Mittwoch, 7. April 2010

KLEINE FREUDEN - GROSSE FREUDEN

Heute war ich viel zu früh im Büro. Viel zu früh - über eine Stunde!
Erst mal Kaffee machen, mein Ich kurz mal updaten und dann in den Compi schauen, was meine bevorzugten Blogs so zu bieten haben.

Oh ja, ich stöbere sehr gerne in "Freundeblogs" - und werde meinen Schätzu demnächst mal bitten, auf der Sternenzauber-Seite Hinweise darauf einzurichten. Die Blogwelt hat nämlich ein paar Schätzchen im Angebot!
Ab und zu  finden sich da sehr interessante Kontakte, sogar Freunde.
Etwas vom Schönsten überhaupt, was das Blogschreiben mit sich bringt. Finde ich.

Heute Morgen habe ich Pharmama's Blog einen Besuch abgestattet. Nein, falsch rum. Pharmama stattete mir einen Besuch ab - weil ich ihre Geschichten, Berichte abonniert habe und somit stets auf dem Laufenden bin. Pharmama ist eine Apothekerin, Familienfrau, Mutter und irgendwie eine ganz kluge, lebenserfahrene Frau, welche mir stets so einiges vermittelt.
Man weiss ja oft nicht so genau, wer sich hinter einem Blog "versteckt" - und manchmal finde ich es ganz spannend dies rauszufinden.
Heute fühlte ich mich sogar direkt angesprochen und fragte mich, ob sie etwa meine Apothekerin ist ...?

Sie hat erzählt, dass es richtig schöne Tage, tolle Erlebnisse mit Kunden gibt. Wenn diese nämlich als Dankeschön ein Mitbringsel in Form von Schokolade, Blumen, Karten .... was auch immer ... einem dankbaren Lächeln und guten Worten einem in die Hände legen.
Mir kam sofort die Erinnerung an meinen "Abflug" auf dem Centercourt des Tennisplatzes. Als mein Talent wortwörtlich in hohem Bogen und äusserst schmerzhaft auf den Boden knallte und die Hoffnung auf kommende Titel und Pokale in tausende von Teilchen zerbarst. Ich hinterliess an diesem Nachmittag einen derb desaströsen Eindruck und holte mir nicht wirklich einen Orden. Dafür hatte ich die Lacher auf meiner Seite.
Und sehr viele Schürfungen. Sehr viel AUA.

Siehe:
http://sternenzaubers.blogspot.com/2009/10/ich-bin-ein-gefallenes-madchen.html

Damals raste ich einen Tag später in der Mittagspause nämlich schmerzgeplagt jammernd zur Apothekerin meiner Wahl. Erzählte ihr in blühendsten Farben von der Sternenzaubers's Missgeschick, suhlte mich im ihrem mitleidigen Blicke, freute mich ob ihres Lachens betreffend meiner Schilderung und war erleichtert, dankbar, als sie mir mit Rat und Tat zur Seite stand, das lädierte Teil behandelte, verband und mich mit einem lieben "gute Besserung", einem Lutschbonbon (das tut nicht nur kleinen Patienten gut - den grossen ebenso!) und gestärktem Rücken wieder in die raue Welt entliess.
Der Arm heilte anschliessend wirklich rasch und entgegen meinen ersten Befürchtungen blieb mir die Amputation erspart.
Manchmal braucht es nebst Desinfektionspray, Salben und Püderchen eine Prise Anteilnahme, Mitgefühl, den Hauch von Verständnis und eine Messerspitze Aufmerksamkeit extra - nebst guten Worten - und schon geht es einem viel besser.
Der Apothekerin und ihrem Team habe ich selbstverständlich in der folgenden Woche ein paar kleine, feine Pralinen aus der guten Confiserie am Bahnhof mitgebracht. Und mein Lächeln, meinen wortreichen Dank.
Bei sowas gewinnen immer beide Seiten - finde ich gut!


Erinnert hat mich ihre Geschichte heute auch an "meine" Kunden hier, in der Garage. Wie oft erhalten wir kleine und grosse MERCI's. Das reicht vom lieben Wort, über persönliche Briefe, via kulinarische Köstlichkeiten bis hin zur Umarmung. Nicht, dass ich die oftmals sehr grosszügigen Gaben in unser gemeinsames Trinkgeldkässeli nicht schätzen würde - aber das ganz Persönliche, darüber geht nichts.
Ich hatte einen Lieblingskunden, ein älterer Mann mit soviel an Herz, Charme und etwas unbeschreiblich liebevollen in seinem Wesen. Als wir die Nachricht seines Todes erhielten, da habe ich wahrlich heisse Tränen geweint. Und sein Anruf gerade jetzt, wo Alle anrufen und den Radwechsel anmelden - diese unnachahmlich rauchige Stimme - sie fehlt mir jeden Tag. Bevor er auch nur einen Ton über das Auto verlor, sagte er erst mal, dass er sich auf uns freue und wie es denn so gehe.
Oder die Dame mit ihrer Tochter Daniela, welche mir immer wieder zeigt - nein - demonstriert, was sie aus ihrem Leben mit dem Down-Syndrom herausholt. Eine junge Frau, die mit ihrer Lebensfreude, ihrer Offenheit und der Lernbereitschaft so manchem von uns Vorbild sein kann. In meinem Leben eine absolut Bereicherung. Und schreibt sie mir mal eine Woche lang keine SMS, dann fehlt mir eine der wichtigsten Mitteilungen.
Nicht zu vergessen unser Herr Pfarrer - der keinen Garagen-Besuch abstattet, ohne nicht für jeden im Team ein Töpfchen selbstgemachte Marmelade mitzubringen. Das würde er sich nicht nehmen lassen! Wir uns übrigens auch nicht.


Und so könnte ich Kapitel um Kapitel über die Menschen schreiben, denen ich Tag für Tag hier begegne. Die vielen schönen Erlebnisse machen die ganz wenigen unguten vergessen. Unter dem Strich habe ich ein RIESIGES Plus.

DAFÜR BIN ICH DANKBAR! SEHR!

Dienstag, 6. April 2010

VON MÄNNERN UND MÄUSEN

Meine 3 Männer zu Hause ( ... und alle anderen auch ... ) sind mir stets aufs Neue Quell heiterer Fröhlichkeit, ungläubigen Staunens und fragendem Unverständnis. Schön abwechslungsweise. Damit es mir auch ja nicht langweilig wird.

Ostern hat es wieder mal ans Tageslichte gebracht, dass die Spezies "Mann" ein wenig anders tickt als wir holden Weiblichkeiten. Auch wenn ihr jetzt milde schmunzelnd abwinket und dieser Tatsache schon etliche Male mitten ins Auge des Orkans geschaut habt, so finde ich es doch immer wieder erzählenswert.
Erlaubt mir deshalb, meine persönlich-fraulichen Osterabenteuer mit der Testoteronfront der geschätzten Leserschaft zugänglich zu machen.

Ich erinnere mich noch gut - als ich damals Anfang Oktober 2009 mit der Blog-Schreiberei begann, fragte ich die Menschen um mich herum höflich, ob ich sie erwähnen dürfe, von ihnen schreiben dürfe. Das anfängliche Zögern war durchwegs männlicher Natur - immerhin kam letztendlich ausnahmslos ein OK, aber eher in Richtung "... wenn es denn sein muss ...". Und wenn wirklich, dann aber wirklich nur mit einem fiktiven Namen.
Das Blatt hat sich unterdessen gewendet. Oft werde ich nun - wieder fast ausnahmslos männlich - gefragt "sag mal, Sternenzauberin, wann schreibst Du eigentlich mal von mir...?" und " ... Du darfst schon meinen richtigen Namen verwenden, kein Problem!".

Gelacht habe ich mehr als herzlich, als mein Eigengewächs Max (... um eine "eigene" Geschichte hat er mich auch bereits gebeten, an der Nennung seines wirklichen Namens kaut er noch ... ) uns am Samstag sein Trainingsabenteuer erzählte.
Max ist unglaublich, wirklich. Nicht nur die Nahrungsmittel-Mengen, welche er vertilgt.
Eine der grossen Schweizer-Bikehoffnungen für kommende Erfolge - und das nicht unbegründet. Mittlerweilen fährt er bei den ganz Grossen mit, fuhr vor 5 Wochen in Spanien, vor 3 Wochen in Italien und Ende dieses Monats wird es England sein. Dazwischen die Rennen im Tessin, im Graubünden und und und. Jeden Tag Training bis zu 4 Stunden, all das neben einem 80% Job. Die Ernährung auf Höchstleistung ausgerichtet.
Bewundernswert, seine Disziplin, sein Engagement - und dies sage ich nicht mit Blick durch die "Mama-Brille".


