Diesen Satz muss ich jetzt so lange schreiben, bis ich ihn verstehe.
Das muss ich mir zu Herzen nehmen. Ab heute gilt es nämlich ernst.
Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Ich sehe eure fragenden Gesichtern ... lest selber:
Die schöne Seite der Medaille: Wir haben es wirklich geschafft - und ich kann strahlen, staunen und mich freuen. Unser Balkon ist nämlich jetzt endgültig aus dem Winterschlafe erwacht - Schätzu und ich haben den gestrigen Tag genutzt um klar Schiff zu machen. Wir entsorgten in den Morgenstunden gefühlt tonnenweise alte Erde, erfrorene Wurzelstöcke und viel an "BrauchIchNichtMehr". Natürlich habe ich auch Etliches an "DasKannManAberNochPrimaBrauchen!" gegen des Liebsten Willen verteidigt. Er sagt dem abschätzig "Schischi-Zeugs"! Mann! Ich nenne sie liebevoll "Kleinode".
Ab Mittag haben wir Balkonerde, Kräutererde, Tomatenerde, Tonkügelchen, Düngerkegel, Düngerkügelchen, flüssigen Dünger, neue Gartenhandschuhe, Schäufelchen, Eintopf- / Schneid- / Ausreiss- / Auflocker- und andere ganz dringend benötigte Gartenhelfer hochgeschleppt, auf dem grossen Holztisch ausgebreitet und losgelegt. Aber sowas von! Ich buddelte, was das Zeug hielt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ich ehrenhalber in die Gilde der Maulwürfe aufgenommen werde!
Topfte ein, topfte um, fügte zusammen was zusammen gehört, wählte das optimalste Plätzchen, wässerte kräftig, düngte mit Mass und wies Schätzu an, die schweren Töpfe, Kübel und Kästen dorthin zu schleppen, wo mein Life-Style-Auge es künftig gerne gesehen haben möchte.
Nebst Blumen in allen Farben und Düften, sind wir jetzt stolze Besitzer eines exklusiven Kräutergartens. Ich hätte vielleicht besser mitfahren sollen und meinem Gebieter nicht die Qual der Kräuterwahl überlassen sollen. Er hat sich nämlich keineswegs gequält, hat schon gar nicht gewählt - sondern genommen. Einfach eingepackt! Von jedem 2 Stück! Nebst dem obligaten Schnittlauch und dem unverzichtbaren Basilikum, haben wir glatte Petersilie, krause Petersilie, roten Basilikum, Currykraut, Thymian, Majoran, Oregano, Zitronenmelisse, marokkanische Pfefferminze, Rosmarin und Maggikraut. Ja, es duftet herrlich. Und ja - sind echt tolle Kräuter. Und ja, die brauchen regelmässig Wasser.
Zu den Kräuterkindern haben wir noch wie folgt adoptiert: Das bereits erwähnte Olivenbäumchen, einen Haselstrauch, 2 x Cherrytomaten und wie gesagt Blumen in allen Farben.
15 zu bewirtschaftende Einheiten in allen möglichen Grössen. Und wenn ich Eines mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiss ... es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange! Ich kenne meinen Schätzu. Wenn der mal angerollt ist, aber holla die Waldfee!
Mir macht es so langsam Angst!
Wisst ihr, meine lieben Blog-Frauen und Blog-Männer - ich muss an dieser Stelle ein Geständnis machen und mich wieder mal outen. Ich beherberge in mir einen gartentechnischen Abgrund. Nicht, dass ich es nicht mögen würde ... alles war grünt und blüht finde ich zauberhaft, genial, wunderschön! Ich kann mich kaum satt sehen an der Pracht, den Düften, den Bildern. Ich liebe Blumen, Sträucher, Bäume, Kräuter, Wiesen.
UND Gärtner.
Nicht, weil die so tolle, grüne Gummistiefel haben - nein, weil die haben, was ich nicht habe: einen grünen Daumen.
Und hier kommen wir zur Kehrseite der Medaille: Könnten all diese Dinge mit Wurzeln um Hilfe schreien - sie würden es in meiner Gegenwart tun. Ich bin meinen Blumen-, Sträucher- und Gewürzkindern keine gute Mutter. Ich hab viel zu wenig Zeit für sie. Sie verzeihen mir aber auch gar nix! Nach meinem Verständnis müsste es doch machbar sein, dass ich 1 x in der Woche tüchtigst giesse ... und die anderen 6 Tage meine Gartenkinder sich genüsslich am Wasser laben. Aber nein! Die sind ja wie richtig Babys! Wollen regelmässig gefüttert werden. Betüddelt werden. Wasser, Dünger, Liebe.
