Dienstag, 10. November 2009

NOVEMBERTAGE

Ich habe gestern ein schönes, ein wichtiges Gespräch geführt - mit einem lieben Freund.
Danke Dir.
Er hat mir erzählt von den Novembertagen. Von der Melancholie dieser Zeit. Die Tonlage seiner Stimme schwebte bei dieser Beschreibung wie ein rot gefärbtes Blatt, das vom Baum - getragen vom Winde - langsam zu Boden gleitet.

Während dieses Gespräch wie ein munterer Bach dahin plätscherte, füllte sich die eine Waagschale des Novembers mit den Eindrücken der Dunkelheit - die da ist, wenn wir am Morgen aus dem Hause gehen und wieder, wenn wir am Abend nach Hause kommen. Regen legten wir in diese Schale, Regen ... der sich - je länger der November dauert - mit Schnee vermischt.
Ich hatte die Menschen in "meinem" Zug um halb 7 vor Augen und im Sinn ... nicht wirklich gesprächig, in sich gekehrt. Sie gähnen - so oft und so heftig, dass sich schier die Plomben zählen lassen.
Wintermäntel, Schals, Mützen, Stiefel - dunkle Farben. Und es ist viel ruhiger als sonst.
Die junge Frau am Fenster, sie schaut zu wie die Tropfen auf der Scheibe Wege zeichnen.

Ich dachte auch daran, dass ich unseren Balkon so langsam winterfest machen sollte - die Wurzeln des Olivenbaumes zu seinem Schutze gut einpacke - in diese Bubble-Folie, die ich so gerne mag. Auf die Luftbläschen drücken und es knallen lassen.
Ich müsste die pinkige Tischdecke draussen jetzt dann endlich rein nehmen und sie bis zum nächsten Frühling verstauen. Und den Grill gut zudecken ... er erinnert an die vielen schönen Sommerabende auf dem Balkon. Mein Schatz und ich. Mit Freunden. Mit den Kindern. Schön war es.
Wie oft sassen wir bis Mitternacht draussen - satt und zufrieden - vom feinen Lammfilet, herrlichen Kartoffelgratin, den frischen Salaten und vor allem - den guten Gesprächen. Noch die letzten Schlucke Wein zusammen geniessend.
Der erste, gemeinsame Sommer mit ihm, meinem Liebsten. Ein Sommer ohne Abschiede. Was war das schön...

Und ob dieses November-Rückblickes machte sich in mir dieses Gefühl breit, diesem meinem Leben zu Dank verpflichtet zu sein.

Deshalb mache ich HEUTE und JETZT einen Schritt weiter rüber - zur anderen, noch leeren Waagschale. Als Gegengewicht zu des Novembers Schwermut möchte ich reinlegen:
Die bunte Blätterpracht von gold bis violett. Ich möchte Dich dazu verführen, 100gr. heisse, duftende Marroni zu kaufen, Dir die klammen Finger daran zu wärmen - die Marronis zu schälen und zu geniessen. Hol Dir Kerzen - viele, farbige, wohlduftende. Und spüre am Abend ihre Wärme. Probiere Dich durch Teesorten aus Ländern die jetzt Sommer haben, gib nicht einfach einen Würfel Zucker rein, gönne Dir den Luxus von braunen Kandiszuckersticks. Das ist feinster Kandiszucker der an einem Holzstäbchen kristallisiert ist, braun deshalb, weil unter Zugabe von Karamellzucker.
Schenke Dir einen Nachmittag im Bücherladen - setzt Dich da in den tiefsten, weichsten Sessel und vergiss die Zeit.
Gönne Dir ein Suppenkochbuch, lad Freunde ein - geht auf den Markt, holt Kürbisse und Kräuter - und dann kocht. Kocht zusammen, habt Spass, lacht, erzählt euch Geschichten vom Sommer und esst die feine Suppe - mit Sahneschaumhäubchen oben drauf - und viel Schnittlauch darüber.
.
Und am ungemütlichsten aller November-Gammel-Sonntage schreibe einem lieben Menschen einen lieben Brief. Keine Mail und keine SMS - nein, einen richtigen Brief. Du wirst daran Freude haben - und vor allem Freude machen!
Hast Du den Brief dann zur Post gebracht, lass Dir ein Bad ein - gib Mandelöl hinein, Rosenöl und ein paar Tropfen Honig, verwöhne Dich und Deine Sinne. Geniesse es, wie feinduftender Schaum auf der Haut prickelt, schliess Deine Augen und träume Dich wohin Du willst. Träume kennen weder Zeit noch Raum noch Grenzen.
Ich wüsste noch viel mehr, was trübe Novembertage bunt machen könnte. Du auch?

All diese guten Gedanken - und mein Lächeln - lege ich in diese Waagschale, die mir zu leicht vorkam.
Nun - so scheint es - hält es sich die Waage.

Und mir ist, als wäre es im Raum schön warm geworden.
Ich hoffe, bei Dir auch.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke Liebe Sternenzauber,
Mir ist als hättest du diese Geschichte nur für mich geschrieben....seufz.. Danke für die Wärme...

Claudia

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

....was für ein wunderbares, liebes Kompliment. Ich danke Dir!
Und - nimm diese Geschichte genau so, wie ich sie erdacht habe - auch für Dich.

Noch viel mehr an Wärme, eine brennende Kerze und ein feines Teller Suppe und meine Lächelgrüessli

Sternenzauber

moonie hat gesagt…

Mit sowas hab ich rechnen müssen... und du hast ja auch recht!
Manchmal jedoch, reicht das alles nicht aus um "die" wärme zu bekommen die man braucht..

Danke für deine Gedanken und Mitgefühl!
chris

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Der Sternenhimmel besteht aus so vielen kleinen Strahlepunkten - zusammen ergeben sie ein Sternenbild.

Ich wünsche Dir viele kleine Glücke - und auch das ganz Grosse. Dass das so wird, da bin ich mir sicher. Ich weiss dass es Wunder gibt. Hab es erlebt. und mir glaubst Du doch - oder?

...wann kochen wir? :-)

Mit den allerherzlichsten Lächelgrüesslis
Sternenzauber + Katerli :-)

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