Letzten Ostersamstag war er mit seinem Trainingskollegen unterwegs. Wie immer in flottem Tempo. Weit vor sich sahen sie einen älteren Mann um die 70zig, der ebenfalls seiner Fitness Gutes tat und munter in die Pedale trat. Im moderaten Tempo eines Herrn im bestem Alter. Völlig richtig so.
Die 2 Jungs machten sich daran, den Senior zu überholen - dieser schaute nach hinten und bemerkte die Absicht. Er schien auch gesehen zu haben, dass die Beiden bekannte Team -Trikots trugen und ersichtlich war ihm auch, dass diese wohl nicht das erste Mal auf einem Bike sassen.
Besagte Tatsachen spornten derart an, dass er die Pedalerie wie wild zu malträtieren begann.
Wie Jungs mit 21 eben so sind, hängten sie sich mal locker ans Hinterrad des "Ich-will-auch"-Sportlers und warteten ab.
Anstatt dass der Oldie es irgendwann mal gut sein lassen würde, liess er sich ums Verrecken nicht überholen, trampelte mit hochrotem Gesicht und heraushängender Zunge derart übertrieben los, dass Max und Luc sich langsam Sorgen machten. Als der Opa dann laut hörbar zu stöhnen begann, prustende Dampf-Lok-Laute von sich gab und keineswegs zurückstecken wollte, wurde den Beiden Junioren das Spiel zu gefährlich, sie überholten extra-schnell, bloss damit der bejahrte Mann nicht noch den Gedanken fassen konnte, die Verfolgung aufzunehmen und sich wer weiss was zumutet, das weit über seine physischen Grenzen ginge.
Soviel zum männlichen Rivalitätsverhalten, gekoppelten mit dem angetretenen Beweis, was für ein Kerl man denn doch immer noch sei.
Weniger wäre mehr. Gilt jetzt nicht nur für Männer.

Dann zu meinem Katerli.
Er hatte es aber auch wahrlich nicht immer leicht über die Ostertage - mit mir und dem Osterfernsehprogramm. Viel zu viel an Mary Poppins, Grimm'sche Märchen, Bodyguard, zauberhaften Nannys und Keinohrhasen. Liebesschnulzen, Melodramen, menschlichen Abgründen und Happy-Ends.
Das Material, aus dem Sternenzauberträume gemacht werden.
Nicht aber dem Katerchen seine!
Ich habe dem eher weiblichen Osterprogramm dann den äusserst männlichen BEN-HUR entgegengesetzt. Man(N) erinnere sich an die fürchterlichen, blutrünstigen Szenen beim Wagenrennen in der römischen Arena, die Kerker-Szenen und überhaupt und sowieso. Ich meinerseits habe mich da dezent abgewandt.
Blöderweise war Katerli zu diesem Zeitpunkt gerade in der Küche mit dem Abendessen beschäftigt. Ergo wurde sein Hunger nach schweisstriefender Männlichkeit, verbunden mit heroischem Machtgehabe und verknüpft mit testosteronstrotzender Befehlserteilung nicht gestillt.
O-Ton Katerli: "Bei allem Respekt und in stiller Verzückung über die wirklich zu Herzen gehenden Schmusibusi-Filme (... Schmusibusi - hä ... ?) - aber irgendwann ist gut. Ich brauche mal wieder einen Bum-Bum-Film. Frag nicht wieso - ich kann es nicht erklären und Du wirst es nicht verstehen. Ist so, weil ist so.
Einen richtig sinnlosen Knaller bei dem man(N) nicht nachdenken muss, voller Special-Effekts, Action, Schlägereien, Zackwumm - mit einem Hauch Grusel und deziliterweise Blut".
Sagt es .... und zappt auf "STUART LITTLE", der wundersamen Geschichte über eine Maus, welche von einer Menschenfamilie adoptiert wird.


Zugegeben, der Film beinhaltet eine spektakuläre Szene, in welcher Stuart irrtümlicherweise mit der Dreckwäsche in die Waschmaschine gelangt und gerade noch eben im allerletzten Mäusemoment an den Schnauzhärchen rausgezogen werden kann. Oder aber auch - nicht zu vergessen - Stuart wird entführt! Von anderen Mäusen. Kriminellen Schergen-Mäusen! Und dann wird der Arme beinahe noch von einer Katze gefressen!
Also MEINEN Nerven hat das TOTAL zugesetzt.

Was Katerli betrifft: ich glaube, bei ihm ist noch nicht alles verloren.
Er ist längst nicht so abgebrüht, wie er meint.
Unter anderem deswegen liebe ich diesen Kerl ja auch dermassen.
Und das finde ich gut.

SEHR GUT!

Montag, 5. April 2010

MEIN NAME IST HASE. OSTERHASE!

"Gotti?? Was machst Du da?"
Diese Frage stellte mir mein Patenkind Sabrina vor ca. 1ner Stunde.
Genau in dem Moment, als ich ihr Ostergeschenk verstecken wollte.

Aber damit mir die LeserInnen folgen können - jetzt erst mal von Anfang an.
Angefangen hat es ja schon damit, dass ich das Ostergeschenk eigentlich schon am Donnerstag meinem Chef mitbringen wollte, in der Absicht, dass er es seinem Mädchen - meinem Patenkinde - in Sternenzauber-Namen verstecken möge. In der Eile blieb natürlich das Geschenkpäckli auf dem Küchentisch liegen.
Werde ich jetzt alt und vergesslich? Ich befürchte es!

Ist ja nicht so schlimm - haben wir dann gemeinsam befunden. Irgendwann, während der Ostertage, könnten mein Schätzu und ich das Präsent ja verstecken - die Familie ist nämlich über diese Zeit in den Osterferien und ich habe freie Bahn. Kann meine Osterhasenqualitäten also vollumfänglich ausleben und freudig hoppelnd die Überraschung für Sabrina in den Kaninchenstall hinter dem Hause legen. So war es abgemacht.
Diesen Freiraum galt es also spätestens heute zu nutzen.

So machten wir uns denn am Mittag auf den Weg. Kaum von der Autobahn runter, lag da im Grün des Seitenstreifens dieser arme, totgefahrende, grosse, wunderschöne Feldhase. Mein Gefühl sagte mir in dem Moment, dass dies ein schlechtes Omen für die Mission "Sternenzauber goes Osterhase" sein könnte.
Und mein Gefühl behält meist Recht!
Ich war übrigens ein sehr bunter Osterhase - violette Pumps, Jeans, rosa Pulli und violette Jacke. So à la Lila-Schmunzelhase.


Rückblickend gesehen, hätte ich mich besser in dezentes Osterhasenbraun gekleidet. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.
Andererseits ... wäre der Feldhase in rosa-violette über die Strasse gehoppelt - wer weiss, ob er trotzdem totgekarrt worden wäre.

Nun gut - die kurvige Fahrt zu Sabrina beschert mir stets aufs Neue nebst Vorfreude auch dieses blöde Kotzübel-Gefühl. Ich bin defektiv nicht gemacht für Fahrten über Land in höher gelegene Dörfer! Dann lieber 7 Runden Achterbahnfahren! Ich war auf jeden Fall froh, das Haus dann endlich in Sichtweite zu bekommen. Ein beruhigendes Gefühl für meine sensiblen Magennerven.
Doch - oh Schreck?! Da stand ja schon der grosse Familien-Camper vor der Türe!! Herrjee!! Die sind schon zurück?
Nein-aber-auch-so-ein-Pech-was-mach-ich-jetzt?!

