Freitag, 16. Oktober 2009

ICH, AIR BERLIN UND DIE LIEBE

Die Dimensionen dieses so einfach dahingeschriebenen Satzes, sind für Menschen ohne Fernbeziehung gar nicht in seiner Komplexität zu erfassen. Wie denn auch....?

Aber ich MUSS einfach davon erzählen, soviel bin ich mir, den Airports Zürich und Düsseldorf sowie AIR BERLIN schuldig.

Zum Fliegen kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Nach dem doch sehr überraschenden und extrem zügigen Abhandenkommens meines damalig Angetrauten - also von jetzt auf sofort - stand sie da, die Sternenzauber. Ohne Boden unter den Füssen, dafür mit viel Last auf den Schultern, tausenden Fragezeichen und keiner Ahnung wie weiter.
Was macht eine kluge Frau? Sie stürzt sich unter herzerweichendem Schluchzen an den Computer, googelt Liebeskummer. Und findet das Liebeskummerforum. Ohhhh - ich badete förmlich in all den traurigen Geschichten, die jede Einzelne auch die meine hätte sein können. Im Resultat waren wir uns Alle gleich: Auf die Schnauze gefallen - mit Anlauf und doppeltem Rittberger.
Und wie das Leben so spielt ... in der Schicksalsgemeinschaft fand sich ein netter Mann, man hüpfte zusammen über Hürden, Stolpersteine, Fallgruben und beschloss irgendwann, dies doch gleich am bestens Hand in Hand zu tun. Gesagt, getan. Und es hatte ZOOOOOOM gemacht.

Einen Haken hatte diese Sache allerding: Es lagen 700km zwischen uns. Und er hatte Flugangst. Meinereiner nicht. Du merkst was? Ja, genau - ich mutierte ab dato zur Flugente.

Die Telefonnummer von Air Berlin kannte ich mit der Zeit auswendig. Da wählst Du also die Nummer und .... eine mittelmässige Sängerin mit unterdurchschnittlichem IQ säuselt Dir ins Ohr "...Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf, uns're Air Berlin...." usw., wenn es schlimm kam, halbstundenweise. Allerdings hatte ich dann weder Flugzeuge im Bauch noch Kerosin im Blut - sondern schier Ohrenkrebs, eine Riesenwut im Bauch und Adrenalin pur im Blut, wallende Gallensäfte. Flüge buchen war vor gar nicht allzulanger Zeit noch sehr kompliziert!

