welches sein Bäuchlein so wunderbar mit formt. Die Socken sind blau.
Aber hinsichtlich der Pantoffeln, da muss er sich echt was einfallen lassen. Hätte ich mich doch gestern schier ganz böse auf die Nase gelegt ... der antike, linke Grossvater-Hausschuh in dezentem Wäähbraun mit einem Hauch Würggrau reisst nämlich seit neustem die Schnauze weit auf. Also ich will damit sagen, dass die Sohle sich von Rest löst, bei jedem Schritt zum weit aufgerissenen Raubtiermaul und somit höchst eigenwillig zur Stolperfalle wird.



Auf Wunsch meines Herzallerliebsten möchte er hier, genau hier, eine Protestnote gesetzt haben wollen. "Die klebe ich wieder und dann sind sie wie neu. Das sind doch meine Lieblingsschluppen!!"

Sonntag - er ist heute genau so, wie er sein soll.
Kuschelmorgen mit Kaffee im Bett. Frühstück. Keine Eile. Musik aus dem Radio. Wie herrlich.
Der erste Kaffee heute, den ich geniessen kann, so richtig, ohne Überwindung. Lust auf Butterzopf mit Bündnerfleisch und saure Gurke. Joghurt. Ei.
Lachen, ohne dass die Muskeln schmerzen. Küssen ohne Angst zu haben ansteckend zu sein. Vom Essen reden ohne blass um die Nase zu werden. Nur an asiatisches Essen, Chili, scharf ... da darf ich noch nicht dran denken. Es war das letzte Essen vor einer Woche, bevor der Norovirus mich einverleibte. Ihr versteht.

Leute - ich bin wieder zurück! Ich habe das Tal des Jammers durchschritten und nun wieder auf der Winner-Avenue. Die Wolken, welche vor meiner Nase Stockhorn und Niesen in dieses grauweisse Weich einpacken, selbst sie finde ich nicht störend, auch sie sind auf ihre Art schön.


Der Regen macht die Luft so frisch und einfach nur an der Balkontüre zu stehen, zu atmen, dabei die Augen weit offen halten und die Kräfte in sich einströmen fühlen.
Ist das schön!

Gestern Abend habe ich mich erstmals wieder in die Küche gewagt und meine Lieben bekocht, nur Sohn Moritz hat bei der Familienzusammenführung gefehlt. Ansonsten assen sie alle mit Appetit meine Pouletbrüstchen, den Reis und die Möhren mit Petersilie. Leichte Kost, immer noch und noch lange Zeit - aber mit Genuss.

Gestern Abend habe ich nach langer Zeit ganz bewusst den Duft von frisch gemahlenem, schwarzem Pfeffer wahr genommen. Und wie die Finger riechen, wenn man Petersilie vom Stängel zupft. Augen, die brennen wenn man Zwiebeln in kleine Würfelchen schneidet.
Ich habe es er-lebt. So gerne!
Auch wenn ich letztendlich nur ein bisschen von all dem essen konnte ... ich hatte Appetit. Und freute mich über die fröhliche, gesunde Runde um den Küchentisch, inklusive meiner Sozusagen-Schwiegertochter.
Gerade sie - sie ist mir immer ein bisschen Gradmesser, weil eher heikle Esserin. Und wenn SIE sagt, dass die glasierten Möhrchen genauso herrlich wir bei ihrer Oma seien, dann ist mir das ein grosses, liebes Kompliment.
Die ganze letzte Woche durch hätte ich nämlich schwören können, dass ich nie nie nie mehr in meinem Leben etwas essen werde. Und wenn ja, dann höchstens Joghurt. Und Schwarztee trinken, ungesüsst und eiskalt.
Selber in die Küche stehen und kochen - das schloss ich konsequent aus.
Toll, dass das Leben einem immer wieder eines Besseren belehrt!
Ist das schön!

Auch Dusche ist nicht einfach nur Dusche. Während ich mich die letzten Tage schnellschnell durch diese Prozedur gequält habe, selbst die Wassertropfen auf der Haut schmerzten und ich einfach nur möglichst zügig wieder ins Bett wollte - geniesse ich jetzt diese belebenden Schauer, welche Reinigung wie Entspannung gleichermassen ist. Und erst wie herrlich das Duschmittel duftet. Nach Orangenblüten und Minze. Mhhhh! Wie die weichen Schaumbläschen auf der Haut kribbeln und perlen, ich rein pusten kann und alles in der Luft sich auflöst.
Danach sich trocken rubbeln mit dem dicken Frottébadetuch. Bis die Haut einen rosigen Schimmer hat und es sich so gut anfühlt, so gut. Eincrèmen.
Ist das schön!

Jetzt gehört der ganze restliche Tag mir. Mir und meinem Schatz. Wenn ich will, kann ich Kopfstand machen. Im Regen spazieren gehen. Oder mich auf der Couch lümmeln. Meine Freunde anrufen und mit fester Stimme antworten - ja, ich habe meine Stimme heute wieder! Ich kann zur Musik am Radio mitttanzen. Mich mit meinem Katerli scheckig lachen.
Und am Donnerstag gehe ich meine Mannschaft im Hockey zum Auftakt der 1/2-Finals lautstark anfeuern! HOPP SCB!
Doch jetzt erst mal am Dienstag wieder ins Büro - wenn ihr wüsstet, wie sehr ich mich darauf freue! So sehr!

Ich kann tun was ich will. Endlich wieder.
Tage wie diese letzten machen einem immer wieder so einiges bewusst. Man wird derart auf sich selber zurück geworfen ... wird gezwungen, sich völlig und ganz dem ICH zu ergeben. Manchmal muss das wohl so sein.
Umso schöner, dieser Tag heute.

Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole - ich tue es aber in diesem Fall gerne und mit Begeisterung:

IST DAS SCHÖN!