Mein Mann (und mit Absicht benutze ich hier das Wort Schatz, Katerli oder dergleichen Schmeichelndes nicht) sah sich alleinig als Chauffeur - und ich armer Osterhase sollte die ganz Drecksarbeit machen. Bingo! Wo bleiben die Gentlemans aus meiner Jugendzeit? Wo sind die Männer, die Ihre teure Hugo Boss Jacke auf die Pfütze zu meinen Füssen werfen, damit ich trockenen Fusses darüber hinweg stolzieren kann? Wo sind sie, die James Bonds oder Clark Gables des 21 Jahrhunderts??!!

Zu seiner Ehrenrettung sollte ich erwähnen, dass er humpelt. Hat er sich doch in der Nacht von Samstag auf Sonntag im BETT, während des SCHLAFES, den Fuss verknackst. Möge sich darunter jede/r LeserIn vorstellen, was er/sie wolle. Der Phantasie will ich hier nicht vorgreifen.
Die Tatsache bleibt, dass es keine humpelnden Osterhasen gibt - und ich farbenfrohes XL- Ei alleine unter dem grossen Frontfenster des Hauses zum Stall nach hinten durch robben möge. Damit mich weder Sabrina noch ihre kleine Schwester bemerkt.
Tatsache ist auch, dass ein violetter Osterhase mit Über-Fellgrösse 46 / 48 gewisses Aufsehen erregt. Sogar auf dem Lande. Besser gesagt - erst Recht auf dem Lande! Die Bauenfamilie von vis-à-vis beäugte mein Tun nicht ohne eine gewisse Skepsis. Die Kinder schickten sie auf jeden Fall schon mal ins Haus.
Man weiss ja nie.

Während also Katerli (ach ja, schliesslich hat er einen kaputten Fuss) Schmiere stand, sich aufmerksam am Steuerrad festklammerte und versprochen hatte, dass er sofort seinen berühmten Warnpfiff von sich geben möge, sobald sich auch nur das Auge einer der vielen anwesenden Kühe in meine Richtung verschieben sollte ... klapperte ich auf meinen Pumps möglichst dezent Richtung Haus. Ich schlich wie ein Schatten der Hauswand entlang und konnte im letzten Moment verhindern, dass meine grosse Tasche selbständig die Klingel betätigte.
Hätte ich bloss den mausgrauen Pulli angezogen - oder wenigstens die Roger-Staub-Mütze dabei gehabt. Und Turnschuhe. Ich werde künftig bei solchen Taten nur noch Turnschuhe anziehen, mit dieser weichen, lautlosen Indianersohle. Meine Pumps klapperten fröhlich über den Asphalt vor dem Hause und ich war gerade daran das Tor zum Garten hin zu öffnen, als Sabrina und ihr Schwesterchen mit grossen Augen in der Türe standen und meine Aktivitäten mit fragendem Gesichtsausdruck verfolgten.

Ich schaute hilfesuchend Richtung Kater-Auto ... der aber gerade frohgemut seine Tüte mit Gummibärchen öffnete, welche er bestimmt soeben vorhin aus dem Handschuhfach geklaubt hatte! Anstatt Schmiere zu sitzen und Warnpfiffe abzugeben!
HIMMELHERRGOTTNOCHMAL!


"Gotti, was machst Du da?" - fragte sie mich sichtlich irritiert. "Oooooch - ich bin gerade auf dem Wege zu meiner Mutter. Da habe ich gedacht, ich schaue mal ganz spontan hier vorbei. Und wünsche frohe Ostern".
Na ja, Sabrinas Eltern retteten dann die Situation so gut es eben ging und auch Katerli schälte sich aus dem Auto - total freudig überrascht, Eltern und Kinder zu sehen. Bezeugend, was für ein unglaublicher Zufall uns da gerade völlig überraschend am Gartentor zusammengeführt habe.
Zufälle gibt es aber auch!
Wir Erwachsenen überspielten das Ganze so ungut und unspontan, wie Erwachsene dies eben zu tun pflegen.

Sabrina wird sich ihren dabei Teil gedacht haben. Aber mir letztendlich grossherzig verzeihen.
Und wenn der Osterhase kurz nach unserem Weggehen - ohooo, welch Wunder! - ein Geschenkelein in den Kaninchenstall gelegt hat, dann wird sie zu Gunsten dem Seelenheil der Eltern, dem rosa-violetten Gotti nebst Gatten dieses Versteckspiel überzeugend mitspielen.
Und uns Grosse im Glauben lassen, dass wir dies nochmals gut hingekriegt haben, dem Osterhasen seine Daseinsberechtigung erhalten haben.

Als Osterhase bin ich durchgefallen. Voll geloost.
Ich bleibe besser Blog-Schreiberin ...


FRÖHLICHEN OSTERMONTAG, IHR LIEBEN!

Sonntag, 4. April 2010

DIE LIPPENSTIFT - ATTACKE ODER " ...WEISST DU NOCH... "

Mit "... weisst Du noch ..." beginnen fröhliche, schöne, lange Abende. Mit " ... weisst Du noch ..." gräbt man freudig in lieben Erinnerungen und Andenken.
"Weisst Du noch ..." ist immer der Anfang von etwas Gutem.

Ich bin mittlerweilen in dem Alter, wo bereits meine Kinder die selten gewordenen Familienabende mit "...weisst Du noch... " einläuten. Spannend, an was sich meine Jungbrut so alles erinnert.

Während sich die vollen Teller schier schneller leerten als ich nachschöpfen konnte, fiel genau dieser Satz. Sohn Moritz führte uns in sein 2tes Lebensjahr zurück - Mäxchen hatte damals eben gerade das Licht der Welt erblickt.
"Weisst Du noch, Mam - Dein teurer Lippenstift"? Noch gestern wurden meine Augen leicht feucht und ich konnte einen Seufzer eben gerade noch rechtzeitig runterschlucken, als ich an diese Geschichte erinnert wurde.
Das war aber auch .... Kind! Nein wirklich! Wie konntest Du damals nur!?

Wir waren eine junge Familie, die kleine Kerle unser ganzer Stolz. Gerne habe ich damals meinen Beruf für die Familie aufgegeben, habe zurückgesteckt und statt mir was zu kaufen, viel lieber Moritz einen neuen Lieblingsbären geschenkt und Mäxchen die tolle Rassel.
Jajaja ... Mütter!


Doch irgendwann sah ich diesen wundervollen, sündhaft teuren Lippenlift in genau diesem speziellen Korallenrot, das ich schon immer wollte. Ich musste dieses, meine persönlichen Finanzen auf den Kopf stellende, exklusive Stück haben! Alleine die edle, goldene, gerillte Hülle! Mein Gesicht drückte sich ans Schaufenster dieser Parfumerie, welche eigentlich nicht in meiner Preiskategorie lag.
Und ich wahrscheinlich auch nicht in deren Zielpublikum, welches von den Damen mit Pelz und Edelmarken-Kostümen frequentiert wurde. In teure Düfte eingehüllt und den Chihuahua im Kroko-Lederbeutel tragend.

Ich trug Turnschuhe, Jeans, Shirt und führte an der einen Hand einen quirligen 23-monats-Wonneproppen und mit der anderen schob ich den Stadt-Buggy mit dem 2-monats-Max.
Doch angesichts dieses Lippenstiftes verblasste das Drumherum - und mein Wunsch wurde übermässig, ich betrat den Laden und fragte, ob ich DEN mal ausprobieren dürfe. Die Verkäuferin im seidenen Chanel war dermassen überrumpelt, dass sie es wirklich zuliess.
Ohhh! Die crèmige Konsistenz, dieser Perlmutt-Schimmer (war damals schon hochmodern - heute heisst das Gleiche "Diamond gloss" oder ähnlich, die Wirkung ist wie gehabt), wunderbar, einfach wunderbar!
Sobald ich dieses farbige Elixier mir ins Gesicht, auf die Lippen gezaubert hatte - war ich viel mehr als Mutter. Ich war wieder Frau - nein Vamp - die pure Versuchung!
Lippenstift! Nur Lippenstift? Beileibe nein! Welch erhabenes, seltenes, rot-begehrliches Fühlen einer Vollblutmama zwischen Stinkewindeln und dreckigen Lätzchen.

Dieses Burnergefühl ist vielleicht im Umstand zu finden, dass ich gerade in der Abstillphase war - mit diesen sexy Wattepads im Still-BH - die keinerlei Wirkung haben, wenn Kind jämmerlich nach Flüssignahrung schreit und einem die Muttermilch das Shirt so richtig dekorativ vollfleckt ...!

