Sonntag, 21. März 2010

LA VITA È BELLA - DAS LEBEN IST SCHÖN!

Ist das schön!

Heute ist ein ganz normaler Sonntag. Draussen regnet es.
Mein Ich strubbelt sich auffallend wild im Abbild des Badezimmerspiegels. Schätzeli trägt die berühmte Jogginghose mit den vorgebeulten Knien. Das taillierte Shirt, welches sein Bäuchlein so wunderbar mit formt. Die Socken sind blau.
Aber hinsichtlich der Pantoffeln, da muss er sich echt was einfallen lassen. Hätte ich mich doch gestern schier ganz böse auf die Nase gelegt ... der antike, linke Grossvater-Hausschuh in dezentem Wäähbraun mit einem Hauch Würggrau reisst nämlich seit neustem die Schnauze weit auf. Also ich will damit sagen, dass die Sohle sich von Rest löst, bei jedem Schritt zum weit aufgerissenen Raubtiermaul und somit höchst eigenwillig zur Stolperfalle wird.



Auf Wunsch meines Herzallerliebsten möchte er hier, genau hier, eine Protestnote gesetzt haben wollen. "Die klebe ich wieder und dann sind sie wie neu. Das sind doch meine Lieblingsschluppen!!"

Sonntag - er ist heute genau so, wie er sein soll.
Kuschelmorgen mit Kaffee im Bett. Frühstück. Keine Eile. Musik aus dem Radio. Wie herrlich.
Der erste Kaffee heute, den ich geniessen kann, so richtig, ohne Überwindung. Lust auf Butterzopf mit Bündnerfleisch und saure Gurke. Joghurt. Ei.
Lachen, ohne dass die Muskeln schmerzen. Küssen ohne Angst zu haben ansteckend zu sein. Vom Essen reden ohne blass um die Nase zu werden. Nur an asiatisches Essen, Chili, scharf ... da darf ich noch nicht dran denken. Es war das letzte Essen vor einer Woche, bevor der Norovirus mich einverleibte. Ihr versteht.

Leute - ich bin wieder zurück! Ich habe das Tal des Jammers durchschritten und nun wieder auf der Winner-Avenue. Die Wolken, welche vor meiner Nase Stockhorn und Niesen in dieses grauweisse Weich einpacken, selbst sie finde ich nicht störend, auch sie sind auf ihre Art schön.


Der Regen macht die Luft so frisch und einfach nur an der Balkontüre zu stehen, zu atmen, dabei die Augen weit offen halten und die Kräfte in sich einströmen fühlen.
Ist das schön!

Gestern Abend habe ich mich erstmals wieder in die Küche gewagt und meine Lieben bekocht, nur Sohn Moritz hat bei der Familienzusammenführung gefehlt. Ansonsten assen sie alle mit Appetit meine Pouletbrüstchen, den Reis und die Möhren mit Petersilie. Leichte Kost, immer noch und noch lange Zeit - aber mit Genuss.

Gestern Abend habe ich nach langer Zeit ganz bewusst den Duft von frisch gemahlenem, schwarzem Pfeffer wahr genommen. Und wie die Finger riechen, wenn man Petersilie vom Stängel zupft. Augen, die brennen wenn man Zwiebeln in kleine Würfelchen schneidet.
Ich habe es er-lebt. So gerne!
Auch wenn ich letztendlich nur ein bisschen von all dem essen konnte ... ich hatte Appetit. Und freute mich über die fröhliche, gesunde Runde um den Küchentisch, inklusive meiner Sozusagen-Schwiegertochter.
Gerade sie - sie ist mir immer ein bisschen Gradmesser, weil eher heikle Esserin. Und wenn SIE sagt, dass die glasierten Möhrchen genauso herrlich wir bei ihrer Oma seien, dann ist mir das ein grosses, liebes Kompliment.
Die ganze letzte Woche durch hätte ich nämlich schwören können, dass ich nie nie nie mehr in meinem Leben etwas essen werde. Und wenn ja, dann höchstens Joghurt. Und Schwarztee trinken, ungesüsst und eiskalt.
Selber in die Küche stehen und kochen - das schloss ich konsequent aus.
Toll, dass das Leben einem immer wieder eines Besseren belehrt!
Ist das schön!

Auch Dusche ist nicht einfach nur Dusche. Während ich mich die letzten Tage schnellschnell durch diese Prozedur gequält habe, selbst die Wassertropfen auf der Haut schmerzten und ich einfach nur möglichst zügig wieder ins Bett wollte - geniesse ich jetzt diese belebenden Schauer, welche Reinigung wie Entspannung gleichermassen ist. Und erst wie herrlich das Duschmittel duftet. Nach Orangenblüten und Minze. Mhhhh! Wie die weichen Schaumbläschen auf der Haut kribbeln und perlen, ich rein pusten kann und alles in der Luft sich auflöst.
Danach sich trocken rubbeln mit dem dicken Frottébadetuch. Bis die Haut einen rosigen Schimmer hat und es sich so gut anfühlt, so gut. Eincrèmen.
Ist das schön!

Jetzt gehört der ganze restliche Tag mir. Mir und meinem Schatz. Wenn ich will, kann ich Kopfstand machen. Im Regen spazieren gehen. Oder mich auf der Couch lümmeln. Meine Freunde anrufen und mit fester Stimme antworten - ja, ich habe meine Stimme heute wieder! Ich kann zur Musik am Radio mitttanzen. Mich mit meinem Katerli scheckig lachen.
Und am Donnerstag gehe ich meine Mannschaft im Hockey zum Auftakt der 1/2-Finals lautstark anfeuern! HOPP SCB!
Doch jetzt erst mal am Dienstag wieder ins Büro - wenn ihr wüsstet, wie sehr ich mich darauf freue! So sehr!

Ich kann tun was ich will. Endlich wieder.
Tage wie diese letzten machen einem immer wieder so einiges bewusst. Man wird derart auf sich selber zurück geworfen ... wird gezwungen, sich völlig und ganz dem ICH zu ergeben. Manchmal muss das wohl so sein.
Umso schöner, dieser Tag heute.

Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole - ich tue es aber in diesem Fall gerne und mit Begeisterung:

IST DAS SCHÖN!

Kommentare:

Angelina de Satura hat gesagt…

Freut mich sehr, dass es Dir wieder gut geht. Einen schönen Restsonntag noch!
Liebe Grüße

Pierre Ballmann hat gesagt…

Was einem nicht umbringt, mich uns stark :-) Wir sehen uns am Donnertag im Tempel.
Gruess u schöne Abe

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

@ Angelina
Ich freue mich immer, wenn Du mir schreibst. Danke für Worte und Grüsse :-)

@ Pierre
Dann bin ich jetzt ganz stark. :-)
Freue mich auf Donnerstag! Wir sehen uns.

Liäbi Grüessli zrügg
Fränzi

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