Samstag, 20. März 2010

VON DRACHEN UND BÜGELWÄSCHE UND UNS

Die Idee meines Schatzes, dass wir einen gänzlich Fernseh- und Computerfreien Abend machen, stiess bei mir auf viel mehr als auf offene Ohren - nämlich auf laut HURRA-schreiende Zustimmung. Finde ich doch mal richtig gut.
Wenn man nämlich mal 7 Tage nimmt, davon Arbeitstage und Schlaf subtrahiert, anschliessend die jeweils persönlich-individuellen Bedürfnisse berücksichtigt ... dann bleibt unter dem Strich nicht wirklich viel.

Und aus diesem Bisschen gilt es viel zu machen! Sich in all der Arbeit, dem Alltag, dem Soll und Muss sich nicht aus den Augen, aus dem Sinn, den Sinnen zu verlieren. Zeit für das Wesentliche zu haben. Sie sich zu nehmen.
Wenn ich aus den vorangegangenen Beziehungen etwas gelernt habe, dann dies!

"Schaaaaatz, nach was ist Dir?", so die Frage meines Herzallerliebsten.
Mir gingen ganz viele Dinge durch den Kopf: Musik hören, Hörbuch geniessen, Diskutieren, Billard spielen, Essen gehen, Spaziergang, Kino - der Möglichkeiten gibt es viele. Kino ... Kino ... da war doch etwas ... "oh Katerli, wie wäre es mit DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT"? Er: "Meine Schöne, nicht im Beziehungsratgeber schmökern, nicht heute Abend".
Prima. DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT ist der neue, Computer-animierte Abenteuertrickfilm.
Wir haben dann 2 Stunden diskutiert. Es schien mir angebracht.


Diese Diskussion haben wir übrigens vor 2 Bergen zu bügelnder Wäsche geführt. Diese farbig-bergigen Erhöhungen waren dann auch Mittelpunkt unseres Gespräches. Ich muss vielleicht vorab schicken, dass wir Unmengen an Wäsche haben - wie das in einer Familie halt so ist. Ich bin bereits froh, wenn ich 1x in der Woche die Waschküche mein Reich nennen darf. Nicht immer klappt das, weil oft die Tage schon Wochen voraus reserviert sind. Ist es mir dann gelungen und alles ist fleckenlos, antibakteriell und wie neu, treibe ich meine Männer dann stets an, mir 2 Tage später das trockene Ergebnis die 3 Stockwerke hoch zu hieven. Und da liegt sie dann und wartet darauf, geplättet zu werden. Zusammengelegt und in die Schränke geräumt.
Zu meinem Leidwesen hat diese Bügelwäsche Sitzfleisch - im übertragenen Sinne. Wieso kann ich nicht genau sagen, aber ich finde, Bügelwäsche kann enorm vorwurfsvoll blicken. Und so laut, so unüberhörbar laut!


Irgendwie fehlt uns die Zeit dafür - und zugegebenermassen gibt es Dinge, die tun wir lieber.
Das ist weder eine Ausrede noch eine Erklärung - es ist bloss die sachliche, emotionslose Feststellung eines Umstandes. Ich bin es leid! Und mag weder dauernd daran erinnert werden noch nach einem langen Arbeitstag bis Mitternacht bügeln.
Diesem einhelligen Fazit folgte die gemeinsame Idee, eine gute Fee zu finden, welche uns 1x in der Woche diese Arbeit abnimmt. Weil gemeinsame, freie Zeit uns kostbar ist. Wir werden gleich nächste Woche ein Inserat in die Zeitung setzen.
TSCHAKA!

Erstaunlich, was aus so einem fernsehfreien Abend werden kann. Also ich kann ihn mit äusserst gutem Gewissen empfehlen. Medienfreie Abende machen glücklich, wirken beruhigend, mildern Falten, eliminieren schlechte Gewissen, sparen Zeit und schenken Freiheit.
In jeder Hinsicht!
Gestern hatten wir damit Premiere. Und echt Leute - ich freue mich schon jetzt auf den Nächsten. Das war der Anfang einer langen Freundschaft, ich wage es zu schwören.
Von einem solchen Abend haben wir schon lange gesprochen.

Und manchmal ... manchmal muss man es einfach tun.

NICHT REDEN - MACHEN!

Mittwoch, 17. März 2010

MEIN FENSTER MIT MEERBLICK

Wir wohnen am Rande einer wunderschönen, nicht wirklich grossen Stadt im Berner Oberland. Mein Schatz ist voll und ganz begeistert von der Bergwelt um uns herum. Er, der aus einem flach-deutschen Gebiet kommt, wo Maulwurfhügel bereits als gebirgige Erhöhungen verstanden werden.

Ich persönlich aber, ich mag lieber das Meer. Weite Strände, dieses glitzernde Blau des Wassers, dieser salzige Duft, das Weit ... ich liebe es. Und weil ich kein Mensch bin, der zurück lehnt und auf die Erfüllung seiner Träume wartet, sondern diesen freudig entschlossen entgegen geht - holte ich mir irgendwann das Meer nach Hause. Oder zumindest den Blick darauf.

In meiner Erinnerung war es gestern - als ich sie entdeckte, diese kleine, schmucke, besondere Kunstgalerie in dieser kleinen, schmucken, besonderen Gasse. Und das Bild im Schaufenster. Mein Bild.
Ich war mir nicht im Klaren, ob es eine Mischung zwischen Malerei und Photographie ist ... dieses unnachahmliche Meeresglitzern, so was kann man so nicht malen. Oder doch? Das Holz des Fensterbrettes, man spürt fast die Sonnenwärme davon abstrahlen. Und erst die Vorhänge links und rechts, in meiner Phantasie spielte der Wind in ihnen, sie bewegten sich sachte, fast unsichtbar - aber sie bewegten sich. Das sagte mir meine Phantasie.