So habe ich denn den Betrag von ca. 3 Packungen Pampers, 1ner Monatspackung Folgemilch und 3 Schnuller mit Aufdruck "MAMAS LIEBLING" gegen den Luxus eines Edel-Lippenstiftes eingetauscht.
Das schlechte Gewissen von damals - heute lächle ich darüber ... ich hätte es mit öfter gönnen sollen!

Die Schritte nach Hause ging ich wie auf Wolken. Freudig dem Abend entgegenblickend.
Und was passierte mit meinem Versuch des fraulich-begehrlichen Lockrufes nach Chakka-Chakka? Ich finde Moritz auf dem Klodeckel stehend, über und über mit MEINEM wunderbarst rotem Lippenstift einbalsamiert, mit dem restlichen Stumpen Edelrot im Immer-noch-Betrage von mindestens Fr. 50.-- die unebenen Fliesen des Badezimmers dekorierend. Fröhlich quietschend und ganz stolz ob seinem Kunstwerke.

Für zugegebenermassen geschätzte 0,8 Sekunden hätte ich den kleinen Lausejungen damals ohne Nachzudenken verschenkt. Für Selbstabholer sogar noch die Anreisekosten übernommen! Aber wie erwähnt - nur für 0.8 Sekunden.
Dann kurz durchatmen - und lachen.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Noch heute muss ich sagen, dass die Qualität des Lippenstiftes hervorragend gewesen sein muss. Es dauerte Stunden, die Farbe aus den beigen Fliesen und aus den weissen Fugen zu putzen. Da musste letztendlich Javelwasser ran - ein ätzendes Bleichmittel mit sehr ... ähhhm ... eigenwilligem Duft.
Das Kinde seinerseits musste ich erst einweichen, vierfach einseifen und dann schrubben mit Hand, Waschlappen, Massagelappen, Babybürste. Der arme Kerl war letztendlich fast so rot wie vor der Lippenstift-Attacke!

Gestern Abend wurde herzhaft darüber gelacht.
Wir haben uns verziehen.


GEGENSEITIG.

Samstag, 3. April 2010

ICH HABE ES SCHON WIEDER GETAN!

Jedes Jahr vor Ostern (wahlweise Pfingsten, Weihnachten und all die anderen angesagten Feiertage) schwöre ich mir, dass ich mich dieses Mal viel besser organisiere. Den COOP Lieferdienst beanspruche, weit vor besagten Tagen die Küchenregale knallvoll bestücke, die Tiefkühltruhe bis zum Anschlag fülle, Aufbackbrötchen parat und das Getränkegestell gut gefüllt habe.

Ich bin nämlich keine dieser Kamikaze-Hausfrauen, die es wagen am ... nennen wir den heutigen Tage beim Namen ... Ostersamstag die Pforten grösserer Einkaufszentren zu durchschreiten. Bin ich denn des Wahnsinns? Ich weise es weit von mir. Diesen Stress kann man sich nämlich wirklich sparen!
Meine Prinzipien sind mir lieb und teuer, ich verteidige sie, ich pflege sie. Und überhaupt und sowieso - es ist hier noch keiner verhungert! Dieses ganze Buhei um den Einkauf vor Feiertagen ... PFFFF! Ohne mich.


Meinen Grundsätzen blieb ich heute genau bis um 09.27h Zentraleuropäischer Zeit treu. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass sie schon gestern Abend leise wankte - also nicht die Zeit, die Sache mit den Grundsätzen.
Nämlich als Sohn Nr. 2 uns mitteilte, dass seine Freundin die Ostertage bei Sternenzaubers verbringen werde. "Du weisst, sie mag keinen Fisch – und keinen warmen Käse".
Ich überschlug grob unsere Nahrungsmittelvorräte mit den angemeldeten Ansprüchen - und kam zum Schluss, dass ich es nicht mehr ausschliessen konnte, dem grossen Laden mit den 3 M doch noch einen Blitzbesuch abzustatten. Vielleicht.
Ich konnte es ja mal in Erwägung ziehen.
Können?
Müssen!!

Den Besuch im orangen Laden wirklich durchzuziehen, zwang mich dann der Anruf von Sohn Nr. 1 um 09.27h. "Hoi Maaam - Duuuuu ... ich hätte solche Lust auf Kartoffelsalat mit Pouletschnitzel vom Grill. Und zum Nachtisch Deinen berühmten Apfelkuchen. Biiiiitttttteeeeeee! Ich hätte heute richtig viel Zeit."

In Gedanken schob ich Fisch und Gemüse bereits weiter nach hinten ins Tiefkühlregal, den Reis zurück in den Küchenschrank.
Halbherzig probierte ich noch, beide Söhne von den exorbitanten Vorzügen einer Saftkur, eines Fastenwochenendes oder eines gesunden Rohkostabends zu überzeugen.
Erfolglos.

Was tut eine treusorgende Mutter, die ihre Schar um den Tisch glücklich sehen will? Sie wirft alle Samstagspläne über den Haufen (was will ich auch im Städtchen - diese tolle Handtasche haben sie sicher in einem Monat auch noch ... und Kaffee trinken kann ich zu Hause auch, was will ich da in diesem wunderbaren Café an der Aare mit dem Ausblick auf das Schloss ....?), pilgert wie ein Schaf mit der grossen Herde Richtung Nahrungsmittelbunker.
Heute hatte ich leider nicht mal die Möglichkeit, diese wichtige Aufgabe meinem Schätzi-Katerli weiter zu delegieren. Der ist nämlich weit weg in deutschen Landen an einem Kegelmatch und wird erst wieder am Abend in den heimischen Gefilden eintreffen. Zeitgleich zusammen mit Sohn 1, 2 und Fastschwiegertochter.

So hatte ich mir denn auch seufzend eine Einkaufsliste gemacht. Auf einem A4-Blatt. Die Söhne sind 21 und 23 Jahre alt, in vollem Saft und Kraft - darauf achtend, dass es auch so bleibt. Insbesondere an Mamas Futterkrippe. Bei so einer Gelegenheit gilt es sogar vorzusorgen - für die Eventualität schlechteter Zeiten.
Diese Tatsache gilt es meinerseits zu berücksichtigen. Meine Ableger wissen ganz genau, welchen Tonfall sie anschlagen müssen, um in mein Mutterherz zum Abschmelzen zu bringen: "Du machst den weltbesten Kartoffelsalat - und Dein Apfelkuchen ist eine Offenbarung. Nie nie und nirgendwo gibt es sonst was soooo Feines. Du bist die Beste!".
Ok. 2:0 für den Nachwuchs.

Welch Mutter hätte da noch irgend eine Möglichkeit der Selbstverteidigung?
Mein ICH lag gekettet in den Fesseln der Komplimente, liebevollst festgeknotet in den Erinnerungen an kleine Jungs ... die ihre Mam abwechslungsweise in den Himmel heben und den Höllenhunden zum Frasse vorwerfen. Je nach Menüplan, Aufgaben-Einteilung und Taschengeld.
Ich wette, jede Mutter wird mir in diesem Augenblick in stiller Verbundenheit die Hand drücken.

Die Lebensmittelbeschaffung war übrigens ein Akt der Selbstzerstörung. Grausam, welch menschliche Abgründe sich da auftun, wenn es um die Verteidigung des letzten Butterzopfes geht. Und irgendwie ... ich wollte doch nur Zutaten für das Menü heute Abend. Eingekauft habe ich für über Fr. 200.--! Weil wir ja vielleicht noch dieses oder jenes brauchen könnten. Süss-saure Gürkchen fürs Katerli, die geliebten Reiswaffeln mit Schokolade für Max. Apfelschorle für seine Freundin. Den schwarzen Schokohasen für meinen Kegel-Hasen. Den neuen Citro-Dufteinhänger XXL für das gepflegte Klo. Farbige Microfasertücher im Angebot - so schön in orange und violette, ich musste sie haben. Diesen neuen Abflussreiniger, wer weiss wann man den brauchen kann! Das herzige gelb gefärbte Tonküken mit den weissen Tupfen macht sich enorm gut auf dem Küchentisch. Und die farbigen Eier, ein MUSS!


