Sonntag, 28. März 2010

ICH GLAUBE, ICH SPINNE!

Ich liebe Schlangen. Kenne keine Scheu vor Krallen und Zähnen. Habe keine Angst vor grossen Tieren. Und dass ich nicht Raubtierdompteurin geworden bin, ist eigentlich nur Zufall.
Dafür habe ich geheiratet - 2x - und 2 Jungs grossgezogen. Das kommt der Sache ja irgendwie nahe.

Ich gehe keinem nötigen Streit aus dem Weg, mag Gewitter und stehe zuvorderst in den Reihen, wenn es etwas zu verteidigen gibt.
Nichts macht mir so schnell Angst und gerne bin ich an Problemfronten zur Lösungsfindung.
Ich arbeitete mit suizidgefährdeten Jugendlichen und in der Gewaltprävention an Schulen. Alles andere als einfach und risikolos.
Ich bin zäh. Nebst butterweich.

Es gibt aber eine Sache, die kann ich gar nicht ab: Spinnen.
Völlig egal ob klein oder gross, dünne Beine, dicke Beine, mit oder ohne Behaarung, farbig oder bloss grauslig schwarz, völlig harmlos oder giftig. Spinne ist Spinne und da wird geschrien.
Da wird sogar sowas von geschrien!


Woher das kommt ... keine Ahnung. Wie ich das wegkriege ... keine Ahnung.
Hier mal ein paar Anekdoten.

Süsse 18, meine erste, eigene Wohnung. Es war Sommer, herrlich heiss draussen. Die Balkontüre weit offen. Ich gehe davon aus, dass sich dies unter den Spinnen in der Nachbarschaft wie ein Lauffeuer rumgesprochen haben musste. Plötzlich hatte ich 3 von diesen Viechern in der Decke hängen!! JESSESGOTT!
Fix habe ich mir damals im August, bei 30 Grad+ Affenhitze, meinen Skidress angezogen, Mütze, Handschuhe und bin mit dem Dampfkochtopf bewaffnet diesem Getiere zu Leibe gerückt.
Kletterte auf den Stuhl und ruckelte so lang mit dem DUROMATIC an der Decke rum, bis diese 8-Beiner ins erwähnte Behältnis fielen. Deckel drauf, bei Maximalhitze 20 Minuten dampfgaren. Dann via sanitäre Anlagen ab in den Untergrund auf nimmer Wiedersehen!
Den teuren Dampfkochtopf habe ich auch umgehend liquidiert.

Ein paar Jahre später: Morgens, 07.00h, auf dem Weg zur Arbeit. Wir hatten ein schönes, fast neues Auto und tuckerten mit 130km/h gen Bern auf der Autobahn der Arbeit entgegen. Plötzlich nahm ich wahr, dass aus dem Handschuhfach an meiner Seite eines dieser mir so unsagbar unsympathischen Tiere kletterte und sich fix Richtung meine Füsse bewegte.
Ich trug an diesem Tag hochhackige Schuhe. Kann jemand von euch schon erahnen, was jetzt kommt...?
Laut, sehr laut Zetermordio-schreiend ruckten meine Beine in ungeahnter Schnelligkeit bis unter das Autodach hoch, die spitzen Absätze verhakelten sich im Leder der Dachhimmelabdeckung und zerfetzten diese aufs Feinste.
Mein Damaliger hat aufgrund meiner Schreierei schier einen Herzinfarkt gekriegt und beinahe einen Unfall provoziert. Mimose!
Wenn ich daran danke, was mich diese Aktion finanziell gekostet hat, dann kriege ich immer noch Augenwasser!

Wieder ein paar Jahre später: Ich wollte gerade die Spraydose mit neongrüner Farbe in den Keller bringen, als sich mir im Kellergang eine Monsterspinne in den Weg stellt. Ein Riesending mit soooooooo einem Augenabstand. Nicht übertrieben! Die spazierte fies grinsend auf mich zu - ich sehe ihren Gesichtsausdruck noch heute in Albträumen vor mir. Was sollte ich da anderes tun als mich zur Wehr setzen? Bloss ... wie?
Da kam die rettende Idee! Ich hatte ja die Sprühdose in Händen! Neinnein, ich habe sie damit nicht erschlagen. Ich habe sie ersprayt!
Dose schüttelt, sprayen. Und warten, bis die erste Schicht trocken ist. Zwischen den Sprayattacken bedrohte mich das Vieh immer wieder, machte ein paar Schritte auf mich zu ... immer langsamer zum Glück. Das war richtig Arbeit, bis mein Widersacher so dick mit neongrüner Farbe eingesprüht war, dass er / sie langsamer wurde, zuletzt stehen blieb - und die Farbe getrocknet war!
Noch heute zeugen die farbigen Erinnerungen im Kellergang von meinen heroischen Kampf.