Dieses Gefühl kannte ich gar nicht. Wohl, ob mir ein Bild gefällt oder nicht - ja, das schon. Aber nicht, dass ich ohne DIESES Bild nicht mehr sein will.
Wie Liebe auf den ersten Blick. Als wäre es nur für mich gemalt worden.
Ohne auch nur nach dem Preis zu sehen, wollte ich gleich los in den Laden, es kaufen, heim nehmen. Doch leider war Ladenschluss und alles dicht.
Ich habe mir die Telefonnummer notiert, am Montag sofort telefoniert und mir mehr über diesen wundervollen Blick aufs Meer erzählen lassen. Er, der mir das ganze Wochenende nicht mehr aus den Gedanken ging.

Die nette Damen am anderen Ende der Telefonleitung erzählte mir begeistert, dass die Malerei Alice Dalton-Brown, geboren 1939, berühmt geworden ist mit ihren realitätsgetreuen, detailgenauen, lichtdurchfluteten, luftig-romantischen Bildern. Eines davon ist "Long Golden Day" - das Meine. Der Kunstdruck im Schaufenster extra gross gestaltet worden sei. Auf meine Frage nach einem Rahmen sagte sie mir wortwörtlich: "Probieren Sie bitte nicht, das Meer, die Sonne und das Licht zu begrenzen - sie würden den Zauber damit brechen". Wie Recht sie doch hatte!
Man legte mir mein Bild zur Seite und 2 Wochen später bin ich extra nochmals nach Deutschland gereist um es zu erstehen. Habe mein Sparschwein geleert, für einmal mit einem Lächeln - und bin glücklich, stolz, voller Vorfreude mit dem mir selber gemachten Geschenk heimgereist.
Gut so. Es ist mir jeden Tag (m)ein Glück. Eines von vielen.

Der lange, goldene Tag hängt bei uns im Wohnzimmer über dem Fernseher, gleich links von der grossen Fensterfront mit dem Bergpanorama. Oft mache ich mir schöne Musik an, setze mich auf die Couch gegenüber dem Bild, lehne zurück und gebe mich dem Genuss hin, der sich meinem Blicke bietet.
Ich gebe mich ein in dieses Empfinden - blinzle mit den Augen in das Glitzern des sonnendurchfluteten Meeres, schaue dem Lichtspiel in den durchsichtigen Vorhängen zu, meine den sanften Windhauch zu spüren, kann den Meeresduft erahnen. Unsichtbar auf dem Bilde, nur als Schatten, steht rechts ein Olivenbaum. Ich meine zu sehen, dass es ein ganzer Hain von Olivenbäumen ist. Ich höre Möwen. Und gleich bringt mir mein Schatz eisgekühlten Minzentee mit einen grossem Zitronenschnitz. Sein Lächeln lädt mich in die kleine Gelateria unten am Meer ein. Ich leg meine Hand in die seine und wir spazieren gemeinsam zum Hafen.
Es fühlt sich alles so gut an. So unbeschreiblich gut.

Ja, ich habe es wirklich gefunden, mein ganz persönliches Fenster mit Blick aufs Meer. Es schenkt mir Ferienmomente, wunderbare Auszeit, Ausritte meiner Phantasie in der Sonne, am Strand.

Dieses Bild ist meine persönliche Freiheit. Und verkürzt mir die Zeit bis zum nächsten realen Ferienmoment am Meer.

Früher war es ein Bild unter vielen.
Irgendeines.


JETZT IST ES MEINES

Dienstag, 16. März 2010

DANKE. EINFACH NUR ... DANKE!

Ganz kurz nur bin ich heute hier, in meinem Blog.
Muss gleich wieder ins Bett. Jedoch eine kleine Stippvisite sei mir gestattet.

Gestern hätte ich gerne geschrieben. So gerne.
Aber ... es kam was dazwischen.
Ich gebe meine gestrige Bitte an den Arzt im Originalton an euch weiter: "Ich will sterben".

Nicht etwa, weil ich des Lebens überdrüssig bin - im Gegenteil! Gerade erlebe ich meine besten Jahre! Das Leben ist wie ein quirliger, farbiger Springbrunnen in dessen lebendigen Wassertropfen sich das Licht der Sonne bricht und tausend kleine Regenbogen mir geschenkt werden.

Doch gestern, gestern da war alles anders. Ich erspare uns Allen die Details, ich sage nur: Noro-Virus!
Sohn Max war vor einer Woche Opfer und ich jubilierte bereits innerlich, dass es mich nicht erwischt hatte, der Kelch an mir vorübergegangen ist.
Ich habe mich 1 Woche zu früh gefreut. Und eigentlich, wenn ich so an die letzten Tage zurück denke, hatte mich mein Gesamtzustand darauf aufmerksam gemacht.


In der Nacht von Sonntag auf Montag hat es mich dann also erwischt, mit voller Breitseite. Glaubt mir, breiter geht nicht. Derart heftig, dass der Arzt mich in die Klinik einweisen wollte, wegen Dehydrierung.
Dass dies letztendlich nicht nötig wurde, habe ich ihm zu verdanken, meinem Schatz.

Wisst ihr, was der gestern gemacht hat? Trotz eines vollbepackten Tages, eines wichtigen Projektes - welches sogar seine abendliche Anwesenheit erfordert hätte - blieb er da. Bei mir. Neben mir. Den ganzen Tag! Hat sich den ganzen Tag frei genommen um mich zu pflegen, zu umsorgen, auf mich aufzupassen.
Und dies war gestern in meinem Falle alles andere als einfach! Glaubt es mir einfach.