Ihr hättet mich auf meinem Roller Giovanni nach Hause fahren sehen sollen. 2 knallvolle Rieseneinkaufstaschen vor mir aufgetürmt - ich lugte noch knapp darüber. Immer wenn ich links abbog, hupte es, weil die eine Tasche so proppenvoll war, dass sie autonom auf den Hup-Knopf drückte.
So war zumindest gewährleistet, dass auch JEDE/R meinen Auftritt mitbekommt.
Sehe jetzt schon kritisch den entsprechenden Kommentaren auf meiner Facebookseite entgegen ...

Ich möchte hier und jetzt meinen Schwur erneuern:
Nie nie mehr gehe ich vor einem Festtag einkaufen!


WARUM LACHEN JETZT ALLE?

Freitag, 2. April 2010

VIEL GLÜCK! UND WAS ES IST ...

"Glück ist flüchtig wie ein scheues Reh" - das hat ein kluger Mann mir vor nicht allzu langer Zeit mal gesagt.
Dieser Mann ist heute mein Mann. Was für ein Glück!

Ich möchte heute mit euch über Glück nachdenken, vom Glück reden, will mit euch auf die Suche nach der Definition von Glück gehen. Euch von meinen kleinen und grossen Glücken erzählen - und wer weiss, der Eine oder die Andere wird mir von seinem / ihrem Glücke berichten.
Warum heute? Vielleicht weil ich heute sehr, sehr, sehr glücklich bin ... ja, vielleicht. Ich habe gestern Abend wunderbare Stunden erleben dürfen, im Kreis von lieben Menschen. Ich hab heisse Freudentränen geweint und empfand das pure Glück.

Keine Angst - ich erwähne hier nur kurz am Rande, dass "meine" Hockeymannschaft spektakulär den Einzug ins Finale geschafft hat.
Eine Facette des Glücks. Ein wunderbares Gefühl, wenn man den grossen, weiten Sternenhimmel in sich spürt. Und jeder einzelne dieser Sterne leuchtet hell, klar, voller Glitzer.
Eine Art des Glückes - wenn Träume wahr werden und Wünsche in Erfüllung gehen.
Ich möchte berichten von den Glücken rund um das Geschehen in der Klotener "Kolping-Arena". Der Match war sozusagen der Rahmen des Gesamtbildes.

Kommt, ich lade euch ein! Schaut mit mir die einzelnen Bildausschnitte an:

Für mich war der Abend gestern das Aufleben, das Auferstehen einer Zeit ... einer Zeit, die ich vor vielen, vielen Jahren als Teil einer Scheidung und somit völligen Lebensumstellung, als verloren gesehen habe. Es gibt so Vieles das mehr weh tun kann als Schmerzen. Und diese Zeit war so.

Am 01.04.2010 also - es war um 16.30h, ich kann es auf die Minute festmachen - kriegte ich einen Teil meines Lebens zurück. Es wurde mir erst in diesem Moment bewusst. Vor über 7 Jahren stand ich das letzte Mal dort, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal für lange Zeit sein soll.
Kennt ihr das Gefühl, wenn man unvermittelt, von jetzt auf gleich anknüpfen kann ... an der gleichen Stelle, an der damals der Cut war? Das plötzlich der die Zeiten verbindende Knoten nicht mehr sichtbar ist und man tief in sich das Gespür hat, es sei immer so und nie anders gewesen.
Weil es so sein muss.
Das ist eines der Glücke.

Ich sass mit Freunden in einem Car, der mich Richtung Spektakel fuhr. Einer der Freunde mein Weggefährte aus Kinderzeit. Schulfreund. Herzmensch. Der andere treuer Seelenzwilling und unverzichtbarer Teil meines heutigen Lebens. Als er und ich das letzte Mal zusammen an einen Match fuhren, da war er noch jugendlicher Hüpfer im Teenageralter und ich noch keine Sternenzauber.
Ich traf Menschen wieder, die den Weg meines Lebens säumten. Bäume, Blumen an Lebensweg. Wie bunt der Satz :"so schön Dich wieder zu sehen, nach all der Zeit. Du hast uns gefehlt!" ist, wie gut er tut!
Und sie haben mir gefehlt - WIE sehr, habe ich gestern wahrgenommen.
Glück gehabt!

Das Wunderbarste: Zum ersten Mal in meinem Leben war der Mann meines Herzens dabei - wir zusammen an einem Auswärtsmatch, unterstütze mich und meine Mannen auf dem Eis, freute sich mit mir und für uns, war Teil dieses Glücks des Erlebens. Wäre er nicht, hätte mir so viel gefehlt.
Gestern, heute und für immer.
Ein unermesslich grosses Stück Glück.

In Kloten erleben zu dürfen, dass Fans beider Mannschaften gemeinsam ein Spiel zelebrieren können - ohne gegenseitige Hasstiraden, dafür mit viel gemeinsamem Enthusiasmus für diesen genialen Sport, dieses kämpferische Spiel auf höchstem Niveau.
Bei der Eingangskontrolle ein "viel Glück und tollen Match!" vom Gegner hören zu dürfen, gratulierende Hände nach dem Finaleinzug in den eigenen, vor lauter Emotionen zitternden Händen zu spüren, ehrlich gemeinte Gratulationen zu hören ... WOWWH.
Keine Randale, keine Rauchpetarden, keine Schimpfe, kein Neid der Verlierer, keine Häme und Spott vom Sieger - gegenseitige Anerkennung der wirklich hochstehenden Leistung. Und Respekt.
Das hat Lob verdient - und meine sportliche wie menschliche Hochachtung! BRAVO!
Wenn ich an so viele andere Geschichten denke - dann ist auch dies ein Abbild des Wortes "Glück".

Das Glück wird einem manchmal geschenkt, zuweilen ist es eine Fundsache, meist muss man es sich sehr schwer erarbeiten, manchmal kann man es auf seine Seite zwingen. Manche Menschen sind ein ganzes Leben lang auf der Suche danach, die einen verlieren es, anderen wird es gestohlen.
Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt. 


Dass ich dies alles gestern in dieser Fülle, dieser Empfindenstiefe geschenkt bekam, erleben durfte - nahm letzten Samstag den Anfang, als mein Schulfreund vorschlug, zusammen nach Kloten zu fahren. Ich war mir nicht bewusst, dass meine Zusage mir gleichzeitig so viel an Glück eröffnen würde. Erst habe ich nämlich sagen wollen, dass ich doch den ganzen Tag arbeiten müsse, die Zeit momentan eh sehr vollgepackt ist ...

Manchmal sollte man sich einfach spontan einlassen. Zulassen. Nicht nachdenken und abwägen.
Wagen! Es tun!
Nebst dass ich mich darüber freue, bin ich dankbar.
Und gezeigt hat es mir ....

... oftmals liegt das Glück nämlich näher als wir manchmal denken:


IN UNSEREN HÄNDEN

Donnerstag, 1. April 2010

SCHLAFE, MEIN PRINZCHEN, SCHLAF EIN ...

Mein Herzallerliebster, mein Schätzu, mein Katerli ... wie ich, so schiebt auch er seit Tagen ein Schlafmanko vor sich hin.
Die Matchs, die Sommerzeit und die viele Arbeit fordern ihren Tribut. Eine Bringschuld.

Aber statt dass wir bringen, knipsen wir momentan jeder Nacht zu Gunsten des Tages 1, 2 Stunden ab. Weil es einfach nicht anders geht, leider.
Ihr kennt das bestimmt auch - Aufstehen um 5 in der Früh, irgendwann nach Hause kommen ... wenn es gut geht um 19.00h. Steht noch Match, Training, Sitzung oder eine andere wichtige Sache an, dann wird es gut und gerne schnell mal 23.00h.
Da wären dann nebenher noch die Kleinigkeiten im Haushalt zu tun, die Grossigkeiten der Kinder zu berücksichtigen- und uns, uns gibt es ja auch noch.

An einem sozusagen freien Abend kann ich mich dann gut um 21.00 in die Obhut des Sandmännchens begeben. Problemlos. Katerli allerdings, der hat da seine Mühe damit ... er müsse jetzt irgendwie noch "runter kommen". Ich meinerseits muss ehrlich zugeben: nach 4 Nächten à 4 - 5 Stunden Schlaf BIN ich unten angekommen! Hilfe!
"Und überhaupt ... ich will noch was vom Feierabend, so ein bisschen relaxen ... gib mir ein paar Minuten, meine Schöne. Dann komme ich auch ins Bett".

