Heute war ein guter Tag, ein richtig guter Tag.
Fazit der letzten 24 Stunden: Auf hochgerechnet 2 Stunden traurig sein, kommen 22 Stunden Erholung, Genuss, guter Schlaf und sogar Lachen.
Ich finde das doch bemerkenswert. Es geht mir hier besser als erwartet.
Ich habe ja nun also seit heute Morgen so ein Quadding - ein 4-räderiges Ungetüm auf dem ich eine äusserst imposante Gestalt abgebe. Meiner Meinung nach. Bis vor 2 Stunden hatte ich einen in Gelb, jetzt habe ich einen in Rot - der hat nun auch 2 Spiegel, nicht mehr nur den Einen auf der rechten Seite und sogar auch Licht! Mag sein, dass ich die Angewohnheit aus der guten, durch regulierten Schweiz mitgebracht habe, aber da fährt man auch tagsüber mit Licht. Aus Sicherheitsgründen. Nun ja, ob es dies auf dieser hellen, sonnendurchfluteten Insel wirklich braucht ... es bleibe dahin gestellt. Und meist wird man eh von hinten überrollt. Aber trotzdem, mir ist irgendwie wohler so.
Gemerkt habe ich, dass man mit so einem Quad gaaaanz langsam in die Kurven muss. Das Ding hat irgendwie einen ganz komischen Schwerpunkt, jedenfalls fährt man ganz schnell mal auf nur 2 Rädern - und das macht keinen Spass. So krieche ich nun dermassen gebremst um jede Ecke, jede Schnecke würde man im Vergleich zu mir als Drängler empfinden. Aber sicher ist sicher - sagt die Dame aus der Schweiz. So ganz typisch.
Und was ich noch festgestellt habe - so ein Quad ...unter uns Damen hinter vorgehaltener Hand gesagt ... ist nix anderes als ein überdimensionaler Vibrator mit 50 PS. Echt jetzt. Nicht nur ... ähhhm ... nein, sogar am ganzen Körper. Aber so was von, dass mir auf der Stecke zwischen Kolymbia und Haraki (das sind vielleicht 10km?) die Hände eingeschlafen sind! Kein Scherz! Man hat das Gefühl, einen Presslufthammer zu führen.
Für eine alleinreisende Frau im kritischen Alter und mit mittelschwerem Seelentief ergo gerade richtig!
Falls man mich also des Nachts in Kolymbia herumkurven hört - ihr wisst jetzt warum. Ein Quad ist so gesehen ein sicheres Verkehrsmittel. Aber nur so gesehen! Also mehr zwischenmenschlich denn verkehrstechnisch. Ok?
Ich war also in Haraki. Im schönsten und besten Restaurant das es gibt. Mit den nettesten, liebsten Menschen. Da waren wir nämlich im letzten Jahr ... am Abend unserer Heirat. Also morgen vor einem Jahr.
Ich musste dahin. Und hatte gleichzeitig Angst davor. Wie es wohl wird ... so ohne den Kater-Schätzu? Und es wurde gut! Ich kam die Treppe runter, als mir schon der erste Kellner freudig fuchtelnd um den Hals fiel. Nach weiteren 10 Minuten Begrüssung, 1'000 Fragen, 100 Umarmungen und ein paar Tränen, wurde mir mein Lieblingsgericht gekocht. Serviert mit allen guten Wünschen. Ach ...
Ich genoss es, sehr. Geniesst mal kurz mit mir:
Morgen Abend - am 09.09.2010 um 20.00h habe ich einen Tisch bestellt. Für mich und 2 liebe Freunde. Alexandra lernte ich letztes Jahr über Internet kennen - sie war unsere Hochzeitsplanerin vor Ort und hat alles perfekt organisiert, war bei der Trauung dabei und übersetzte.
Via all die Mails ist sie mir / uns zu einer wunderbaren Freundin geworden. Dies wurde dann hier auf Rhodos nur noch bestätigt. So ist es mir eine Freude, mit ihr und ihrem Mann morgen Abend meinen ersten Hochzeitstag zu feiern. Verbunden im Herzen mit meinem Schatz in der Schweiz.
Die Angst ist wie weg geblasen - umso stärker das gute Gefühl. Meine Seele legt sich hier auf Rhodos in den warmen Sand und heilt, das ist spürbar. Und tut so gut.
Heute habe ich zum ersten Mal wieder im Meer geplanscht. Für die unter euch, die nur bis zum Bauch rein wollen, bin ich nur bis zum Bauch reingegangen. Für alle anderen bin ich ganz weit raus geschwommen. So wie immer. Bis man nur noch das Meer hört und sonst nichts.
Nirgend wo kann ich so frei sein wie weit draussen im Meer. Er streichelt mich, umspült mich und passt auf mich auf.
Meinem Shoppingtrieb habe ich natürlich auch freien Lauf gelassen und 2 schöne Taschen gekauft. Die passen zu mir - ich freue mich!
Und nach dem Schwimmen habe ich mir einen Café Frappé gegönnt, im Buch gelesen und den Nachmittag ausklingen lassen. Dann unter die Dusche und schon war wieder Zeit fürs Abendessen.
Da wird hier immer ganz geschaut, dass ich den Teller schön leer mache. Tina und ihre Familie haben mir erklärt, dass sie mich erst ganz gesund und ganz erholt wieder gehen lassen. Sie behandeln mich wie ein waidwundes Familienmitglied - so lieb!
Schätzu und ich telefonieren und SMSlen wie wild. Phuuu! Das wird teuer. Aber das ist es uns wert! Allemal!
So, dies wäre mein Bericht zum Abend.
Ich bereue meinen Entschluss nicht, die Ferien ... wenn auch alleine ... angetreten zu haben. Im Gegenteil. Es geht mir besser als erwartet. Das ist erstaunlich und doch genau das, was mir so viele Menschen voraus gesagt haben.
Bin froh, habe ich geglaubt und vertraut.
Nun schlaft gut, ihr da weit weg.
Morgen gehen wir wieder zusammen schwimmen. Seid ihr dabei?
JA?