Ich ertrug nämlich nichts, rein gar nichts. Kein Hell, keinen Laut, keinen Geruch, keine Berührung, kein rein Garnix. Mit wenigen Ausnahmen - dass er neben mir sass, den kleinen Finger meiner linken Hand hielt und sachte den Fingernagel streichelte. Ganz sachte. Mehr ging überhaupt nicht.
Mein Katerli holte mir im Laufe des schmerzvollen Tages Zwieback und Salzstangen, Tee, Cola, stilles Wasser und sämtliche Sterne vom Himmel.
Er löffelte mir sanft aber konsequent eisgekühlten, ungezuckerten Schwarztee ein, streichelte mir die wirren Haarsträhnen aus dem schweissnassen Gesichte und seine am häufigsten gebrauchten Worte waren: "wie geht es Dir, mein armer Schatz?" (wahlweise Maus, Liebes, Schöne und anderes Samtweiche in der Art - und das in meinem Zustand der wortwörtlichen Auflösung!). Fragte alle 15 Minuten leise nach meinen Wünschen und massierte mir am Abend den Fussrist am diesmal rechten Fuss - das einzige Körperteil, welches in diesem Momente einer Berührung zugänglich war.

Und als er für Sohn Max und sich das Abendessen zubereitete, schloss er fürsorglich die Türe zum Schlafzimmer, öffnete dafür die Küchenbalkontüre und liess die Abzugshaube auf Volldampf laufen - damit ich davon auch ja nichts mitkriege.
Die ganze letzte Nacht lang reklamierte er nicht ein einziges Mal, dass ich mich infolge Gliederschmerzen unstet von einer Seite zur anderen wälzte und trotzdem nie die Position fand, welche mir Erholung und Schlaf brachte. Ich klaute ihm die Decke, stöhnte, fluchte, haderte ... er ertrug es stroisch.

Gegen 5 heute in der Früh war mein Befinden dann so weit, dass ich meinem Magen eine Schmerztablette zumuten dufte. Und wohl keine 10 Minuten später muss ich eingeschlafen sein. Bis gerade vorhin.
Es geht mir besser. Jetzt ist mir wieder nach Leben. Sehe zwar immer noch aus wie einen Minenfeld ... aufgesprungene Lippen, kalkweisse Haut, dunkle Augenringe, extrem matter Gesamteindruck - ehrlich gesagt desaströs! ... aber es geht aufwärts.
Noch ein bisschen Kraft tanken - und dann bin ich wieder die alte Sternenzauber.

Der eiskalte Schwarztee hat geholfen.
Die Ruhe.
Und die Medikamente.

Vor allem aber:
SEINE LIEBE UND FÜRSORGE. DANKE!

Sonntag, 14. März 2010

DAS SCHULPSYCHOLOGISCH BEGUTACHTETE HALSTUCH

Wo habe ich bloss dieses alte, 2m10 lange Halstuch?
Ich muss es wieder finden! Unbedingt!
Es ist rot / scharz / gelb und ich habe es in der Schulzeit selber gestrickt. Ich! Die eigentlich gar nicht stricken kann, die vom Handarbeitsunterricht teilweise dispensiert wurde.
Ich habe mich damals wochenlang in jeder freien Sekunde gequält.


Durch dieses Halstuch habe ich mir sogar einen Termin beim Schulpsychologen eingehandelt. Echt ... und das alles nur, weil ich nach wochenlangem Stricken endlich diese Pracht an Halstuch fertig hatte. Es war ein Samstag und noch 4 Stunden bis zum Match. Blöd war nur, dass ich all die Wollreste noch hätte vernähen müssen. Das ging aber nicht, weil ich doch gleich los wollte! Ergo knotete ich all die Enden 3fach, schlang mir das Gestricke mehrfach um den Hals und stelzte voller Stolz gen Stadion.
Das diese meine Rechnung nicht aufging, war mir nur zum Teil klar. Am Sonntag fand meine Mama das halbaufgelöste Halstuch, befand mich 9jährige als psychisch unterkühlt und irgendwie arg gaga. 3 Tage später schon musste ich auf der schulpsychologischen Erziehungsberatung antanzen und wurde in jeder Hinsicht beurteilt. Auf die Frage der netten Tanten und Onkels hatte ich den begeisterten Matchbericht vorzuweisen - damit schien ich damals wohl ziemlich Eindruck gemacht zu haben und wurde als emotional stabil, dem Alter entsprechend zwar eher überbegeisterungsfähig - ansonsten aber verhaltensunauffällig eingeschätzt.

Hatte allerdings die Auflage, mit meiner damaligen Handarbeitslehrerin das wolltechnische Desaster zu bereinigen.
Aus heutiger Sicht würde ich meinen, dass vor allem die alte Frau Baumgartner (Handarbeitstante) mit dieser Aufgabe bestraft wurde. Sie musste nämlich aufgrund meiner diesbezüglichen Unfähigkeit flicken, Maschen hochholen, vernähen und retten, was zu retten war. Ich habe aber zumindest dankbar und aufmerksam zugeschaut.
Sie hat es damals so gut hingekriegt, dass genau dieses Halstuch all die Jahre überlebte und heute noch irgendwo liegt. Im Keller? Im Kleiderschrank, ganz hinten? Wo auch immer ... ich werde es finden!

Meine lieben LeserInnen, wenn das Schwergewicht meiner Themen sich momentan und hoffentlich noch einige Zeit um Hockeymatchs dreht - so verzeiht es mir. Meine kleine Welt wird im Augenblick vom Geschehen auf dem Eise geprägt. Mein inneres Gleichgewicht ist ultimativ verknüpft mit dem Geflitze dieser kleinen, schwarzen Scheibe - genannt Puck.
Aber keine Angst, ich werde mich hüten, Matchberichte abzuliefern. Ihr werden aber erfahren, was sich rund um das Oval der Eisfläche so alles abspielt. In mir, um mich. Hockeytechnisch werdet ihr nicht von mir unterrichtet, aber vielleicht findet ihr es genau so spannend wie ich, vor allem das menschliche "Dahinter" mit mir zu betrachten.
Ich würde meinen und hoffen, dass diese bunte Vielseitigkeit ein bisschen die Einseitigkeit des herrschen Themas kaschiert.
Seid ihr mit mir und meiner Meinung? Dann schreit jetzt ganz laut: JAAAAAA!