Wenn ich ihn dies sagen höre, dann lächelt es mir unweigerlich. Warum? Ganz einfach ... kommt mal mit! Psssst! Leise ...!

Also - während ich dann schlaftrunken gen Bettgemache wandle, drapiert sich mein Traumprinz auf der Couch in seine präferierte Guck-Position vor den Fernseher. Stützt den müden Lockenkopf auf die rechte Hand und ergibt sich dem Momente.
Ab da kann man rückwärts zählen: 5 ... 4 ... 3 ... 2 ... 1 ... und schon beginnen des Katerchen Augenlider zu flattern. Ein untrügliches Zeichen, dass er bald auf der Milchstrasse am Dunkelblau des Nachthimmels entlang wandeln wird. Im selbstverständlich übertragenen Sinne in Nachthemd und Schlafmütze, das Nachtlicht vor sich hintragend.


Nun aber zurück zu den immer schneller flatternden Äugelein. Das ist Phase 1.
Phase 2 folgt schier übergangslos. Sie kündet sich insofern an, als dass der Mann die Augen nun 5 Sekunden schliesst - um sie danach tellergross aufzureissen, 5 Sekunden regungslos auf den Bildschirm starrend.
Das geht in etwa 20 x in dieser Art.
Phase 3 trägt dann bereits eine gewisse Ruhe in sich. Katerchen hat dann die Augen geschlossen, schnurrt kaum hörbar, seufzt leise, sein schön geschwungener Mund zittert fein. Bewege ich mich aber, oder mache ich den Fernseher leise, dann ist er aber sofort wieder auf Zack! Schaut vorwurfsvoll und tut so, als hätte er nie - nicht eine Sekunde! - es an seiner Aufmerksamkeit fehlen lassen.
Phase 4 ist aus meiner Sicht die unterhaltsamste. Das sonore Schnurren wird abgelöst von nasal-guturalen Lauten, keineswegs unangenehm, eher belustigend. Kann stundenlang dauern. Wird meist von mir ("komm jetzt endlich ins Bett!") oder dem eingeschlafenen Arm ("AUA!") beendet - bzw. unterbrochen. Nur kurz. Ganz kurz.
Er hat dann auch so ein knalliges Zungenschnalzen drauf, verbunden mit aufgeblähten Backen und gekräuselter Nase. Manchmal lächelt er im Schlaf.
Ganz herzig. Ich könnte ewig zuschauen.

Erstaunlich ist für mich immer wieder die Tatsache, dass er in jeder Stellung, an jedem Ort, bei jeder Gelegenheit schlafen kann. An die Wand gelehnt, beim Grillen mit Freunden im Stuhl am Esstisch, am lautesten Hard-Rock-Konzert im Rasen sitzend, in der Oper, im Zirkus, beim Lesen, in einer geselligen Runde, mitten in einem Gespräch, im Zug, beinahe schon am Hockey-Match.
Seine Mam hat mir erzählt, dass er früher oft Freunde zu sich nach Hause eingeladen hat und irgendwann in dieser heiteren Gesellschaft Richtung Sandmännchen abgedüst ist. Einfach so. Mutter konnte sich dann bis in die frühen Morgenstunden um die muntere Schar kümmern.
Das sei immer schon so gewesen. Seit frühester Kindheit ein Schläfer vor dem Herrn.


Nur im Bett - wenn er schlafen soll - da hat er manchmal Mühe. Dreht sich hin und her. Sucht die Milchstrasse.

Einer erkläre mir bitte mein Katerchen.

BITTE!

Mittwoch, 31. März 2010

VOM SCB, VOM SIEG UND DEM DRUMHERUM

Die weniger Eishockey-angefressenen LeserInnen hier, die haben momentan wahrlich ein schweres Leben mit der Sternenzauberfrau.
Ihr verzeiht mir hoffentlich, oder?

Aber wenn ihr jetzt gerade meine heisere Stimme hören würdet, meine glänzenden Äugelein und das leicht debile Dauergrinsen ... ich meine zu wissen, ihr lächelt mit. Trotzdem. Oder deswegen?
Wisst ihr, meine Lieben, mir kribbeln die Handinnenflächen von gestern Abend immer noch. Gestern war nämlich der dritte Halbfinalmatch - und ich habe mitgelebt, mitgefreut, mitgelitten, Blut geschwitzt! Meine Mannen spielten gut, solide, und bodenständig. Haben 3:2 gewonnen und somit den siebten Sieg in Folge eingespielt. Was so viel heisst, als dass uns nur noch ein einziger Sieg zum Erreichen des Finals fehlt.
Jaja, ihr lest richtig: UNS.
Aber damit man mich auch richtig versteht - darauf lege ich Wert: WIR verlieren auch zusammen.

Nach langer, langer Zeit ist mal wieder dieses wunderbare, nicht käufliche, ganz besondere, glückliche, verbindende, sehr ehrliche, begeisterte und begeisternde UNS / WIR zu spüren. Ihr hättet dabei sein müssen, wie die letzten 4 Matchminuten selbst wir auf den Sitzplätzen uns erhoben, ohne Punkt und Komma unsere Mannschaft über die Zeit bis zum Schlusspfiff klatschend zum Sieg trugen.
Ich konnte mich absolut nicht still halten, hüpfte wild (und verfluchte die 3 Deziliter Mineralwasser, welche ich grade eben vorher noch getrunken hatte - das Zeug drückte erbärmlich auf die Blase!), ich kniff in kritischen Sekunden die Augen zu, biss auf die Zähne, beschwörte und bekniete wieder mal alle guten Hockeygeister auf unsere Seite und jubelte erlöst beim Schlusspfiff. Wie man eben nur jubeln kann, wenn man auch die andere Seite der Medaille kennt ...
Es war grandios! In jeder Faser spürbar, wie die Anfeuerungsrufe, das Klatschen, der tobende Lärm einem vibrieren lassen. Ganz besonders im Herzen.
Alleine wenn ich dies jetzt schreibe, krabbelt mir Gänsehaut wie die La-Ola-Welle von oben in den Haarspitzen bis ganz nach unten zum kleinen Zeh und wieder zurück. Mehrfach! Rauf-runter-rauf-runter...

Was solche Momente für ein Emotionsbündel wie mich heissen, mir bedeuten, ist für Insider ein klarer Fall. Gimme five! Allen anderen bleibt oftmals nur das obligate Augenrollen und das sich wundern.
Um der Sache ein bisschen Ausgeglichenheit zu verleihen und für beide Seiten attraktiv zu machen, werde ich euch heute
A) vom Match und
B) vom Geschehen um den Match herum erzählen.
Wo sich über 16'000 Menschen auf relativ engem Raume tummeln, ist nämlich auch gegeben, dass es viel ... nennen wir es: menschliches ... zu beobachten gibt. Und ich liebe es, den Menschen meine Aufmerksamkeit zu schenken!

Nicht aus reiner Schaulustigkeit heraus. Nein. Viel mehr, weil die Spezies Mensch an und für sich so interessant ist, dass ich einen freien Nachmittag ruhig auch mal im Strassencafé irgendwo an der Front mit Blick auf Menschen geniessen kann.
Was es da alles zu erschauen, zu erfahren und zu erahnen gibt - ich könnte Romane schreiben!

