Sonntag, 15. Januar 2012

DER MASTERPLAN

Ich habe mir die letzten Tage und Nächte .... vor allem Nächte ... immer wieder dieselbe Frage gestellt: Was kann ICH tun, damit sich die Depressions-Arbeitsloisgkeits-Hoffnungslosigkeits-Motivationslosigkeitsphase vom Kater ändert.

Klinikaufenthalt 1 und 2 war dringend nötig. Da gibt es nix zu rütteln. Für ihn und für mich.
Ihr konntet die immensen Belastungen, welche eine solche Situation mitbringt, live hier verfolgen.
Für mich ist erschreckend, dass es seither - also ich meine seit dem Klinikaustritt Nr. 2 - keinen Schritt nach vorne mehr ging. Ich hab hautnah miterlebt, dass die Kurve stetig abwärts ging. Mal schneller, mal weniger schnell, in den letzten Wochen rasant.
Trotz der gut gemeinten Hilfe des Docs, trotz aller Medikamente, war dieser Verlauf nicht zu bremsen.

Letzte Woche hat sich ja einiges getan - Doc hat das Handtuch geworfen (wobei er den Kater bis zu einer neuen Lösung noch begleitet), die Medis wurden teilweise per sofort abgesetzt, der Rest wird ausgeschlichen.
Man kann jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und finden, dass sei der Supergau.
Man kann aber auch die Arme weit ausstrecken, dem Himmel entgegen ... und finden, dass sei eine neue Chance.

Die Chance werde ich diesmal ganz eng begleiten. Meine Sybill und andere weise Menschen wissen uns sicher Rat und eine gute Adresse. Diesmal möchten wir es nämlich ganz anders als "normal" angehen. Wir müssen! Den bekannten Weg, den "normalen", den sind wir nun erfolglos Monate lang gegangen. Zu lange, viel zu lange!
Jetzt gehen wir unseren eigenen Weg. Selbstverständlich unter Mithilfe von Fachleuten, aber trotzdem: Die Richtung sagen WIR. In erster Linie der Kater. In ihm steckt nämlich, was er braucht. Das können wir Anderen von Aussen gar nicht zuführen - aber, wir können mithelfen, sein Potential zu aktivieren, zu stärken, zu fördern.
Die grossen Sonnenblumen wachsen auch aus diesem winzigen Kern. Bei guter Pflege. Die werden riesig! Stark! Und so schön! Nehmen wir uns also ein Beispiel am Sonnenblumenkern.

Wir haben uns gestern viele Stunden Zeit genommen und ich habe ihn gefragt:
WO willst Du hin?
WAS ist Dein Ziel?
WANN möchtest Du ankommen?
WELCHEN Weg möchtest Du gehen?

Frage Nummer 1 war sofort klar - es bleibt dabei: Er will in einer Schreinerei arbeiten. Und wenn es in der ersten Zeit "Nur" Sägemehl zusammenwischen ist. Egal. Mal den Fuss in der Türe haben.
Frage Nummer 2 ist ja ein bisschen auch Frage Nummer 1, beinhaltet aber noch so Dinge wie: ich will wieder glücklich werden, Freude spüren können, Anteil am Leben haben (mit Psychopillen fühlte er sich total zugeschüttet, verschüttet. Klar ... die schlechten Gefühle sind da gedämpft, aber das Schlimme: ALLE Gefühle sind gedämpft. Ich war erschüttert, als er mir kürzlich sagte: "Ich hab zwar ein bisschen Boden, aber keinen Himmel mehr ...)
Frage Nummer 3: so schnell wie möglich. Es muss bald was passieren - im Guten.
Tja - und dann kam die berüchtigte Frage Nr. 4. Die Sache mit dem Weg. Da wurde es still. Und dann haben wir ein "Breinschtörming" gemacht - einfach alles was uns in den Sinn kam, haben wir aufgeschrieben. Und ihr glaubt es nicht - wir haben ein ganzes A4 Blatt vorgekritzelt. Lauter gute, machbare, weniger machbare, spinnerte, geniale, quere Ideen.

Und diese Ideen, die arbeiten wir jetzt ab. Idee um Idee. Ihr werden davon erfahren, ich werde euch von den Aktionen berichten. Vom persönlichen Gespräch beim Verband der Schreiner (Termin holen wir gleich diese Woche ein!) bis hin zum durch Bern laufen mit einem Pappkarton vor dem Bauch und hinten am Rücken: ICH WILL SCHREINER WERDEN!!! SUCHE EINEN JOB!!!" ist alles vertreten.
Ich zieh das mit ihm durch, Leute, ich versprech das hier!