Wowwh! Prima! Genau so habe ich es mir erhofft. Ihr seid super!

Eines meiner Interessen ist der Mensch an und für sich. Wie liebe ich es, irgendwo in einem Strassencafé zu sitzen, im Zug - oder eben an einem Match und zu schauen. Die Menschen und ihre vielfältigen Facetten zu beobachten. Immer spannend, oft erstaunlich, meist schön, ab und zu erschreckend.
Da wo ich und mein Schatz jeweils sitzen, befindet sich links über uns die Rampe für die Rollstuhlfahrer. Ich habe in all den Jahren viele handicapierte Menschen kennengelernt. Sogar blinde Menschen, die mit einer Riesenfreude dem Geschehen auf dem Spielfelde folgen. Jede und Jeder auf seine Art, wie er kann. Die blinde Frau, sie hat mich einmal aufgefordert ein Drittel lang die Augen zu schliessen und den Match auf diese Art zu erleben. Ich habe mich damals darauf eingelassen und viel gelernt an diesem Abend.
Wie man plötzlich andere Sinne schärft, auf Töne achtet und Dinge bemerkt, die ansonsten untergehen. In all unserem Sehen.
Stets und aufs Neue bin ich über die Emotionen, das tiefe Empfinden beeindruckt.
Der taubstumme Mann, den ich seit ich Kind bin kenne - der SCB ist sein Lebensinhalt und das spiegelt sich in seinem ausdrucksvollen Gesicht - nicht zu beschreiben.
Eltern, die mit ihren mittlerweilen längst erwachsenen Kindern im Rollstuhl die Matchs besuchen. Und gerne denke ich an die junge Frau, die immer mit dem Beatmungsgerät den Spielen beiwohnte, Ihre Begeisterung war derart ansteckend ... und wie sie uns heute noch fehlt. Seit damals, als ihr Platz plötzlich leer blieb. Ich bin mir sicher, sie sitzt heute irgendwo zuvorderst auf einer Wolke und schaut zu. Freut sich ob dem, was sie momentan sieht.
Mein Blick geht in den Himmel - und ich blinzle ihr zu. In genau diesem Augenblick.

Und dann Werner. Er, der uns als Kinder auf der Stehplatzrampe unter seine Fittiche nahm. Er hat uns beigebracht, dass man den Gegner für einen guten Match braucht ... von wegen "go home". Wir hatten zu klatschen, wenn die Gegenmannschaft aufs Eis kam. Er erklärte uns Regeln, die hockeytechnischen und die vom Leben. Anstand und Respekt war gross geschrieben und nie hätte jemand von uns auch nur daran gedacht, Dinge runterzuschmeissen. Da hätte es dann aber bös Stunk gegeben.
Aber wir waren dafür die, welche am lautesten unserer Freude Ausdruck gegeben haben.
Werner habe ich vor dem Match zufällig und glücklicherweise wieder mal getroffen.
Heute passt er übrigens auf der Strafbank während der Matchs auf die bösen Jungs auf. Er ist am richtigen Platz.
Und wenn ich mir die Bierwerfer und Pöbler von gestern Abend so in Erinnerung rufe, dann wünsche ich mir mehr Werners!

Gestern habe ich übrigens mein Handy zu Hause vergessen. Wer mich näher kennt, kann sich DAS nicht vorstellen! Und wisst ihr was - es hat mir überhaupt nicht gefehlt! Warum auch? Ich hatte genug zu tun die 7 Tore zu bejubeln. Habe wildfremde Menschen aus lauter Freude abgeklatscht mittels "gimme five". Und mich nach langer Zeit wieder mal heiser geschrien.
Ach war das schön!


Leute, ich schliesse für heute. Im Halbfinal will ich nämlich unbedingt das erwähnte Glücksbringer-Halstuch tragen.
Ich geh jetzt mal in den Keller. Suchen.


WÜNSCHT MIR GLÜCK!

Samstag, 13. März 2010

LETZTE NACHT MUSS VOLLMOND GEWESEN SEIN!

Kinder - das sind auch die, welche schon längst 20 geworden sind, freitagabends zur Freundin pilgern und samstags unerwartet um 12.00h heimkommen, gen Futtertrog.

Mütter, das sind die, deren Kinder längst 20 geworden sind. Und aus diesem Grunde die Freitagabende in jeder Hinsicht gerne ausgelassen angehen, weil sie meinen, dass besagte Kinder erfahrungsgemäss frühestens Sonntagmittag schnuppernd und mit der Frage auf den Lippen "...was kocht ihr heute Feines...?" zur Türe rein kommen.
Mit Kind ist in diesem speziellen Fall Max gemeint - mit Mutter ich.

Irgendwie ist heute alles anders.
Klar, es wurde gestern Abend spät bei mir. Oder früh. Je nachdem, von welcher Warte aus man dies anschauen will. Ungeplant und unbeabsichtigt. Ich erinnere mich, dass sich seitlich der Rollläden helle Ränder abzeichneten, als mein Ich endlich in den Schlaf gefunden hat.
Mein gebeuteltes Ich, dass diese Nacht über Sein oder Nichtsein sinniert hat. Das sämtliche Tiefen durchforstete und Höhlen inspizierte.

Zwischenfrage: War eigentlich diese Nacht Vollmond?