Der junge Mann rechts neben mir gestern Abend, meine Mundwinkel kräuseln sich noch immer Richtung Ohren. Ein durchaus netter Mann im zarten Alter von geschätzten 17. Aufgefallen ist er mir das erste Mal, weil er in den falschen Momenten klatschte. Also zum Beispiel, als Kloten ein Tor schoss. Glücklicherweise hatte er da gestern nicht übermässig damit zu tun.
Viel mehr ins Auge fiel mir aber, dass er alle 2 bis 3 Minuten seinen Kopf erst sachte nach hinten in den Nacken legte - um ihn dann mit Schuss nach vorne zu schleudern. Leicht befremdlich. Erst habe ich sorgenvoll gedacht: der arme Junge. Bei näherer Betrachtung aber fiel mir doch die, sagen wir mal, Einzigartigkeit seiner Frisur auf. Ich würde diese folgendermassen beschreiben:
Es sah so aus, als hätte er enorm viel Rückenwind abgekriegt. Zumindest seine Haare. Ich tippe auf orkanartige Windböen, Beaufort-Stärke 12. Sein Stinktierstreifenmässig gefärbter Schopf war nämlich, vom Wirbel ausgehend, derart strikte seitlich, oben, unten, überall rundherum nach vorne gekämmt, irgendwie wohl noch mit Scheibenkitt oder derartigen Materialien in ihrer ... ähh ... Flugrichtung einbetoniert und zusätzlich mit Glanzhaarspray gelackt worden. So sehr, dass sie wohl jeden verirrten Puck hätten abprallen lassen.
Da der Junge sich aber wohl nicht so ganz sicher bezüglich dieser Sache war, ruckte er sein Haupte wie an einem AC/DC-Konzert in schöner Regelmässigkeit nach vorne. Mit Anlauf! Befühlte anschliessend zur Kontrolle die Standhaftigkeit der Haarspitzen und gab sich anschliessend für die nächsten ca. 180 Sekunden mit dem Resultate zufrieden.
Jedem das seine.


Unsere Sitzplätze hätten wir eigentlich gleich hinter der Spielerbank des SCBern. Grundsätzlich sehr informativ -wenn man an Spielerhintern interessiert ist. Sitzen die Spieler, dann wuseln Trainer und Betreuer einem vor der Nase rum und verdecken die Sicht aufs Spielfeld. Passiert was Spannendes auf dem Eis, stehen Alle auf. Ich möchte es nicht verschreien und entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, aber ich kenne - so gesehen - jeden Arsch.
Weil diese Plätze aber leider nicht viel mehr zu bieten haben, sucht man sich dann halt andere. Und 2 freie Sitze finden sich immer irgendwo. Seit Jahr und Tag sitze ich im gleichen Sektor. Ab dem Zeitpunkt, als links über uns der gegnerische Fansektor definiert worden ist, haben wir allerdings ein paar Reihen nach unten gezügelt, ausser Bierbecher-Wurf-Reichweite.
Man duftet nämlich nicht unweigerlich besser danach. Jeder Taxichauffeur würde mich abweisen! Und die Zugkontrolleure werden sich ihre Sache auch denken.

So haben wir denn gestern auch unsere Plätze gefunden - meist ganz links aussen in der Reihe. Was aber bedeutet, dass in der Pause viele Menschen in engem Abstand durch spazieren.
Ich nenne dies gerne "die Duftparade". Vom edlen Parfum bis hin zu "ich dusche 1x im Monat, ob es nötig ist oder nicht", findet sich die gesamte Palette. Einer der Herren gestern Abend war wirklich eindrucksvoll - edel ausgedrückt. Seine Jacke erinnerte an ein uraltes Bärenfell. Eines, das Generationen vor ihm irgendein Vorfahre im hintersten Teil des Estrichs deponiert und vergessen hatte. Das Ausdrucksstarke daran war, dass man vom Geruch her hätte meinen können, das dieses arme Tier zumindest stückweise noch in seinem Felle hängt und langsam verrottet.
Ansonsten finde ich kaum eine anständige Erklärung, welche die intensive Prägnanz seines auffälligen Seins erklären könnte.


Ihr seht, liebe Menschen hier, so ein Hockeymatch hat vielerlei Facetten. Sehr sportliche wie auch sehr menschliche. Es ist und bleibt spannend! In jeder Hinsicht.

Meine kleine Geschichte hier ist nur ein winziger Einblick. Es gäbe noch so viel zu erzählen.
Das werde ich auch tun.

GANZ BESTIMMT!

Dienstag, 30. März 2010

GENERALABONNEMENT FÜR FORTGESCHRITTENE

Immer gegen Ende März ist es soweit - ich muss mein GA erneuern.

Für nicht in der Schweiz lebende BlogleserInnen oder dem öffentlichen Verkehr nicht zugewandte Menschen:
Das GA (General-Abonnement) eröffnet einem in der Schweiz unbeschränkten Fahrspass auf dem ganzen Streckennetz, inkl. Bus, Tram und Schiff. Anrechnung bis zu 50% auf Auslandreisen in die angrenzenden Länder. Grosse Vergünstigungen auf Bergbahnen.
Eine tolle Sache zu einem wirklich guten Preis - die ich wärmstens empfehlen kann.


GA's gibt es in allen möglichen Variationen: Für Einzelpersonen, für Partner, für den Partner vom Partner, für Kinder, für Jugendliche, für Studierende, für Familien, für Hunde, übertragbare GA's und ich weiss nicht was noch alles. Ein Dschungel, durch den manchmal nicht einmal die Angestellten hinter dem Schalter selber blicken.
Wie ich gemerkt habe.

ABSATZ 1)
Vor gut einer Woche habe ich mich nämlich schon mal in die Schlange der Wartenden am Schalter eingereiht und stand dann irgendwann mal vor dem netten Herrn mit der lustigen Igelfrisur. Begonnen habe ich mit dem harmlosen Satz "Guten Tag, ich möchte gerne mein GA verlängern".
Da war noch alles gut. Er lächelte freundlich und machte sich sogleich hilfsbereit ans Werk. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich sagte: "Mein Mann hat auch eines - dann kriege ich wohl das Partner-GA, oder?" - da schaute er schon ein wenig verschüchtert. Als ich dann dem noch eines draufsetzte und anhängte: "Mein Sohn hat das Jugend-GA ... ich habe mir sagen lassen, dass es da nochmals einen anderen Tarif gibt...?" da meinte ich gesehen zu haben, wie die äussersten Spitzen seines Igellooks sich leicht gekringelt haben. Die Gesichthaut einen hellgrünen Touch annahm.
Aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

"Okeee - dann sagen Sie mir mal, wie Sie heissen", liess der Igelmann verlauten.
Meine Antwort: "Ich heisse A.B."
Er: "Und ihr Mann?"
Meine Antwort: "C.D."
Er: "Und ihr Sohn?"
Meine Antwort: "E.F."

Die geneigten Leser merken sofort - das schreit förmlich nach Komplikationen! 3 Menschen, 3 Namen, 3 GA's - ein und derselbe Haushalt. Dem armen Igelmenschen perlten sich die Schweisstropfen auf der Stirn und ich ging davon aus, dass demnächst auch sein Deo den Dienst quittiert.

ER: "Haben Sie denn eine Urkunde, dass ihr Sohn noch bei Ihnen wohnt?" ICH: "Jaaaa ... brauche ich denn sowas? Ich will ja kein neues GA für ihn, sondern für mich. Und dass er bei mir wohnt belegt ja die Tatsache, dass sein GA aufgrund meines GA's zum Spezial-Familien-Tarif angegeben wurde. Damals habe ich ein entsprechendes Formular abgegeben". ER: "Aha". ICH: "Genau".
S T I L L E.

ER: "Können Sie eine Heiratsurkunde vorweisen, die belegt, dass Sie mit Herrn C.D. verheiratete sind?". ICH (in Gedanken) ...: "das und nichts anderes belegen Heiratsurkunden im Allgemeinen...!" ICH (verbal):  "Ja klar. Sie ist allerdings auf Griechisch. Wir haben nämlich auf Rhodos geheiratet. War ganz toll. Und das Wetter so schön *verzücktlächel*". ER: "??!!??".
Den Schweisstropfen gesellten sich jetzt noch unnatürlich gerötete Stellen oberhalb des Hemdkragens hinzu. Er lockerte darauf hin den Kravattenknopf.

ER: "Das ist jetzt ein wenig kompliziert". ICH: "Ah ja? Und was tun wir da?". ER: "Hätten Sie vielleicht eine Übersetzung der Heiratsurkunde?" ICH: "Ja, das Zivilstandesamt hat eine solche". ER: "Dann bringen Sie die mal und dann schauen wir weiter.
ICH (leicht gereizt): "Gut, mache ich. Wenn's sein muss. Aber wie ist das nun genau ... kriege ich das Partner-GA oder das Partner Familia-GA?".
ER (verzweifelt auf den Tasten des Computers rumhämmernd und da irgendwo nach einer Antwort suchend) "Grundsätzlich ja, aber das Jugend-Abo ist an Ihr GA gekoppelt. Weil aber Ihr Mann das Basis-GA hat, geht das wohl nicht."
HÄ?
Sammelte einen Packen Infos für mich zusammen, gab mir den guten Rat alles gründlich durchzulesen, mich schlau zu machen. Und dann mit meinen Erkenntnissen plus übersetzter Heiratsurkunde wieder zu kommen.



