Mittwoch, 14. April 2010

FREUNDSCHAFT IST DIE ETHIK DES HERZENS

Meine erste Freundschaft - so erzählte mir Mutter - hätte ich auf der Neugeborenen-Abteilung im Krankenhaus geschlossen. Gebrabbelt miteinander hätten wir, wurde mir gesagt. Das Personal kürte uns damals lächelnd zum jüngsten Paar des Viktoria-Krankenhauses. Von dieser Geschichte hörte ich schon als kleines Mädchen.
Jahre später, ich muss so um die 10 gewesen sein, als ich "Hoschi" mit nach Hause brachte. Meinen Schulfreund - ein bisschen scheu, sehr schlau, dicke Brillengläser, eher ruhig. Hoschi lieh mir das vergessene Französischbuch, half mir bei diesen ungeliebten Gleichungen in Mathe (ich kapiere das Zeug noch heute nicht!) und schenkte mir in der Pause seinen Apfel - bald auch sein Vertrauen. Wir waren wie Bonny and Clyde, ein eingeschworenes Team.
Natürlich wollten meine Eltern irgendwann mal wissen, mit wem ich Kirschen stehlen gehe, Steinschleudern bastle und Heuschrecken in Einmachgläser abfülle. So schleppte ich besagten Hoschi eben zu mir nach Hause.
Meine Mam testete ihn auf Herz und Nieren, fragte nach dem Nachnamen, wo er wohne, wie seine Eltern heissen - dass der arme Kerl nicht noch geröntgt wurde, wunderte mich. Ein Gutes hatte die Sache: Hoschi, so kam es während des Verhörs dann raus, war mein freundliches Nachbar-Baby aus dem Viktoria-Krankenhaus!
So führen Wege wieder zueinander.
Leider habe ich ihn im Laufe der folgenden Jahre aus den Augen verloren. Sollte irgendwer meinen ersten Freund Hoschi kennen - bitte melden!!

So viele liebe Menschen säumten und säumen noch heute meinen Lebensweg. Manche davon haben mich ein Stück des Weges begleitet, von A nach B. Und haben sich dann irgendwann an irgendeiner Lebenskreuzung mit einer innigen Umarmung von mir verabschiedet und gehen seither ihres Weges. Andere sind von A bis zum heutigen Z schon bei mir. Viele haben sich irgendwann bei F, G oder wo immer meinem Lebensweg angeschlossen. Und stets aufs Neue wieder gibt es Tage, da schenkt mir jemand dieses ganz besondere Geschenk "Freundschaft", sein Vertrauen, seine Aufmerksamkeit, ein Teil seiner Gedanken, ein Teil seiner selbst.
Ich halte die Hände offen und beschütze, was da rein gelegt wird. Es ist so wertvoll.


Besonders mag ich es, wenn ich heute - nach ganz vielen Jahren - wieder anknüpfen kann bei Menschen die mir mal so sehr wichtig waren. Nie unwichtig wurden - aber halt ihre eigenen Wege gingen. Und ich die meinen. Wie das Leben eben spielt.
Berufsjahre - Heirat - Kinder. So langsam schliesst sich aber der Kreis wieder. Ich habe Gaby und Regula auf Facebook wieder getroffen, Pepsi sehe ich vielleicht schon morgen wieder. Roland, der meinen heftigen Liebeskummer über den blöden Franco mit mir durchstand, damals in der Kaufmännischen Berufsschule - wann gehen wir zusammen essen und reden über alte Zeiten? Alain ... mit ihm habe ich im Sandkasten die tollsten Burgen gebaut! Ihn an den Matchs zu sehen, zu umarmen und zu wissen - es ist alles wie früher im Sandkasten und wir würden einander im Notfall immer beistehen.
Mein Freund Thomas, er mit dem Sonderstatus und der Goldmedaille für ausserordentliche Freundschaftsverdienste. Er weiss schon warum.
Toto - stabiles Fundament wenn sonst alles bricht.
Kathrin, mit der mich so unendlich viel verbindet - vor allem das gute Gefühl füreinander.
Der Chris - ganz unerklärbar nah ist er an meiner Seele.
Mein Cou-Cousin und seine Frau, da brauchen wir irgendwie gar nicht darüber zu sprechen - es ist einfach gut, weil es gut tut.

Namen lest ihr hier, nur Namen. Längst nicht alle, die genannt gehörten.
Dahinter so viele unvergessliche Zeiten und Geschichten, wertvolle Menschen. Menschen, die mich nicht unterbrechen, selbst wenn ich Flüsse voller Wörter brauche - die mich aber ebenso wortlos begreifen.
Es gibt ganz selten in meinem Leben jemanden, dessen Ja zur Freundschaft letztendlich nur ein Wort ohne Tat war - eigentlich nur den Einen. Ich habe in dieser Hinsicht ganz grosses Glück in diesem Leben! Dafür bin ich sehr dankbar. Sehr.

Es ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach - und wahrscheinlich war es das auch nie - jemand Anderem seine Unvollkommenheit, die Fehler, die unsichtbaren Narben, die Fallstricke und Rostbeulen von seinem Ich anzuvertrauen.
Heute, in dieser Zeit der organisierten Perfektion, wo man sich eben mal ein neues Gesicht machen lässt, sich pusht ... man nennt es optimieren ... wo auch immer, wo man fit und up to date ist, aufgeräumt, abgeklärt, gesund und immer jung - da ist es wahrlich ein menschlicher Drahtseilakt, hinzustehen, sich zu räuspern und ehrlich zuzugeben "dem ist nicht so". Dass es nämlich hier weh tut und da verschüttete Wahrheiten gibt. Alles andere als perfekt und nur oberflächlich optimiert. Die Seele spröde und das Herz nicht im Takt. Es braucht manchmal unendlich viel Mut Mensch zu sein.
Mut für den, der es sagt. Mut für den, der zuhört.


Nichts geht in so einem Moment über das unausgesprochene Verstehen. Die Hand, welche warm die andere erfasst und hält, nicht mehr loslässt.
Da wo keine Bitte nötig ist, da wo kein Dank erwartet wird - sondern es ein übergangsloses Nehmen und Geben, in gegenseitigem, selbstverständlichem Verständnis, da ist es Freundschaft die trägt, die hält, die hilft, die mitleidet, sich mitfreut.
Genau so, wie ein Unglück ohne Freunde ein Unwetter ohne schützendes Dach ist - so ist ungeteilte Freude mit Freunden wie ein Himmel ohne Sterne.

Freunde sind wie ein grosses, gemütlich eingerichtetes Haus. Sie bieten Schutz und Zuflucht zu jeder Zeit. Freunde sind ein klein wenig (m)ein zu Hause. Und mein erweitertes Herz. Freunde, das ist wie eine wunderschöne Blume - einzig die Liebe hat eine Blüte mehr.
Ich bin froh, dass ich sie habe.
DANKE!

Freunde sind Menschen, bei denen ich mein Innerstes nach Aussen stülpen kann ...

...UND TROTZ DER NÄHTE GELIEBT WERDE

Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Freunde sind immer da, auch wenn du sie gerade nicht sehen kannst. Grüessli Barbara

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Tut unendlich gut und ist unsagbar schön!
Meine ganz persönlichen Sterne am Himmel.
Danke!

Liäbs Grüessli
Sternenzauber-Fränzi

moonie hat gesagt…

So Isch es! :o)

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Du bisch es persönlechs Wunder. Hätt ig Di nid, hätt ig ganz viu nid.
Danke!

Ds Schtärnezouber-Fränzi

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