Andere Menschen tun dies auch und entsteigen des Morgens lebendig den Federn. Ich erwachte halb lebendig das erste Mal gegen 10. Katerli holte schon mal präventiv den obligaten Latte Macchiato und fragte anzüglich, ob er ihn mir intravenös eingeben solle.
Ich fühlte mich um 10 heute Morgen irgendwie Angehörige eines Alters, welches ich nie erreichen werde. Mein Schatz muss genau das auch gedacht haben, er schlug vor, dass ich heute im Hause bleibe.
Wortlos habe ich mich auf die andere Seite gerollt und mir nochmals 2 Stunden Schönheitsschlaf gegönnt. Das muss aber rein gar nix gebracht haben. So um 12 weckte uns nämlich nicht fahrplanmässig Sohn Max. Während mein Katerli schon wackeren Schrittes durch die Diele trabte, pellte ich mich erst mal mühevoll aus den Laken. Schlurfte nach vorne.

Max sah mich an, als hätte er mich, seine Mutter, noch nie gesehen. Mein Anblick muss ihm derart schräg eingefahren sein ... ich vernahm folgende Worte: "Was immer Du auch genommen hast - nimm weniger!".
Nicht mehr sagte er, aber auch nicht weniger. Was allerdings der Tragweite dieses Satzes angemessen mir auch nicht weiter nötig erscheint. Es ist alles gesagt - oder?

Damit hier jetzt keine despektierlichen Gerüchte zu Ungunsten meiner Person in Umlauf gesetzt werden, möchte ich folgendes Statement abgeben: Da ich keinen Schluck Alkohol ertrage ohne anschliessend wüste Lieder zu singen, lasse ich so Zeugs auch liegen. Ich mag es grundsätzlich nicht. Drogen - in welcher Form auch immer, habe ich in meinem Leben noch nie genommen - mein Naturell, sprich: meine persönliche Disposition, wie auch meine starke Persönlichkeit sind irgendwie geflasht genug.
Das Einzige was ich von gestern Abend zu vermelden habe ist: Antibiotika, abschwellende Nasentropfen, Wicks Medi-Night und eine Kopfschmerztablette. Alles, damit meine Erkältung und damit verbundene Nebenwirkungen sich vollends ins Nirwana abmelden und ich heute Abend unbeirrt gesundheitlicher Irritationen an den Hockeymatch gehen und meiner Freude Ausdruck geben kann. Lautstark und eindrucksvoll. Das ist alles. Ehrlich!
An der Zusammensetzung muss es gelegen haben, dass ich dann den Schlaf nicht fand, das Leben im Detail Revue passieren liess und dadurch die Nacht verpasste. Irgendwie.
Dass ich aber deswegen heute Morgen wie ein Zombie aussehe - damit war nicht zu rechnen.

Kind hört mit seinen Kommentaren wie "wenn man es nicht verpacken kann, sollte man gewisse Dinge lieber sein lassen" - was immer er damit auch meint - nicht auf! Und das ich in M. Jacksons Video THRILLER problemlos ohne Maske mittun könnte. Ich habe mich erfolglos mit lapidaren Gegenargumenten zu verteidigen versucht "...ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse..", was ihn seinerseits nach einem amüsierten Blick bloss zu einem neuerlichen Lachanfall hinsichtlich meiner Person animierte.
Es läuft heute irgendwas grundsätzlich falsch. Finde ich.

Schätzu ist jetzt auf dem Weg in die MIGROS. Er hat vorgeschlagen, es mit Gurkenmaske zu probieren (....? ... es muss echt schlimm sein, wenn eine MANN das vorschlägt...!!...), will mir Schwarzteebeutel zur Abschwellung der Augenlider mitbringen. Was mir ein bisschen Gedanken macht ist, dass er auf dem Einkaufszettel hinter die Wörter "Gurke" und "Schwarztee" das prägnante Wort DRINGEND geschrieben hat. Kursiv! Und mit Ausrufezeichen!
Schätzu hat auch augenzwinkernd vorgeschlagen, dass er heute Abend in der BernArena den Vordereingang benutzt - und ich den hinten. Wir uns unauffällig im Stadion treffen. Wo Rauch ist - da ist bekanntlich auch Feuer! Habe ich nicht Recht?

Ich gehe jetzt erst mal ins Bad. Für die nächsten 2 Stunden. Und restauriere, was zu retten ist.
Damit ich mich anschliessend frisch wie ein Turnschuh meiner Umgebung zumuten kann.

Sohn Max brüllt vor Lachen. Nächstens wälzt er sich am Boden.
Aus gegebenem Anlass ist dieser, mein Blogbeitrag, heute ohne Bild.

NICHT LUSTIG!
ODER DOCH?

Freitag, 12. März 2010

FEBREZE CONTRA KNOBLAUCH

Was war das gestern wieder für ein toller Abend!
In dreierlei Hinsicht erwähnenswert!


Jubelgrund Nr. 1
Mein Schatz ist wieder da.
Also dass wir uns richtig verstehen ... da war er immer - bloss die letzten 2 Wochen zu Zeiten, in denen ich nicht da war. Und umgekehrt. Die berühmte Lady Sunshine and Mister Moon-Story eben. 2 Liebende, welche aus bekannten Gründen nie zusammenfinden.
Wir aber, wir haben uns nun wieder gefunden. Die Durststrecke ist vorbei und wir fahren nach der Arbeit des Abends gemeinsam nach Hause. Kabbeln, diskutieren, lachen, streiten, kuscheln, plaudern, kochen, planen und und und zusammen.
Ein wirklich schönes Gefühl. wir haben uns gefehlt in der Zeit - gut zu spüren. So soll es sein.
Kürzlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich spät am Abend mit feuchten Augen die Hochzeitsfotos vom letzten September angeschaut UND gestreichelt hab.
In Ermangelung meines Schätzus. Vor dem zu Bett gehen sprühte ich noch einen Hauch von seinem feinen Eau de Cologne aufs Kissen. Damit ich zumindest im Traume meine, er sei da.
Haben uns Briefchen geschrieben und diese jeweils mit dem extra dafür gekauften Herzenchenmagneten am Bücherregal festgetackert. Damit der jeweils Andere nach dem Aufstehen es auch gleich findet. Zeit versetzt eben halt.


