Donnerstag, 22. Dezember 2011

OH DU FRÖHLICHE!

Na, ihr Lieben ...
... wie lebt es sich so wenige Stunden vor der manchmal alles anderen als heiligen und teilweise sehr unstillen Nacht?

Wenn ich da so an unsere familieninternen Weihnachtsfeiern zurück denke, dann bin ich einfach froh, froh, froh, muss ich solches nicht! Nicht mehr! Vielleicht bin ich da anders als Andere - aber ich mag diese einstudiert-rituellen, ewig gleichen, traditionell-gezwungen-fröhlichen Weihnachtsfeste nicht.
Da, wo man bereits am 25.12.11 weiss, was es am nächsten 24.11.12 zum Abendessen geben wird. Weil es das eben IMMER an Weihnachten gibt.
Diese Abende, wo alle lieb miteinander sein müssen, zusammen singen sollen, wo alles alles ganz total wahnsinnig harmonisch ist.
Man möge es mir verzeihen - aber ICH kriege alleine beim Gedanken daran Pickel.

Pustekuchen, von wegen Ruhe und Harmonie!
Wir Kinder waren eh von dem ganzen Weihnachtsgedönse inklusive Nikolaus - der stest über alle Momente des Unfolgsams Bescheid wusste und deshalb alles andere als geliebt wurde - völlig druch den Wind. Meine arme Mam schon Tage vorher stets ein Nervenbündel - geschweige denn an den Weihnachtstagen! Geleckt sauber musste die ganze Wohnung sein, steril. Das Essen sollte perfekt sein ... weil ihre Schwiegermutter, die Schwägerin, mein Papa mit Argusaugen über den traditionellen Braten wachten, dieser dann eh entweder zu durchzogen, zu wenig durchzogen, zu trocken, noch nicht genug gebraten, die Sosse zu dünn oder zu dick, die Nudeln zu al dente, die Salatsauce zu mayonnaisig und das Dessert irgendwie seeeehr süss war. Die feierlich-festliche Gemeinschaft hatte hohe Ansprüche - denen man en nie genügen konnte.
Dass wurde so nie gesagt, aber die Stille am Tisch, die Blicke, das Gekaue.
Ungemütlich!

Das war aber nur der Anfang.
Je später der Abend, um so "fröhlicher" (*räusper*) die Gäste. Nach dem dritten Glas Wein wurden die Anwesenden redselig und auch ehrlicher, offener ... streitlustiger ... und auch direkter ... und schon waren die schönsten verbalen Schlagabtausche im Gange.
Die Kinder plärrten um Geschenke, die Erwachsenen zofften sich um alte, längst verjährte Dinge ... um Dinge die soeben passiert waren ... und sogar um Dinge, welche dann ganz bestimmt demnächst passieren werden.
Unterdessen hatte unser damaliger schwarzer Kater "Joggi" mit einem Satz den Tisch erobert, den Braten in der Schnauze davongetragen - und weil das Geschrei darum so gross war, auch noch gleich den Tannenbaum anlässlich seiner Flucht mit umgerissen. Die teuren handgeblasenen Kugeln zerdeppert.
Das wiederum gefiel uns Kindern, endlich war was los in der Bude! Meine Mutter lächelte versteckt zum ersten Mal an solchen Tagen - um dann sogleich gemassregelt zu werden, welch Desaster unsere Familie denn dieses Jahr schon wieder abliefere!
Dass man sich schon im Vorfeld gedacht hätte, dass wir das als Familie wieder nicht hinkriegen. Diese gewollt heilige Harmonie zu Weihnachten. Tztztztztztz!

Wir Kinder hatten unterdessen vor lauter Aufregung den Text vom obligaten Weihnachtsgedicht vergessen und ich vermasselte mein Flötenspiel ( ...wenn man das so nennen konnte ...), so dass meine Eltern sich bei der Verwandtschaft entschuldigten. Ich brach derweil in Tränen aus und verbarikadierte mich im Kinderzimmer. Fand eine halbe Stunde später den Schlüssel nicht mehr und Vater brach die Türe auf.
Ganz doll desaströs war dann, dass ich mich so sehr auf Legos gefreut hatte - aber anstelle derer ich handgestrickte, kratzige Stümpfe geschenkt bekam ... welche ich vor versammelter Mannschaft mit den Zähnen zerriss, dazu heulte wie ein Wolf.
Was die Meute dazu veranlasste, "das undankbare Kind" als "nicht normal und DIE wird später sicher drogensüchtig" zu benennen.
Jaja, ich war schon damals ein Temperamentbolzen. Und hatte unmögliche Verwandte!

Mit zunehmendem Alter wurde das Ganze nicht besser - nur anders.
Und unterdessen weiss ich auch, dass wir absolut nicht einzige Familie waren / sind, bei der es an den Festtagen so zugeht. Bei meinem Mann war es so oder ähnlich, bei unseren Freunden, Bekannten war / ist es so oder ähnlich. Anstelle fröhlicher Gelassenheit herrscht nämlich die allseits erwartete, perfekte Harmonie um jeden Preis.
Das ist mir einfach zu gewollt - zu künstlich ... und geht erfahrungsgemäss sehr oft in die Hose.
Dieser Druck, dass alles ganz doll schön, feierlich, festlich und lieb sein muss. Nö. Nönönönö! Mag ich nicht.
Vom Geschenkli-Hype gar nicht zu sprechen!

