Erst einmal: BIENVENIDO
LEOVI! Herzlich Willkommen im Geschichtenhimmel. Fühle Dich wohl, hab Spass. Schön bist du da - ich freue mich! Sehr!
Und nun zum heutigen Morgen mit der wichtigen Durchsage ...
... wenn der Montagmorgen mit genau dieser Ansage am Bahnhof aufwartet, dann verheisst dies in den seltensten Fällen Erfreuliches.
Heute war das so. Genau so!
Und das sogar in der
verschärften Variante.
Jeder Benutzer des 06.33h Zuges ab Thun nach Bern spitzt die Ohren, wenn die Bahnhofslautsprecher zu knarren beginnen.
"Werte Bahnkunden, der Zug 06.33h nach Olten, Basel, Karlsruhe, Berlin verkehrt heute ausserordentlich auf Gleis 2 statt 3, Abfahrt ausserordentlich 06.36h". Was die Bahnhofslautsprecherknarrdame uns Reisenden aber unterschlug, war die nicht unwesentliche Tatsache, dass der 06.33er vollständig ausgefallen ist und somit der 06.36er alle Passagiere aufzunehmen hat.
Hätte ich das nämlich gewusst, so hätte ich mich entsprechend mit metallenen
Ellbogen-Schubs-Protektoren, gefährlichen
Pass-Auf-Zacken und
Tut-Weh-Spitzen für Schuhe, Po, Kniekehlen und andere Weichteile ausgerüstet. Sowie einem Riechsalzflacon oder Nasenklemmer.
Warum das alles wollt ihr wissen?
Hier die Erklärung meinerseits:
Beide Züge sind jeden Morgen derart ausgelastet, dass die Einsteigezeremonie schier jeden Morgen in einen meist nonverbalen
"Wer ist der/die Schneller/e"-Kampf ausartet. Wer das Glück hat, seine Einsteigepostion nahe einer Türe gefunden zu haben, setzt schon mal das siegessichere Winnerlächeln auf.
Pech, wenn die Türverriegelung wieder mal klemmt.
Dann kann es vorkommen, dass das Nonverbale in ausserordentlich Verbales ausartet. Sehr verbal, lasst euch das von mir, langjähriger 06.33er-Bahnfahrerin, gesagt sein.
Da höre ich manchmal Worte, die selbst ich noch nicht kenne. Diverse Kraftausdrücke kann ich mittlerweilen fliessend in mehreren Sprachen fehlerfrei spontan aussprechen.
Aber da wir hier ein anständiger Blog sind, verkneife ich mir sämtliche Kostproben.
Der Zug fuhr also ein ... bereits gefüllt - mit Leuten aller Couleur - bis zum Anschlag. Heute waren besonders viele Menschen mit Koffern dabei. Herbstferienbeginn. Der 06.36er ist der direkte Zug zum Flughafen Zürich. Bingo! Sehr frequentiert.
Meine Ausgangslage war auf Perron Reihe 2, ich kletterte - für mein Fitnesslevel erstaunlich flink - über 4 Koffer, 1 Kinderwagen, 3 Kleinkinder und fand mich zwischen 2 Waggons und vor einer Klotüre wieder. Weder ein Vor noch ein Zurück war möglich.
Als erstes vermischten sich schon mal die verschiedenen Duftrichtungen. Von exzellent bis zum wortwörtlich zu nehmenden Eau de Toilette Marke WÜRG, hatte man alles in der Nase. Es schubberten sich infolge der Enge Körperteile an mir ... an einem normalen Tag würde ich nebst grösster Empörung im Zweifelsfalle auch Zuflucht zu einer Ohrfeige nehmen. Aber heute war eben Ausnahmezustand und erinnerte sehr stark an Sardinenbüchse. Da tut man so, als würde man(n) und frau nichts merken.
Aber den baumlangen Herrn seitlich hinter mir musste ich dann doch bitten, mir zumindest die Aktentasche nicht derart in die Kniekehlen zu drücken. Ich fühlte mich nämlich ausserordentlich instabil.
So richtig lustig wurde es dann aber, als der äusserst beleibte Zugschaffner sich aufgeregt schwitzend durch die Menschenmenge drängte. Hätte er auch nur einen Pieps von
"Billette bitte" zu sagen gewagt, ich hätte keinen Cent mehr auf sein Leben verwettet. Er erklärte aber präventiv, dass eine Dame in nächsten Wagen einen Schwächeanfall erlitten habe und sofort Hilfe brauche.
Ok ... wenn es so ist.
Ich zog den Bauch ein, drückte mein gesamtes Ich an die Klotüre, machte mich klein und liess den Herrn sich durchquetschen. Nichts ausser meinen Augen war in diesem Moment noch funktionsfähig und zu einer Bewegung imstande ... aber genau diese Augen sahen mein Gesicht sich in der Glasschiebetüre spiegeln. Ein Bild für Götter! Die eingeklemmten, verzogenen, an die Klotüre gepressten Gesichtszüge erinnerten vage an Zerrspiegelbilder vom Jahrmarkt.
Dann endlich die Durchsage:
"Hauptbahnhof Bern"! Kollektives Aufatmen. Gewagter Hürdenlauf zum Ausgang. Endlich Frischluft! Endlich Platz!
Vielleicht sollte ich jetzt anfügen, dass "mein" Tram Nr. 3 infolge Geleisearbeiten für 3 Wochen stillgelegt ist und eine Ersatzstrecke mit Ersatzbus gefahren wird. Nicht so regelmässig wie das Tram. Menschentrauben bei der Haltestelle Hirschengraben.
Ich will euch ja nicht schon wieder mit detaillierten Einzelheiten langweilen und schier nochmals wiederholen, was sich im Zug abgespielt hat. Weil es sich wie im Zug abgespielt hat!
Nein, das will ich nicht.
ABER ICH KÖNNTE!