Wir haben uns via SMS und Mail guten Morgen - beziehungsweise gute Nacht gewünscht.
Irgendwann diese Woche habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten und ihn gebeten, mich zu wecken wenn er heimkommt. Schlaf hin oder her. Nur um wieder mal im Arme gehalten zu werden - für einen kurzen Augenblick. Eine gestohlene Minute - eine wunderbare Minute. Manchmal sind es die vermeintlich keinen Dinge...
Seit gestern Abend ist es nun also wieder wie immer. Ganz normal.
Mit fällt auf, dass man der Normalität viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Normal ist nämlich manchmal ganz schön schön. Normal ist Luxus.
Das sollte man nie vergessen.

Jubelgrund Nr. 2
Nicht, dass ich euch schon wieder vom Hockeymatche erzählen will. Obschon ... es wäre nicht fehl am Platz. Das Spiel war rasant, spannend - eine Parforceleistung. In den Medien liest man heute zu Recht von "Infarkt-Hockey", von "Spektakel" und den grandiosen Emotionen.
Katerli, Sohn Max und ich sassen vor der Flimmerkiste und waren einfach nur begeistert von dem, was uns da geboten wurde. Meine heiseren Begeisterungsrufe müssen mindestens bis zu den Nachbarn gedrungen sein! Und als beim Schlusspfiffe feststand, dass meine Mannen den Sieg davontragen, da habe ich einen Freudentanz aufgeführt, dass die Parkettlatten nur so vibrierten. So langsam laufe ich wieder zur gewohnten Hochform auf!
Weil ich vom Doc Antibiotika bekommen habe, die Bakterien ergo zum Rückzug gedrängt werden, bin ich morgen in Bern bestimmt endlich live dabei. Eingemummelt bis zum Kragen und behütet von meinem Schatz. Es wird (m)ein pures Vergnügen sein!

Jubelgrund Nr. 3:
Ihr werdet euch zu Recht fragen, was denn die Überschrift in dieser Geschichte zu suchen hat. Dies zu beschreiben, musste ich die beiden anderen Jubelgründe vorab schildern. Jubelgrund 3 ergibt sich nämlich aus den beiden Vorangegangenen.
Mein Schätzu ist ein begnadeter Künstler in der Küche. Er meint es gut mit mir und den Kindern, verwöhnt uns gerne. Will, dass ich ganz schnell wieder fit bin. Und ... da wäre eben dann noch der Match. Haut man dies alles in einen Topf, wird ersichtlich: Mein Schatz machte kleine, feine, gesunde, leckere Häppchen sozusagen als Fernseh-Snack parat.
Vorauszuschicken wäre, dass Essen vor dem Fernseher bei uns eigentlich grundsätzlich verpönt ist. Das geht gar nicht. Wir schätzen es, als Familie zumindest am Abend gemeinsam um den Tisch zu sitzen, zu essen, uns vom Tage zu erzählen. Soviel an Erklärung muss sein.
Aber eben - Play-Off-Zeit ist Ausnahmezustand und bedarf besonderer Massnahmen. Und eine davon ist die Verköstigung vor dem Fernseher. Ganz einfach, weil man sonst den Match verpasst.
Soweit alles klar? Mein Katerli zauberte uns die besten der besten Bruschetta´s. Ein Traum! Und genau hier kommt der ... mhhhh ... sagen wir mal mediterrane Touch ins Spiel. Bekanntlich sind Knoblauch und Zwiebeln nicht nur äusserst würzige Beigaben, sie helfen auch noch im Kampfe gegen Viren und Bakterien. Und er wollte mir Gutes tun. Hatte sich extra frischen Knoblauch und von diesen herrlichen roten Zwiebeln geholt, aromatische Tomaten, luftiges Ciabattabrot, Basilikum, Petersilie - einfach alles, was dazu gehört. Röstete die mit jungfräulichem Olivenöl-Knoblauch-Gewürz-Gemisch bestrichenen Brotscheiben im Ofen, belegte sie anschliessend mit diesem besonderen Gemisch aus Tomaten, Kräutern, Gewürzen und nochmals heftig Knoblauch sowie Zwiebeln. Darüber grob gemahlenen schwarzen Pfeffer und Meersalz.


Es duftete nach Toscana in der ganzen Wohnung, wir hatten Italien zu Gast. Und wir ... wir .... wie sage ich das nun anständig ... unsere Ausdünstung war eben sehr mediterran. Hardcoremässig knoblauchig. Vor meinem inneren Augen sah ich die in mir wohnenden Bakterien und Viren flennend um Ausreise betend und bittend durch alle Poren flüchten.

Ich persönlich, ich bin ja heute zu Hause und belästige Niemanden. Mein Schätzeli ist in weiser Voraussicht mit dem Auto zur Arbeit gefahren - es ist ein ungutes Gefühl, wenn man im überfüllten Zug ein 4er-Abteil für sich hat und gleichzeitig den angewiderten, nasenrümpfenden Blicken der Mitreisenden ausgesetzt ist. Blöd ist nur, dass er im Grossraumbüro arbeitet.

Sohn Max werkelt heute hoffentlich nicht im Büro, sondern ist mit Vermessungsarbeiten Ausserhalb beschäftigt. Man kann es aber nur hoffen, genau weiss ich es nicht.
Es liegt ein Duft in der Luft ... ich habe es schon mit heftig viel Febreze versucht. Hat bestimmt auch ein wenig was gebracht. Es duftet jetzt nicht mehr wie nach einer 4-tägigen, süditalienischen Hochzeitsfeier auf dem Lande. Geblieben ist eher der Duft nach jungem Knoblauch. Nicht mehr ganz so penetrant.
Ich putze alle halbe Stunde die Zähne und werde mich vor dem Einkaufen dazu überwinden müssen, mir einen Schluck von der ätzenden Gurgellösung zu genehmigen. Und mein Parfum Magie Noire grossflächig einzusetzen.