Aber - wie es halt nun mal so ist, auch ich kann mich davon nicht ganz frei sprechen.
Morgen Abend ... nach einem langen Arbeitstag ... kommen meine beiden Jungs und ihre Freundinnen zum Essen. Aber so ganz ohne Tannenbau, Traraa und Klimbim. Nicht festlich, nicht extra-harmonisch. Einfach ein Besuch mit Essen. Und alle helfen in der Küche mal kurz mit, nach diesen letzten, anstrengenden Vorweihnachtstagen liegt mir nämlich nix ferner, als noch in die Küche zu stehen, zu kochen und zu bedienen.
Aber zusammen ist es ok.
Mit meiner Mam gehen wir dann nächste Woche mal essen - so ganz ohne Weihnachtsstress.

Und wir, der Kater und ich - wir haben unser Weihnachtsprogramm wie folgt gestaltet:
24.12.: Türe bleibt geschlossen / Füsse hoch! / Programm nach Lust und Laune
25.12.: Türe bleibt geschlossen / Füsse hoch! / Programm nach Lust und Laune
26.12.: Türe bleibt geschlossen / Füsse hoch! / Programm nach Lust und Laune

Damit alles locker, flockig bleibt :-)!



In diesem Sinne ...

... BLEIBT FRÖHLICH!

Kommentare:

schöngeist for two hat gesagt…

Ich wünsche dir und dein Schatz fröhliche ruhige Weihnachten, ich und mein Schatz werden es auch so machen *zwinker*

Lieben Gruss Elke

alice hat gesagt…

naja, ich würd mal sagen, so läuft es schon bei einigen ab, aber es muss ja nicht überall so sein.
Ich spreche jetzt mal von uns.
Wir lassen uns immer wieder ein anderes Menue einfallen! Obwohl, Abwechslung hat man ja das ganze Jahr, wäre nicht so schlimm, jedes Jahr einmal einen Schinken im Teig zu essen.
Wir haben keinen Stress, weil alle was beisteuern, wir sind ja schliesslich drei Frauen...und drei Männer, und Streitereien hatten wir noch nie an Weihnachten (auch übers Jahr nicht, gottseidank). Wir singen zwar seit ein paar Jahren keine Lieder mehr, das hat diverse private Gründe. Früher hatte ich aber des öftern meine Geige zur Hand genommen und mit meinem Vater zusammen gerne schöne Musikstücke gespielt! Und ich hab das gerne getan.
Mit Kindern zusammen Weihnachten feiern, finde ich wunderschön, wenn man die Kinder nicht zu sehr überhäuft mit Geschenken...
Und wenn man eben auch den Hintergrund nicht vergisst, warum Weihnachten gefeiert wird, sollte es eigentlich ein schönes Fest sein.

Das ist mein Leitsatz:

Es kommt nicht drauf an,
dass wir uns gegenseitig
möglichst viel schenken...
es kommt drauf an,
ob wir imstande sind, uns
gegenseitig etwas zu geben.

In diesem Sinne: fröhliche Weihnachten.

Liebe Grüsse, Alice

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

@ Elke

Dann viel Spass!

Herzgrüesslis
Fränzi

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

@ Alice

Ja, bei Deiner Familie glaube ich das sofort. Aber meist ist es ja so, dass Weihnachten eh das einzige Datum ist wo sich alle treffen - und hinsichtlich der Ansprüche ... nämlich was der Abend einem alles erfüllen soll, wofür der alles herhalten muss ... ist oft zu viel.
Der Druck ist so oft spürbar. Soll ja alles perfekt sein. Tante Sowieso und Onkel Dingsda sollen den allerbesten Eindruck kriegen. Die Kinder ganz brav, der Haushalt sauber. Alles 1A. Das kann nicht gut gehen.
Dein Gedicht ist wunderschön und das unterschreibe ich.

Ich mag viel lieber die Zusammentreffen unter dem Jahr. Und Ende des Jahres einfach Ruhe und Zeit für mich.

Herzgrüesslis ...und de ganz e schöni Wiähnachte
Fränzi

E.T. hat gesagt…

Perfekt gesagt, niemals dem Druck nachgeben. Ich hab schon so lange etwas gegen diese aufgezwungene s.g. Harmonie, das es einfach keine Familienfeiern mehr gibt. Mein Fazit daraus.

alice hat gesagt…

Ihr habt euch die Ruhe dieses Jahr sowieso ganz besonders verdient!!!!

Und du hast ja soviele schöne Kerzen, wenn die alle brennen, sollte es bei euch sowieso richtig gemütlich sein, einfach so!

Liebi ♥lichi Grüessli
Alice

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