Wenn ich da an meine Oma denke - die hat stundenlang hier gegossen, da gegossen, zupfte liebevoll an den Stängelchen, Blättchen und sprach mit jeder Blüte. Am Ende des Tages wurde noch gesungen - für die Blümelein. Und was war? Ihr Dachgarten war über und über mit dem buntesten Bunt das man sich nur vorstellen kann bewachsen. Ich meine als Kind gehört zu haben, dass das Grünzeug Arien jubelte, kam meine Oma auch nur in die Nähe der Blumenpracht.
Ganz im Gegensatz zu mir: Kurz bevor wir uns um 06.00h auf den Arbeitsweg machen, schütte ich in Eile Wasser über alles was annähernd die Farbe grün-bunt hat. Dünger alle paar Tage, oder auch nicht - Handgelenk mal Pi. Kommen wir am Abend nach 19.00 heim, hängen die Tomatenstauden schon wieder schlaff in ihren Kübeln und die andern Blütenkinder schauen mich an Sommertagen auch sehr vorwurfsvoll an. Soweit sie denn noch ihre Blüten-Gesichtchen heben können.
Stiefmütterchen kommen mir des Frühlings deshalb schon nicht ins Haus, weil die so böse, verkniffene Gesichtlein haben! Jawoll.
Wo war ich gleich ... eben ... da kommt man nach Hause und will erst mal Ruhe. Oder weg. Oder hat zu tun. Wehe, man "vergisst" dann das Bewässern .... dann wird das bunte Grün alles sofort so knusprig, bräunlich, unansehnlich. Haben die Blättchen dann schon braune Stellen, probiere ich mir einzureden, dass es bloss Sommersprossen sind. Und solche liebe ich heiss und innig! Hab ja selber jede Menge! Irgendwie glauben die Pflanzen mir das aber nicht und welken vor sich hin. Sofort schütte ich dann eimerweise Wasser darüber - und ersäufe sie schier. Sie mögen mich nicht.
Ganz im Gegensatz zu Blattläusen, Milben, Larven und sonstiges Ungeziefer alles Gattungen jeden Stadiums, pelzige Stängel die eigentlich grün sein sollten - solch Zeug ziehe ich förmlich an! Die tanzen Samba, hören sie meinen Namen!
So mancher Mord eines ehemals blühenden Teils geht auf meine Kosten. Ich murkse - wenn auch ungewollt - die schönste Blume in Rekordtempo ab. Ich pflege Zitronenbäume zu Tode. Wässere selbst den anspruchslosen Bambus ins Jenseits. Nicht mal ein Kaktus hält es mit mir aus.
Und vorgestern - das war echt ein prägendes Erlebnis - wollte ich aus den deutschen Landen ein paar Kräuter mitnehmen. Wir waren grad so in einem wunderschönen Gartencenter. Doch was finde ich? Lauter mickrige, kaputte Überreste. Da frage ich mich allen Ernstes: Hat sich meine Anwesenheit herumgesprochen? Massensuizid?
Dabei gebe ich ihnen sogar Namen, um mich selber ein bisschen zu pushen. Es ist definitiv ein anderes Gefühl, lässt man die zwar wunderschöne Kletterrebe mit den weiss/rosa Blüten verdorren - oder man meuchelt Eleonora ins Nirvana. Aber auch das nützt nix, Eleonora erliegt mir - beziehungsweise wegen mir - letztendlich doch, trotz aller Liebe.
Ungern erinnere ich mich an meinen Lieblingskaktus Fritzchen. Erst wuchs er prachtvoll vor sich hin, dann hatte ich Liebekummer. Und keinen Gedanken mehr an Fritzchen übrig, geschweige denn einen Tropfen Wasser. Und ich hatte lange Liebeskummer. Zu lange für Fritzchen.
In Gedenken an Fritzchen, den Tapferen - er ruhe in Frieden.
Ich habe deshalb gerade einen Entschluss gefasst: Wenn ich mal im Lotto gewinne, eine verschollene reiche Tante beerbe oder mein Blog zu populär wird wie der Rowling ihr Potter Harry, dann leiste ich mir einen tollen Garten mit allem drum und dran.
Und einen guten Gärtner. Den besten!
WEIL DAS LEBEN SAFT BRAUCHT!