Und sollten morgen die Luganesi unerwarteterweise eine Glanzleitung aufs Eis legen und in Führung gehen, dann werde ich einfach hinter die Spielerbank stehen und hauchen.
Das wird helfen.


GARANTIERT!

Donnerstag, 11. März 2010

ADIO HEISST NICHT EINFACH "TSCHÜSS"...

Vielleicht - liebe LeserInnen, erinnert ihr euch ja noch, ich habe Anfang Februar hier über meine Freunde aus Dosten berichtet. Von Kostas und seiner Familie, "meinem" Griechen, seinem wirklich einmaligen Restaurant mit dem aussergewöhnlichen Flair für das Besondere.
http://sternenzaubers.blogspot.com/2010/02/2-stunden-ferien-bei-kostas.html

Kostas und die Menschen da sind für mich nicht irgendwer - und haben in meinem Leben Bedeutung.
Heute habe ich eine Mail von Kostas erhalten. Nachrichten, die mich gleichzeitig traurig wie glücklich machen. Worte, welche mich sehr berühren.
Er teilt mir persönlich mit, dass am 14. März 2010 das Restaurant KOSTAS seine Tore schliesst, weil die ganze Familie nach langen Jahren in Deutschland, in Dorsten, gen das griechische Heimatland zurück siedelt.

Schon nach seinem ersten Satz standen mir die Tränen in den Augen und ich schloss sie um besser fühlen zu können. Wenn ich die Augen zu mache, dann kommen die Bilder, die Erinnerungen. Familie Kostas hat meine letzten 7 Jahre miterlebt, sehr nahe.
Sie waren sozusagen dabei, als damals die Beziehung mit meinem Exfreund begann und haben all die Höhen und Tiefen aus der Nähe betrachtet, sogar das offizielle Abschiedsessen fand bei Kostas statt. Diese Zeit ist lange her und davon geblieben ist mir Kostas und seine Familie.
Meine Griechen standen immer wie Blumen am Lebensweg. Bunte, duftende, schöne Blumen.

Und als ich endlich den richtigen Weg für mich gefunden hatte, auf die Zielgerade einbog, da waren sie auch da und freuten sich mit, lebten mit. Es sind kluge Menschen, die ihre Gefühle zu vermitteln wissen - auch ohne Worte. Vielleicht gerade deswegen so intensiv. Freunde machen das so.
Und als hätten mein Schatz und ich es tief in uns erahnt ... als der letzte Deutschlandbesuch stattfand, haben wir uns trotz Mammutprogramm am letzten Abend noch auf den Weg gemacht, wollten uns von Kostas verwöhnen lassen, ihn wieder mal sehen. Bei ihm zu Hause sein.


Es war ein Genuss, ein Erlebnis. Und nicht "nur'" das Essen!
Bestimmt nicht das letzte Mal - aber es sollte das letzte Mal in Dorsten gewesen sein.


Am Sonntag also schliesst sich der Kreis. Und irgendwie ist es richtig so. Rund.
Jedes Ding hat seine Zeit. Mein Lebenszug ist im richtigen Bahnhof eingefahren und ich durfte am Ziel meiner Träume aussteigen. Ich habe meinen Platz gefunden, dort wo ich mich gut, wohl, beschützt fühle. Wo mein Ich sich nach allen Seiten entfalten kann, wo ich mein Sein bunt anmalen darf. Neben mir der wunderbarste Mann, der mir die Freiheit der Farben lässt. Und mit malt. Wir malen auf uns zu - jeden Tag, immer neu und immer wieder. Er ergänzt mein Bild. Durch ihn erst ist es stimmig und passt. Unser Bild vom WIR.

Kostas und seiner Familie geht es nun ebenso. Ihr Herz spricht griechisch und sie machen das Richtige. Auch wenn es mich im Augenblicke traurig macht sie so fern zu wissen. Entscheide fürs Leben zu treffen ist manchmal ganz schön schwer. Kostet viel an Substanz, an Gedanken, Tränen. Doch ist man erst mal auf dem Weg - mit dem Ziele vor Augen und dem Wissen dass es richtig so ist - dann setzt dies Energien frei, eröffnet neue Wege, wache Blicke gen Himmel zu den Sternen und macht dem Glück die Pforten weit auf.
Und tief in Seele und Herz dieses gute Gefühl: ANGEKOMMEN.

Lieber Kostas, liebe Maria, liebe Jessica und wie ihr Alle heisst - ich bin jetzt gerade 763 km weg von euch. Trotzdem werdet ihr in diesem Augenblick meine ehrliche Mitfreude fühlen können, meine Umarmung und mein Lächeln zumindest erahnen. Auch wenn ich die Tränen am weg blinzeln bin. Ich bin glücklich für euch dass es geklappt hat, ihr heim könnt, euer Traum in Erfüllung geht.
Wir verlieren uns nicht aus den Augen, nicht aus dem Sinn, nicht aus den Gefühlen. Ihre seid ein Teil meines Herzens und ich bin glücklich, ein Teil von euch sein zu dürfen. Danke für alles, was ich mit euch erleben durfte. Ihr seid wunderbare Menschen. Mein Schatz und ich wünschen euch alles erdenklich Gute, das Beste! Glück möge stets euer Wegbegleiter sein.
Tja, dann müssen wir halt irgendwann mal mehr als 763km fahren, um bei euch sein zu dürfen. Aber ich verspreche hier hoch und heilig: wir werden es tun!
In diesem Sinne und von ganzem Herzen:

Adio ist Griechisch heisst nicht einfach Tschüss.
ADIO HEISST AUF WIEDERSEHEN!

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