Dienstag, 30. März 2010

GENERALABONNEMENT FÜR FORTGESCHRITTENE

Immer gegen Ende März ist es soweit - ich muss mein GA erneuern.

Für nicht in der Schweiz lebende BlogleserInnen oder dem öffentlichen Verkehr nicht zugewandte Menschen:
Das GA (General-Abonnement) eröffnet einem in der Schweiz unbeschränkten Fahrspass auf dem ganzen Streckennetz, inkl. Bus, Tram und Schiff. Anrechnung bis zu 50% auf Auslandreisen in die angrenzenden Länder. Grosse Vergünstigungen auf Bergbahnen.
Eine tolle Sache zu einem wirklich guten Preis - die ich wärmstens empfehlen kann.


GA's gibt es in allen möglichen Variationen: Für Einzelpersonen, für Partner, für den Partner vom Partner, für Kinder, für Jugendliche, für Studierende, für Familien, für Hunde, übertragbare GA's und ich weiss nicht was noch alles. Ein Dschungel, durch den manchmal nicht einmal die Angestellten hinter dem Schalter selber blicken.
Wie ich gemerkt habe.

ABSATZ 1)
Vor gut einer Woche habe ich mich nämlich schon mal in die Schlange der Wartenden am Schalter eingereiht und stand dann irgendwann mal vor dem netten Herrn mit der lustigen Igelfrisur. Begonnen habe ich mit dem harmlosen Satz "Guten Tag, ich möchte gerne mein GA verlängern".
Da war noch alles gut. Er lächelte freundlich und machte sich sogleich hilfsbereit ans Werk. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich sagte: "Mein Mann hat auch eines - dann kriege ich wohl das Partner-GA, oder?" - da schaute er schon ein wenig verschüchtert. Als ich dann dem noch eines draufsetzte und anhängte: "Mein Sohn hat das Jugend-GA ... ich habe mir sagen lassen, dass es da nochmals einen anderen Tarif gibt...?" da meinte ich gesehen zu haben, wie die äussersten Spitzen seines Igellooks sich leicht gekringelt haben. Die Gesichthaut einen hellgrünen Touch annahm.
Aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

"Okeee - dann sagen Sie mir mal, wie Sie heissen", liess der Igelmann verlauten.
Meine Antwort: "Ich heisse A.B."
Er: "Und ihr Mann?"
Meine Antwort: "C.D."
Er: "Und ihr Sohn?"
Meine Antwort: "E.F."

Die geneigten Leser merken sofort - das schreit förmlich nach Komplikationen! 3 Menschen, 3 Namen, 3 GA's - ein und derselbe Haushalt. Dem armen Igelmenschen perlten sich die Schweisstropfen auf der Stirn und ich ging davon aus, dass demnächst auch sein Deo den Dienst quittiert.

ER: "Haben Sie denn eine Urkunde, dass ihr Sohn noch bei Ihnen wohnt?" ICH: "Jaaaa ... brauche ich denn sowas? Ich will ja kein neues GA für ihn, sondern für mich. Und dass er bei mir wohnt belegt ja die Tatsache, dass sein GA aufgrund meines GA's zum Spezial-Familien-Tarif angegeben wurde. Damals habe ich ein entsprechendes Formular abgegeben". ER: "Aha". ICH: "Genau".
S T I L L E.

ER: "Können Sie eine Heiratsurkunde vorweisen, die belegt, dass Sie mit Herrn C.D. verheiratete sind?". ICH (in Gedanken) ...: "das und nichts anderes belegen Heiratsurkunden im Allgemeinen...!" ICH (verbal):  "Ja klar. Sie ist allerdings auf Griechisch. Wir haben nämlich auf Rhodos geheiratet. War ganz toll. Und das Wetter so schön *verzücktlächel*". ER: "??!!??".
Den Schweisstropfen gesellten sich jetzt noch unnatürlich gerötete Stellen oberhalb des Hemdkragens hinzu. Er lockerte darauf hin den Kravattenknopf.

ER: "Das ist jetzt ein wenig kompliziert". ICH: "Ah ja? Und was tun wir da?". ER: "Hätten Sie vielleicht eine Übersetzung der Heiratsurkunde?" ICH: "Ja, das Zivilstandesamt hat eine solche". ER: "Dann bringen Sie die mal und dann schauen wir weiter.
ICH (leicht gereizt): "Gut, mache ich. Wenn's sein muss. Aber wie ist das nun genau ... kriege ich das Partner-GA oder das Partner Familia-GA?".
ER (verzweifelt auf den Tasten des Computers rumhämmernd und da irgendwo nach einer Antwort suchend) "Grundsätzlich ja, aber das Jugend-Abo ist an Ihr GA gekoppelt. Weil aber Ihr Mann das Basis-GA hat, geht das wohl nicht."
HÄ?
Sammelte einen Packen Infos für mich zusammen, gab mir den guten Rat alles gründlich durchzulesen, mich schlau zu machen. Und dann mit meinen Erkenntnissen plus übersetzter Heiratsurkunde wieder zu kommen.



Zwischen Absatz 1 und Absatz 2 liegt eine Woche der Erholung.

ABSATZ 2)
Gut. Dieser Tag war dann gestern.
Ich spazierte in die Schalterhalle rein und wurde sofort vom nicht mehr so lustigen Igelmann gesehen. Wäre er sich nicht bewusst gewesen, dass sein Adamsapfel verdächtigst am hüpfen ist - er hätte sich glattweg tot gestellt. Da dies aber angesichts der Masse an Menschen zu auffällig gewesen wäre, stellte er kurzerhand das Schild auf den Tresen: "DIESER SCHALTER IST GESCHLOSSEN. SIE WERDEN GERNE AM NEBENSCHALTER BEDIENT".
Tja.

Dort sass eine ältere, erfahrene, sehr freundliche Dame, welche sich meine Geschichte anhörte. "Nein nein - eine Heiratsurkunde brauche ich nicht. Die Kopie des GA's ihres Mannes reicht mir völlig". Und hinsichtlich des Sohn-GA's wäre es anscheinend das Beste, er wäre gleich mit am Schalter. Aber dann würde es klappen. Bestimmt.
Ich war dankbar, dass wir zumindest keinen Hund haben!

Ich wieder nach Hause, Katerli anrufen und um Zusendung des gescannten GA's bitten, Sohn anrufen und fragen, wann sein Zug ankomme und auch bitten, sich unverzüglich in der Schalterhalle einzufinden.

Die Geschichte erzähle ich nicht im Detail zu Ende.
Nur so viel: Ich bin stolze Besitzerin eines Familia-vergünstigten Partner-GA's und glücklich, diese Irrungen und Wirrungen für ein Jahr hinter mir lassen zu dürfen.
Nächstes Jahr im März 2011 wird es wieder soweit sein.
Ich denke, wir nehmen uns dann interfamiliär gemeinsam einen Tag frei, ich bereite Lunchpakete vor und dann gehen wir geschlossen zum Schalter am Bahnhof. Als Familienausflug deklariert.
Der Igelmann wird sich bestimmt freuen.

Vorhin hat übrigens noch ein Vertreter der SBB angerufen und mir mitgeteilt, dass mir das neue GA sofort zugeschickt werde ... sobald ich ein Passfoto neueren Datums eingereicht habe ...

Hätte ich einen Adamsapfel -

ER WÜRDE JETZT HÜPFEN!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Klingt gut! Ich glaube ich bleibe beim guten alten autofahren.........:-)Theresia

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

:-)

Lächelgrüesssli an Dich

Fränzi

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