Ist dann der Tag des Fluges endlich gekommen, steht frau wie gewohnt um 5 auf, macht sich flugschick und geht aus dem Hause. Erst mit Bus an den Bahnhof. Wenn alles gut läuft, dann kommt der Zug pünktlich. Wenn nicht - Pech gehabt. Es gab Fälle - ungelogen! - da habe ich mir vor dem Bahnhof einen wildfremden Menschen mit Auto gekaperter und ihn mit tränenerstickter Stimme innigst gebeten, mich doch wenigsten bis zum nächsten grossen Bahnhof zu fahren. Schliesslich hing mein ganzes Glück am termingerechten Eintreffen in Kloten! Geschafft habe ich es immer - irgendwie. Ist frau dann eeendlich in Kloten angekommen, rast sie sofort zum Einchecken die Treppen hoch, rollt so manchem armen Menschen mit dem schweren Rolli über die Füsse, hetzt quer durch alle Hallen um dann endlich hechelnd beim Check-In mein Anliegen nach einem Platz am Fenster darzulegen. Vielflieger lernen aber bald, dass man mittlerweilen über Internet einchecken kann und um Himmelsherrgottswillen bloss nicht Fensterplatz bucht - da kommt man nie aus dem Flieger!
Hat man erst man die Boardingcard in Händen, trabt meinereiner munter los zur Bäckerei Steiner, die verlockend vor der Passkontrolle platziert ist. Bei jedem Flug hab ich mir ein Poulet-Curry-Sandwich gegönnt und Schoggiherzchen für all die Lieben in Deutschland geordert (an dieser Stelle sei gesagt - es gibt wenig was ich aus dieser Zeit zurückhaben möchte. Aber ab und zu ein Poulet-Curry-Sandwich vom Steiner....mhhh...).
Also - Koffer in der einen Hand, Handtasche umgeschnallt, Lieblings-Sandwich in der anderen Hand, Schoggiherzli in die eh schon bumsvolle Handtasche gedrückt. Passkontrolle. Ohhhhh - keine Hand frei. Und wo schon wieder hab ich in meiner violetten Riesen-Flug-Handtasche mit X Fächern den Pass hinterlegt..? Man kennt ja mit den Jahren eine jede Ecke dieses Flughafens, kennt die Putzfrauen, die Polizisten beim der Passkontrolle und beim Zoll. Und sie kennen Einen auch. Entsprechend das grinsende Augenrollen, wenn die Frau mit lila Riesentasche wieder da steht. Es handelte sich jeweils nur um Minuten, bis ich meinen Handtascheninhalt auf des Schalterbeamtens Tresen aufgetürmt, ihm mein Sandwich zur Beaufsichtigung in die Hand gedrückt und meinen Pass dann doch noch gefunden hatte.
War diese Hürde dann mal genommen, stelzte ich schnurstracks zum Duty-free ... dem Paradies für Parfum-Süchtige, Handtaschen-Freaks und Kosmetik-Junkies....*GUCKINDIELUFTUNDPFEIFFDAZU*
Ach wie habe ich das genossen - habe mich hemmungslos mit Minipröbchen der unerschwinglichsten Marken verwöhnen lassen, hab 10 Lippenstifte nacheinander ausprobiert und mich hingebungsvoll der Parfumauswahl verschrieben.
Irgendwann hatte ich dann alles durch, was Frau von Welt so braucht. Ist dieser Moment gekommen, muss man nur noch die langen Gänge durchlaufen, die X Rolltreppen überwinden, die Jodelbahn (Sky-Metro genannt) zu Gate E überleben (den Leiter dieser Werbekampagne - Heidi jodelt, Geissenpeter winkt, Alpöhi steht dekorativ in der Gegend rum und das Matterhorn präsentiert sich im grellsten Sonnenschein - müsste man zu einer unbedingten Strafe verdonnern!) - und dann kommt es!!!! Mein ganz persönliches Highlight....

Bitte, sehr verehrte Damen und Herren, Freunde und Freundinnen - ich möchte vorausschicken: ICH BIN SONST NICHT SO. Ich bin eine umgängliche, bodenständige, freundliche und rücksichtsvolle Frau. Sehr sozial und für Minderheiten kämpfend. Aber wer mal seinen Flieger deswegen verpasst hat, kann mir nachfühlen....

Ist man dann nämlich mal auf Boden von Gate E, muss man in der laaaaaangen Schlange der Flugreisenden anstehen um an die Gepäckkontrolle zu gelangen. Zuweilen bis zu einer Stunde (vor allem, seit die rigorosen Flüssigkeitskontrollen angesagt sind). Aber ich, die ich ja die personifizierte Vielfliegerin war, hatte natürlich - ob meiner immensen Flugmeilenzahl - die goldene Air-Berlin-Card. D i e g o l d e n e A i r - B e r l i n - C a r d. Sag diese Worte respektvoll und langsam vor Dich hin. Aber hallo! Das heisst - ich war berechtigt, ja geradezu präferiert - die exklusive Fast-Line zu benutzen. Im Klartext: links vorbei an all den Wartenden, abgefertigt am speziellen Schalter. Durch in 2 Minuten. War das ein Gefühl. Während sich das Fussvolk eng an eng durch den Gang schiebt, schwebe ich - ohne Blickkontakt zum Kollektiv rechterhand aufzunehmen - dem Gate entgegen. Persönlich begrüsst von einem Flughafenbodenpersonalengel, der oder die mir den Koffer zur Kontrolle trägt. Ich war so oft kurz davor, eine lange Nase zu machen, lälälä zu sagen oder mitleidig zu lächeln.
Habe ich natürlich nicht getan - ich bin schliesslich gut erzogen und hab stets die Contenance bewahrt.
Meinem Highlight angeschlossen sind so Sachen wie: der Priority Check-In-Schalter, Platz in der ersten Reihe des Fliegers (Beinfreiheit!), ab und zu einen gesponserten Prosecco und selbstverständlich 10kg Übergepäck. Insbesondere die 10kg erlaubten Kilos mehr, sind eine nicht zu unterschätzende Tatsache, sagt Dir eine Frau die es wissen muss.

