Montag, 20. Juni 2011

FREUNDSCHAFT IST DIE LOGIK DES HERZENS

Ich habe diesen Post - zumindest einen Teil davon - bereits einmal in meinem Blog veröffentlicht. Es ist übrigens der meistgelesene Post all meiner fast 600 Geschichten und wird immer wieder angeklickt.
Damals schrieb ich: Freundschaft ist die Ethik des Herzens. Diesmal benannte ich sie als die Logik des Herzens.
Beides ist richtig.

Keine Ahnung warum gerade heute - aber heute ist mir einfach danach, ihn von ganz früher aus den Anfängen meines Geschreibels nach heute in die Gegenwart zu holen. Sozusagen eine Neuauflage.
Weil er so aktuell ist? Ja, vielleicht. Und richtig für jeden Tag - denn jeder Tag ist ein aktueller Anlass für Freundschaft.
Vielleicht für die oder den Eine/n oder andere/r Leser/in gerade heute wichtig.

Für mich ist das Heute ein wichtiger Moment - mein Mann ist nach 2 erfolgreichen Schnupperwochen als Schreiner wieder zu Hause. Ohne Arbeit. Und es steht Kampf bevor ... mit der Invalidenversicherung, dem Arbeitslosenamt, den Fachstellen hier und dort. Ich könnt Romane schreiben über das was wir momentan erleben. Es ist nicht einfach zu bitten: "Gebt mir die Chance ein Leben zu führen - ich bin bereit alles zu ändern, muss alles ändern -  aber dazu brauche ich die Möglichkeit".
Manchmal steht man vor einem Riesenberg und weiss nicht wie man sich auch nur annähernd dem Gipfel nähern soll. Dann stehen Menschen da - ausgerüstet mit, im übertragenene Sinne, Wanderschuhen und einem Rucksack voller Proviant, nehmen einem an der Hand und dann gehts los. Schritt für Schritt. In die richtige Richtung.
Never walk alone.

Geh nicht vor mir,
ich will Dir nicht folgen
Geh nicht hinter mir,
ich will Dich nicht führen
Geh neben mir und sei mein Freund!



Meine erste Freundschaft - so erzählte mir Mutter - hätte ich auf der Neugeborenen-Abteilung im Krankenhaus geschlossen. Gebrabbelt miteinander hätten wir, wurde mir gesagt. Das Personal kürte uns damals lächelnd zum jüngsten Paar des Viktoria-Krankenhauses. Von dieser Geschichte hörte ich schon als kleines Mädchen.


Jahre später, ich muss so um die 10 gewesen sein, als ich "Hoschi" mit nach Hause brachte. Meinen Schulfreund - ein bisschen scheu, sehr schlau, dicke Brillengläser, eher ruhig. Hoschi lieh mir das vergessene Französischbuch, half mir bei diesen ungeliebten Gleichungen in Mathe (ich kapiere das Zeug noch heute nicht!) und schenkte mir in der Pause seinen Apfel - bald auch sein Vertrauen. Wir waren wie Bonny and Clyde, ein eingeschworenes Team.

Natürlich wollten meine Eltern irgendwann mal wissen, mit wem ich Kirschen stehlen gehe, Steinschleudern bastle und Heuschrecken in Einmachgläser abfülle. So schleppte ich besagten Hoschi eben zu mir nach Hause.
Meine Mam testete ihn auf Herz und Nieren, fragte nach dem Nachnamen, wo er wohne, wie seine Eltern heissen - dass der arme Kerl nicht noch geröntgt wurde, wunderte mich. Ein Gutes hatte die Sache: Hoschi, so kam es während des Verhörs dann raus, war mein freundliches Nachbar-Baby aus dem Viktoria-Krankenhaus!
So führen Wege wieder zueinander. Auch nach langer Zeit.

So viele liebe Menschen säumten und säumen noch heute meinen Lebensweg. Manche davon haben mich ein Stück des Weges begleitet, von A nach B. Und haben sich dann irgendwann an irgendeiner Lebenskreuzung mit einer innigen Umarmung von mir verabschiedet und gehen seither ihres Weges. Andere sind von A bis zum heutigen Z schon bei mir. Und immer noch.
Viele haben sich irgendwann bei F, G oder wo immer meinem Lebensweg angeschlossen. Und stets aufs Neue wieder gibt es Tage, da schenkt mir jemand dieses ganz besondere Geschenk "Freundschaft", sein Vertrauen, seine Aufmerksamkeit, ein Teil seiner Gedanken, ein Teil seiner selbst.