Zwischen Absatz 1 und Absatz 2 liegt eine Woche der Erholung.

ABSATZ 2)
Gut. Dieser Tag war dann gestern.
Ich spazierte in die Schalterhalle rein und wurde sofort vom nicht mehr so lustigen Igelmann gesehen. Wäre er sich nicht bewusst gewesen, dass sein Adamsapfel verdächtigst am hüpfen ist - er hätte sich glattweg tot gestellt. Da dies aber angesichts der Masse an Menschen zu auffällig gewesen wäre, stellte er kurzerhand das Schild auf den Tresen: "DIESER SCHALTER IST GESCHLOSSEN. SIE WERDEN GERNE AM NEBENSCHALTER BEDIENT".
Tja.

Dort sass eine ältere, erfahrene, sehr freundliche Dame, welche sich meine Geschichte anhörte. "Nein nein - eine Heiratsurkunde brauche ich nicht. Die Kopie des GA's ihres Mannes reicht mir völlig". Und hinsichtlich des Sohn-GA's wäre es anscheinend das Beste, er wäre gleich mit am Schalter. Aber dann würde es klappen. Bestimmt.
Ich war dankbar, dass wir zumindest keinen Hund haben!

Ich wieder nach Hause, Katerli anrufen und um Zusendung des gescannten GA's bitten, Sohn anrufen und fragen, wann sein Zug ankomme und auch bitten, sich unverzüglich in der Schalterhalle einzufinden.

Die Geschichte erzähle ich nicht im Detail zu Ende.
Nur so viel: Ich bin stolze Besitzerin eines Familia-vergünstigten Partner-GA's und glücklich, diese Irrungen und Wirrungen für ein Jahr hinter mir lassen zu dürfen.
Nächstes Jahr im März 2011 wird es wieder soweit sein.
Ich denke, wir nehmen uns dann interfamiliär gemeinsam einen Tag frei, ich bereite Lunchpakete vor und dann gehen wir geschlossen zum Schalter am Bahnhof. Als Familienausflug deklariert.
Der Igelmann wird sich bestimmt freuen.

Vorhin hat übrigens noch ein Vertreter der SBB angerufen und mir mitgeteilt, dass mir das neue GA sofort zugeschickt werde ... sobald ich ein Passfoto neueren Datums eingereicht habe ...

Hätte ich einen Adamsapfel -

ER WÜRDE JETZT HÜPFEN!

Montag, 29. März 2010

VILLA MIT UMSCHWUNG

Ich wohne in einer grossen Villa - erbaut im altrömischen Stil. Hohe Stukkaturdecken. Viele grosszügige Zimmer. Bäder in allen Varianten. Fitnessraum. Reitstall. Tennisplatz. Grosser Park mit altem Baumbestand und gepflegten Blumenzaubereien.
Da sitzen wir gerne im Sommer ... beim alten Brunnen unter den Linden. Wunderschöner Swimmingpool.
Das Ganze in leicht erhöhter Lage mit Blick auf den See. Tut gut, dieser Ort der Ruhe. Man kommt auch von der luxuriösesten Reise immer wieder gerne nach Hause.
Zum Glück genügend Personal - gut ausgewählt, zuverlässig, diskret.
Viel Geld und Zeit dies alles zu geniessen.
Ein herrliches Leben. Oder?


Meine ehrliche Meinung: Keine Ahnung. 
Alles erstunken und erlogen.

Aber mein Freund Daniel (Stand heute) hatte einfach eine Lektion nötig. Ich mochte ihn nämlich gar nicht (Stand damals).
Es ist schon viele, viele Jahre her, dass ich an den Hockey-Matchs diesen Mann kennengelernt habe. Ein eigentlich im Grunde aufgeschlossener, sympathischer Typ - leider mit dem Hang zum Grössenwahnsinn und zur sogenannten High Society.
Ein kleiner Hochstapler mit grössenwahnsinnigen Ambitionen. Nicht immer - aber viel zu oft! Von Oberflächlichkeiten und Schein liess er sich gerne blenden und seine Entwicklung ging damals irgendwie in die falsche Richtung.

Ich persönlich muss ihm aufgefallen sein, als mich ein Bekannter nach einem der besagten Matchs mit seinem megateuren Designerporsche abgeholt hat. Während mir solche Statussymbole eher gegen den Strich gehen, Äusserlichkeiten wenig bis keine Bedeutung für mich haben und mich das Innere eines Menschen - sein Wesen, sein Sein, sein Charakter interessiert - erlangte ich per sofort die Aufmerksamkeit von Daniel.

Bei einer gemeinsamen, sehr humorvollen Bekannten holte er regelrecht Infos über mich ein und bekam genau das zu hören, was er sich erhofft hatte: Tochter aus bestem Hause, Heirat standesgemäss, stinkreich, beste Gesellschaft.
Ab da suchte er meine Nähe, probierte sich einzubringen, versuchte in diese sogenannt höheren Kreise via meine Person Einlass zu bekommen. "Die muss ich mir warmhalten" - so damals sein Kommentar. Brühwarm an mich weitergeleitet.


Dieses böse Spiel spielte ich mit, ich gab mich höchst versnobt, eingebildet bis zum Abwinken, impertinent, erlaubte mir durch mein Geld vermeintlich alles, was der gute Geschmack grundlegend verbietet. Ich benahm mich etepetete vom Feinsten. Trank Tee nur noch mit abgewinkeltem kleinem Finger und schnäuzte in Nastücher mit handgeklöppeltem Rande. Telefoniert habe ich in seinem Beisein mit der Garde der Prominenz aus Gesellschaft, Politik, Sport, Film und Fernsehen, den Schönen und Reichen ... dass mein Handy dabei stumm blieb, wussten schliesslich nur ich und die Freunde um mich herum. Erzählte nebenbei lachend von exorbitanten Verlusten im Casino und wo genau mir das vorbeigeht.
Ich mimte die protzige, reiche Kotzbrocken-Lady durch und durch.
Und er - er liess sämtliche Eskapaden durchgehen, biederte sich an, frass mir aus der Hand.
Die Herausforderung, diesem jungen Mann den Spiegel vorzuhalten und Diverses ins rechte Licht zu rücken ... ja, ich nahm sie gerne an.

Über mehrere Wochen liess ich dieses Bild so stehen und spielte die Rolle der Grande Dame. Irgendwann mal gab ich ihm dann meine Telefonnummer, habe ihn zu einem Dinner eingeladen - vergass selbstverständlich nicht zu bemerken, dass unser Butler James heisst und er, Daniel, sich dann einfach mit mir verbinden lassen solle. "... und bitte rufe 3 Tage im Voraus an, damit wir Dich verbindlich auf die Gästeliste setzen können. Es gibt übrigens köstlichen Kaviar - und später Hummer!".

Daniel rief auch zuverlässig an. Mein damaliger Mann nahm den Anruf entgegen und war sehr erstaunt, "James" genannt zu werden.
Ich liess Daniel gegenüber verlauten, dass unser Chauffeur ihn abholt und ihn zum Event in unsere Villa fahren wird. Daniel war äusserts beeindruckt, gebauchpinselt und stolz, dass er endlich den Einstieg in die höchsten Höhen der Gesellschaft schien geschafft zu haben.

Und genau DAS ist der Haken am Schein!

Abgeholt habe ich Daniel letztendlich mit meiner blauen Vespa. Fuhr ihn damit zum Grillplatz vor unsere stinknormale 4 1/2-Zimmerwohnung. Und bevor Schnitzel mit Kartoffelsalat serviert wurde, fand eine laute, emotional geführte, schwierige, nötige Diskussion statt.
Über Werte, Wertung und Wertschätzung. Über Geld und über Menschen.


Die Enttarnung war vollumfänglich.
Vor allem die Seine. Meine aber auch.
Das Schöne: er hat kapiert!

Wir lachen noch heute darüber.


SEITHER SIND WIR WIRKLICH FREUNDE

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