Dienstag, 13. April 2010

DIE BASTELANLEITUNG ZUM KLEINEN GLÜCK

Manchmal - so scheint es uns Menschen, Dir und mir - ist das grosse Glück weit entfernt.
So fern, dass es ausser Sichtweite geraten ist. Man keine Ahnung hat, wann es denn wieder zu einem zurück kommt.
"Und was mache ich jetzt...?", hat mich Carole gefragt - ganz ernst und traurig hat sie mich angeschaut.
Sie, deren Glück ihr momentan wie feiner Sand durch die Finger rinnt.

"Nimm die kleinen Glücke am Wegesrand - sie helfen Dir über die Zeit, bis das grosse Glück wieder am Horizont sichtbar ist" - sagte ich ihr und lächelte dazu aufmunternd.
"Sag mir wie! - BITTE."

Da begann ich von mir zu erzählen - und euch erzähle ich es jetzt auch.
Gestern Morgen musste ich zum Arzt, weil meine Bauchspeicheldrüse Aufmerksamkeit braucht. Sie ist meine persönliche Prinzessin auf der Erbse und reagiert sofort in - aus meiner Sicht - unverschämter Weise. Passt ihr irgendwas nicht, wird gekrampft. Gestochen. Geschmerzt. Ein Unding!
Am letzten SCBern-Match, beim ersten Tor für uns - da war ich gerade im Begriff zu jubeln, laut meiner Freude Ausdruck zu geben, als mich ein grober Schmerz in die Knie zwang. Tja. Flach atmen und abwarten, das hilft.
Das Ding hat mich vor Jahren schon mal auf die Intensivstation und fast an die Himmelspforte gebracht - war nicht schön. Und das alles wegen ein paar Gallensteinen. Sie schmollt bei grossen Emotionen jeder Art, Alkohol mag sie gar nicht - da sind wir uns aber ausnahmsweise einig, sie und ich. Fondue nimmt sie mir übel und bei zuviel Kaffee reagiert sie über.
Eine Mimose, meine Bauchspeicheldrüse.

So kam ich dann eben gestern von Arzt und hatte Verlangen nach einer kleinen Freude. Latte Macchiato am Bahnhof - mhhh! "Darf es ein Hauch Schoggipulver sein..?". Ansonsten nie, gestern ja. Bitte. Mein Gesicht erhellte sich in diesem Augenblick des kleinen Glücks, als ich Milchschaum schlürfte und mir das herbe Aroma der Schokolade auf der Zunge zerfloss, über meiner Oberlippe sich ein Milchschnauz mit einem Schoggihauch abbildete, ich den genussvoll mit der Zungenspitze ableckte. Bauchspeicheldrüse hin oder her!


Dann gibt es noch die hausgemachten Glücke. Jaja, ihr lest richtig. So richtig hand made. Ich kann weder häkeln, noch stricken, noch nähen oder sonst was in der Art.
Aber kleine Glücke basteln, das hab ich schon als Kind gelernt.
Ihr werdet jetzt bestimmt lachen ... vielleicht diesen Mechanismus kennen ... ansonsten einfach das Eure denken und dass ich halt einfach ich bin. Ich spaziere zum Beispiel gerne auf den Trottoirrändern. Da sage ich mir dann, wenn ich auf 10 Schritte nie 2-mal den gleichen Stein mit den Füssen berühre - dann wird es ein Glückstag. Oder wenn ich an der Bushaltestelle warten muss, drücke ich die Augen zu, zähle auf 10, mache die Augen wieder auf - und wenn dann der Bus in Sichtweite ist, bringt das Glück.
Die Kaffeemaschine am Morgen - den ON-Knopf drücken und raten, wie oft es noch blinkt bis das Teil einsatzbereit ist. Unter 15-mal = wird ein guter Tag.
Ganz besonders mag ich die Zugfahrten jeden Tag. Man fährt oft durch Waldgebiet - ist man aufmerksam, sieht man Tiere. 1 Reh bedeutet für mich einfach allgemein Gutes. Ein Rudel Rehe verspricht sozusagen besondere Freude an diesem Tag. Der absolute Burner sind die Füchse: 1 Fuchs sagt mir, dass ich heute schwierige Aufgaben problemlos meistern werde. Die Fuchsmama mit der Jungschar ist mir Garant für das Glück der laufenden Woche.

Man mag von meinen sternenzauberhaften Spinnereien halten was man will - so ein bisschen kann ich Glück steuern. Meine ich zumindest. Bei mir wirkt es.

Kleine Glücke sind mir oft genug Kinder. Sitzen im Buggy, schauen sich die Gegend an, verharren unvermittelt auf meinem Gesicht und fangen an zu lächeln. Was für ein Gefühl! Oder kürzlich, der Schmetterling, der sich unvermittelt auf meinen Arm gesetzt hat, einfach so! Glückskäfer sind auch stets ein verdankenswerter Umstand - sie sowieso. Pusteblumen - wenn die fragilen Schirmchen sich in die Welt verstreuen ... ich geb ihnen Wünsche mit, in der Hoffnung auf Erfüllung.


Oder nette Menschen, die DANKE sagen, tut man ihnen was Gutes - und sei es nur, den Platz im Bus anzubieten.
Kleine Glücke können die aussergewöhnliche Farben einer Blume sein - oder wie kürzlich, als eine totgeglaubte Pflanze auf unserem Balkon mir ihre ersten Blütenknospen präsentierte, völlig unerwartet. Nicht vergessen möchte ich die SMS von einem Freund. Alleine nur schon die ehrliche Frage: "Wie geht es Dir?". Die letzte Zeile im Brief ... "Ich bin da. Immer."
Das Telefonat in der Nacht - wenn man meint, man sei der einzige Mensch, der noch wach ist auf diesem Planet. Kürzlich fand ich auf Facebook meine Freundin aus Kindertagen wieder, Glück gehabt!

Carole sah mich an - mit einem Lächeln im Gesicht.
Ich sagte ihr: "Siehst Du - Du lächelst!"
Sie sagte grinsend: "Und Du spinnst!"

Das mag sein. Ist manchmal nicht das Verkehrteste.

GLÜCKS-SACHE:-)

Kommentare:

Angelina de Satura hat gesagt…

Ich spinne auch gerne :)
Liebe Grüße

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Deshalb wohl, bist Du so nah an mir dran :-).

Mit herzlichen Grüssen zurück
Sternenzauber

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