Den absoluten Supergau erlebte ich aber mit Moritz, dem älteren Sohne. Irgendwie funktioniert der anders als ich. Er mag Spinnen! Auch die ganz Grossen! Kam freudestrahlend von seinem Freund Simon nach Hause und erzählte begeistert, dass er dessen Vogelspinne habe füttern dürfen. Und wie schnell die sei! Wie weich die Härchen und so schön in der Farbe.
Meine Gesichtsfarbe wurde blass grau mit einem grünen Schimmer und ich schickte Moritz ins Bad unter die Dusche. Und gut Hände waschen! Am besten mit der Bürste!!
Während er verständnislos und völlig verunsichert ob meiner Panik meinem barschen Befehle Folge leistete, klingelte das Telefon. "Ja bitte, hier bei Sternenzaubers". Die Mutter von Simon war es, ihre Stimme ein bisschen aufgeregt "Guten Tag Frau Sternenzauber. Hören Sie, die Vogelspinne von Simon ist unauffindbar. Sie versteckt sich eben gerne in Taschen und so - könnten Sie mal nachschauen, ob sie vielleicht im Schulranzen von Moritz ist? Oder der Jackentasche? Einfach keine ruckartigen Bewegungen, dann tut sie auch nichts".

Manchmal kann ich richtig schnell rennen. Ab ins Schlafzimmer, Türe zuknallen, Schlüssel drehen. Badetuch unten vor die Türritze drücken. Und beten. Heulen. Zittern.


Der Telefonhörer baumelte im Wohnzimmer munter vor sich hin. Simons Mutters "Hallloooo, haaaaalllooooooo" verhallte ungehört. Sie hat damals wohl keinen wirklich guten Eindruck von mir gewonnen...
Irgendwann kam Sohn Moritz dann aus der Dusche und bemerkte, dass ich fehlte.
Er folgte sogleich auch meinen flehenden Hilferufen und suchte den Killer, fand ihn aber nicht. Was meine Lage nicht besser machte.
Irgendwann dann der erlösende Anruf, dass Thekla - die Vogelspinne - munter und gesund im Brotkorb gefunden worden sei.

Eigentlich bin ich ein ausgesprochen tierliebender Mensch. Schon so oft Auffangstation für aus dem Nest gefallene Vogelbabys, untergewichtige Igel, ausgesetzte Kätzchen. Ich würde sogar einem verirrten Krokodil, einem untergewichtigen, aufzupäppelnden Elefanten oder einem hungrigen T-Rex meinen Schutz, meine Hilfe und Unterschlupf anbieten, gewähren. Klar doch!

Aber bitte, bitte ...


... KEINE SPINNEN!

Kommentare:

Angelina de Satura hat gesagt…

Fiel mir sehr schwer deine Geschichte zu Ende zu lesen. Habe mich andauernd geschüttelt vor Lachen und musste meine Lachtränen immer wieder wegwischen, weil ich sonst alles verschwommen sah.
Vielen lieben Dank dafür.

♥liche Grüße

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Liebe Angelina

Bringe Dich immer wieder gerne zum Lachen.
Danke für Deine Lachtränen - ich mag sie. :-)

Herzgrüessli und Lächeln
Sternenzauber

Paderkroete hat gesagt…

ohaaaaa ..warum musste ich das auch ausgerechnet nu vorm schlafengehen lesen?
Ich hasse hasse hasse Spinnen ....frag mich nich warum aber ich krieg nur beim Gedanken an son Vieh schon ausschlag:-)
Guck ma hier:

http://paderkroete.blogspot.com/2009/12/elefantenspinnen-mogen-keinen-schnee.html


lieben Gruss
die
Martina Paderkroete

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

:-)
Du bist mir ja eine Lustige. :-)
Werde gleich mal in Deinem Blog stöbern!
Merci für Deinen Kommentar, ich hab Lächeln dürfen!

Alles Liebe und Grüessli
Sternenzauber

bine hat gesagt…

Sieht so aus, als könnten wir nen Club gründen ;) Ich kann dir alles nachempfinden, aber sowas von ... Liebe Grüße!

Anonym hat gesagt…

ihr wist aber alle auch das ein mensch im schlaff ca 20 spinnen ist in seinem ihrem leben

Eponine hat gesagt…

Super, gerade habe ich deinen Blog ein wenig durchforstet und bin ziemlich schnell auf diesen Post gestossen. Ich liebe Spinnen. Zuvor habe ich aber selber einen ganz neuen Post aufgeschaltet. Dieser könnte dir sehr gefallen ;) Ich glaube nicht an Zufälle aber was will uns das Schicksal wohl damit sagen? ;)

Ganz liebe Grüsse
Eponine

Elke hat gesagt…

Hallo Sternenzauber,
ich kann alles, was Du schreibst nachvollziehen und habe ähnliche Geschichten aus meinem Leben, was Spinnen betrifft.
Ich mache gerade eine Verhaltenstherapie bei einer Psychologin, um mit dieser Spinnenphobie, die mein Leben einschränkt, fertig zu werden. Wir machen Fortschritte, aber es ist auch echt anstrengend. Heute hatte ich eine Spinnenhaut von einer dicken Spinne auf dem Handrücken. Ich war sooooo stolz... Liebe Grüße von einer Seelenverwandten

LinkWithin

Related Posts with Thumbnails