Ich halte die Hände offen und beschütze, was da rein gelegt wird. Es ist so wertvoll.
So unendlich wertvoll.
Es gibt ganz selten in meinem Leben jemanden, dessen Ja zur Freundschaft letztendlich nur ein Wort ohne Tat war - eigentlich nur den Einen. Ich habe in dieser Hinsicht ganz grosses Glück in diesem Leben! Dafür bin ich sehr dankbar. Sehr.

Es ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach - und wahrscheinlich war es das auch nie - jemand Anderem seine Unvollkommenheit, die Fehler, die unsichtbaren Narben, die Fallstricke und Rostbeulen von seinem Ich anzuvertrauen.

Heute, in dieser Zeit der organisierten Perfektion, wo man sich eben mal ein neues Gesicht machen lässt, sich pusht ... man nennt es optimieren ... wo auch immer, wo man fit und up to date ist, aufgeräumt, abgeklärt, gesund und immer jung - da ist es wahrlich ein menschlicher Drahtseilakt, hinzustehen, sich zu räuspern und ehrlich zuzugeben "dem ist nicht so". Dass es nämlich hier weh tut und da verschüttete Wahrheiten gibt. Alles andere als perfekt und nur oberflächlich optimiert. Die Seele spröde und das Herz nicht im Takt. Es braucht manchmal unendlich viel Mut Mensch zu sein.

Mut für den, der es sagt. Mut für den, der zuhört.

Nichts geht in so einem Moment über das unausgesprochene Verstehen. Die Hand, welche warm die andere erfasst und hält, nicht mehr loslässt. Nichts über das Ohr welches zuhört - auch hunderte Kilometer weit entfernt. Nichts über das geschriebene Wort der Anteilnahme, geschrieben von Menschen wie euch.
Du weisst schon, ich meine Dich!

Da wo keine Bitte nötig ist, da wo kein Dank erwartet wird - sondern es ein übergangsloses Nehmen und Geben, in gegenseitigem, selbstverständlichem Verständnis, da ist es Freundschaft die trägt, die hält, die hilft, die mitleidet, sich mitfreut.

Genau so, wie ein Unglück ohne Freunde ein Unwetter ohne schützendes Dach ist - so ist ungeteilte Freude in Ermangelung von Freundschaft wie ein Himmel ohne Sterne.

Freunde sind wie ein grosses, gemütlich eingerichtetes Haus. Sie bieten Schutz und Zuflucht zu jeder Zeit. Freunde sind ein klein wenig (m)ein zu Hause. Und mein erweitertes Herz. Freunde, das ist wie eine wunderschöne Blume - einzig die Liebe hat eine Blüte mehr.
Ich bin froh, dass ich sie habe.
DANKE!

Ich will meinen Menschen auch ein zu Hause sein, Zuflucht und offene Arme.
Gerade heute - in dieser Zeit.

Freunde sind Menschen, bei denen ich mein Innerstes nach Aussen stülpen kann ...


...UND TROTZ DER NÄHTE GELIEBT WERDE

Kommentare:

die Malerin hat gesagt…

DANKE!
♥♥♥♥♥
Lydia

alice hat gesagt…

ich schliesse mich der Malerin an, denn mehr brauchts dazu nicht:

D A N K E !

Ich habe aber irgendwo noch ein Gedicht, ich werde es hervorsuchen, denn es passt so wunderbar hierher.

alice hat gesagt…

ein weiser Spruch, wie ich finde und passt sehr gut zu deinem heutigen Post!

das Leben ist wie eine Zugfahrt. Viele steigen ein, viele steigen aus. Aber die wahren Freunde fahren mit bis zum Ende.

Witzli^s Blog hat gesagt…

Freunde wirst du viele lieben,
wie es Muscheln gibt am Meer,
doch die Schalen, die dort liegen,
sind gewöhnlich alle leer.

Liebs Grüessli vom Witzli.

dieMia hat gesagt…

Liebe Fränzi,
das hast du so schön geschrieben, dass ich an manchen Stellen wirklich einen Kloß im Hals hatte... Nicht weil es traurig ist, sondern weil es so viele Erinnerungen geweckt hat. An Freunde, die jetzt so weit weg sind... Manchmal vermisse ich sie sehr.
Dir möchte ich aber DANKE sagen, für diese schönen Worte.
LG, dieMia

P.S.: Ich schick dir/euch alle Kraft und ganz viel Sonne!

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