So, Ende Höhenflug - ich bin jetzt wieder ganz ich. Der Flug von 45 Minuten nach Düsseldorf war dann eigentlich Peanuts. In Düsseldorf angekommen, stürmt man möglichst rasch und ohne sich umzuschauen raus, schliesslich muss frau den Sky-Train zum Bahnhof rüber erwischen. Wenn denn der mal nicht gerade in Revision, kaputt oder soeben abgefahren ist. Drüben geht es im gestreckten Galopp zu Bahnsteig 1, der Zug nach Essen wartet nicht. In Essen dann nochmals umsteigen und das Gefährt zum Zielbahnhof besteigen.
Was ich alleine da alles an Streiks, ungemeldeten Zugausfällen, Verspätungen sowieso und Streckensperrungen erlebt habe.... *SCHREI*!

Es gäbe noch seitenlang zu erzählen. Was ich meinem und meiner LeserIn einfach rüberbringen wollte: Es war eine extrem anstrengende Zeit - speziell und spannend. Man braucht ein gutes Nervenkostüm und einen breiten Rücken. Und nach ein paar Jahren hat man die Nase sowas von gestrichen voll!
Sucht euch den Traumprinzen / die Traumprinzessin besser in der Nähe! Aber eben...wo die Liebe hinfällt.

Übrigens:
Als diese Beziehung dann zu Ende war, schwor ich mir: NIE MEHR EINE FERNBEZIEHUNG VON 700KM!!! Frau ist ja lernfähig und sowas geht gar nicht mehr!
Ich bin diesem Grundsatz auch strikte treu geblieben - und meine neue, meine grosse Liebe, war läppische 670km weg, gleich neben Düsseldorf :-).
Ich möchte hierzu keine Kommentare lesen. :-)

Allerdings hat dann meist er die Fahrerei mit dem Auto auf sich genommen - seine Autobahnstorys sind im übrigen meinen Fliegergeschichten nicht unähnlich.
Bloss, dass die ausgefeilten Rambo-Phantasien (in Bezug auf Drängler, Stauverursacher und sonstige Querschläger) meines ansonsten lammfrommen, liebevollen und ruhigen Schatzes nicht Blogfein sind. *ZENSUR* :-).

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich habe an dem Tag, als mein Katerli und ich zusammen den Flieger in Düsseldorf mit One-Way-Ticket in die Schweiz bestiegen, meine Gold-Card von Air Berlin mit Hurrageschrei und Freudentanz in die Tonne gekloppt. Nie mehr Liebe auf Distanz.

Seit er in Kussnähe ist, ist mein Leben richtig schön...!
FAZIT: Ein jeder geflogener Kilometer zu ihm hat sich gelohnt!
Und - ich würde es nie mehr wieder tun.

Ausser für ihn.

:-)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Bitte weiterschreiben. Man erträgt das schlimme Wetter und die kommende Winterzeit so viel besser, wenn es was zum Lachen gibt. Danke!

Anonym hat gesagt…

Schreiben ist wirklich Dein Ding!
Gefällt auf jeden Fall und "schmekt nach mehr.. ;O)

lg chris

Sternenzaubers Geschichtenhimmel hat gesagt…

Merci lieber Chris - bediene Dich am reichlich gedeckten Buffet mit meinem Buchstabensalat :-)!
Guten Appetit!

Von Herzen - Sternenzauber

Flo hat gesagt…

Und wie ich dich verstehen kann :) Musste des öfteren schmunzeln beim Lesen! Aber auch wenn ich dem Himmel danke, dass ich endlich mit meinem Engel zusammen wohnen darf, vermisse ich halt das Fliegen als solches schon...

Danke für die schönen Texte und vor allem Gedichte!! Es sind kleine Sonnenstrahlen im (meteorologischen) Nebelgrau...

Grüessli
Flo

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