Dann aktivieren wir die Hormonausschüttung. Mittels Sport, Kreativität und Eigenverantwortung. Da ich nicht nur sagen kann "Du solltest ...", mache ich bei diesem Programm auch gleich mit. Wir walken jetzt jede Woche 1x, vorläufig. Hängen die Trauben nicht zu hoch. 1x sollte klappte. Wird klappen! Und wenn das ein bisschen eingeübt ist, dann 2x. 1x die Woche soll er wieder in sein Kegeltraining. Und 1x die Woche gehts um die Konzentration - ich habe ihm einen Kalligraphiekurs geschenkt.
Er wird unter Menschen kommen, sich fordern müssen ohne sich zu überfordern - und er wird lernen, wieder Freude daran zu haben. Etwas tun. Sich nicht zurückziehen und hängen lassen.

Angefangen haben wir übrigens heute. Ich musste mir zwar schier den Mund franslig reden - aber zuletzt hat er zum ausgedehnten Spaziergang JA gesagt. Nachdem ich ihm eine Leckerei im Café Egli in Aussicht gestellt hatte, kam er mit. Und war anschliessend sehr stolz, seinem inneren Schweinehund ein Schnäppchen geschlagen zu haben.
Übrigens - diesem inneren Schweinehund von ihm hab ich ausrichten lassen, dass er es nun mit MIR zu tun kriegt. Und sich seine Beisserchen an mir ausbeissen wird. Der Kater war sich diesem Vieh in letzter Zeit doch sehr ausgeliefert vorgekommen und hat ihm in schier jeder Situation nachgegeben. Damit ist jetzt fertig.
Das Vieh muss 2 Leute lahm legen. Und mich schafft er nicht. Ergo verliert er!

Schaut mal her - der Spaziergang war nämlich wirklich schön. Er hat sogar dem inneren Schweinehund gefallen!

Unser Leben hier am Rande des Thunersees hat nämlich eine enorme Lebensqualität! Das sollte man sich immer wieder vor Auge führen. Sich und dem inneren Schweinehund!

Als Belohnung gab es im alt-berühmten Kaffee EGLI eine Schokokugel für den Kater.

Und als wir den Heimweg antraten, war es schon dunkel - und am Himmel stand ganz hell ein Stern. Ich meine sogar, er hat uns zugewinkert!


Dieses Wochenende war das Beste seit langem.
Der Kater hat gelacht und gescherzt. Und er war aktiv.
Viel mehr als die letzten Wochen zusammengezählt.

Ich denke, glaube ... nein, ich bin mir sicher:

WIR SIND AUF DEM RICHTIGEN WEG!

Kommentare:

alice hat gesagt…

und ob ihr auf dem richtigen Weg seid!!!!! Ihr habt das einzig richtige gemacht, Euch zusammen hingesetzt und ein "Brainstörming" gemacht. Das find ich richtig richtig gut.
Und dass das auch Sinn macht, habt ihr schon mit aufarbeiten begonnen. und was ihr noch alles vorhabt, unglaublich!!!!
Nächstes mal komm ich übrigens mit, will auch so ne Kugel haben.....ist schon lange her, seit ich so eine verdrückt habe :-)Aber mein Fuss muss erst wieder gesund werden :-)

Ach, ich bin mir auch ganz ganz sicher, dass ihr auf dem richtigen Weg seid!
Ich wünsche euch viel Mut!

Alles alles Gute für die kommende Zeit!
♥lichi Grüessli
"Mami" Alice

Basteltante hat gesagt…

Wie gut das es dich gibt !!!

susibella hat gesagt…

Aller Anfang ist schwer,aber dass dein katerli rausging ist schon sehr gut, und so wird es weitergehen. Wünsche euch viel Kraft bei euren gemeinsamen Unternehmungen,da fühlt sich Katerli bald besser. lg ilse.

margit58 hat gesagt…

Ich wünsche euch beiden viel Spaß auf dem Weg und geht einfach weiter. Ihf kommt schon beide an, mit diesem Elan und Mut klappt das.
Herzlichen Gruß
margit

Manu hat gesagt…

Fränzi, wenn er es packen kann, dann nur mit Dir. Du hast Power für Euch beide. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass Dein Kater bald endlich Licht am Ende des Tunnels sieht.

Ganz LG

Eponine hat gesagt…

Ach, wie schön. Und jajaja, ihr seid auf dem richtigen Weg. Das mit den gemeinsamen Zielen und Aktivitäten war wirklich eine tolle Idee. Jetzt kannst du zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Du entspannst dich und ihr könnt etwas unternehmen, plaudern, sogar lachen und einfach wieder lernen, das Leben zu geniessen. Und diese Schoggikugel... Ich geh da auf jeden Fall einmal hin.

Alles Liebe und viel Mut und Durchhaltewillen beim Vorwärtsgehen
Eponine

Heimatsuche hat gesagt…

Es gibt Bücher über Farben. Du solltest deinen Mann auf KEINEN Fall in diesem roten Zimmer schlafen lassen.

LG Alicia

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